Blackfoot
Die Blackfoot ( "ausgeglichene Menschen") sind ein Indianerstamm der Algonkin-Sprachfamilie. Sie unterteilen sich in die eigentlichen Blackfoot (Siksika), die Kainai (auch Kainah oder Blood) und die Piegan (auch Pekuni oder Pikanii). Mit ihnen verbündet waren die Sarcee und die Gros Ventre.
Lebensraum
Der Lebensraum zur Zeit des ersten Kontaktes mit den Weißen umfasste Teile des Aspen Parklandes, der nordwestlichen Plains, sowie der Rocky Mountains von der Gegend um Edmonton (Kanada) im Norden bis zum Gebiet des heutigen Yellowstone-Nationalparkes (USA) im Süden. Die Gesamtbevölkerung der Blackfoot dürfte damals ca. 15.000 Menschen betragen haben.
Kultur
Zur Zeit des ersten Kontakts mit den Weißen waren die Blackfoot nomadische Jäger und Sammler. Sie wohnten in kleinen Gruppen in Tipis aus Bisonfellen. Zu Jagdzügen schlossen sich manchmal einige Gruppen oder gar ein gesamter Unterstamm zusammen. Die Gruppen waren kaum organisiert, wurden jedoch von von Häuptlingen geführt und bei größeren Gruppen gab es zusätzliche Unterhäuptlinge. In Kriegszeiten übernahm zuweilen ein erfahrener Krieger als Kriegshäuptling die Führung. Einzelne Blackfoot konnten die Gruppe beliebig wechseln.
Die Alltagsgegenstände wurden vorwiegend aus Knochen, Stein und Holz hergestellt. Krieger waren mit Pfeil und Bogen, Lanzen, Schilden und Keulen bewaffnet. Zu Kämpfen mit feindlichen Stammesgruppen kam es vor allem dann, wenn die Blackfoot oder ihre Feinde zur Jagd in das gegnerische Territorium vordrangen.
Die Bisons waren die wichtigste Nahrungsquelle. Neben dem Fleisch der Bisons verwerteten die Blackfoot auch beinahe alle übrigen Teile des Tiers. Außerdem jagten sie weiteres Großwild wie Grizzly- und Schwarzbären, Hirsche, Wapitis, Gabelböcke, Wildschafe und Schneeziegen, zuweilen auch Kleinwild wie Hasen und Streifenhörnchen und Vögel wie Schwäne, Gänse, Enten und Präriehühner. Fische und Hunde aßen sie nur im Notfall. Ergänzend sammelten sie Beeren, besonders Felsenbirnen und Traubenkirschen.
Die Blackfoot beteten die Sonne als höchste Gottheit, den Mond als seine Frau und den Morgenstern als beider Sohn an. Der Donner galt als mächtiger Geist. Adler, Raben und anderen Vögeln sprachen sie besondere Macht zu.
Geschichte
Die Blackfoot gehörten zu den ersten Algonkin, die aus dem Waldland nach Westen in das offene Grasland zogen. Sie wanderten wahrscheinlich zu Fuß und mit hölzernen, von Hunden gezogenen, Travois zum Transport ihrer Habe. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts jagten diese Stämme den Büffel zu Fuß und wohnten im Saskatchewan Valley, etwa 400 Meilen östlich der Rocky Mountains. Nach 1730 gelangten die Blackfoot zu ihren ersten Pferden. Etwa gleichzeitig tauschten sie bei den Plains_Cree europäische Feuerwaffen ein. Diese beiden Errungenschaften brachten sie im Vergleich zu den Nachbarstämmen, mit denen sie meist verfeindet waren, in Vorteil. Pferde waren bei den Stämmen der Plains sehr bedeutend, sowohl im Krieg als auch zur Jagd. Die Stämme führten regelmäßig Raubzüge gegeneinander durch, um möglichst viele Pferde zu erlangen. Etwa ab 1780 handelten die Blackfoot direkt mit den britischen Kolonisten. Sie verdrängten schwächere Stämme, stießen nach Westen zu den Rockies und nach Süden ins heutige Montana vor. Auf der Höhe ihrer Macht zu Beginn des 19. Jahrhunderts kontrollierten die Blackfoot ein riesiges Gebiet vom nördlichen Saskatchewan River bis zum Oberlauf des Missouri im Süden.
vom 21. August 1833.]]
In späteren Jahren begannen immer mehr Plains Cree und Assiniboine von Norden und Osten aus in das Territorium der Blackfoot vorzudringen. Die Piegan wichen in die Region des Missouri Rivers aus, die Blood an den Bow River und Belly River, einzig die eigentlichen Blackfoot konnten ihre Heimat am Red Deer River verteidigen.
Die Blackfoot begegneten den britischen Händlern im Norden zwar freundlich, den amerikanischen Trappern und Händlern, die von Süden den Missouri River hinauf kamen, hingegen feindlich. Diese feindliche Haltung ging auf die Expedition von Lewis und Clark im Jahre 1806 zurück, bei der die Expeditions-Teilnehmer zwei Piegan getötet hatten. Ein zweiter Grund war die unterschiedliche Praxis der Amerikaner, zu Pelzen zu gelangen. Die Briten bauten Forts und erhandelten sich dort Pelze von den Indianern; die Amerikaner jedoch jagten die Pelztiere selbst. Die Konflikte spitzten sich zu, als die Amerikaner bei Three Forks, am Rande des Blackfoot-Territoriums, Fort Lisa errichteten. 1831 errichtete die American Fur Company am Missouri River Fort Piegan und nutzte dieses zum Handel mit den Blackfoot. Dies führte zu einer leichten Entspannung. In der Folge erzielten die Blackfoot gute Preise für ihre Ware; sie konnten die Briten gegen die Amerikaner ausspielen und umgekehrt. Für amerikanische Fallensteller blieb es weiterhin gefährlich, in das Gebiet der Blackfoot einzudringen.
1855 schlossen die Blackfoot, Gros Ventre, Flathead, Nez Percé und Plains Cree einen Friedensvertrag mit den USA ab, in dem diese Stämme den USA erlaubten, eine Eisenbahnlinie, Straßen, Telegraphenlinien und Militärposten in ihrem Gebiet zu bauen. Im Gegenzug wurde den Indianern ein exklusives Jagdrecht in ihren Territorien, fortan Reservation genannt, und jährliche Zahlungen zugesichert.
Wenig später begannen vermehrt weiße Siedler in das Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Montana vorzudringen. Deshalb konnte die Regierung der USA die Einhaltung des Vertrages nicht durchsetzen und es gab ab 1864 vereinzelte Übergriffe verbitterter Krieger. 1865 und 1869 schlossen die Blackfoot weitere Verträge mit den USA ab, die zu einer Verkleinerung der Reservation führte. Die Reservation wurde 1873, 1874, 1888 und 1895 erneut verkleinert.
1870 vergalt die US-Armee Übergriffe der Blackfoot mit einem Massaker an einer Gruppe der Piegan, bei dem über 173 Blackfoot starben, drei Viertel davon Frauen und Kinder. Daraufhin wurden die übrigen Blackfoot auf dem US-Gebiet in eine Indianerreservation im nördlichen Montana umgesiedelt.
An den Kriegen gegen die Weißen waren die Blackfoot nicht beteiligt, doch erlitten sie enorme Verluste durch die Blatternepidemien von 1780 bis 1858. Außerdem verkauften weiße Händler den Blackfoot Alkohol in großen Mengen. Zwischen 1868 und 1873 starb rund ein Viertel der Blackfoot an übermäßigem Alkoholkonsum. 1874 sorgte die North West Mounted Police in Kanada für ein Ende der Alkoholverkäufe. Die Zahl der Blackfoot sank von geschätzten 15.000 Menschen im Jahr 1780 bis auf 4.635 im Jahr 1909, auch durch die Vernichtung der Büffel an Hunger, ihrer wichtigsten Nahrungsgrundlage.
1877 schlossen die kanadischen Blackfoot mit der kanadischen Regierung den als Treaty No. 7 bekannten Vertrag, mit dem sie ihre 160.000 km² großen Jagdgründe (Deutschland: 357.000 km²) in Kanada übergaben und erhielten statt dessen drei kleine Reservate sowie jährliche Zahlungen.
Ab 1880 leben die Blackfoot in vier getrennten Gebieten:
* Südliche Piegan, heute Blackfeet, in der Blackfeet Reservation in Montana.
* Nördliche Piegan, heute Piikani Nation, im Piikani Reservat 147 in Alberta, Kanada.
* Blood, heute Kainai Nation, im Kainai Reservat 148 in Alberta.
* Eigentliche Blackfoot, heute Siksika Nation, im Siksika Reservat 146 in Alberta.
Heutige Lebenssituation
Die heutige Gesamtbevölkerung umfasst wieder ca. 15.000 Menschen. Davon sprechen aber insgesamt nur noch etwa 5.100 Personen die Blackfoot-Sprache, und zwar 5.000 in Kanada und 100 in den USA. Allerdings leben oder arbeiten viele Blackfoot auch außerhalb ihres Territoriums. Die Blackfoot ersetzten das nomadische Jäger- und Sammlertum durch sesshaften Ackerbau und Viehzucht und ihre mobilen Tipis durch feste Häuser.
Siehe auch
Liste nordamerikanischer Indianerstämme
Crowfoot
Woody Strode
Literatur
*Raymond J. DeMallie (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Volume 13: Plains. Smithsonian Institution Press), Washington, 2001, ISBN 0-16-050400-7
Weblinks
• Ausführliche Beschreibung der Blackfoot-Stämme (englisch)
• Website der Blackfeet (engl.) (derzeit inaktiv 29. September 2006)
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