Binomischer Lehrsatz
Der binomische Lehrsatz ist ein Satz der Mathematik, der es in seiner einfachsten Form ermöglicht, die Potenzen eines Binoms x+y, also einen Ausdruck der Form:
als Polynom n-ten Grades in den Variablen x und y auszudrücken. Dieser Satz zählt zu den wichtigsten mathematischen Theoremen. Auf einer 1999 veröffentlichten Liste der 100 wichtigsten mathematischen Sätze[http://personal.stevens.edu/~nkahl/Top100Theorems.html The Hundred Greatest Theorems] ist er auf Platz 44 gereiht.
In der Algebra gibt der binomische Lehrsatz an, wie ein Ausdruck der Form auszumultiplizieren ist.
Binomischer Lehrsatz für natürliche Exponenten
Für alle Elemente und eines kommutativen unitären_Rings und für alle natürlichen Zahlen gilt die Gleichung
:
Insbesondere gilt dies für reelle oder komplexe Zahlen und . (Man beachte dabei .)
Die Koeffizienten dieses Polynomausdrucks sind die Binomialkoeffizienten
: ,
die ihren Namen aufgrund ihres Auftretens im binomischen Lehrsatz erhalten haben. Mit ist hierbei die Fakultät von bezeichnet.
Bemerkung
Die Terme sind dabei als Skalarmultiplikation der ganzen Zahl an das Ringelement aufzufassen, d. h. hier wird der Ring in seiner Eigenschaft als -Modul benutzt.
Spezialisierung
Der binomische Lehrsatz für den Fall heißt erste Binomische Formel.
Verallgemeinerungen
*Der binomische Lehrsatz gilt auch in beliebigen unitären Ringen, sofern nur und miteinander kommutieren, d.h. gilt.
*Auch die Existenz der Eins im Ring ist verzichtbar, sofern man den Lehrsatz in folgende Form umschreibt:
:.
*Für mehr als zwei Summanden gibt es den polynomischen_Lehrsatz.
Herleitung
Der Beweis funktioniert durch Induktion über ; für jedes konkrete kann man diese Formel auch durch Ausmultiplizieren erhalten.
Beispiel
::
Binomische Reihe, Lehrsatz für komplexe Exponenten
Eine Verallgemeinerung des Theorems auf beliebige reelle Exponenten ? mittels unendlicher Reihen ist Isaac Newton zu verdanken. Dieselbe Aussage ist aber auch gültig, wenn ? eine beliebige komplexe Zahl ist.
Der binomische Lehrsatz lautet in seiner allgemeinen Form
:.
Diese Reihe konvergiert für alle mit .
Im Spezialfall geht Gleichung (2) in (1) über und ist dann sogar für alle gültig, da die Reihe dann abbricht.
Die hier gebrauchten verallgemeinerten Binomialkoeffizienten sind definiert als
:.
Im Fall k = 0 entsteht ein leeres Produkt, dessen Wert als 1 definiert ist.
Für ? = -1 und y = 1 ergibt sich aus (2) als Sonderfall die Geometrische Reihe.
Weiterführende Literatur
M. Barner, F. Flohr Analysis I. de Gruyter, 2000, ISBN 3-11-016778-6.

