Trinkgelage
Als Trinkgelage bezeichnet man eine Zusammenkunft mehrerer Personen, die vor allem dem ausgiebigen Konsum von Alkohol dient. Heute ist der Begriff unüblich, und wird durch Umschreibungen oder andere meist umgangssprachliche Begriffe, wie z. B. Saufparty ersetzt. Im englischen Sprachraum spricht man von Binge Drinking. Die antiken Trinkgelage wurden Symposion genannt.thumb|440px|Nächtliches_Trinkgelage_(Gemälde_von_1731)
Geschichte
Griechen
Bei den Griechen begann das Trinkgelage (, ?gemeinsames Trinken?) nach der Beendigung des eigentlichen Festmahls (Wasser zu einem Teil Wein. ?us dem Krater wurde dann das Getränk mit dem Schöpfer (, Kottabos (griechisch: ), ein von den Griechen hauptsächlich im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. vor allem bei Trinkgelagen gespielten Circumpotatio) artete vor allem bei den Leichenschmäusen derartig aus, dass dieser Brauch durch besondere Gesetze der Decemviri verboten wurde.
Während des Gelages spendete man den Göttern zahlreiche Trankopfer. Um den Durst zu fördern, wurden pikante Leckerbissen serviert.
Germanen
Für die Germanen sind ebenfalls Angaben über Trinkgelage überliefert. Diese fanden auch Eingang in die religiösen Vorstellungen: Die Seligkeit in Walhalla bestand ihrer Glaubensvorstellung nach vornehmlich in der Teilnahme an ewigen Göttergelagen, bei denen die Helden Met tranken; nur Odin war Wein vorbehalten. An Getränken fehlte es in der Walhalla nie, denn die unerschöpfliche Ziege des Heidrun füllte stets die Schale neu mit schäumendem Met. Auf Erden wurden zu Ehren der _heidnischen_Götter Trinkfeste veranstaltet, den Göttern selbst wurden reichliche Trankopfer dargebracht, anfänglich von Met, später von Wein.
So oft der Priester opferte, goss er ein Horn zu Füßen des Götterbildes aus, füllte es wieder und trank ihm zu. In den Tempeln wurden die Becher in folgender Ordnung geleert: der erste zu Ehren Odins, der zweite zu Ehren Thors und der Freyja, der dritte zum Gedächtnis berühmter Helden (Bragakelch) und der vierte zum Andenken gestorbener Freunde (Minnebecher).
Mittelalter
Auch im Mittelalter waren Trinkgelage üblich. ?Sänger sangen Lieder und spielten die Harfe dazu; umher saßen Zuhörer bei ehernen Bechern und tranken wie Rasende Gesundheiten um die Wette. Wer nicht mitmachte, ward für einen Thoren gehalten. Man muss sich glücklich preisen, nach solchem Trinken noch zu leben.? So erzählt der römische Schriftsteller Venantius Fortunatus. In gefüllten Bechern brachte man sich die vorgeschriebenen Höflichkeiten dar: Willkommen, Valettrunk, Ehrentrunk, Rund-, Kundschafts- und Freundschaftstrunk. Hieran schloss sich das nach ganz bestimmten Regeln geordnete Zu- und Vortrinken und das Wetttrinken. Das Trinken wurde von den Fürsten durch Trinkordnungen geregelt.
Die Chroniken des 15. und 16. Jahrhunderts berichten über die mit größter Verschwendung und Pracht gefeierten Trinkfeste an den Höfen; der Wein wurde in großen Mengen getrunken, so dass am Schluss alle Anwesenden volltrunken waren. Besonders berühmt waren die Zechgelage am Hof Augusts_des_Starken, wo die sächsischen Kavaliere die Aufgabe hatten, ihre polnischen Standesgenossen unter den Tisch zu trinken. Eine besondere Form bildeten die studentischen Zechgelage; besonders die Universität Tübingen war im Mittelalter dafür berühmt.
Ein Studentengelage jener Zeit beschreibt Johann Michael Moscherosch in seinen Wunderlichen und wahrhaften Gesichten Philanders von Sittewalt. Hans Sachs gibt in seinem Gedicht Wer erstlich hat erfunden das Bier eine drastische Beschreibung eines Saufgelages.
Gegenwart
thumb|right|250px|?Zwei_Betrunkene?_von_Nicolae_Grigorescu
In der Gegenwart werden im Großen und Ganzen eigentliche Trinkgelage, d. h. Festversammlungen, bei denen das ritualisierte Trinken Anlass und Alleinzweck ist, seltener abgehalten. Vor allem im Kontext von Studentenverbindungen sind solche Veranstaltungen noch üblich (siehe auch Kneipe (Studentenverbindung)), während in Studenten-, Arbeiter-, Schickeria- oder Kneipen des Alternativmilieus dieses Phänomen heute meist verpönt ist. Allerdings werden sie zunehmend im Rahmen von privaten und kommerziellen Partys und Veranstaltungen zelebriert. Ein besonderes Phänomen stellt in diesem Kontext die umgangssprachlich so genannte Ballermannkultur dar.
Flatrate-Partys
Flatrate-Party oder All-You-Can-Drink-Party (auch als ?Saufparty? bezeichnet) ist die Bezeichnung für kommerzielle Veranstaltungen, bei denen alkoholische Getränke ohne Begrenzung der Menge zu einem Pauschalpreis ausgeschenkt werden. Dabei ist der Eintrittspreis zu der eigentlichen Party oft enthalten und die Auswahl an Getränken auf einen bestimmten Zeitraum und auf gewisse Getränkearten begrenzt. In der Regel stehen neben alkoholfreien Getränken Bier und eine Auswahl an harten Drinks zur Auswahl. Trotz des Pauschalpreises und hohen Alkoholkonsums lassen sich mit der Organisation von Flatrate-Partys Gewinne erzielen.
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass immer jüngere Jugendliche immer exzessiver Alkohol konsumieren. Eine steigende Anzahl von Alkoholvergiftungen unter jungen Menschen wird auch auf die Zunahme von Flatratepartys zurückgeführt.[http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/_html/ddp_1689167570.html Artikel in der Berliner Zeitung] So warnt die deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren vor solchen Veranstaltungen, da durch den niedrigen Preis die Hemmschwelle sich zu betrinken sinkt. Vermehrt fordern auch deutsche Politiker, Flatrate-Partys zu verbieten oder den Alkoholausschank zu begrenzen.
Binge drinking
In Abgrenzung zu Termini wie ?Flatratesaufen? bezeichnet Binge drinking (deutsch: Besäufnis; umgangssprachlich Komasaufen oder Kampftrinken) [http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,470914,00.html Artikel im Spiegel Online vom 10. März 2007] einen in unvernünftiger Weise besonders exzessiv betriebenen Alkoholabusus, teilweise mit Wettbewerbscharakter.
Der Begriff ?Binge Drinking? stammt aus Großbritannien (aus dem Cockney-Dialekt), wo das Phänomen des Alkoholkonsum in großen Mengen besonders früh und in starker Ausprägung auftrat. Es wird mit der Gegenkultur des Punk Ende der 1970er Jahre in Verbindung gebracht, allerdings ist in Großbritannien auch bei Erwachsenen gemäßigter Alkoholkonsum tagsüber, z. B. zum Mittagessen, durchaus üblich. Außerdem wurde ?Binge Drinking? durch die rigiden Kneipenöffnungszeiten (bis 23 Uhr ? regional verschieden) gefördert (siehe auch Happy Hour). Diese ermunterten die Besucher, noch kurz vor Beginn der Sperrstunde so viel wie möglich zu trinken. Inzwischen wurde diese Sperrstunde deutlich gelockert, so dass besonders in Großstädten die Pubs bis 2 Uhr geöffnet haben können.
Das Abhalten einer ?Stag Party? oder die Teilnahme an einer ?Hen Night? ist als Brauch vor der Hochzeit in England weit verbreitet, und auch in Deutschland wird beim entsprechenden Junggesellenabschied oft ein Saufgelage veranstaltet.
siehe auch: Trinkkultur.
Öffentliche Diskussion und Studien
Die Anzahl der Jugendlichen, die extremes Betrinken praktizieren, stieg in den letzten Jahren stark an. Ein Zusammenhang mit der steigenden Popularität der Alkopops sowie das auf ein jüngere Zielpublikum ausgedehnte Marketing der Hersteller und der damit verbreitete Eindruck Jugendlicher, Trinken sei eine kulturelle Norm, werden vermutet. Zu beobachten ist, dass die Jugendlichen zum Teil bis zur Bewusstlosigkeit trinken. Dass dies mit voller Absicht in Kauf genommen wird, ist charakteristisch.
Eine Studie des Institute for Social Research (ISR) der Universität Michigan hat allerdings herausgestellt, dass starker Alkoholkonsum US-amerikanischer Jugendlicher in den letzten 25 Jahren deutlich zurückgegangen ist. Lediglich die öffentliche Wahrnehmung suggeriere einen Anstieg. Zu anderen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des europäischen Megapoles-Projektes: Es wird ein Anstieg gefährlichen Alkoholkonsums unter Jugendlichen verzeichnet. Die gesamte Menge des getrunkenen Alkohols ist rückläufig.
Ein soziobiologischer und soziologischer Erklärungsansatz für die Zunahme jugendlichen Alkoholkonsums bringt drei Faktoren zusammen:
* die anthropologische Konstante des Konsums giftiger Stoffe als Handicap-Signal, das die eigene Leistungsfähigkeit gegenüber potentiellen Paarungspartnern, Kooperationspartnern und Konkurrenten dokumentieren soll;
* die Zunahme der Konkurrenzintensität auch der Gesellschaften industrialisierter Länder in der Epoche der Globalisierung, was die Neigung zu Handicap-Signalen verstärkt;
* die _zivilisationstheoretisch erklärbare Abnahme einiger zivilisatorischer Verhaltenskontrollen ab dem Ersten Weltkrieg und insbesondere seit den 1960er Jahren.
Siehe auch
Trinkkultur

