Elekt
Als Elekten bezeichnet man den gewählten Inhaber eines geistlichen oder weltlichen Amtes, bis er dieses Amt durch Ordination oder Krönung offiziell übernahm.In der katholischen_Kirche war ein Elekt (auch Bischofselekt) ein Inhaber eines Bischofsstuhls, der zwar zum Bischof gewählt worden war, aber nicht die eigentlich dafür notwendigen geistlichen_Weihen empfangen hatte. Stand er einem Fürstbistum vor, so nannte man ihn Fürstelekt. Elekten waren meist jüngere Söhne einflussreicher Adliger, die sich die Möglichkeit einer weltlichen Laufbahn offen halten wollten. Einige von ihnen versuchten auch, die ihnen anvertrauten Bistümer in weltliche Herrschaften umzuwandeln, was ihnen jedoch meist nicht gelang. So erhoben sich die Bürger des Bistums_Lüttich Anfang des 15. Jahrhunderts gegen ihren Elekten Johann_von_Bayern, als dieser ein weltliches Fürstentum daraus machen wollte, und konnten nur mit Hilfe der benachbarten Herzogtümer Burgund und Straubing-Holland besiegt werden; Johann ließ seinen Plan daraufhin fallen.
Kandidaten für das Amt des Papstes nannte man Papstelekten. Dabei wurde allerdings in Ermangelung einer höheren Instanz, die die Wahl bestätigen konnte, nicht zwischen Wahl (electio) und Bestätigung (confirmatio) unterschieden. Im Papstwahldekret Nikolaus?_II. von 1059 wurde festgelegt, dass bereits die Wahl die Macht verlieh, zu herrschen und Verfügungen auszusprechen (auctoritas regendi et disponendi). Der Papstelekt musste sich verschiedenen Zeremonien unterwerfen, darunter die Annahme eines neuen Namens, die Immantation, Proklamation, Laudes und schließlich Thronsetzung und Krönung, denen vor allem bei schismatischen Wahlen eine besondere Bedeutung zukam. Ein noch nicht zum Priester oder Bischof geweihter Papstelekt (z. B. Hadrian V.) führte den Titel ?Gewählter Diener der Diener Gottes? (electus servus servorum dei). Er konnte zwar Untergebene ein- und absetzen oder bestrafen, durfte aber keine Weihehandlungen vornehmen.
Literatur
* Robert Benson: The Bishop Elect. A Study in Medieval Ecclesiastical Office, Princeton University Press, Princeton 1968.
* Peter Johanek: Vescovo, clero e laici in Germania prima della Riforma. In: Peter Johanek, Paolo Prodi: Strutture ecclesiastiche in Italia e in Germania prima della Riforma, Il Mulino, Bologna 1984 (Annali dell? Istituto storico italiano-germanico di Trento 16).

