Biologische Waffe
Biologische Waffen sind Massenvernichtungswaffen, bei denen Krankheitserreger oder natürliche Giftstoffe (Toxine) gezielt als Waffe eingesetzt werden.Sie gehören zu den ABC-Waffen.
Geschichte
Antike und Mittelalter
Schon vor 2.000 Jahren verseuchten Perser, Griechen und Römer die Brunnen ihrer Feinde mit verwesenden Leichen. Im Jahr 1346 wurde dann die Bevölkerung der Stadt Kefe (heute: Feodossija) von den Tataren nach dreijähriger Belagerung mit deren Pesttoten beschossen, indem sie diese über die Mauern katapultierten.Das Gleiche soll sich 1710 durch russische Soldaten bei der Belagerung der damals schwedischen Stadt Reval (heute: Tallinn) abgespielt haben.
18. Jahrhundert
Bei der Bekämpfung der nordamerikanischen Ureinwohner setzen sowohl die Briten als auch die Franzosen biologische Waffen ein. So wurden 1763 von den Briten Indianerhäuptlinge mit Decken beschenkt. Diese stammten jedoch aus einer Pflegestation für Pockenkranke. Kurze Zeit später starben viele Indianer an Pocken.
Zweiter Weltkrieg
Nach der Entdeckung von Bakterien und Viren als Ursache von Krankheiten, konnte im 20. Jahrhundert gezielter geforscht werden. Während des 2._Weltkriegs wurden in Großbritannien, auf direkte Weisung Winston Churchills, gezielt Versuche mit Krankheitserregern unternommen, um sie als Waffe weiterzuentwickeln.
So wurde Gruinard Island, eine unbewohnte Insel im Nordwesten Schottlands, mit Milzbrandsporen verseucht. Die Erreger waren als Reaktion auf die Gerüchte, dass sich biologische Waffen in japanischer/deutscher Entwicklung befänden, für Kampfzwecke getestet und über der ausschließlich von Tieren bewohnten Insel verstreut worden. Die gesamte Fauna wurde innerhalb eines Tages vollständig vernichtet.
Großbritannien produzierte im Zweiten Weltkrieg Milzbrand in größeren Mengen als biologische Waffe. Man beabsichtigte die Milzbrandsporen in Tierfutter einzuarbeiten und dieses über landwirtschaftlichen Gebieten in Deutschland abzuwerfen.
Gruinard Island war für fast 50 Jahre lang Sperrgebiet, ein betreten nur in Schutzausrüstung möglich. Nach mehreren gezielten und massiver "Desinfektionen" von Formaldehyd (hauptsächlich verdünnt) wird die Insel heute als "entseucht" bezeichnet.
Deutschland selber war im Zweiten Weltkrieg nur am Rande mit biologischen Waffen beschäftigt. So prüfte man erfolglos, ob man über England Kartoffelkäfer abwerfen könnte.
Japan ging mit der biologischen Kriegführung am Weitesten. Dort wurde die Einheit 731 gegründet, die sich mit Erforschung und Einsätzen biologischer Waffen beschäftigte.
Es wurden nicht nur Versuche mit über 100.000 chinesischen Kriegsgefangenen und Zivilisten durchgeführt, sondern 1942 auch mit Pest infizierte Flöhe über China abgeworfen.
Da dadurch aber auch eine Epidemie in den eigenen Reihen ausgelöst wurde, stellte Japan den weiteren Einsatz ein.
Andere Krankheiten, an denen zum Zwecke des Waffeneinsatzes geforscht wurde, sind Pocken, Cholera, Hasenpest, Q-Fieber, Botulinus und Typhus.
Kalter Krieg
Eine Meldung aus dem Jahr 1950, von der DDR lanciert, wonach die damals in der DDR grassierende Kartoffelkäferplage durch den massenhaften Abwurf von speziell gezüchteten ?Colorado-Käfern? durch die Amerikaner ausgelöst worden sein sollte, erwies sich als Propaganda. Ähnliche Meldungen über Ernteschäden bzw. Ernteschädlinge stammen aus Cuba.
Nachgewiesen ist durch eine 1999 von kanadischen Wissenschaftlern veröffentlichte Untersuchung, dass die USA bakteriologische Waffen (Milzbrand, Cholera und Pesterreger) im Koreakrieg einsetzten.
Heute sind Herstellung und Besitz von biologischen Waffen durch die Biowaffenkonvention (beschlossen 1972, von 155 Staaten ratifiziert und in Kraft getreten 1975) weltweit verboten. Die Forschung an Gegenmaßnahmen ist jedoch erlaubt und bietet ein Schlupfloch, da hierfür ebenfalls Krankheitserreger gezüchtet werden müssen.
Trotz dieses Übereinkommens arbeitete die Sowjetunion bis zum Zusammenbruch weiterhin an ihrem Programm und forschte neben einigen oben genannten Erregern auch an hämorrhagischen Viren wie Ebola und Marburg und einigen südamerikanischen Vertretern wie Machupo (Bolivianisches hämorrhagisches Fieber) und Junin (Argentinisches hämorrh. Fieber). Darüberhinaus sollen sie noch an einer Ebola-Pocken-Chimäre gearbeitet haben.
Nach dem kalten Krieg
2001 gibt es mehrere Krankheits- und Todesfälle durch die Freisetzung von Milzbranderregern und Rizin aus Briefen oder Päckchen in Florida, New York, New Jersey und Washington. Opfer und Ziele sind vorallem Postangestellte, Journalisten und Politiker. Der Attentäter wird nicht gefunden.
Situation heute
Die USA forschen zur Zeit auf dem Gebiet der ?nicht-tödlichen? Waffen, unter anderem an Material-zerstörenden Mikroben, was nicht explizit gegen das BTWC (Biological and Toxin Weapons Convention, Biowaffenkonvention) verstößt, da es das Problem der "nicht-tödlichen" biochemischen Waffen bislang nicht behandelt.[http://www.sunshine-project.de/infos/archiv/2002/02_03_13%20antimaterial%20microbes.html]
Biologische Waffen gelten heute hauptsächlich als geeignete Massenvernichtungswaffen für Terroristen, da sie überall (aus der Natur) erhältlich sind und theoretisch einfach herzustellen sind, wenn man davon absieht, dass die Erreger zuerst noch für den Waffeneinsatz optimiert werden müssen. Für den militärischen Einsatz gelten Biowaffen heute als zu unberechenbar. Mit Hilfe der Gentechnik wurden schon Bakterien Antibiotika-resistent gemacht und parallel dazu gleich ein neues Antibiotikum oder eine neue Impfung entwickelt, um es theoretisch zu ermöglichen, diese Erreger im Krieg einzusetzen und die eigenen Truppen trotzdem zu schützen.
Es könnte aber möglich sein, Krankheitserreger zu entwickeln, die nur für Menschen mit bestimmten Genen gefährlich wären, insbesondere Gene, die nur oder hauptsächlich in einer bestimmten Region vorkommen. [http://www.sunshine-project.de/infos/aktuelles/2003/03_10_22_Ethnowaffen.html]
Dadurch könnten eigene Truppen vor der Krankheit geschützt sein, was biologische Waffen sowohl für die Militärs als auch für Terroristen wieder interessant machen könnte. Diese spezielle Art von biologischen Waffen nennt man auch ethnische Waffen. Allerdings sprechen einige Argumente gegen die Möglichkeit ethnische Waffen zu realisieren. Genetische Unterschiede innerhalb von Populationen sind größer als die Unterschiede zwischen verschiedenen Populationen. Ferner sind die Wirkungen von targeted-delivery-Systemen, die für den gezielten Einsatz von pathogenen Merkmalen benötigt werden, bislang nicht zufriedenstellend erforscht.
Daneben existieren viele Pflanzenpathogene (Rostkrankheiten usw.), die sich gezielt gegen Nutzpflanzen und -tiere einsetzen lassen.
Literatur
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Weblinks
* http://www.sunshine-project.org (englisch)
• Centers for Disease Control and Prevention: Bioterrorism Agents/Diseases
• Convention on the Prohibition of the Development, Production and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction
Siehe auch
Anton Dilger

