Haarfärbung
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, die Haarfarbe zu verändern: die physikalische Farbveränderung und die chemische.Physikalische Farbveränderung
Diese Methode der Farbveränderung ist semipermanent, es verändert nicht das Naturpigment, man bedient sich sogenannter direktziehender Farbstoffe. Da die Farbe nicht in den Cortex des Haares eindringen kann, lagern sich die Farbstoffe nur an der Cuticula an. Daher hält diese Art der Farbveränderung nur bis zu ca. maximal 12 Haarwäschen.
Die Pigmente in den so genannten Direktziehern sind kationaktiv. Durch die elektrisch positive Ladung (kationisch) der Farbe kann sie sich an die negativ geladenen (anionisch) Haare anlagern. Je poröser das Haar ist, umso intensiver legt sich die Farbe an dieser Stelle an und kann so weiter in den Cortex vordringen. Permanente oder aufhellende Ergebnisse sind mit dieser Methode jedoch nicht zu erzielen.
Des Weiteren kann man Pflanzenfarben zu den semipermanenten Farbveränderungen zählen. Bei der Pflanzenfarbe entfallen weitest gehend chemische Zusätze, die Haltbarkeit auf dem Haar ist daher auch eingeschränkt. Da es keine "Färbung" im eigentlichen Sinne ist, sind Hellerfärbungen nicht möglich.
Mit Planzenfarbe gefärbtes Haar mit permanenten Haarfarben zu färben ist unratsam.
Unter die Kategorie "Direktziehende Farbstoffe" fallen folgende weitere Produkte:
*Farbfestiger und Farbfönlotionen
**Trägermasse: Alkohol; Verwendung: nach dem Haarewaschen Haar abdrücken, mit angefeuchteter Watte partienweise auftragen
*Farbfönschäume
**Trägermasse: Alkoholschaum;
Verwendung: nach dem Haarewaschen Haar abdrücken, mit Bürste partienweise auf das abgeteilte Haar auftragen
**Trägermasse: PVP/VA Copolymere, Pflegestoffe;
Verwendung: mengenmäßig gleichmäßig auftragen - nach Einwirkzeit ausspülen
*Farbspülung
**Trägermasse: kationische Pflegestoffe;
Verwendung: nach dem Haarewaschen Haar abdrücken, mit Wasser verdünnt über das Haar gießen.
*Farbgel/Farbcreme
Trägermasse: kationisches Gel auf Pflegestoffbasis;
Verwendung: mengenmäßig gleichmäßig auftragen - trocknen lassen
Chemische Farbveränderung
Für eine dauerhafte Farbveränderung stehen dem Friseur zwei unterschiedliche Methoden zur Verfügung: die Blondierung und die oxidative Färbung.
Ein Produkt, welches bei beiden Arbeitsvorgängen benötigt wird, ist das H2O2 (Wasserstoffperoxyd). Bedingt durch die Zugabe von H2O2 kommt es im Haar zu einem oxydativen Prozess, Sauerstoff wird angelagert und verändert die Farbwirkung der Pigmente.
Da die chemische Farbveränderung außer bei einer Blondierung additiv ist, also Farbstoffe angelagert werden, ist eine gezielte Färbung von bereits chemisch gefärbten Haar nicht mehr möglich.
H2O2 wird aufgrund der Reaktionsfreudigkeit des Sauerstoffs genutzt, um Haare färben zu können. Dem Friseur stehen folgende H2O2-Konzentrationen zur Verfügung:
*1,9%: leicht aufhellende Wirkung von 0,5 bis 1 Nuance in Verbindung mit Blondierung, sonst Ton-in-Ton Färbungen
*3%: sehr gut anwendbar bei Tönungen, Aufhellung bis zu 2 Nuancen bei Blondierung möglich
*6%: Permanentfärbung und Aufhellung mit Blondierung bis zu vier Tönen
*9%: Permanentfärbung aufhellend bis 2 Töne und Aufhellung von 4 bis 6 Tönen mit Blondierung
*12% Permanentfärbung aufhellend bis 4 Töne und Aufhellung von 4 bis 7 Tönen mit Blondierung
*18% nicht sinnvoll und notwendig, darf nicht auf Kopfhaut gelangen.
Jedoch ist H2O2 nicht alleine für den Schädigungsgrad der Haare verantwortlich!
Inhaltsstoffe
1. Farbvorstufen
Dieses sind unentwickelte Pigemente, die aufgrund ihrer geringen molekularen Größe sehr gut ins Haar vordringen können und damit eine regelmässige Anfärbung erreichen.
Erst durch die Zugabe von H2O2 wird der oxydative Vorgang ausgelöst. Durch den aktiven Sauerstoff blähen sich die Pigmente auf, die Farbe wird sichtbar. Da sich dieser Farbstoff überproportional ausdehnt kann er sich im Cortex des Haares festhalten. Nur wenn eine Haarfarbe Farbvorstufen enthält, kann weißes Haar zu 100 % abgedeckt werden.
Grundsätzlich gibt es nur 2 Gruppen von Farbvorstufen, diese sind jedoch beide in jedem Naturton in unterschiedlichen Mengen enthalten.
*Gruppe 1=braun-schwarz
*Gruppe 2=gelb-grün
2. Nuanceure
Nuanceure sind teils entwickelte oder anoxydierte Farbbildner, welche einer Farbe eine bestimmte Richtung geben. Alle Farbstoffe werden aus verschiedenen chemischen Grundstoffen hergestellt und haltbar gemacht.
Der strukturelle Aufbau der Haarfarbe ist teilweise sehr kompliziert. Das Farbmolekül Rot ist sehr groß; dagegen ist Grün sehr klein und kann daher leicht ins Haar eindringen. Darin erklärt sich auch, weshalb Rot am besten zum vorpigmentieren zu gebrauchen ist, da es alle Strukturschäden ausfüllen kann bzw. die "Löcher" im Haar ausfüllt, um ein gleichmässiges Farbergebnis zu erzielen. Diese Technik wird bei Dunklerfärbungen bei blondiertem Haar empfohlen, um den gefürchteten "Grünstich" zu verhindern.
3. Alkalien
In allen Haarfarben wird als Alkalisator Ammoniak oder ähnliche Stoffe verwendet (Toluene, Diamine, Resorcinol u.v.a.). Dabei sind Menge und pH-Wert unterschiedlich.
Es hat die Eigenschaft sich zu verflüchtigen (abzugasen), deswegen sinkt die Konzentration mit der Länge der Einwirkzeit.
Alkalien sind für das Haarefärben unabdingbar, da diese das Haar aufquellen. Erst dadurch kann die Farbe in den Cortex vordringen.
4. Trägermassen
Creme (s.g. Nullmassen) oder Gels sind die gebräuchlichsten Trägermassen in der Farbkosmetik. Sie bestehen meist aus fettähnlichen, kationisch eingestellten Grundsubstanzen, welche pflegend wirken.
5. Netzmittel
fördern das Eindringen aller Wirkstoffe, da sie die Oberflächenspannung der Feuchtigkeit herabsetzen.
6. Pufferstoffe
sorgen für einen gleichmässigen Abbau der Wirkstoffe, d.h. sie sorgen dafür, dass nach dem Zusammenmischen der Farbmasse der Arbeitsablauf nicht explosionsartig von statten geht.
7. Konservierungsmittel
sorgen für die Haltbarkeit der Inhaltsstoffe über einen längeren Zeitraum, obwohl diese nicht verhindern können dass z.B. Rot-Farbstoffe schon nach einem halben Jahr nur noch zu ca. 70 % reaktionsfähig sind.
8. Duftstoffe
überlagern den starken Geruch speziell bei Alkalien.
Ablauf
Nach dem Zusammenmischen der Farbe mit H2O2 ergibt sich folgender Ablauf:
Alkalien (oder pH-6,8) quellen das Haar auf und neutralisieren die Stabilisierung des H2O2. Dadurch wird aktiver Sauerstoff frei. Dieser hellt, je nach Konzentration, das Naturpigment auf. Die Trägermasse sorgt dafür, dass die Haarfarbe haften bleibt und nicht "wandert". Die Netzmittel erleichtern die Aufnahmefähigkeit des Haares, Pufferstoffe regeln den gesamten Ablauf.
Ab einer Zugabe von mind. 6% H2O2 wird das Naturpigment zuerst aufgehellt und gleichzeitig die Nuanceure ins Haar gebracht. Diese überlagern nun das Naturpigment, was schlussendlich zum gewünschten Ergebnis nach einer bestimmten Einwirkzeit (üblicherweise 25-30 min.) führt. Unabdingbar für den Friseur ist die genaue Bestimmung des Naturtons der Kundin, um die richtige H2O2-Konzentration zu bestimmen.
Hierbei ist zu bedenken, das sich die Pigmente ab Tonstufe Mittelbraun auf Mittelblond von Phäomelanin zu Eumelanin ändert. Bei Hellerfärbungen ist dies besonders zu bedenken, da Hellerfärbungen wie physikalische Färbungen funktionieren und deshalb mit Blondierungen nicht zu verwechseln sind. Deshalb kann es passieren, das Färbungen von Mittelbraun auf Blond nur eingeschränkt funktionieren können.
Blondieren
Blondieren ist die intensivste Möglichkeit, künstliche und natürliche Farbpigmente aus dem Haar zu entfernen. Es kommt bei dieser, in einem Arbeitsgang, zu einem reduktiven (bei künstlichen) und zu einem oxydativen (bei natürlichen Pigmenten) chemischen Vorgang.
Da die Blondierung nicht nur Farbpigmente zerstört, sondern auch viel der Kittmasse des Cortex, ist Blondierung nur von Fachpersonal ohne größere Schäden einzusetzen. Andernfalls kann unsachgemäße Anwendung von Blondierung sogar bis zum Haarausfall führen. Weiters ist in jedem Blondierpulver eine gewisse Menge von H2O2 enthalten, das die Wirkung des flüssigen H2O2 noch mehr verstärkt.
Die Unterschiede der Schnelligkeit der Aufhellung liegen ausschließlich in der Konzentration des H2O2 und der Wärmezufuhr mittels Climazon o.ä. Man kann mit jeder H2O2-Konzentration fast jeden Aufhellungsgrad erzeugen; es ist nur eine Frage der Zeit. Zu beachten ist, das Blondierung mit 6% Wasserstoffperoxid ca. 20 Minuten aufhellt, mit 9% ca. 30 Minuten und mit 12% bis zu ca. 50 Minuten.
Merke: je höher der Anteil der H2O2-Konzentration und Einwirkzeit, umso höher die Haarschädigung.
Siehe auch
Blond
Brünett
Rutilismus
Melanismus
Albinismus
Weblinks
• www.wissenschaft.de: Warum Rothaarige schneller Hautkrebs bekommen Die Hautpigmente von Menschen mit heller und mit dunkler Haut bilden unterschiedlich viele freie Radikale

