Gerson Bleichröder
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Gerson von Bleichröder (22. Dezember 1822 in Berlin; ? 18. Februar 1893 ebenda) war ein deutscher Bankier.
Leben
Als Sohn des Gründers des Bankhauses Samuel Bleichröder entstammte Bleichröder einer angesehenen jüdisch-deutschen Familie. Er war den Zeitgenossen als Bankier Bismarcks bekannt und hat als solcher, vor allem in einer politischen Funktion als Hilfsarbeiter des Auswärtigen_Amtes, die historische Forschung beschäftigt. Samuel Bleichröder war bereits Korrespondent des Hauses_Rothschild am Bankplatz Berlin geworden.
Gerson Bleichröder baute diese Beziehung erfolgreich weiter aus. 1855 trat er an die Spitze der Bank. Um 1860 war das Bankhaus Bleichröder eine der ersten Adressen am Markt für Staatsanleihen und, zusammen mit dem Kölner Bankhaus Oppenheim, führend bei der frühen Eisenbahn- und Industriefinanzierung. Seine Weltstellung begründete Bleichröder mit der Finanzierung russischer Unternehmen und des russischen Staatshaushalts. Als prominentes Mitglied des sogenannten Preußen-Konsortiums, eines Zusammenschlusses führender deutscher Banken, war Bleichröder maßgeblich an der Finanzierung der Monarchie und des Reiches beteiligt. Bleichröder galt Zeitgenossen als der reichste Mann Preußens und einer der reichsten Männer der Welt. Sein internationales Auftreten als Emissär Bismarcks muss wohl vor dem Hintergrund seiner erfolgreichen Bankierstätigkeit gesehen werden. Bismarck nutzte die Geschäftsbeziehungen Bleichröders vor allem zu den Rothschilds und anderen bedeutenden Privatbankiers in allen europäischen Hauptstädten, um Informationen über die wirtschaftliche und politische Lage dieser Länder zu erhalten. Gleichzeitig profitierte er davon, dass Bleichröder gesellschaftlich mit den wirtschaftlichen und teilweise den politischen Eliten dieser Länder verkehrte. Da dieser Umgang zunächst meist geschäftlich und daher privater Natur war, konnte der Bankier und Privatmann Bleichröder zum Träger heikler Botschaften werden, die Bismarck auf offiziellem, diplomatischem Parkett nicht formulieren wollte.
Bleichröder und ihm befreundete Bankiers organisierten die Finanzierung des preußisch-österreichischen_Kriegs von 1866 durch eine Staatsanleihe. Der von Bismarck befürwortete, ?revolutionäre? Plan von Abraham Oppenheim und Bleichröder, die im Staatsbesitz befindlichen Bergwerke im Saargebiet zu privatisieren und so den Krieg zu finanzieren, setzte sich beim preußischen König nicht durch. Bleichröder war an den Verhandlungen und der Abwicklung der französischen Reparationszahlungen im Anschluss an den Deutsch-Französischen_Krieg 1870-71 maßgeblich beteiligt. Trotz seines geschäftlichen Erfolgs und seiner Verdienste um die Regierung gelang es dem Juden Bleichröder nicht, sich unangefeindet an der Spitze der wilhelminischen Gesellschaft zu etablieren. Bleichröder zählte zwar zu den assimilierten Juden und galt Bismarck als ?konservativ und loyal?.
Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts war Gerson Bleichröder zusammen mit dem aus Bayern stammenden belgischen Bankier Maurice de Hirsch der wichtigste deutsche Investor im damaligen Osmanischen Reich, die beiden jüdischen Bankiers wurden dann aber im Zuge der beginnenden staatlichen imperialistischen Politik des Deutschen Reiches von Siemens und der Deutschen Bank aus dem Orientgeschäft verdrängt, speziell im Zusammenhang mit dem Projekt Bagdadbahn, bei dem Hirsch keine Rolle mehr und das Bankhaus Bleichröder nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. (Hannah Arendt, 1986, S. 311) Ab 1908 war das Bankhaus Bleichröder einer der wichtigsten Finanziers der neugegründeten Istanbuler Tageszeitung "Osmanischer Lloyd", die bis zum November 1918 erschien.
Bleichröder wurde als zweiter ungetaufter Jude in Preussen (nach Abraham Oppenheim) 1872 in den Adelsstand erhoben und besaß eine Anzahl weiterer Auszeichnungen. (In Bayern wurde bereits 1818 Jakob von Hirsch geadelt). Aber die latente, und seit den achtziger Jahren zunehmende, antisemitische Tendenz in der deutschen Öffentlichkeit des Kaiserreichs hielt den jüdischen Bankier auf Distanz zu den Personen, die am meisten von ihm profitierten und deren Wertschätzung er am stärksten herbeiwünschte - den nichtjüdischen Mitgliedern seiner eigenen Gesellschaftsschicht, des Großbürgertums, und dem übrigen Adel.
Gerson von Bleichröder wurde auf dem Jüdischen_Friedhof_in_der_Schönhauser_Allee begesetzt.
Sein erstgeborener Sohn Hans ließ nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Hans Latt auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde ein prachtvolles Mausoleum errichten, in dem alle später Verstorbenen der Familie von Bleichröder beigesetzt wurden.
Die sogenannte Arisierung in der Zeit des Nationalsozialismus führte zum Erlöschen des Bankhauses Bleichröder.
Das ehemalige Mausoleum stand nahe am Eingang des Friedhofs, auf Vorschlag des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, wurde es abgetragen. Heute erinnert eine kleine Informationstafel an die Bankiersfamilie.
Literatur
Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft - Antisemitismus, Imperialismus, Totale Herrschaft: Piper Taschenbuch Verlag; ISBN 3-492-21032-5
Fritz Stern: Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder, Frankfurt am Main/Berlin (Ullstein Verlag) 1978, ISBN 3550073585, Neuauflage Rowohlt TB, 2000, ISBN 349960907X
* Karin Grimmer, Herausgeber. Gertrud Bleichröder. Aus Widersprüchen zusammengesetzt. Das Tagebuch der Gertrud Bleichröder aus dem Jahr 1888. Dumont Verlag
* Werner E. Mosse: The German-Jewish Economic Elite; Oxford 1989
Michael Stürmer, Gabriele Teichmann, Wilhelm Treue: Wägen und Wagen. Sal. Oppenheim jr. & Cie. Geschichte einer Bank und einer Familie; München 1989
* Otto Pflanze: Bismarck and the Development of Germany. Band 2 Princeton 1990, Seite 70-84 und 318-320
Peter Pulzer: Jews and the German State; Oxford 1992
Weblinks
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