Blinde Ehemänner
Blinde Ehemänner (engl. Blind Husbands) entstand Sam De Grasse) verbringt mit seiner Frau (Francelia Billington) die Ferien in den Dolomiten. Im selben Hotel steigt auch Erich von Streuben (Erich von Stroheim), ein österreichischer Offizier und Frauenheld ab. Da Armstrong seine Frau vernachlässigt, versucht von Streuben schon bald, sie zu verführen. Gleichzeitig turtelt er auch mit einem Dienstmädchen des Hotels.
Beinahe erliegt Frau Armstrong den Avancen, teilt von Streuben aber in einem Brief mit, dass sie ihrem Mann die Treue halten will. Als der Arzt und der Offizier gemeinsam einen Berg besteigen, kommt es auf dem Gipfel zur Eskalation zwischen beiden Männern. Armstrong glaubt, es gebe eine Affäre zwischen seiner Frau und Streuben und zerschneidet wütend das Seil zwischen ihm und dem Offizier. Er lässt ihn allein zurück und steigt ins Tal. Auf halbem Weg entdeckt er den Brief seiner Frau an Streuben, den dieser zuvor weggeworfen hatte, und er erkennt seinen Irrtum. Armstrong verunglückt am Felsen. Als er von örtlichen Bergsteigern gerettet wird, bittet er sie, Streuben vom Gipfel zu holen. Der feige Streuben, der zuvor mit seinen bergsteigerischen Heldentaten geprahlt hatte, gerät unterdessen in Panik und stürzt in die Tiefe während ein Trupp zu seiner Rettung aufsteigt. Das Ehepaar reist ab. Armstrong will sich in Zukunft mehr seiner Frau widmen.
Hintergrund
Erich von Stroheim, der vor allem als Bösewicht in antideutschen Propagandafilmen bekannt geworden war, bot dem Produzenten Carl Laemmle von den Universal-Studios ein Drehbuch mit dem Titel The Pinnacle nach einer eigenen Kurzgeschichte an. Durch Beharrlichkeit gelang es Stroheim, Laemmle von den Erfolgsaussichten seines Projektes zu überzeugen.
Schon in seinem ersten Film als Regisseur tauchten die Motive und Merkmale Stroheims späterer Arbeiten auf: Detailtreue, die Kritik an der bürgerlichen Familie, die Dekadenz der k.u.k. Monarchie, die für die damalige Zeit offen gezeigten erotischen Geschehnisse, Frauen, die nicht nur als hilflose, "verfolgte Unschuld" agieren.
Selten zuvor waren Menschen und ihre Nöte, ihre Frustrationen und Sehnsüchte so eindringlich und direkt geschildert worden, wie in Blind Husbands. Stroheim inszenierte das weitgehend ohne die damals üblichen Sentimentalitäten und Übertreibungen. Ungewöhnlich selbstironisch setzte Stroheim sich selbst als Hauptdarsteller in Szene. Besonders schön hervorgehoben ist das in einer kurzen Sequenz, in der mehrere Kinder auf der Straße hinter Stroheim herlaufen und sein eitles Gehabe imitieren.
Der Aufwand war, gemessen an späteren Filmen Stroheims, noch bescheiden, trotzdem überschritt er schon hier Budget und Drehplan, eine Angewohnheit, die später seine Karriere ruinieren sollte. Es kam auch bereits zu den ersten, später legendär gewordenen Auseinandersetzungen mit Stroheims Produzenten. Laemmle änderte nach Drehschluss den Titel von "The Pinnacle" in Blind Husbands, weil er ein Kartenspiel kannte, das ähnlich wie "Pinnacle" hieß, und befürchtete, das würde das Publikum verwirren. Stroheim war entsetzt, konnte es aber nicht verhindern.
Blind Husbands wurde ein sehr großer Erfolg und etablierte Stroheim als Meisterregisseur. Es war der erste und auch letzte Film, der - abgesehen vom Titel - genau so, wie ihn Stroheim gedreht hatte, in die Kinos kam.
2005 tauchte in Österreich eine verschollen geglaubte Version von Blinde Ehemänner auf, die dort 1921 unter dem Titel Die Rache der Berge herausgegeben worden war. Diese Fassung, die etwa neun Minuten länger dauert als die bisher bekannte und deutsche Zwischentitel enthält, gilt als zur Zeit vollständigste des Films.
Weblinks
• Zeitgenössische Kritiken (pdf)
• Blind Husbands zum Downloaden von der Public Domain (Französische Zwischentitel)
• Ausführliche Informationen über "Blind Husbands" (engl.)

