Biokraftstoff
Als Biokraftstoff oder Biotreibstoff werden Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren bezeichnet, die aus Biomasse hergestellt werden.Arten
Gemäß der EU-Richtlinie 2003/30/EG[http://www.eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2003/l_123/l_12320030517de00420046.pdf Richtlinie 2003/30/EG zur Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor] gelten zumindest folgende Erzeugnisse als Biokraftstoffe:
Bioethanol und Zellulose-Ethanol: Ethanol, das aus Biomasse oder dem biologisch abbaubaren Teil von Abfällen hergestellt wird und für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist,
Biodiesel: Methylester eines pflanzlichen oder tierischen Öls mit Dieselkraftstoffqualität, der für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist,
Biogas: Brenngas, das aus Biomasse oder aus dem biologisch abbaubaren Teil von Abfällen hergestellt wird, durch Reinigung Erdgasqualität erreichen kann und für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist, oder Holzgas,
* Biomethanol: Methanol, das aus Biomasse hergestellt wird und für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist,
* Biodimethylether: Dimethylether, der aus Biomasse hergestellt wird und für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist,
* Bio-ETBE (Ethyl-tertiär-Butylether): ETBE, der auf der Grundlage von Bioethanol hergestellt wird.
* Bio-MTBE (Methyl-tertiär-Butylether): Kraftstoff, der auf der Grundlage von Biomethanol hergestellt wird.
* Synthetische Biokraftstoffe (BtL-Kraftstoff): synthetische Kohlenwasserstoffe oder synthetische Kohlenwasserstoffgemische, die aus Biomasse gewonnen wurden,
Biowasserstoff: Wasserstoff, der aus Biomasse oder aus dem biologisch abbaubaren Teil von Abfällen hergestellt wird und für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist,
Reines_Pflanzenöl: Öl, das durch Auspressen, Extraktion oder vergleichbare Verfahren aus Ölsaaten gewonnen wird, roh oder raffiniert, jedoch chemisch unverändert, sofern es für den betreffenden Motorentyp geeignet ist und die entsprechenden Emissionsanforderungen erfüllt.
Verwendung
Durch die Zumischung von Biotreibstoffen zu den erdölbasierten Treibstoffen kann die bestehende Tankstelleninfrastruktur ohne Ausbau genutzt werden. Biodiesel kann bis ca. 6 % dem fossilen Diesel und Ethanol dem fossilen Benzin beigemischt werden. Je nach Reaktionsführung und Destillationsschnitt beim Fischer-Tropsch-Verfahren, lässt sich BtL-Kraftstoff unbegrenzt dem Benzin oder Diesel beimischen, bzw. kann diesen ersetzen.
Die heutigen Dieselmotoren vertragen reines Pflanzenöl nicht ohne weiteres. Wegen der hohen Zähigkeit von Pflanzenöl müssen die Fahrzeuge umgerüstet werden.
Durch Veresterung von Planzenöl mit Methanol gewinnt man Biodiesel, das in seiner Zähigkeit dem heutigen Diesel sehr ähnlich ist. Eine Reihe von Fahrzeugherstellern haben daher Biodiesel für ihre Fahrzeuge zugelassen.
Agrarethanol bzw. Bioethanol spielt im gemäßigten Klima Europas wegen der hohen Rohstoffpreises noch keine Rolle. Das ist in wärmeren Ländern, wie Brasilien, anders. Hier können zucker- oder stärkehaltige Rohstoffe so kostengünstig produziert werden, dass Ethanol den erdölbasierten Treibstoffen Konkurrenz machen kann. So macht in Brasilien Bioethanol 44 Prozent des gesamten Treibstoffverbrauchs aus. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,452010,00.html Eine zusätzliche Motivation vieler Länder zum Einsatz von Biotreibstoffen ist ihre wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit von Erdöllieferanten. Vorrangig eingesetzt werden Treibstoffe mit 85 % Ethanol und 15 % Benzin (E85). Auch in Deutschland ist E50 und E85 erhältlich. Das Tankstellennetz befindet sich derzeit im Aufbau. http://www.e85.biz/tankstellennetz.php3
BtL-Kraftstoff (Biomass to Liquid) ist die nächste Generation flüssiger Treibstoffe aus Biomasse. Produkte aus einer Versuchsanlage wurden bereits 2005 erfolgreich getestet. Shell errichtet eine große industrielle Pilotanlage in Lubmin.http://www.welt.de/data/2005/08/16/760703.html Das Herstellverfahren entspricht im Prinzip der Herstellung von Treibstoffen aus Kohle nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren. Es wird zunächst ein wasserstoffreiches Synthesegas mittels Dampfreformierung hergestellt, dass anschließend zu BtL-Kraftstoff verarbeitet wird.
Bio-Wasserstoff wird noch nicht industriell hergestellt. Der Bedarf auf der Anwenderseite (Brennstoffzellen) ist noch sehr gering. Für Demonstrationsprojekte wird daher überschüssiger Wasserstoff aus der chemischen_Industrie genutzt. In Deutschland gibt es 20 Wasserstofftankstellen (Dezember 2006). http://www.h2stations.org/ Um einen flächendeckenden Einsatz zu gewährleisten, werden mindestens 2000 Wasserstofftankstellen benötigt. Solange es diese nicht gibt, werden die Automobilfirmen keine Brennstoffzellenfahrzeuge in Serie bauen. Solange keine Brennstoffzellenfahrzeuge in Serie gebaut werden, wird die Industrie keine Tankstellen für Wasserstoff in großer Zahl bauen.
Bio-Wasserstoff wird durch eine einfache chemische Umwandlung (Dampfreformierung) aus Biomasse hergestellt. Im Prinzip entspricht das der Kohlevergasung aus dem 19. Jahrhundert. Einige Kostenschätzungen zeigen, dass Wasserstoff aus Biomasse sehr niedrige Kosten haben kann. Die Treibstoffkosten sind auch niedriger als bei Benzin und Diesel aus Erdöl (2005, jeweils ohne Steuern). Fachleute gehen davon aus, dass die Einführung von Bio-Wasserstoff nur im Rahmen einer Wasserstoffwirtschaft sinnvoll ist.
Kritik
In einer Studie zum Thema Biokraftstoffe warnen Experten der Vereinten Nationen vor drohenden Gefahren aufgrund exzessiver Nutzung von Nahrungsmittelpflanzen als Kraftstoff, wie z.B. Abholzung der Regenwälder, Rückgang der Artenvielfalt, Auslaugung und Erosion der Böden, Hungersnöte wegen steigenden Grundnahrungsmittelpreisen und Vertreibung von Kleinbauern.UN-Energy, Sustainabel Bioenergy: A Framework for decision makers, [http://esa.un.org/un-energy/pdf/susdev.Biofuels.FAO.pdf]
Siehe auch
Bioenergie
Erneuerbare Energien
Zellulose-Ethanol
Literatur
* Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V.: SYNTHETISCHE BIOKRAFTSTOFFE. Techniken - Potentiale - Perspektiven 2005. Landwirtschaftsverlag Münster. Band 25 aus der Reihe Nachwachsende Rohstoffe ISBN 3-7843-3346-X
Weblinks
• Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V.
• Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.: Portal Biokraftstoffe
• ?Brandrodung für Biodiesel?? (Regenwald.org)

