SBB Re 4/4 II
Die Re 4/4II oder Re 420 sind Universallokomotiven der SBB und kommen im schweren Reiseverkehr und für schnell fahrende Güterzüge auf Flachlandstrecken und in Doppeltraktion zum Einsatz, häufig zusammen mit Re_6/6, auch auf Bergstrecken.Die Re 4/4II ist mit 276 Ablieferungen die grösste Serie der Triebfahrzeuge in der Schweiz. Die Re 4/4II wurde während 21 Jahren von 1964 bis 1985 gebaut und in Verkehr gesetzt.
Sechs der Re 4/4II wurden mit einer breiten Stromabnehmerpalette nach der DB/ÖBB-Norm ausgestattet, so dass diese Schnellzüge und heute Eurocity-Züge bis nach Bregenz und Lindau ziehen können. Acht Loks bekamen die Swiss_Express-Lackierung. Einige bekamen eine TEE-Lackierung, u. a. für die TEE-Züge Lemano Genf C-Mailand C und Cisalpin Paris Lyon-Mailand C.
Sechs der Re 420 wurden im Dezember 2004 an die BLS verkauft und verkehren dort als Re 420 501 bis Re 420 506. Es waren die grünen 11110, 11117, 11119, 11123, 11137 und 11142. Ende 2005 wurden weitere 6 Maschinen an die BLS verkauft, die 11107 und die Prototypen 11102-11106. Sie laufen bei der BLS als Re 420 507 und 508-512.
Die Re 421 entstanden aus einem Umbau der Re 4/4II und dürfen offiziell in Deutschland verkehren, da sie die deutschen Zugsicherungsanlagen erhielten. Die Re 421 sind im Besitz der SBB Cargo Deutschland und es existieren 27 Lokomotiven dieser Serie. In Deutschland beträgt die Höchstgeschwindigkeit 120 km/h.
Bisher mussten sechs Lokomotiven unfallbedingt ausrangiert werden. Die Re 4/4 der ehemaligen Mittelthurgaubahn ging in den Besitz der SBB über und erhielt die Nummer der ausrangierten 11172.
Mit der Divisionalisierung gingen die Lokomotiven 11156-171, 11173-180, 11182-190, 11271-298, 11305-311, 11313-349 und 11371-397 in die Division Güterverkehr, die übrigen in den Personenverkehr. Es sind die 11101-155 (mit Ausnahme der an die BLS verkauften Loks), 11172, 11181, 11191-270, 11299-304.
Alle Lokomotiven sind mit der Vielfachsteuerung VST IIId ausgerüstet.
Vorgeschichte
Mit dem Aufkommen der Ae_6/6 am Gotthard verschob sich der Einsatz insbesondere der Ae_4/7 mehr und mehr in flachere Gegenden der Schweiz.
Dort wurden diese Lokomotiven fast überall im schweren Schnellzugsdienst eingesetzt. Nachteilig erwies sich dabei die geringe Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h und die Unmöglichkeit, in der Zugreihe R mit höheren Kurvengeschwindigkeiten zu verkehren.
Andererseits waren die Leichtlokomotiven Re_4/4I zu schwach, um schwere Reisezüge zu befördern.
Deshalb schrieben die SBB die Entwicklung einer Universallokomotive, die mit der Achsfolge Bo?Bo' auf dem ganzen Streckennetz mit Zugreihe R eingesetzt werden konnte, aus.
Das Konsortium SLM/BBC/MFO/SAAS gewann die Ausschreibung und antwortete auf die Anforderungen mit sechs bulligen Prototypen, der im Design der Ae_6/6, mit eleganterer Front, angelehnt ist.
Das 80 Tonnen schwere Gefährt mit einer Leistung von 4700kW erstaunte die Fachwelt. Die SBB liessen diese Lokomotive vorerst auf Probefahrten nur mit dem Namen Bo?Bo? zu. Die Zulassung für die Zugreihe R (anders als die Ae_4/4 der BLS) musste sich die Re 4/4II noch beweisen, und sie tat das eindrücklich. Deshalb liessen die SBB die Bo?Bo? schlussendlich nach 2 Jahren als Re 4/4II zu.
Konstruktion
Mechanische Konstruktion
Die Re 4/4II ist eine vierachsige, viermotorige Lokomotive auf zwei Drehgestellen. Die Radsätze sind über Schraubenfedern am Drehgestellrahmen abgestützt. Das Drehgestell ist sekundär mit Schraubenfedern (ursprünglich Gummifedern) tief angehängt am Lokomotivkasten abgestützt.
Die Zugkraftübertragung erfolgt über Tiefzugstangen von den Drehgestellen an den Lokomotivkasten.
Um einen besseren Kurveneinlauf des nachlaufenden Drehgestells zu ermöglichen, wurde zwischen den zwei Drehgestellen eine elastische Querkupplung eingebaut.
Elektrische Konstruktion
Die Re 4/4II besitzt eine klassische Stufenschaltersteuerung mit Regelung auf der Hochspannungsseite des Transformators und vier Wechselstrommotoren. Die Bremsenergie der Motoren kann rekuperiert werden.
Der Prototyp 11206 wurde in Anlehnung an die Re_4/4 der BLS mit Gleichrichtern ausgerüstet, die Motoren als Wellenstrommotoren betrieben. Die Zugkraft erhöhte sich dadurch nur unwesentlich, deshalb wurde das Projekt nicht weiter verfolgt, das Fahrzeug den anderen angepasst.
Verwandte Lokomotiven
Die Re_4/4III weicht von der Re 4/4II insofern ab, da sie eine andere mechanische Übersetzung haben, wodurch die Höchstgeschwindigkeit auf 125 km/h begrenzt ist. Sie haben dafür eine höhere Zugkraft von 580 Tonnen gegenüber 500 Tonnen einer Re 4/4II. Ursprünglich an die Schweizerische Südostbahn (SOB) geliefert (Re 4/4 41, 1967) beschafften die SBB 1971 zwanzig Stück, wovon drei Stück 1983 an die SOB verkauft wurden. Die vier SOB-Maschinen gingen 1994?1996 wieder an die SBB und die SOB erhielt im Abtausch die vier pendelzugfähigen Re_4/4IV-Prototypen. Fünf Re 4/4 III-Lokomotiven wurden von der EBT-Gruppe beschafft.
Ähnlich im mechanischen Aufbau wie auch im optischen Eindruck sind die Ge_4/4II der Rhätischen_Bahn.
Lokvarianten der Re 4/4II
Bauserien
=Prototypen
=Die Protyplokomotiven (11101-11106, ursprünglich 11201-11206) weisen nur einen Stromabnehmer auf (ursprünglich Scherenstromabnehmer), und hatten anfänglich auf den Seitenwänden keinen weissen Zierstreifen (analog Ae 6/6). Bei den Prototypen ist der Schriftzug SBB-CFF bzw. SBB-FFS auf der Seitenwand tiefer unten angebracht als bei den Serienloks.
=1. Serie
=Die Lokomotiven der ersten Bauserie (11107-11155) weisen wie die Prototypen nur einen Stromabnehmer auf, sind allerdings um 10 cm länger als die Prototypen.
=2. Serie
=Die Lokomotiven der zweiten Serie (11156-11349 und 11371-11397) haben zwei Einholmstromabnehmer, und sind mit 15'410 mm (bei gleichem Drehgestellabstand) einen halben Meter länger als die Lokomotiven der 1. Serie. Die Stirnwände der Lokomotiven der 2. Serie sind etwas stärker geneigt als diejenigen der 1. Serie.
Umbauten
Re 4/4II 11101
Wurde 2006 mit einem Feingeschwindigkeitsmessser (0-40km/h) ausgerüstet und wird in Basel für die Züge in der Unterhaltsanlage (Waschstrasse usw.) verwendet. Diese Lok ist die letzte Prototyplokomotive, die den SBB gehört.
=Swiss-Express-Lokomotiven
=Re 4/4II 11103, 11106, 11108, 11109, 11112, 11113, 11133, 11141
Für die Führung der Swiss_Express-Züge mussten wegen der automatischen Zugkupplung mehrere Lokomotiven umgebaut werden. Die Lokomotiven der späteren Serien waren für die UIC-Kupplung vorgesehen, ältere Lokomotiven (11103..11113) mussten umgebaut werden, erhielten einen verlängerten Stossbalken. Alle erhielten sie den passenden Anstrich in den Swiss Express-Farben orange-steingrau-orange. Sie tragen anstelle des Schweizerkreuzes das SBB-Signet. Mit dem Umbau der Einheitswagen_III in Pendelzüge und der dadurch entfallenden automatischen Zugkupplung wurden den Lokomotiven wieder normale Zughaken montiert.
Anlässlich grösserer Revision bekamen die Lokomotiven 11112, 11113 und 11133 einen roten Anstrich; die Loks 11103 und 11106 erhielten bei bzw. nach der Übernahme durch die BLS den silber-grün-blauen Anstrich.
=Lindau-Lokomotiven
=Re 4/4II 11195-11200, ursprünglich 11196-11201
Um die EuroCity-Züge Zürich-München elektrisch bis Lindau befördern zu können, wurden mehrere Lokomotiven mit einem Ketten-Stromabnehmer der ÖBB-Norm ausgerüstet. Bei diesen Lokomotiven ist keine österreichische Zugsicherung eingebaut, sie sind auch nur auf der Strecke St.Margrethen - Bregenz - Lindau ausserhalb der Schweiz zugelassen. Heute übernehmen die Re 421 der SBB Cargo diese Aufgabe.
Auf der Strecke St.Margrethen - Lindau ist die "normale" Re 420 ohne Indusi nicht mehr zugelassen. Deshalb wurden diese Loks bis 2006 normalisiert.
=TEE-Lokomotiven
=Re 4/4II 11158-11161 und 11249-11253
Eine Zeit lang trugen diese Lokomotiven den bordeauxrot-crèmen TEE-Anstrich. Sie wurden aber immer freizügig auch für andere Leistungen eingesetzt.
=Wappen-Lokomotive
=Als einzige SBB-Re 4/4II besitzt die Lokomotive 11239 ein Wappen. Sie erhielt jenes von Porrentruy. Sie erbte es von der Ae_6/6 11483, die nach Gründung des Kantons_Jura von der "Städtelok Porrentruy" zur "Kantonslok Jura" aufstieg.
=Funkfernsteuerungs-Lokomotiven Ref 4/4II
=Die mit einer Versorgungsstation für die Funkfernsteuerungsgerät zur Funkfernsteuerung einer SBB Re 460 ausgerüsteten Lokomotiven tragen ein kleines 'f'. Diese Steuerungsart kam nie aus dem Versuchstadium und ist durch Abgabe aller Re 460 an den Personenverkehr jetzt nicht mehr möglich.
=ETCS-Versuchbetriebslokomotiven
=Für den Betrieb auf der Versuchsstrecke Zofingen-Sempach 2001-2003 (kommerziell in Betrieb von April 2002 bis November 2003) erhielten die Lokomotiven 11265 bis 11298 (exkl. der bereits ausrangierten 11282) eine ETCS-Fahrzeugausrüstung von Bombardier.
Diese Lokomotiven hatten unter dem Seitenfenster ein weisses auf der Spitze stehendes Dreieck.
Die nun ausgerüsteten Lokomotiven für die Neubaustrecken (ETCS-Level 2) sind nicht mehr speziell gekennzeichnet.
Alle Lokomotiven des Versuchbetriebs sind nun auf der neusten Version, sie tragen zum Teil noch das Dreieck.
=Klimaanlage
=Es ist vorgesehen, alle Re 420 und Re 430 mit einer Führerstandsklimaanlage auszurüsten. Die erste Lokomotive 11160 wurde Ende 2004 ausgerüstet. Ab Mitte 2006 wurde schon die 100. Klimaanlage im IW Biel eingebaut. Die Re 421 werden keine Klimaanlage erhalten, weil sie sonst erneut die Zulassung in Deutschland durchlaufen müssten.
Ausrangierte Lokomotiven
11113 (ausrangiert 2004)
Die Lokomotive 11113 führte am 24. Oktober 2003 den Zug 1629, der im Bahnhof Oerlikon mit dem Zug 2583 zusammenstiess. Dabei wurde die Lokomotive so stark beschädigt, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Nach Freigabe durch die Untersuchungsbehörden wurde der Lokkasten nach Kaiseraugst überführt und verschrottet.
[http://www.uus.admin.ch/imperia/md/content/uus/schlussberichte/4020368.pdf Untersuchungsbericht des Unfalls durch das UVEK]
11172 (ausrangiert 1978)
Lok 11172 fuhr am Freitag, 08.12.1978 bei Vaumarcus mit einem Güterzug auf einen vor Signal stehenden anderen Güterzug auf. Die Lok wurde dabei so stark zerstört, dass nur noch ihre Ausrangierung per Dezember 1978 angeordnet werden konnte. Die Nummer 11172 wurde 2003 von der ehemaligen MThB Re 4/4II 21 übernommen, die Fabriknummernmässig zwischen den Loks 11215 und 11216 liegt.
11282 (ausrangiert 1975)
Die Re 4/4" 11282 führte mit T2S-Schlafwagen für die DB Versuchsfahrten bis 160 km/h zwischen Chur und Landquart durch. Bei einer Fahrt ab Chur am Donnerstag, 30.10.1975 wurden die Bremshahnen nicht geöffnet. Entgegen den Vorschriften wurde der Versuchszug am Einfahrsignal gestellt. Mit der Bremskraft der Lok allein konnte der Zug nicht angehalten werden, er prallte in einen von der Ae 4/7 10906 geführten Güterzug mit Tankwagen, der sein Gleis querte. Die erst 2 Jahre alte Lok brannte aus und wurde im Dezember 1975 offiziell ausrangiert.
11312 (ausrangiert 1985)
Die Lokomotive 11312 kollidierte am Samstag, 14.09.1985 bei Bussigny, zwischen Renens und Denges, nach Überfahren eines roten Signals, mit den beiden vielfachgesteuerten Ae 4/7 10940 und 11011. Nach Beurteilung der Schäden an der erst vierjährigen Lok musste sie im Oktober 1985 formell ausrangiert werden.
11323 (ausrangiert 2005)
Im 23. März 2005 brannte die Lokomotive infolge eines technischen Defektes in Arth-Goldau aus. Sie wurde im Juli offiziell ausrangiert und der Lokkasten in der zweitletzten Augustwoche nach Kaiseraugst zur Verschrottung überführt.
[http://www.uus.admin.ch/imperia/md/content/uus/schlussberichte/4020414.pdf Untersuchungsbericht des Brandes durch das UVEK]
11382 (ausrangiert 2002)
Nach einen Brand in der Leventina am 31. Januar 2002 im Juli 2002 ausgemustert.
Bilder
Image:SBB Re 420-5.jpg|SBB Re 420 310-5 mit Cargo Anstrich
Image:SBB-Re11160.JPG|Die Nummer 11160 war die erste Lokomotive mit Klimaanlage
Image:SBB-Re11267.JPG|SBB Re 4/4 II 11267 mit rotem Anstrich, Klimaanlage, Scheinwerfern und UIC-Stecker mit Treppe
Image:SBB-Re-11303-11121.jpg|Stirnfronten der Re 4/4 II der 2. (links) und der 1. Bauserie (rechts) in Vielfachsteuerung
Image:Train cff cargo.jpg|Doppeltrakion in Vielfachsteuerung vor Güterzug
Siehe auch
Liste der Lokomotiven und Triebwagen der SBB
Weblinks
• Die Lokomotiven Typ Re 4/4II und Re 4/4III der schweizerische Bundes- und Privatbahnen
• Bilder der Re 4/4 II auf railfaneurope.net

