Ökologische Landwirtschaft
, Schweiz ]]Die Begriffe ökologische Landwirtschaft oder biologische Landwirtschaft bezeichnen die Herstellung von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Grundlage möglichst naturnaher Produktionsmethoden und unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der Ökologie und des Umweltschutzes.
Die ökologische Landwirtschaft schließt den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide (Fungizide, Herbizide, Insektizide etc.), synthetische Wachstumsförderer, synthetische Düngemittel, Gentechnik und Lebensmittelbestrahlung aus. Folge-Produkte mit Zutaten aus ökologischem Anbau werden ohne Geschmacksverstärker hergestellt. Der Zusatz von Aromastoffen ist erlaubt, wenn es sich um natürliche Aromen handelt.
Gekennzeichnet werden Produkte aus ökologischer Landwirtschaft in Deutschland verpflichtend durch Angabe der zuständigen Öko-Kontrollstelle, fast immer auch durch ein Verbands- oder Bio-Siegel und häufig durch die Aufschrift aus kontrolliert biologischem Anbau, abgekürzt kbA. International ist die englische Bezeichnung organic üblich.
Abgrenzung von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft
Zur Abgrenzung des ökologischen Landbaus vom konventionellen Landbau sowie dem integrierten Landbau werden kurz die Grundzüge und Kerngedanken aller drei Landwirtschaftsformen dargestellt sowie deren Bezug zum Umweltschutz. Die allen gemeine Herstellung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen erfolgt dabei unter verschiedenen Gesichtspunkten und Ideologien.
Konventionelle Landwirtschaft
Ziel der konventionellen Landwirtschaft ist die effiziente Produktion von Lebensmitteln und Industrierohstoffen. Zur Produktivitätssteigerung nutzt die konventionelle Landwirtschaft jeden sinnvoll möglichen technischen Fortschritt und ersetzt daher in hohem Maße natürliches durch künstliches Kapital. Ökologische Zielsetzungen nehmen keine herausragende Stellung ein und werden nur im Rahmen rechtlicher Vorgaben verfolgt (Umweltschutzauflagen). Die konventionelle Landwirtschaft verursacht im Vergleich zu den beiden übrigen Wirtschaftsformen die meisten negativen externen Effekte.Institut für Landwirtschaft und Umwelt: Nachhaltigkeitsstrategien der Landwirtschaft aus ökonomischer Sicht, Bonn, 2002, S. 59 - 61
Integrierte Landwirtschaft
Der integrierte Landbau ist in seiner Wirtschaftsweise und Ideologie etwa zwischen dem konventionellen und dem ökologischen Landbau angesiedelt und versucht, ein Gleichgewicht zu finden zwischen ökologischer Verträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Ziel ist eine standortgerechte, umfassende, möglichst naturnahe Bewirtschaftung unter Abwägung aller Bewirtschaftungsmethoden (also auch ?konventionelle?). Trotz vorhandener Produktionsrichtlinien fehlen wegen der flexiblen Auslegung der Grundsätze detaillierte rechtliche Vorgaben bzw. Mindeststandards.Vgl. Institut für Landwirtschaft und Umwelt, S. 62 - 63
Ökologische Landwirtschaft
Bei der ökologischen Landwirtschaft oder auch biologischen LandwirtschaftDer Begriff ?biologische Landwirtschaft? wird eher in Österreich und in der Schweiz verwendet. steht eine nachhaltige Ressourcennutzung unter Berücksichtigung des Stoff- und Naturkreislaufs im Vordergrund. Durch den Rückgriff auf natürliche Regulationsmechanismen soll der Ersatz von natürlichem durch künstliches Kapital weitgehend verhindert bzw. rückgängig gemacht werden. Detaillierte Richtlinien garantieren die Verwirklichung der Grundsätze und geben Mindeststandards für die Produktion und Verarbeitung von ökologischen Erzeugnissen vor. Weitere ursprüngliche Kerngedanken des ökologischen Landbaus sind die Idee der Selbstversorgung und die Bewahrung der bäuerlichen Traditionen.Vgl. Institut für Landwirtschaft und Umwelt, S. 64-65
Der Artikel widmet sich ausschließlich der Sparte der ökologischen Landwirtschaft, wobei die verwendeten Begriffe ?ökologische Landwirtschaft? und ?ökologischer Landbau? gleichwertig sind und Begriffe wie ?Ökoprodukte? u. ä. sich direkt darauf beziehen.
Entwicklung und Entstehung des ökologischen Landbaus
Die Anfänge des ökologischen Landbaus reichen bis in die 1920er Jahre zurück. Von diesem Zeitpunkt an bis heute sind im Wesentlichen zwei Hauptströmungen der ökologischen Landwirtschaft auszumachen, die sich größtenteils parallel entwickelt haben. Die ?Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise? auf der einen Seite beruht auf geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen der anthroposophischen Weltanschauung. Ihre Grundsätze blieben im Wesentlichen bis heute erhalten, wurden jedoch durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt sowie in ihrer Anwendung stetig weiterentwickelt. Der Verband Demeter ist der einzige Vertreter der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Auf der anderen Seite steht der ?Organisch-Biologische Landbau?Vgl. G. Vogt: Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus, Bad Dürkheim, 1999, S. 11, der in den 1950er Jahren aus der Schweizer Heimatbewegung entstand, aber auch Wurzeln in der Lebensreform der 1920er Jahre sowie im dynamisch-biologischen Landbau hat. Im Laufe der Zeit wurde dieser durch neue Konzepte und wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt und erweitert und ist heute mit der gängigen ökologischen Landbaupraxis zu identifizieren, der sich die ökologischen Anbauverbände verschrieben haben (außer Demeter).Vgl. Vogt, S. 22-23H. Willer: Ökologischer Landbau in Europa ? Perspektiven und Berichte aus den Ländern der Europäischen Union und den EFTA-Staaten, Bad Dürkheim, 1998, S. 66-68
Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise
* siehe Hauptartikel Biologisch-dynamische Landwirtschaft
um 1900]]
Die Grundlage der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise bildet die Vortragsreihe ?Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft?Vgl. Vogt, S.98, die der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, im Juni 1924 hielt. Dabei stellte Rudolf Steiner kein erprobtes und ausgereiftes Konzept der ökologischen Landwirtschaft vor, sondern gab lediglich Anstöße für anthroposophisch fundierte Methoden der Landbewirtschaftung. Noch während der Vortragsreihe wurde der Landwirtschaftliche Versuchsring der anthroposophischen Gesellschaft gegründet, der in den Folgejahren die Arbeit der angeschlossenen ?Versuchsbetriebe? koordinierte und auswertete. Es galt, die theoretischen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen und Erfahrung zu gewinnen.Vgl. Vogt, S. 127
Hieraus und durch nachfolgende Facharbeiten entwickelte sich die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Die aus der anthroposophischen Naturerkenntnis heraus entwickelten Grundlagen beruhen in erster Linie auf geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht nur auf denen der Naturwissenschaft.Vgl. Vogt, S. 112Vgl. Willer, S. 65 So bildet Grundlage der Alltagsarbeit als auch der Lebensarbeit ein persönliches Verhältnis zum Naturgeschehen. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als eine lebendige Individualität, der Betriebsorganismus, angesehen, der auch nichtmateriellen Einflüssen unterliegt und dessen Gestalt von den einzigartigen, lokalen Standortverhältnissen geprägt ist.Vgl. Vogt, S. 99 ff Die kosmischen Äther- und Astralkräfte sind Grundlage des irdischen Lebens und somit des Wachstums und der Entwicklung von Pflanzen. Durch spezielle Düngeverfahren sollen diese Kräfte gezielt gefördert werden.Vgl. Vogt, S. 101Vgl. Willer, S. 65 Auch sollte der Betrieb in der Lage sein, sich weitgehend selbst zu erhalten.
Des Weiteren nimmt die Qualität von Nahrungsmitteln innerhalb der anthroposophischen Ernährungslehre einen zentralen Stellenwert ein, was die Bedeutung qualitativer Aspekte in der Landwirtschaft wie gesunde Pflanzen und Tiere, hochwertige Futtermittel und gesundes Saatgut bedingt. Hierzu zählt auch der Verzicht auf Mineraldünger.Vgl. Vogt, S. 101, S. 154-157
Diese anthroposophischen Grundsätze wurden in den 1950er Jahren durch sozioökonomische Konzepte ergänzt, die auf den Erhalt der bäuerlichen Lebensweise abzielten. Ebenfalls erst in den 1950er Jahren begann die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, die allgemein anerkannten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu Bodenfruchtbarkeit und Humuswirtschaft zu integrieren.Vgl. Vogt, S. 174 ff In den 1990er Jahren rückte der Betriebsorganismusgedanke sowie die Ausrichtung auf eine bäuerliche Lebenswelt zugunsten der Fragen des Naturschutzes und der Nachhaltigkeit in den Hintergrund, wobei die bisherige Landbaupraxis hinsichtlich umweltschonender Landbewirtschaftung erweitert bzw. neu gedeutet wurde.
Der Demeter-Anbauverband in seiner heutigen Struktur als Vermarkter und Zertifizierer wurde 1954 als Demeter-Bund e.V. gegründet, geht aber auf die frühere Gründung und dem Zusammenschluss einer Reihe weiterer Verbände zurück, weshalb das Gründungsjahr von Demeter e.V. selbst als das Jahr 1924 angegeben wird.http://www.demeter.de
Organisch-biologische Landwirtschaft
Der in den 1950er Jahren entwickelte ?Organisch-Biologische Landbau? hat seinen Ursprung in der Lebensreform-Bewegung der 1920er Jahre. Diese bildete sich im Kontext der zunehmenden Urbanisierung und Industrialisierung der Jahrhundertwende und den damit einhergehenden sozialen Problemen. Zudem strebte sie als Gegenpol zur ?Unnatürlichkeit? der städtischen Lebensverhältnisse eine ?Rückkehr zu einer naturgemäßen Lebensweise? und in Bezug auf die Landwirtschaft das Siedeln auf dem Land mit Selbstversorgung durch Obst- und Gartenbau, vegetarische und qualitativ hochwertige Ernährungsweise sowie den Verzicht industrieller Hilfsmittel an.Vgl. Vogt, S. 24-25, S. 60-61 Zudem stützte sich die Bewirtschaftung bezüglich der Bodenbewirtschaftung und Nahrungsmittelqualität auf Erkenntnisse biologisch ausgerichteter Landbauwissenschaften.Vgl. Vogt, S. 62
Angestoßen durch dieses Konzept sowie der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise entwickelten Bäuerinnen und Bauern der Schweizerischen Heimat-Bauernbewegung aufbauend auf ihren Erfahrungen unter Führung des Ehepaars Müller, den organisch-biologischen Landbau als eigenständiges ökologisches Landbausystem in den 1940er und 1950er Jahren. Ziel der Heimatbewegung war, die bäuerliche Lebensweise in der industrialisierten Welt vor dem Untergang zu bewahren.Vgl. Vogt, S. 197, S. 307 Aus dem christlichen Glauben leitete Hans Müller die Verantwortung der Landwirtschaft gegenüber der Familie als Lebensgemeinschaft und Tradition sowie gegenüber der Natur als Heimat und Schöpfung.Vgl. Vogt, S. 198
Die theoretische Grundlage des organisch-biologischen Landbaus lieferte der Deutsche Wissenschaftler Hans Peter Rusch (1906-1977), der 1952 zu den Müllers stieß. Seine Forschungsarbeiten lieferten neue Erkenntnisse über die Bodenmikrobiologie, deren Kreisläufe und die damit zusammenhängende Bodenfruchtbarkeit und wurden als Naturhaushaltkonzept des ?Kreislaufs der lebendigen Substanz? in den organisch-biologischen Landbau eingegliedert.Vgl. Vogt, S. 209-212
Dieses ökologische Landbausystem breitete sich ab den 1960er Jahren auch in Deutschland aus. Erstmals stellten Betriebe auf die organisch-biologische Wirtschaftsweise um,Vgl. Vogt, S. 233 in dessen Zuge 1971 auch der Anbauverband Bioland, ehemals bio-gemüse e.V., gegründet wurde.Vgl. Willer, S. 66 Es bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung des ökologischen Landbaus in Deutschland. (Ausgenommen hiervon war die eigenständige biologisch-dynamische Wirtschaftsweise.)
Angesichts der sozialen, ökonomischen und vor allem ökologischen Folgen der chemisch-technischen Intensivierung der Landbewirtschaftung und der aufkeimenden Umweltbewegung gewann der ökologische Landbau in den 1970er und 1980er Jahren in der Gesellschaft und Landwirtschaft an Bedeutung,Vgl. Vogt, S. 264 was sich auch in Verbandsneugründungen niederschlug. Die immer stärker zutage tretenden Umweltproblematiken und die seit den 1990er Jahren geführte Nachhaltigkeitsdiskussion führte dazu, dass sich die ökologische Landwirtschaft gesellschaftlich wie politisch als zukunftsfähiges, umweltschonendes Landbausystem etablierte.
Produktionsweisen in der ökologischen Landwirtschaft
Allgemeines zum ökologischen Landbau der Anbauverbände
Im Folgenden seien einige entscheidende Punkte genannt, die den heutigen ökologischen Landbau der Anbauverbände charakterisieren sowie auf die Entwicklung der letzten Jahrzehnte Bezug nehmen. Diese Grundsätze beziehen sich auf beide in Deutschland vertretenen oben beschriebenen ökologischen Landbausysteme, wobei die konkrete Ausgestaltung der Grundlagen durchaus unterschiedlich ist.
* Der ökologische Landbau bezog sich zunehmend auf die Konzepte der Ökosystem-Theorie, die den Naturhaushalt über Stoff- und Energiekreisläufe beschreibt. Gekoppelt mit der ursprünglichen Idee der Selbstversorgung lässt sich daraus der in der ökologischen Landbaupraxis verfolgte Grundsatz der Kreislaufwirtschaft ableiten. Hiernach soll der Betrieb nach einer ganzheitlichen Auffassung, idealer weise lediglich durch die Nutzung seiner eigenen Ressourcen gemäß den geschlossenen Stoffkreisläufen bewirtschaftet werden. Konkret heißt dies, dass Ackerbau und Viehhaltung aneinander gekoppelt sind: Auf der Ackerfläche werden neben Verkaufsfrüchten auch Futterpflanzen für die Tierhaltung erzeugt, die pflanzlichen Abfälle und der tierische Dung werden wiederum der Ackerfläche als Dünger zugeführt.Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LNRW) (www.oekolandbau.nrw.de): http://www.oekolandbau.nrw.de/umstellung/einfuehrung/index.html
* Der Bodenbewirtschaftung und der damit verbundenen Bodenfruchtbarkeit kommt eine große Bedeutung zu, weshalb auf vielseitige Fruchtfolge und schonende Bodenbearbeitung gesetzt wird. Zur Düngung werden betriebseigene pflanzliche und tierische Abfallstoffe verwertet und organische oder in natürlicher Form vorliegende mineralische Dünger eingesetzt. Auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wird verzichtet und stattdessen auf natürliche Regulationsmechanismen zurückgegriffen.
* Anfang der 1980er wurde die artgerechte Tierhaltung erstmals thematisiert und Konzepte dazu entwickelt.
* Die ökologische Landwirtschaft lehnt den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen klar ab.
Allgemeines zum verbandsunabhängigen ökologischen Landbau nach EG-Kriterien
Bis Anfang der 1990er Jahre gab es nur wenige ökologisch wirtschaftende Betriebe, die sich nicht einem der Anbauverbände angeschlossen hatten. Mit dem in Kraft Treten der EG-Öko-VO 1992 gab es nun die Möglichkeit für Betriebe, außerhalb der Verbände nach anerkannten, ökologischen Richtlinien zu produzieren. Dies sowie der Ausbau von Förderprogrammen seitens des Bundes ließ die Zahl der verbandsungebundenen Betriebe sprunghaft anwachsen.Vgl. Willer, S. 86 Somit gibt es eine stetig wachsende Menge von Betrieben, die ausschließlich nach den in der EG-Öko-VO festgelegten Kriterien wirtschaften, die jedoch hinter den Standards der ökologischen Anbauverbände zurückbleiben.Vgl. Willer, S. 81 Ein nachfolgender Vergleich der EG-Richtlinien mit denen eines Vertreters der ökologischen Anbauverbände bestätigt dies und weist auf wesentliche Unterschiede hin.
Vergleich: Bioland ? EG-Öko-Verordnung
Aus den Richtlinien von Bioland und aus denen der EG-Öko-VO wurden einige Punkte herausgegriffen und in der folgenden Tabelle nebeneinander gestellt, Bioland steht an dieser Stelle stellvertretend auch für die übrigen deutschen Anbauverbände, deren Regelwerk über große Teile deckungsgleich ist:
Hieran soll noch einmal konkret verdeutlicht werden, dass die Richtlinien der Anbauverbände hinsichtlich Ackerbau, Tierhaltung und Verarbeitung über die der EG-Öko-VO hinausgehen. Auch wird ersichtlich, dass durch die gemäß den EG-Richtlinien mögliche Teilumstellung des Betriebs sowie der nicht eindeutig geregelte Zukauf von Futter und Dünger dem Grundsatz der Kreislaufwirtschaft, wie er von den ökologischen Anbauverbänden vertreten wird, widerspricht.
Ökologische Pflanzenproduktion
Bei der ökologischen Pflanzenproduktion wird auf Monokulturen und den Einsatz chemischer Syntheseprodukte, wie Fungizide, Herbizide und Insektizide (diese drei werden von den Medien häufig als Pestizide verallgemeinert), Kunstdünger, Wachstumsregulatoren und Antibiotika sowie gentechnisch veränderter Mittel und Produkte verzichtet, stattdessen werden dem Boden durch Mist- oder Güllegaben und Gründüngung möglichst aus eigenen Mitteln Nährstoffe zugeführt. Die Verwendung von Pflanzenschutzmittel ist stark eingeschränkt. Neben Pflanzenpräparaten (wie z.B. Brennnesseljauche, Schachtelhalm-, Wermut-, Algenextrakte), Pyrethrumextrakt (ohne chemisch-synthetische Pyrethroide) oder Ölemulsion auf der Basis von Paraffinölen, Pflanzenölen oder tierischen Ölen (ohne Beimischung chemisch-synthetischer Insektizide) sind auch in begrenztem Umfang und Einsatzgebiet bestimmte anorganische Schutzmittel (wie z.B. bestimmte Kupfersalze als Saatgutbeizmittel oder Netzschwefel als Fungizid) zugelassen Österreichisches Lebensmittelbuch (Codex alimentarius austriacus). Zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen setzt man neben dem Anbau bewährter, robuster Sorten und guten Wachstumsbedingen auch auf die Methoden der biologischen_Schädlingsbekämpfung.
schädlingen auf einer Farm in South Carolina.]]
Mittels spezieller Anbaumethoden wie Ecofarming oder Permakultur wird teilweise versucht, sich im Kulturanbau den Wachstumsmustern der Natur zu nähern, um mit möglichst geringem Fremdmitteleinsatz einen möglichst hohen Ernteertrag zu erzielen.
Ökologische Viehzucht
Es ist nur logisch, dass die ökologischen Erwägungen bei der Agrarwirtschaft begonnen haben und nicht bei der Viehzucht, denn die Ernährung der Tiere hängt direkt von der Agrarwirtschaft ab. Nach und nach ist man in der Viehzucht aber den Vorgaben aus der Agrarwirtschaft gefolgt und hat diese auch in die ökologische Produktion miteinbezogen.
Erst etwa acht Jahre nach der Einführung der Bestimmungen zur landwirtschaftlichen Produktion wurde die Verordnung CE 1804/1999 genehmigt, worin die Prinzipien und spezifischen Kontrollmaßnahmen zur ökologischen Erzeugung von Fleisch und weiterverarbeiteten Tierprodukten festgehalten werden. Der Prozess zur Einbeziehung der Viehzucht wurde durch den Druck der Verbraucher begünstigt, die ihrerseits durch die vielen alarmierenden Meldungen über Krankheiten und sonstige gesundheitsschädliche Vorgänge in der Nahrungsmittelindustrie aufgeschreckt wurden.
Die ökologische Viehwirtschaft basiert auf der Bevorzugung ökologischer Vielfalt, der Bevorzugung von Rassen, die sich ihrem Umfeld am besten angepasst haben und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten; zudem ist den einheimischen Rassen ? bei gleichen Voraussetzungen - Vorrang einzuräumen.
Es wird eine extensive_Produktionsform vorgeschrieben. Der Zukauf von Futtermitteln ist reglementiert, die Verfütterung von Tiermehl und lange Lebendtransporte von Schlachtvieh über große Distanzen sind verboten (man beachte hier die Unterschiede zwischen EU-Öko-VO und den Anbaubetrieben, siehe Tabelle_oben), der Absatz der Erzeugnisse findet nach Möglichkeit unter den Gesichtspunkten eines regionalen Kreislaufs statt.
Gentechnisch manipulierte Tiere und von ihnen erzeugte Produkte vertragen sich nicht mit den Prinzipien ökologischer Viehwirtschaft.
= Tierschutz
=am Beispiel von Schweinen]]
Die Bestimmungen schreiben Unterkünfte in genügender Größe, ausreichende Belüftung und Helligkeit vor. Die ökologische Viehzucht lehnt Massenzuchtmethoden zur Ertragssteigerung, wie die Aufzucht von Tieren auf kleinstem Raum, ständige, künstliche Beleuchtung, etc. ausdrücklich ab.
Die Bewegungsfreiheit der Tiere muss in jedem Falle gewährleistet sein und die natürlichen Aktiv- und Ruhephasen müssen respektiert werden.
Die richtige Ernährung der Tiere basiert auf aus ökologischem Anbau stammenden Produkten. Tierproteine dürfen weder direkt, noch als Beimischung im Futter gefüttert werden. Bei Säugetieren ist die Einhaltung einer bestimmten Stillzeit vorgeschrieben.
Um die Tiere gesund zu erhalten, muss Infektionen und Krankheiten auf bestmögliche Weise vorgebeugt werden: Es werden widerstandsfähige Rassen ausgesucht und für eine ausgewogene Ernährung mit ausgewähltem Futter ebenso gesorgt, wie für die richtige Menge an Viehbestand, etc.
Sollten sich trotz vorbeugender Maßnahmen Gesundheitsprobleme ergeben, werden umgehend Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, die die Anforderungen für Ökobetriebe erfüllen. Hierbei werden vorzugsweise pflanzliche oder homöopathische Mittel bzw. Spurenelemente als Medikamente eingesetzt und der Gebrauch von synthetischen Chemieprodukten oder Antibiotika weitestgehend eingeschränkt. Letztgenannte Mittel dürfen in keinem Fall zu Vorbeugungszwecken eingesetzt werden. Ausdrücklich verboten ist jede Form von wachstumsfördernden oder ertragssteigernden Mitteln. Außerdem werden Techniken abgelehnt, die der Synchronisierung der Fruchtbarkeitszyklen auf unnatürlichem Wege dienen, sowie die Übertragung von Embryos und genetische Manipulationen.
Zudem gibt es Vorschriften über den richtigen Transport der Tiere: der Stress für die Tiere muss auf ein Minimum reduziert werden; Beruhigungsmittel für die Transportdauer sind verboten.
Die einzelnen Anbauverbände und Markenfleischprogramme unter den verschiedenen Öko- und Bio-Siegeln unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten deutlich voneinander, besonders hinsichtlich Verbot oder Zulassung betäubungsloser Kastrationen und Enthornungen der Tiere PROVIEH - VgtM e.V. : "Einkaufshilfe.Durchblick bei Öko-Siegeln und Bio-Marken", Heikendorf b. Kiel, 2006.
Bioverbände
Die Mehrzahl der ökologischen Produzenten haben sich in verschiedenen Anbauverbänden zusammengeschlossen wie in der Bundesrepublik Deutschland z.B. Bioland, Demeter, Naturland, Gäa e.V. oder Biopark, welche durch ihre im Vergleich zur EU-Gesetzgebung nochmals strengeren Bestimmungen und Kontrollen dem Verbraucher zusätzlich Produktsicherheit garantieren. In der Schweiz ist Bio Suisse der größte Anbauverband, in Österreich Bio Austria.
Im Folgenden wird zunächst eine Übersicht über die in Deutschland agierenden Anbauverbände, ihre Struktur und Aufgaben gegeben. Um deren Entstehung und Ideologien nachzuvollziehen, wird anschließend die geschichtliche Entwicklung des Ökolandbaus in Deutschland erläutert und nachfolgend der heutige ökologische Landbau der Anbauverbände vorgestellt. Dabei sollen die bestehenden ideellen und praktischen Unterschiede der beiden ideologischen Strömungen innerhalb der Biobranche herausgearbeitet werden. Zum Ökolandbau gemäß EU-Kriterien siehe obigen_Abschnitt: dort findet sich ein Richtlinienvergleich der die EG-Kriterien vom ökologischen Landbau der Anbauverbände abgegrenzt.
Als Interessengemeinschaft ökologisch wirtschaftender Landwirte gegründet, haben sich die Anbauverbände als Vertreter von Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern der Biobranche in Politik und Gesellschaft mit dem vorrangigen Ziel der Ausweitung und Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus etabliert. Durch die zur Verfügung Stellung eines breiten Netzwerks bestehender Infrastrukturen und Leistungen wie Beratung und Fortbildung bieten sie einerseits ihren Mitgliedern Entwicklungs-, Austausch- und Absatzmöglichkeiten. Andererseits sorgen Richtlinien und Labels für Qualitätssicherung und deren Kommunikation nach außen.
Anbauverbände
Derzeit gibt es in Deutschland acht ökologische Anbauverbände, die sich in Größe, Tätigkeitsbereich und regionaler Ausbreitung unterscheiden. Darüber hinaus gibt es den national agierenden ?Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft? (BÖWL), in dem die meisten der Anbauverbände sowie weitere fachverwandte Institutionen organisiert sind. Auf internationaler Ebene wird die Biobranche durch den Dachverband ?International Federation Of Organic Agriculture Movements? (IFOAM) vertreten.
Folgende Tabelle gibt eine kurze Übersicht über die Verbände mit ihren Labeln:
Nach der Gründung der ?Pionierverbände? Schröder (SPD) und besonders unter der grünen Ministerin Renate Künast stark gefördert. Der neue Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zeigt bisher keine Anzeichen für einen grundlegenden Kurswechsel, auch wenn er in Einzelfragen andere Ansichten vertritt als seine Vorgängerin.
Aufgekommen ist diese Form der Landwirtschaft vor allem in den 80ern des letzten Jahrhunderts infolge des allgemein gewachsenen Umweltbewusstseins. Am Anfang standen vereinzelte kleine Bioläden, die sich für einen kleinen Käuferkreis auf ökologische Produkte spezialisiert hatten. Seit Jahren findet man Ökoprodukte auch in den meisten konventionellen Supermarktketten, viele davon haben inzwischen eigene Öko-Hausmarken (?Füllhorn?, ?Bio Wertkost?) etabliert. Zur Zeit expandiert neben anderen Wettbewerbern die Bio-Supermarktkette "ALNATURA" mit einem Sortiment von ausschließlich Bio-Produkten bundesweit. Um eine bessere Unterscheidbarkeit von konventionell und ökologisch hergestellten Lebensmitteln zu ermöglichen, wurde in Deutschland im Jahre 2001 das Bio-Siegel eingeführt, mit dem alle nach EG-Öko-Verordnung hergestellten Produkte freiwillig gekennzeichnet werden dürfen.
Umweltwirkungen des Ökologischen Landbaus
Diese lassen sich in Anlehnung an KöpkeKöpke, Ulrich (2002): Umweltleistungen des Ökologischen Landbaus. Eine Zusammenschau wissenschaftlicher Untersuchungen. In: Ökologie und Landbau 2/2002, S. 6-18. gliedern in bestimmte Umweltwirkungsbereiche. Hauptkategorien sind Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung.
Ressourcenverbrauch
* geringerer Energieverbrauch (u.a. wg. Wegfall von Kunstdünger und chemisch-synthetischen Pestiziden): Energieersparnis etwa 65 Prozent
* geringerer Mineralverbrauch (v.a. interessant bei Phosphor wg. begrenzter Reserven; dessen Verbrauch wird im Öko-Landbau auf Null reduziert)
Umweltverschmutzung
Unmittelbar geht es dabei um Belastungen der Umweltmedien Boden, Wasser und Luft, der Organismen und Ökosysteme; diese geschehen durch mechanische Einwirkung und Stoffeinträge. Köpke gliedert dies in acht verschiedene Unterbereiche.
* Klimawirkungen: Verringerung der Emissionen an Treibhausgasen (Kohlendioxid, Distickstoffmonoxid, Methan), beispielsweise bei Kohlendioxid um etwa 60 Prozent; bewirkt durch die Reduktion zugekaufter Betriebsmittel und eine größere CO2-Senke (Bindekapazität für CO2) vor allem durch höhere Gehalte an organischer Bodensubstanz
* Eutrophierung der Böden und Gewässer: der ökologische Landbau emittiert deutlich weniger Stickstoff und Phosphor (N-Emissionen konventionell 132 kg/ ha/ Jahr, ökologisch 30-40 kg/ ha/ Jahr), Ursache sind v.a. der geringere Viehbesatz (v.a. Schweine), das Verbot von Massentierhaltung, die geringen Zukäufe von Fremdfuttermitteln und von sticksoffhaltiger Düngemittel
* Versauerung von Böden und Gewässern: Während die konventionelle Landwirtschaft durchschnittlich 44 kg SO2-Äquivalent/ ha emittiert, sind es beim ökologischen Landbau nur ca. 21 kg SO2-Äquivalent/ ha. Eine andere Rechnung ermittelt eine Senkung der weiträumigen Versauerungswirkung beim ökologischen Landbau um über 30 Prozent, womit ungefährliche Werte erreicht sind.
* Bodenschäden: Tendenziell sind Erhalt und Verbesserung von Bodenstruktur/ Bodenleben und damit der Bodenfruchtbarkeit festzustellen sowie eine Vermeidung von Bodenerosion. Dies wird gewährleistet durch vielgestaltige Fruchtfolgen, Zufuhr organischer (nicht mineralischer) Dünger und gefügeschonende Bodenbearbeitung. Speziell zur Verbesserung des Bodenlebens (Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen in den Mittelporen des Bodens; dazu Tiere in der Größenordnung von Regenwürmern): langjährige mikrobiologische Untersuchungen weisen höhere mikrobiologische Biomasse nach anhand Messung von ATP, Bodenatmung (Kohlendioxidgehalt), Bodenenzymen, Stickstoff-Mineralisierung und Zelluloseabbau; nach Umstellung auf Ökolandbau steigt die mikrobielle Biomasse viele Jahre an und stabilisiert sich dann auf hohem Niveau. ? Die Umweltwirkungen in diesem Bereich variieren jedoch innerhalb der Gruppe der ökologisch bewirtschafteten Betriebe, nicht in jedem Fall ist ein ökologisch bewirtschafteter Betrieb im Bodenschutz leistungsfähiger als ein konventioneller Betrieb.
* Trinkwasserbelastung: die Belastung des Grundwassers und der Oberflächengewässer durch chemisch-synthetische Pestizide fällt im ökologischen Landbau vollkommen weg. Die Belastung durch Nitrat ist bei ökologischer Bewirtschaftung deutlich geringer: es wurden Verringerungen um 55 Prozent gemessen.
* Artenvielfalt: beim ökologischen Landbau zwei- bis sechsfach höhere Anzahl an Ackerwildkräuter-Arten (durch Wegfall der chemisch-synthetischen Pestizide, durch vielfältigere Fruchtfolge, durch Wegfall leicht löslicher Kunstdünger); auch bei der Ackerfauna wurden höhere Zahlen gemessen. Bei Grünlandflora weisen ökologisch bewirtschaftete Flächen um 25 Prozent höhere Artenzahlen auf, bei Grünlandfauna sind aufgrund des größeren Blütenangebots ebenso höhere Zahlen zu verzeichnen (aber auch im Öko-Landbau abhängig von Intensität und Zeitpunkt der Nutzung). Die Kulturartenvielfalt ist im ökologischen Landbau ebenfalls höher, auch sind die dort gehaltenen Tiere robuster.
* Landschaftsbild (Biotopvielfalt): Zwar gibt es im Ökologischen Landbau eine geringe Tendenz zu mehr Begeitbiotopen (Hecken, Grenzstreifen etc.), der Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft ist jedoch nicht sehr groß. Vielmehr variiert die Situation innerhalb der Gruppe ökologisch bewirtschafteter Betriebe ebenso stark wie innerhalb der Gruppe der konventionellen Betriebe. Naturschützer fordern hier vermehrte Anstrengungen.
* Auswirkungen auf Menschen: Direkte Schäden für Produzenten durch Pestizidvergiftungen entfallen. Die Qualität der Nahrungsmittel ist höher: gemessen wurde eine geringe bis nicht vorhandene Belastung von pflanzlichen und tierischen Produkten mit wertmindernden Inhaltsstoffen (z.B. Pestizide, Nitrat, Antibiotika, Hormone, Beruhigungsmittel), ein größerer Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen (Mineralstoffe, Vitamine, Aromastoffe) sowie eine größere Haltbarkeit der agrarischen Produkte.
Gesamtbilanz: viele Studien belegen einerseits, daß ökologischer Landbau im Vergleich in zahlreichen Bereichen eine wesentlich bessere Umweltwirkung aufweist. Andererseits zeigen sich einzelne Bereiche, in denen der ökologische Landbau nicht ?automatisch? bessere Umweltwirkungen zeigt. Dies betrifft vor allem den Bereich Naturschutz/ Artenschutz, etwa bei der Pflege von Magerrasen, aber auch den Bereich Bodenschutz. Die Ursache ist bekannt: auch auf den ökologischen Landbau wirken die Faktoren, die eine Intensivierung der Bewirtschaftung begünstigen; beispielsweise sind seit den 1990er Jahren die Erzeugerpreise für viele Öko-Produkte in Deutschland gesunken.
Kosten für Endverbraucher und volkswirtschaftliche Kostenbilanz
Die Endpreise für Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft sind für den Konsumenten im Vergleich zu denen für Erzeugnisse aus konventioneller Landwirtschaft zunächst höher: Da in den Bereichen Anbau, Ernte, Transport und Lagerung aufgrund strengerer gesetzlicher Vorschriften für Ökoprodukte in vielen Punkten eine höhere Arbeits- und Managementleistung erforderlich ist, fallen höhere Kosten an, die an den Verbraucher weitergegeben werden müssen, um rentabel wirtschaften zu können. Auch liegen die durchschnittlichen Betriebsgrößen bei Bioerzeugern, Verarbeitern und Händlern meist deutlich unter denen konventionell wirtschaftender Betriebe, was häufig einen Nachteil im Hinblick auf Skalenerträge mit sich bringt.
Es gibt Anzeichen, dass die tatsächlichen gesamtvolkswirtschaftlichen Kosten der Ökolandwirtschaft auf dem selben Niveau oder sogar unter denen der konventionellen Produktion liegen, wenn man die indirekten Folgekosten der letzteren für den Steuerzahler oder die Nachwelt in die Rechnung mit einbezieht: Man denke z.B. an die steigenden Kosten für die Aufbereitung des Trinkwassers oder die Flächenverluste durch weltweit erodierende Böden.
Zudem werden die in Zukunft höheren Energiepreise - vor allem das teurer werdende Rohöl - sich stärker auf die konventionelle Landwirtschaft auswirken, als es beim biologischen Anbau der Falls sein wird. Ein Liter Düngemittel bedarf in der Produktion im günstigsten Fall 1,4 Liter Öl, so verbrauchen die USA jährlich alleine für die Düngemittelherstellung 100 Mio. Barrel Öl, mehr als die weltweite Tagesproduktion. Deutschland verbraucht jährlich fast 30 Mio. Barrel. Dies könnte in Zukunft zu einer Preisannäherung beim Konsumenten führen.
Siehe auch: Ölfördermaximum_und_die_Landwirtschaft
Probleme und Konfliktfelder
Das Monitoring-System für Obst und Gemüse im Naturkosthandel untersucht Bio-Obst und Bio-Gemüse systematisch auf Belastungen mit Pestiziden in Deutschland.
Da Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft in der Regel höhere Marktpreise erzielen, können kriminelle Produzenten oder Händler versucht sein, konventionell erzeugte Produkte als solche aus ökologischem Anbau auszugeben.
Manche Untersuchungen ergaben auch bei als ökologisch deklarierter Ware erhöhte Belastungen mit Pflanzenschutz- und Konservierungsmitteln oder Fungiziden. Im Allgemeinen ist die Sicherheit für den Verbraucher bei ökologischen Produkten jedoch wegen des relativ engmaschigen Netzes von Kontrollen wesentlich größer als bei konventioneller Ware.
Dr. Alberta Velimirov (Fachbereich Nahrungsmittelqualität am Ludwig-Boltzmann-Institut für Biologischen Landbau und Angewandte Ökologie) verglich die Nahrungsmittelqualität von Produkten aus biologischer und konventioneller Landwirtschaft. Untersucht wurden unter anderem die mehrjährigen Auswirkungen auf Tiere hinsichtlich Fertilität und Gesundheit. Höhere Geburtenrate und bessere Aufzuchtsergebnisse und geringere Infektanfälligkeit zeichneten die ökologisch gefütterten Gruppen aus Nahrungsmittelqualität von Produkten aus biologischer und konventioneller Landwirtschaft im Vergleich. Wien, April 2002.
Die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Virginia Worthington kam in einem Review von 41 veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die den Nährwert ökologisch und konventionell angebauten Gemüses, Obstes und Getreides verglichen, zu dem Schluss, dass ökologische Lebensmittel signifikant mehr Nährstoffe verschiedener Gruppen enthalten. Durchschnittlich enthielt Bioware 27 % mehr Vitamin C, 21,1 % mehr Eisen, 29,3 % mehr Magnesium und 13,6 % mehr Phosphor. Zusätzlich enthielten die Bioprodukte 15,1 % weniger Nitrate als die konventionelle Vergleichgruppe.Virginia Worthington: "Nutritional Quality of Organic Versus Conventional Fruits, Vegetables, and Grains", veröffentlicht in The Journal of Alternative and Complementary Medicine, Vol. 7, No. 2, 2001 (S. 161-173) Dieser behauptete gesundheitliche Vorteil von Bioprodukten bedarf weiterer Untersuchung, unbestreitbar ist hingegen, dass Bioprodukte allgemein weniger mit schädlichen Produktionsrückständen belastet sind und dass die Ökologische Landwirtschaft als ganze eher geeignet ist, die natürlichen Ressourcen zu schonen und die Böden auch für die Zukunft fruchtbar zu erhalten.
Nicht verschont bleibt auch der Bioanbau von der Saatgut
Entgegen gängiger Vorstellung sind Bio-Produkte nicht notwendigerweise unverfälschte, rein natürliche Lebensmittel, da die Zugabe von künstlich hergestelltem Aroma zur Geschmacksverbesserung eingeschränkt erlaubt ist EG-Öko-Verordnung, Anhang VI A. Mai 2006, S. 10. Ein kritischer Blick auf die Zutatenliste ist daher auch bei Bio-Produkten anzuraten. Bei offen verkauften Bio-Waren und in Bio-Restaurants, wo keine Zutatenlisten veröffentlicht werden müssen, haben es Menschen, die Lebensmittel mit Aromazusatz ablehnen, schwerer, geeignete Bezugsmöglichkeiten zu finden.
Biologische Verunreinigung
Die ungewollte Vermischung gentechnisch veränderter Pflanzen mit konventionell oder biologisch angebauten Pflanzen stellt vor allem für die ökologische Landwirtschaft ein Problem dar, da diese - im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft - gentechnisch veränderte Organismen klar ablehnt (s.o.) und auch aus rechtlicher Sicht Bioprodukte keine gentechnisch veränderten Zutaten enthalten dürfen. Das Phänomen wird in Fachkreisen auch unter dem englischen Begriff «biotech pollution» diskutiert. Hierbei sind zwei Fälle zu unterscheiden:
* das Auskreuzen von genmanipulierten und unveränderten Sorten auf benachbarten Feldern durch Pollenflug oder Bienen
* die Vermischung von ökologischen Erzeugnissen während der Lagerung oder des Transports mit genmanipulierten Organismen (sogenannten GMOs)
Den betroffenen Bauern aus der ökologischen Landwirtschaft entsteht durch die Verunreinigung ihrer Erzeugnisse teilweise ein erheblicher finanzieller Schaden, da diese ihre Erzeugnisse nicht mehr absetzen können.Die Zeit: http://www.zeit.de/2006/01/Gentechnik_2fUSA Um zumindest das Auskreuzen zwischen benachbarten Feldern zu verhindern gibt es Bestrebungen ein möglichst dichtes Netz von aneinander angrenzenden Betrieben zusammenzufügen. Dadurch würden - bis auf die Randbezirke - ökologische Betriebe mit anderen benachbart und so ein Einflug von fremden Pollen weitgehend verhindert.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Anfang Mai 2007 ergangenes Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts Augsburg. Ein Imker aus Kaisheim hatte gegen ein Gentech-Mais-Feld in Nachbarschaft seiner Bienenstöcke geklagt und Recht bekommen, laut Gerichtsbeschluss muss sein Honig vor den Pollen des Gentech-Maises geschützt werden, die Landwirtschaftsverwaltung des Freistaats Bayern muss ihr Versuchsfeld nun vor der Blüte abernten oder die Pollenfahnen während der Blütezeit abschneiden. (Beschluss des Verwaltungsgerichts Augsburg vom 4.5.2007, Az. Au 7 E 07.259) Informationsdienst Gentechnik: http://www.keine-gentechnik.de/dossiers/bt-mais-und-bienen.html
Auch im Zusammenhang des internationalen Handels lässt sich hier ein Konfliktfeld beobachten. So drängen die USA bei der WTO auf eine Öffnung des europäischen Markts für gentechnisch veränderte Organismen. Das Einfuhrverbot der EU und anderer Märkte führte jedoch zu einem zeitweise Zusammenbrechen der us-amerikanischen Exporte. Dabei stellte der Einsatz für GMOs durchaus auch auf offizieller Linie das politische Programm der USA dar: so war auf der Web-Seite des Agrarministeriums zeitweise nachzulesen, dass es »im nationalen Interesse« liege, den »Kampf für die Biotechnologie zu führen«. Die Zeit: http://www.zeit.de/2006/01/Gentechnik_2fUSA?page=2.
Siehe auch
• Landwirtschaft]
• Produktion]
• Direktvermarktung]
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• Naturkost
*Anbauverband
*Bio-Siegel
*Bio-Lebensmittel
*Sir' target='blank'> *G._Vogt:_Entstehung_und_Entwicklung_des_ökologischen_Landbaus._Bad_Dürkheim_1999
*H._Willer:_Ökologischer_Landbau_in_Europa_?_Perspektiven_und_Berichte_aus_den_Ländern_der_Europäischen_Union_und_den_EFTA-Staaten._Bad_Dürkheim_1998
_Weblinks_
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