Blutfahne
Blutfahne nannten ursprünglich die Landsknechte im ausgehenden Mittelalter das Banner, unter dem der verlorene_Haufen eines Regiments kämpfte.Der Begriff Blutfahne wurde später als offizielle Bezeichnung für jenes Exemplar einer Hakenkreuzfahne gewählt, das beim versuchten Hitler-Putsch gegen die Reichsregierung, dem von den Nationalsozialisten so genannten Marsch auf die Feldherrnhalle in München am 9. November 1923, von den Anhängern Hitlers mitgeführt wurde. Sie wurde zum Kultgegenstand der NSDAP gemacht.
In Folge eines Schießbefehls der bayerischen Polizei gab es 16 Tote unter Hitlers Anhängern. Unter anderem wurde auch der Fahnenträger und SA-Mann Andreas Bauriedl erschossen. Sein Blut spritzte auf die Fahne. Diese wurde im Anschluss an die Tumulte vom Münchner Polizeipräsidenten beschlagnahmt und sichergestellt. Nachdem Hitler infolge einer Amnestie aus der Haft entlassen worden war, übergab man die Fahne wieder den Nationalsozialisten.
Am 9. November 1926 wurde das Originalfahnentuch an eine neue Stange angebracht und mit einer besonderen Fahnenspitze versehen. Die Blutfahne wurde dem "SS-Sturm 1" der 1. SS-Standarte (München) überreicht und dieser zur Verwahrung anvertraut. Bei sämtlichen Zeremonien und Paraden wurde die Blutfahne grundsätzlich von Jakob Grimminger getragen, der Teilnehmer am Münchner Putsch vom 9. November 1923 war und zuletzt mit dem Dienstgrad eines "SS-Standartenführers" zum offiziellen Träger der Blutfahne ernannt wurde. Grimminger starb am 28. Januar 1969 in München.
Mit der Blutfahne wurden in Anlehnung an mittelalterliche Traditionen ab 1926 auf allen Parteitagen durch Berührung alle Parteifahnen und SS-Standarten ?geweiht?: Blutfahne (oder Blutbanner) hieß im Mittelalter die Fahne, bei der die mit dem Blutbann verknüpften Reichslehen verliehen wurden. Ihr Zeichen wurde mehrfach in die Wappen aufgenommen und hieß dort dann Regalienfeld. Die historischen Blutfahnen waren regelmäßig rot (die Reichsfarbe) gefärbt.
Die Blutfahne wurde zum letzten Mal in der Öffentlichkeit bei der Beisetzung von Adolf_Wagner, dem Gauleiter von München-Oberbayern im April 1944 gesehen. Sie wurde danach in das Hauptquartier der NSDAP (Braunes Haus) in München verbracht und ist dort höchstwahrscheinlich bei einem alliierten Bombenangriff auf München vernichtet worden.
Literatur
*Davis, McGregor: Flags of the Third Reich: Party & Police Units, Osprey, London, 1994
*Liebe, Georg: Soldat und Waffenhandwerk, Leipzig 1899
Links
Bernhard Schäfer, Blutfahne der NSDAP, in: [http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44343 Historisches Lexikon Bayerns]

