Nahrungspyramide
Die Nahrungspyramide (auch Nährstoffpyramide oder Ökologische Pyramide) ist in der Ökologie eine vereinfachte, schematische, graphische Darstellung der quantitativen Verhältnisse der Trophieebenen einer Biozönose (Lebensgemeinschaft) in einem Ökosystem.An der Basis der Pyramide sind in der Regel die Primärproduzenten (autotrophe Organismen). Die folgenden Stufen nehmen die Konsumenten (heterotrophe Organismen) ein: zunächst die Konsumenten erster Ordnung (Pflanzenfresser), gefolgt von den verschiedenen Trophieebenen der Fleischfresser. An der Spitze der Pyramide befinden sich die sogenannten Endverbraucher.
Qualitative Grundlage einer Nahrungspyramide ist eine Nahrungskette, also ein Ausschnitt aus dem Nahrungsnetz eines Ökosystems. In der Regel werden Saprobionten und Destruenten nicht berücksichtigt. Auch Aasfresser werden meist nicht einbezogen, da diese gleichzeitig verschiedenen Stufen zugeordnet werden können.
In der Literatur werden meist Nahrungspyramiden dargestellt, die alle Organismen zu wenigen Trophieebenen zusammenfassen.
Typen von Nahrungspyramiden
Je nach gemessenem Parameter kann man verschiedene Nahrungspyramiden unterscheiden:
Biomasse
(Quelle Lutz Hafner et al., Ökologie, Schroedel-Verlag, 1978, S. 60)
Anmerkung: Die Zahlenangaben beziehen sich auf die Biomasse der Produzenten (100 %). Die Detritus-Biomasse kann in einem geschlossen Ökosystem durch die Destruenten rasch vollständig abgebaut werden (Uhu /'>|8000
|-
|Eichelhäher /'>|25
|-
|Zooplankton 4 cm ? Hering 40 cm ? Thunfisch 4 m - Schwertwal 9 m
/'>
|}
Parasiten
Auch die Individuenzahl-Pyramide von Parasitenbeziehungen stehen auf der Spitze: Ein Wirt hat wenige Parasiten, deren Parasiten (Sekundärparasiten) sind wieder zahlreicher.
Anmerkungen
*Nahrungspyramiden können im Verlauf eines Jahres oder während der Entwicklung eines Ökosystems (DDD nach einer Gnitzenbekämpfung im Clear_Lake (Kalifornien, USA) führte zu einer nahezu vollständigen Vernichtung der ursprünglich 500 Brutpaare der Zwergtaucher. In den auf die Aktion folgenden 20 Jahre wurde nur ein Junges aufgezogen. Im Wasser war nach 2 Wochen das DDD nicht mehr nachweisbar. Die Anreichehrung im Plankton betrug gegenüber dem Wasser das 250fache ? bei Kleinfischen das 2000fache ? bei Felchen und Welse das 10000fache ? bei den Sonnenbarschen das 12000fache ? bei den Zwergtauchern das 80000fache
*Ernährungspyramide: Die Nahrungspyramide der Ökologie ist nicht zu verwechseln mit der Ernährungspyramide der Ernährungskunde (Ökotrophologie), wie sie zum Beispiel vom US-Landwirtschaftsministerium 1992 veröffentlicht wurde. Sie gibt an, von welchen Nahrungsmitteln wie viel am Tag konsumiert werden sollte, um Schäden durch eine falsche Ernährung zu vermeiden. An der Basis stehen die Stärke enthaltenden Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis und Nudeln (6 bis 11 Rationen). Auf der nächsthöheren Ebene befinden sich Gemüse und Obst (jeweils 2 bis 3 Rationen). Die dritte Stufe nehmen eiweißreichen Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte (2 bis 3 Rationen) einerseits sowie Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Nüsse und Bohnen (2 bis 3 Rationen). An der Spitze der Pyramide sind Fette, Öle und Süßigkeiten zu finden, von welchen nur wenig konsumiert werden sollte. Aufgrund neuerer Erkenntnisse und differenzierter Betrachtung der einzelnen Nahrungsmittelklassen schlagen Walter C Willett und Meir J. Stampfer (Harvard Medical School Boston) eine neuen Ernährungspyramide vor: Pflanzenöle sind jetzt an der Basis bei den Getreideprodukten zu finden, während geschälter Reis, Weißbrot, Kartoffeln und Nudeln sowie Butter und rohes Fleisch an der Spitze, also bei den nur in geringen Mengen zu verzehrenden Nahrungsmitteln, stehen. Die Autoren räumen aber auch hier gewisse Unsicherheiten über den Zusammenhang von Essgewohnheiten und Gesundheit ein. (Quelle: Spektrum der Wissenschaft, März 2003, S. 58 ff.)

