Blanche (Film)
Blanche ist ein visuell originelles Filmdrama nach dem Drama Mazepa (1839) eines der bekanntesten polnischen Dichter, Juliusz S?owacki. Sein Landsmann Walerian Borowczyk verwirklichte es 1971 als französische Produktion, wobei er Regie, Drehbuch, Dialoge, Ausstattung und Kostüme verantwortete.
Handlung
Im mittelalterlichen Frankreich. Ein alter Baron lebt mit seiner jungen Frau Blanche und seinem Sohn aus erster Ehe auf einem Schloss. Eines Tages reist der König mit seinem Pagen Bartolomeo und Gefolge an und wird vom Baron gastlich aufgenommen.
Gleich nach der Ankunft bringt der verliebte Bartolomeo Blanche seine Liebesschwüre entgegen; schon in der ersten Nacht versucht der König, als Bartolomeo verkleidet, in Blanches Kammer zu gelangen. Auch der Sohn des Königs gesteht ihr seine Liebe. Die drei Männer werben immer heftiger, immer vor den anderen verborgen, um die standhaft bleibende Blanche. Der sich dennoch gehörnt fühlende Baron stürzt mit seiner rasenden Eifersucht letztlich alle ins Unglück...
Form
Das Erzähltempo ist, der Zeit der Handlung gut angepasst, eher gemächlich, ohne dass dies die Spannung minderte. Borowczyk legt weniger Gewicht auf die Figurenzeichnung als auf die sorgfältig komponierten Kameraeinstellungen, die Ausstattung und deren Ausleuchtung. Er greift Motive und das Licht der klassischen Malerei auf. Sein Augenmerk für die Bildgestaltung geht auf seine Ausbildung als Maler und Grafiker zurück.
Interpretationen
Das Schloss und seine nähere Umgebung sind eine in sich geschlossene Welt; bezeichnenderweise erreicht eine Depesche des Königs an seine Regimenter die Adressaten nicht. In diesem Raum, in dem Blanche praktisch die einzige Frau unter zahlreichen Männern ist, laden sich starke erotische Spannungen auf. Die Männer gehorchen Ehrgesetzen, die heute nur schwer nachvollziehbar sind, und trachten die Folgen ihres triebgesteuerten Tuns auf andere abzuschieben. Borowczyk, später als Erotomane berüchtigt, präsentiert Blanche nur kurz in einer unschuldigen Badeszene zu Beginn nackt. Sie erweist sich, ihrem Namen (frz. für weiss) entsprechend, als treue und fromme Gattin; doch trotz ihres ?anständigen? Verhaltens kommt auch sie unter die Räder der Intrigen, da ihr von keinem der Männer eine andere Rolle zugestanden wird als die des begehrten Objekts. Obwohl er mit seiner Eifersucht und der Angst um seine Ehre alle in den Untergang mitreisst, ist der Baron ? der grosse Michel Simon in einer seiner letzten Rollen ? ein bemitleidenswerter Mensch, der nichts mehr zu gewinnen, aber viel zu verlieren hat.
Einordnung im Werk Borowczyks
Ein wiederkehrendes Thema der besseren unter Borowczyks Werken ist die insbesondere den Frauen begegnende Unmöglichkeit, Sexualität selbstbestimmt und im gewünschten Mass auszuleben. Blanche hat viele Gemeinsamkeiten mit seinem Gefühlsdrama Geschichte einer Sünde (1975), wo eine ? wenn auch ungleich aktiver handelnde ? Frau im rücksichtslosen Spiel der Männer den Untergang findet. In beiden Werken liegt der Schwerpunkt auf der Konstellation der Gefühle, während Borowczyk in den dazwischen und danach entstandenen Filmen fast nur die Erotik zum Zuge kommen lässt und den Figuren wenig Profil verleiht.
Anmerkungen
Die Darstellerin der Blanche, die Rumänin Ligia Branice, war zur Entstehungszeit mit Borowczyk liiert.
Auszeichnungen
Interfilm Grand Prix bei den Internationalen_Filmfestspielen_Berlin_1972
Weblinks
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