Bioregionalismus
Der Bioregionalismus ist eine sozioökologische, in Teilbereichen biologistische Ideologie, deren Bestreben es ist, das Leben auf der Ebene einer sog. Bioregion in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und landwirtschaftlicher Weise zu gestalten. Der Begriff entstand um 1972 in den USA. Er war ursprünglich stark von der anarchistischen Tradition San Franciscos beeinflusst.Bioregion und Wirtschaft
Bioregionen sind geographische Gebiete, die in Bezug auf Boden, Klima, Pflanzen- und Tierwelt aber auch in Bezug auf die dort lebende Bevölkerung eine gewisse Einheit bzw. Untereinheit bilden. Zur Grenzziehung zwischen einzelnen Bioregionen wird zumeist die Wasserscheide der Flüsse herangezogen.
Das Grundprinzip der bioregionalistischen Wirtschaft besteht darin, dass die Menschen einer Bioregion ihren Konsum und ihren Arbeitseinsatz der überregionalen Wirtschaft zumindest zum Teil entziehen und für den Aufbau ihrer Bioregion bereitstellen. Dieses Ziel soll unter anderem durch das Einführen einer Komplementärwährung, zum Teil in der Form von Freigeld, gefördert werden. Die Bioregionen sollen wirtschaftlich möglichst unabhängig sein, um eine stabile, von den Schwankungen der Weltwirtschaft weitgehend unabhängige Wirtschaft aufzubauen, die von der einheimischen Bevölkerung geführt wird.
Die Bioregionalisten praktizieren eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft. Darüber hinaus setzen sie sich für eine saisongerechte Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in lokalen Geschäften ein.
In sog. Gemeinschaftlichen Landstiftungen wird billig Land an Bauern verpachtet, unter der Maßgabe, dass sie diese Flächen im Rahmen eines ökologischen Landbaus bewirtschaften.
Gesellschaftliche Bestrebungen und Kritik
Im Rahmen des Bioregionalius gibt es Bestrebungen, alternative regionale Religionsformen in Form einer naturnahen Religion oder Naturreligion zu gestalten. Die Bestrebungen sind sehr uneinheitlich und reichen von Buddhismus, Taoismus, Hinduismus, Neuheidentum, Asatru bis hin zu einem ökologischen Christentum. Oft werden innerhalb der Bioregion gemeinsam die Jahreskreisfeste wie Sommersonnenwende und Erntedank gefeiert, um die Verbundenheit mit der Region und der Natur zu verdeutlichen.
Zwischen den einzelnen Bioregionen soll durchaus eine starke interbioregionalistische Solidarität und Zusammenarbeit bestehen.
Dem Bioregionalismus wird vorgeworfen, zu unkritisch gegenüber Kooperationen mit heimatverbunden und esoterischen (z. B. Neuheidentum) Vereinen zu sein. Dem Bioregionalismus ist durch seinen Ansatz auch eine ablehenende Haltung zu allem Fremden zu eigen, die auch Xenophobie fördern kann. Im US-amerikanischen Bioregionalismus dominieren jedoch Antirassismus-Programme. Die Einteilung der Bioregionen erfolgt v. a. nach geographischen und biologischen Gesichtspunkten. Dabei sind nicht immer Geographie und Identifikation mit einer Region deckungsgleich. Der Bioregionalismus stellt auch den Versuch dar einen Gegenpol zur Globalisierung zu setzen. Es stellt sich die Frage, ob eine Orientierung auf eine ?Bioregion? tatsächlich eine adäquate politische Antwort darstellt.
Literatur
* Eduard Gugenberger und Roman Schweidlenka: Bioregionalismus ? Bewegung für das 21. Jahrhundert, Packpapier-Verlag 1996, ISBN 3-931504-07-7
* Oliver Geden: Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus, 2. erw. und aktual. Auflage, Espresso Verlag 1999, ISBN 3-88520-759-1
Jörg Bergstedt: Agenda, Expo, Sponsoring. Recherchen im Naturschutzfilz. Band 1: Daten, Fakten, historische und aktuelle Hintergründe. IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation 1998, ISBN 3-88939-613-5
Jutta Ditfurth: ''Entspannt in die Barbarei. Esoterik, (Öko-)Faschismus und Biozentrismus. Konkret Literatur Verlag 2002, ISBN 3-89458-148-4
Siehe auch
Biologismus, Globalisierung
Weblinks
• Rechte Ökologie: Polemik gegen Bioregionalismus als angebliche Abart des Nationalismus
• Kritik am Konzept von Gugenberger/Schweidlenka aus der Sicht von Ökolinx
*http://www.regionetzwerk.org

