Blutnacht von Wöhrden
Als Blutnacht von Wöhrden wird von den Nationalsozialisten ein blutiger Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten am 7. März 1929 im Dithmarscher Dorf Wöhrden bezeichnet. Der Zusammenstoß forderte drei Tote. Durch seine propagandistische Aufbereitung, vor allem durch die NSDAP, erlangte er deutschlandweite Bekanntheit.Ablauf
Die Auseinandersetzungen begannen im Anschluss an eine verbotene Veranstaltung der NSDAP im damals sozialistisch geprägten Dorf Wöhrden. Der hannoversche SA-Oberführer Karl Dinklage wollte zum Auftakt einer Propagandawoche an der Westküste die Dithmarscher SA inspizieren. Nachdem es bereits in den Wochen vor der Veranstaltung mehrfach Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Nazis gab, wurde die Versammlung der SA verboten. Die NSDAP ignorierte das Verbot und erklärte sie daraufhin zur geschlossenen Mitgliederversammlung. Trotz des in den Zeitungen veröffentlichten Verbotes versammelten sich SA-Formationen aus ganz Dithmarschen in und vor zwei Gaststätten im Ort.
Ungefähr 200 SA-Leute trafen auf die später eintreffenden ca. 200 kommunistischen Gegendemonstranten. Nach verbalen Auseinandersetzungen kam es schließlich zur Schlägerei mit Gummiknüppeln, Stahlstücken, Messern und Dolchen. Zwei Nazis und ein Kommunist starben, acht Beteiligte wurden schwer- und viele weitere leichtverletzt im Krankenhaus behandelt.
Als Folge wurden in der ganzen Provinz Schleswig-Holstein alle öffentlichen Umzüge verboten. Kurz darauf wurde das Verbot auch auf Hamburg ausgedehnt.
Propaganda
Neben der Berichterstattung in den überregionalen Medien versuchten KPD und vor allem die NSDAP den Vorfall propagandistisch auszuschlachten. Die Nationalsozialisten inszenierten die Begräbnisse zu Bekenntnisdemonstrationen politischen Märtyrertums mit mehreren tausend Teilnehmern. Im Vergleich zu den nationalsozialistischen Anstrengungen blieb die kommunistische Demonstration anlässlich der Beerdigung des Kommunisten Stürzebecher in Wöhrden bescheiden. Adolf Hitler reiste nach Dithmarschen zur Beerdigung der Nationalsozialisten in St. Annen und Albersdorf, Joseph Goebbels nannte die Toten: "Blutzeugen für die Gottesdienste unserer politischen Arbeit".
Die Bezeichnung der Ereignisse als "Blutnacht von Wöhrden" stammt von einer Nazi-Broschüre, die noch im März 1929 in einer Auflage von 30 000 Exemplaren erschien und zu der Hitler das Vorwort schrieb.
Nach den Ereignissen hatte die NSDAP in Dithmarschen den politischen Durchbruch geschafft. Bereits vier Jahre vor der "Machtergreifung" in Deutschland wurde sie die dominierende politische Kraft in der Region. Straßenschlachten nahmen nach diesem Vorfall den Status der Normalität an.
Literatur
* Ulrich Pfeil: Vom Kaiserreich ins "Dritte Reich". Heide 1890-1933. Heide 1997. Zugleich Dissertation Universität Hamburg.
Marie-Elisabeth Rehn: Heider Gottsleider - Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz, Erstauflage Basel 1992, neu aufgelegt 2005, Verlag Pro Business Berlin, ISBN 3-939000-31-0
* Willy Schulz: Die Machtübertragung an die Nationalsozialisten in Meldorf, Heide 1986, ISBN 3-8042-0343-4

