Blaue Revolution
Die Blaue Revolution ist ein seit Mitte der 90er_Jahre laufender Versuch der Weltbank und der Food and Agriculture Organization (FAO) der UNO, die wirtschaftlichen Probleme in den Entwicklungsländern in den Griff zu bekommen. Dabei wird eine Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Produktion von herkömmlichen landwirtschaftlichen Produkten hin zu Erzeugnissen der maritimen Fisch- oder Garnelenzucht ins Auge gefasst (Aquakultur). Durch den höheren Ertrag an Fischen, Krebsen, Weichtieren und Wasserpflanzen erhoffen sich viele durch hohe Kredite belastete Kleinbauern eine Alternative zur konventionellen Landwirtschaft. Kritische Beobachter meinen jedoch, dass diese Maßnahme lediglich die Überfischung der Meere kompensieren und dem Bedarf der westlichen Welt an Nahrungsmitteln aus dem Meer in die Hände spielen soll.
Folgen
Um sich dieser Entwicklung anzupassen, wandelten viele Bauern ihre Reisfelder z. B. in Garnelen- und Muschelzuchten um. Dazu mussten an den Feldrändern Erdwälle aufgehäuft werden, so dass ein Bassin entstehen kann. Dabei wurden meist riesige, privatisierte Zuchtteichanlagen angelegt, denen z. B. Mangrovenwälder zum Opfer fielen. Nach sechs bis acht Jahren sind Wasser und Boden allerdings erschöpft, die Flächen müssen aufgegeben werden (Wanderwirtschaft).
In Meeresnähe wurden ganze Küstenabschnitte zu Dumpingpreisen an Garnelenzüchter verkauft und Gebiete, die Anwohner vorher noch für Fisch- und Muschelfang nutzen konnten, privatisiert und eingezäunt. Fischer konnten ihrer täglichen Arbeit damit nicht mehr nachgehen, wurden arbeitslos und tragen mit ihrer Abwanderung in die Städte zur Verstädterung der Entwicklungsländer bei.
Darüber hinaus waren die ökologischen Folgen nicht unbedenklich, denn ehemals noch intakte Küstenabschnitte verödeten, Fischbestände gingen zurück und Wasser und Böden wurden durch Fischöl und Antibiotika verseucht. Dadurch wird wiederum der Boden versalzen, womit die traditionelle Lebensgrundlage der Bevölkerung verschwindet. Dazu kommt, dass ehemals natürliche Wellenbrecher mit Bassins überbaut wurden und nun Sturmfluten und das Abtragen von Land die Folge sind. Auch das lässt die Lebensgrundlage verderben.
Insgesamt ist die Blaue Revolution eine Chance für Entwicklungs- und Industrieländern. Doch gibt es noch einige Probleme: So kann ein traditionell bewirtschafteter Mangrovenhain ungefähr zehn Familien ernähren, während eine 100-500 Hektar große Garnelenzuchtanlage nur einige wenige Arbeitsplätze bietet. Außerdem wirft eine Farm durch hohe Futter- und Chemikalienkosten nicht viel Geld ab und so ist dieses Meeresgeschäft für die Züchter insgesamt ein Minus unter dem Strich.
Die industrielle Zucht macht heute ein Drittel der weltweiten Garnelenproduktion aus. Gezüchtete Garnelen gibt es heute etwa fünfmal mehr als noch 1984.
Siehe auch
• Revolution]
• in Entwicklungsländern]

