Bill Monroe
William Smith ?Bill? Monroe (*12. September 1911 in Rosine, Kentucky, ?9. September 1996 in Springfield, Tennessee) war ein US-amerikanischer Countrysänger, Musiker und Komponist. Er gilt als ?Father of Bluegrass? und war bekannt für seinen hohen Gesang und seine schnellen Soloeinlagen auf der Mandoline. In seiner 61 Jahre dauernden Karriere nahm er mehr als 500 Platten auf. Zwei seiner größten Hits sind Blue Moon Of Kentucky und Kentucky Waltz.
Leben
Kindheit und Jugend
Bill Monroe war das achte und jüngste Kind von James Buchanan ?Buck? Monroe und Melissa Ann Van Diver. Geboren und aufgewachsen in Rosine, entwickelte sich Monroe aufgrund einer Sehbehinderung als introvertiertes Kind. Die Familie Monroe bewirtschaftete damals eine große Farm, mit der sie sich den Lebensunterhalt verdiente. Schon als Kind lernte Monroe Mandoline spielen, ein eher ungewöhnliches Instrument für die damalige Zeit. Die Mutter brachte ihren Kindern schon früh das Singen bei, was Monroe nachhaltig beeinflussen sollte. Weitere Einflüsse waren sein Onkel Pendelton ?Uncle Pen? Van Diver, der Fiddle spielte, und der afroamerikanische Bluesgitarrist Arnold Shultz. Mit beiden trat Monroe in seiner Jugend vereinzelt auf.
Im Alter von sechzehn Jahren verlor Monroe seine Eltern bei einem Unfall. Mit seinen beiden Brüdern Birch und Charles zog er nach Chicago, wo sie in einer Ölraffinerie arbeiteten. Da Birch Fiddle und Charles Gitarre spielten, traten sie in der Radioshow WLS National Barn Dance auf, um ihr Einkommen aufzubessern. Doch 1934 verließ Birch das Trio. Die beiden verbliebenen Brüder beschlossen, sich von nun an professionell der Musik zu widmen.
Karriereanfang
Zunächst traten sie in Radioprogrammen lokaler Radiosender in Nebraska und Iowa auf. Als sie sich in Charlotte, North Carolina niederließen, wuchs ihre Popularität stetig. Schon damals waren die beiden Brüder berühmt für ihre schnellen Instrumentaleinlagen, vor allem Bill Monroes Tempo auf der Mandoline beeindruckte viele. ?Lightning-fast? (blitzschnell), wie einer der Radiosenderdirektoren sagte, hob er die Mandoline als Soloinstrument hervor. Bald kannte sie der gesamte östliche Süden als ?The Monroe Brothers?.
The Monroe Brothers
1936 bekamen sie einen Plattenvertrag bei RCA. Ihre erste Platte, What Would You Give In Exchange For Your Soul, verkaufte sich gut, so dass sie weitere Platten aufnahmen. Neben den Blue_Sky_Boys zählten die Monroe Brothers zu den erfolgreichsten Duos der dreißiger Jahre. Insgesamt nahmen sie über 60 verschiedene Songs auf, die sich alle gut verkauften. Weitere Titel waren beispielsweise Nine Pound Hammer und John Henry. Jedoch gerieten die beiden eigenwilligen Brüder bald in Streit und trennten sich 1938.
Anfänge des Bluegrass
Kurz darauf gründete Bill Monroe The Kentuckians, die sich bald in The Bluegrass Boys umbenannten. Der Name ist eine Reminiszenz an den ?Bluegrass-State? Kentucky; der Begriff Bluegrass bezeichnet die aufgrund des nährstoffreichen Bodens blaugrünen Blätter der verbreiteten Grasart Poa pratensis. Der neue Stil wurde von den Medien deshalb später als Bluegrass bezeichnet. Mit der neuen Band nahm Monroe noch zwei Sessions auf, da sein Plattenvertrag bei RCA noch nicht ausgelaufen war. Danach arbeitete er kurzzeitig beim Radiosender WBT.
Am 28. Oktober 1939 spielte die Band der Leitung der Grand Ole Opry, der bekanntesten Radioshow in den USA, vor. Die drei Verantwortlichen, George D. Hay, Harry Stone und David Stone waren beeindruckt von dem völlig neuen Stil der Countrymusik.
Monroe mischte Hillbilly- und Old-Time Fiddle-Stücke mit Gospel, afroamerikanischer Tanzmusik, irischen Balladen und reicherte diese Mischform mit Blues-, Jazz-, Swing- und Folkelementen an. Heraus kam der typische Bluegrass-Sound, der sich durch hohe, scharfe Stimmen und schnellen Rhythmen auszeichnete. Ergänzt wurde dies durch meist improvisierte Instrumentalteile, die ein hohes Können jedes einzelnen Musikers erforderten.
Die Programmleitung engagierte Monroe und seine Band im Oktober 1939. Auf ihrem ersten Auftritt stellten sie ihre Version des Mule Skinner Blues vor, der ein früheher Erfolgshit von Jimmie Rodgers war. Durch den Bekanntheitsgrad der Grand Ole Opry stieg die Popularität der Bluegrass Boys stetig an. Bis zu seinem Tod sollte Monroe Mitglied der Opry bleiben. 1940 wurden die ersten Aufnahmen produziert, ihre erste Single war Six White Horses auf der A-Seite und der Mule Skinner Blues auf der B-Seite.
1943 verdiente Bill Monroe alleine durch Auftritte 200.000 Dollar im Jahr. Mit diesem Geld gründete Monroe eine eigene Zeltshow, die Musik, Show und Komödie verband. Mit diesem Konzept reisten er und die Bluegrass Boys durch den gesamten Süden der USA. 1944 fügte Monroe das Banjo zu seinem neu kreierten Stil hinzu, zuerst in der Besetzung mit Dave Akeman. 1945 wurde dieser durch den im Drei-Finger-Stil spielenden Earl Scruggs ersetzt.
Der Durchbruch
Am 16. September 1946 wurden die ersten Aufnahmen für die Columbia Records in den Castle Sudios, Nashville eingespielt, die man als typischen Bluegrass bezeichnen kann. Die Besetzung bei dieser Session war im einzelnen Bill Monroe (Gesang und Mandoline), Earl Scruggs (Banjo), Lester Flatt (Gitarre), Howard Watts (Bass) und Chubby Wise (Fiddle). Als Columbia die Stanley_Brothers unter Vertrag nahm, wechselte er erst zum Decca Label, dann zu MCA. Sein größter Hit, Blue Moon Of Kentucky, den auch Elvis Presley 1954 bei seinen ersten Aufnahmen einspielte, stammt aus dem Jahr 1946. Als Monroe die Version Presleys hörte, war er begeistert. Er selbst soll sofort danach ins Studio gegangen sein, um ebenfalls eine neue Version im ?Lonesome-High? Sound aufzunehmen.Der ?Lonesome-High? Sound war eine Weiterentwicklung von Monroe, in der noch höhere Gesangsparts und langsamere Rhythmen zum Einsatz kamen. Unterstützt wurde dieser Stil durch die Spielweise des damaligen Gitarristen Jimmy Martin. Flatt und Scruggs waren zuvor aus der Band ausgestiegen und hatten die Foggy Mountain Boys gegründet. Kurz danach stieg auch Chubby Wise aus, was dem Erfolg Monroes und seiner Band jedoch nicht schadete, ganz im Gegenteil, denn schon bald fand die Band neue Mitglieder. Ab Ende der 1940er traten sie nur noch unter dem Namen Bill Monroe and his Bluegrass Boys auf.
Durch den kommerziellen Erfolg Monroes nannten die Medien ab Anfang der 1950er seinen neu kreierten Stil ?Bluegrass?, in Anlehnung an seine Begleitband.
Zuvor hatte man für diese Stilrichtung keine richtige Bezeichnung.
Monroe feierte weitere große Erfolge, unter anderem mit den Titeln Roanoke von 1954, Scotland von 1958, Linda Lou von 1960, Columbus Stockade Blues von 1962 oder Walls of Time von 1968. Außerdem nahm er regelmäßig Instrumentalstücke wie Bluegrass Breakdown, Bluegrass Ramble oder Bluegrass Stomp auf, die erst die wirkliche Virtuosität aller Bandmitglieder aufzeigen.
60er und 70er
Anfang der 1960er bildete der akustische Bluegrass schon bald eine Alternative zu den mit elektronischen Instrumenten gespielten Stilen Honky Tonk, Country-Pop und Rockabilly. Mit der Hilfe des Promoters Ralph Rinzler begann Monroe die Aufmerksamkeit der jungen Folk-Fans auf sich zu ziehen.
1965 wurde das erste Bluegrass-Festival veranstaltet, in dem Bill Monroe den Mittelpunkt bildete. 1967 startete er sein eigenes, jährlich stattfindendes Bluegrass- Festival in Bean Blossom, Indiana. Trotzdem ließen seine Plattenverkäufe allmählich nach, denn die Countrymusik hatte sich seit denn 1950ern immer mehr dem Pop angenähert. Doch er hatte sich seit seinem Karrierebeginn eine große Fangemeinde aufgebaut, die die Verkaufszahlen auf einem konstanten Niveau hielten, was Monroe davor bewahrte, seinen Plattenvertrag bei MCA zu verlieren.
1970 wurde Bill Monroe in die Country Music Hall of Fame aufgenommen, die höchste Auszeichnung der Countrymusik. Dieses Ereignis stilisierte Monroe für seine Fans endgültig zu einer Kultfigur, die aus dem Bluegrass eine Art Religion machten. 1975 nahm er mit dem Gitarrenvirtuosen Doc Watson das Album Bill and Doc Sing Country Songs auf.
80er und Tod
Ende der 1970er und Anfang der 1980er begann Bill Monroe durch die ganze Welt zu reisen. Er gab Konzerte in Japan, Kanada, Englang, Irland, Deutschland, Israel, in der Schweiz und in den Niederlanden.1982 trat Monroe zusammen mit seiner Band auf einem Gospelkonzert in den Cathedral Caverns, einer riesige Tropfsteinhöhle mit unterirdischen Seen auf, das auch von MCA mitgeschnitten, jedoch nie veröffentlicht wurde.
1988 gewann er einen Grammy für sein Album Southern Flavor. 1991 wurde er in die International Bluegrass Music Hall Of Honor aufgenommen.
Bis ins hohe Alter hinein veröffentlichte Bill Monroe neue Alben. Einer seiner letzten Titel war My Last Days On Earth aus dem Jahre 1981. Bis Anfang 1996 trat er noch öffentlich auf. Ein Schlaganfall im April zwang ihn dann zur Aufgabe seiner Auftritte.
Am 9. September 1996 verstarb Bill Monroe im Alter von 85 Jahren an den Folgen des Schlaganfalls.
Lebenswerk
Musikalische Leistung
Die Lebensleistung Bill Monroes besteht darin, dass er trotz klarer Vorstellungen über den Klang seiner Musik stets neue, auch urbane Talente zu integrieren verstand, die dem Patriarchen, der schon zu Lebzeiten als autoritär und eigenwillig galt, in dessen späteren Jahren im Allgemeinen respektvoll zugetan blieben, selbst wenn sie inzwischen eigene Wege gingen. Heute wird von Fachleuten die Meinung vertreten, dass Bill Monroe mit dem Bluegrass eigenhändig den neben dem Jazz zweiten originären Musikstil der USA geschaffen hat.
Während seiner Zeit als Sänger spielten über 150 verschiedene Musiker in seiner Begleitband, den Bluegrass Boys mit, darunter Stars wie Mac Wiseman, Don Reno und Sonny Osborne.
Bill Monroe war eine der wichtigsten, historischsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Countrymusik aller Zeiten. Auch heute noch gibt es in Europa, vor allem aber in Amerika große Fangemeinden. In den Vereinigten Staaten ist der Bluegrass zu einer eigenständigen Volksmusik geworden, die bereits viele Unterarten entwickelt hat. Als ein früher Einfluss des Rock?n?Rolls wurde Monroe außerdem ein Jahr nach seinem Tod in die Rock?n?Roll Hall Of Fame aufgenommen.
Musikalische Gestaltung
Auch wenn Bill Monroe immer nur Musik unter dem Begriff Bluegrass spielte, lässt sich seine Musik doch in drei Richtungen einteilen.
Während er in den 1940er Jahren den typischen, schnellen Bluegrass-Sound spielte, veränderte er den Klang der Musik vom ?Lonesome- High? Gesang, wie I Hear A Sweet Voice Calling, bis hin zum mit Gospelelementen angereichertem Stil, der Titel wie Walking In Jerusalem oder That Home Above hervor brachte. Die im Gospelstil gehaltenen Titel wurden zumeist nur von der Rhythmusgitarre begleitet. Der harte ?Chop? der Band, gespielt von der Fiddle, ergab zusammen mit der Bass-Banjo-Gitarre Kombination den typischen Klang, der aber fast ausschließlich bei den rhythmisch schnellen Songs verwendet wurde.
Zudem hob Monroe die Mandoline in die Rolle eines Soloinstruments. In dem Instrumentalstück Rawhide wird Bill Monroes ganze Virtuosität auf der Mandoline deutlich. Einer der erfolgreichsten heutigen Vertreter des Bluegrass, Sam Bush, sagte einmal zu dieser Funktion der Mandoline: ?I use my mandolin as a drum kit?.
Hin und wieder verwendete Monroe in seinen Liedern auch Akkordeons, wie in dem Kentucky Waltz oder dem Instrumentalstück Bluegrass Special.
Songtexte
Die Songtexte, die Bill Monroe meistens selbst schrieb, handeln zumeist von der Beschaffenheit seines Heimatstaates Kentucky, der Liebe und hatten auch religiöse Themen zum Inhalt. Einige Songs behandeln aber auch persönliche Erfahrungen. Sein Song Uncle Pen ehrt seinen Onkel, mit dem er oft zusammen musizierte. Auch der Titel Little Community Church erzählt eine Begebenheit aus seiner Kindheit. In diesem Lied beschreibt er die kleine Kirche, die heute noch in seinem Heimatort Rosine steht.
Weitere Titel
Auszeichnungen
* Aufnahme in die Country Music Hall Of Fame, 1970
* Heritage Award, 1982
* Grammy für sein Album ?Southern Flavour?, 1988
* Aufnahme in die International Bluegrass Music Hall Of Honor
* Lifetime Achievement Award, 1993
* National Medal Of Honor, verliehen von Präsident Bill Clinton, 1995
* postume Aufnahme in die Rock?n?Roll Hall Of Fame, 1997
Quellen
Textquellen
• Website der Country Music Hall Of Fame
• Website der Country Music Television
• Webseite der Hickorywinds
Bildquellen
• Flickr ? Bildersuche
• Webseite der Hickorywinds
Verweise
Literatur
* The Bill Monroe Reader (Music In American Life)
Verlag: University Of Illinois Press, ISBN: 978-0252025006
* Can?t You Hear Me Calling?: The Lifetime Of Bill Monroe, Father Of Bluegrass
Verlag: Little, Brown & Company ISBN: 978-0316803816
Weblinks
• Ausführliche Biographie auf der Webseite der Country Music Hall Of Fame
• Liste der Mitglieder der Bluegrass Boys
• Biographie von Bill Monroe, Fotogalerie etc.
• Ausführliche Diskographie

