Bildungssystem im Oman
Das Schulsystem des Omans lässt sich in eine primären, sekundären und tertiären Sektor unterteilen.Bildung wird als öffentliches Gut in der Hauptverantwortung des Staates gesehen. Allerdings sind auch private Initiativen willkommen angesichts der begrenzten Kapazitäten des staatlichen Bildungs- und Hochschulsektors. Wegen der steigenden Nachfrage und dem steigenden Bedarf von Bildung in Staat und Wirtschaft ist komplementär auch private Bildung erwünscht. Diese wird staatlich unterstützt. . Es wurde von verschiedenen Seiten berichtet, dass Hochschulbildung von den Studierenden primär als Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt verstanden wird. Akademisch-wissenschaftliches Interesse scheint bislang weniger ausgeprägt zu sein, so dass die Hochschulen auch weiterhin ein Defizit an qualifizierten, einheimischen Lehrkräften und wissenschaftlichem Nachwuchs beklagen. In aller Regel verlassen die Absolventen die Hochschulen nach dem ersten akademischen Abschluss. Der Arbeitsmarkt ist derzeit derart expandierend, dass er die Absolventen bestimmter Fachrichtungen regelrecht absorbiert.
Schulsystem
Bei der Machtübernahme von Sultan 1970 gab es im Oman nur drei Knabenschulen. Diese unterrichteten im wesentlichen nur den Koran. Das drängenste Problem seiner Regentschaft stellt die Beseitigung des Analphabetismus dar, da der junge Sultan erkannte, dass eine gute Ausbildung der einzige Weg aus der Unterentwicklung des Landes darstellt. Innerhalb der ersten fünf Monate seiner Regentschaft errichtete Sultan Qaboos daher 16 Primarschulen an denen bereits 9.500 Schüler/innen unterrichtet wurden. Diese Schulen standen erstmals auch Mädchen kostenlos offen. Die folgenden fünf Jahren standen in einem expansiven Ausbau des Schulsystems. Bereits 1975 gab es 262 Schulen, davon 213 Primarschulen, 45 vorbereitende Schulen, 3 Sekundarschulen und ein Lehrerausbildungsinstitut. Heute, im Schuljahr 2004/05 existieren flächendeckend 1.038 Schulen, davon 430 Grundschulen, 608 allgemeinbildende, 142 Privatschulen und 3 Sonderschulen sowie ein kleines, aber rasch expandierendes Hochschulwesen. In seiner Rede vom Salalah}}.
Insgesamt besuchten im Schuljahr 2004/05 597.534 Schüler beider Geschlechter omanische Schulen, davon 174.920 in Grundschulen, 24.031 in Privatschulen und 639 in Sonderschulen/Förderschulen. Dieser an der Bevölkerungszahl gemessene hohe Anteil spiegelt die junge Altersstruktur der omanischen Gesellschaft wider.
Während in den 1970er bis zu den 1990er der quantitative Aufbau des Schulsystems im Vordergrund stand, wird heute vermehrt Wert auf die Qualifizierung des Lehrpersonals und die Verbesserung der Ausstattung gelegt. Aus diesem Grund wurde ab dem Schuljahr 1998/99 das dreigliedrige Schulsystem nach und nach durch ein einheitliches System ersetzt. Die ersten zehn Jahre erfolgt der Unterricht in einer Gesamtschule, das von allen Schülern besucht wird. Diese Ausbildung gliedert sich in zwei Stufen: Die erste Stufe umfasst die ersten vier Klassen (Alter 6 bis 9), die zweite Stufe weitere sechs Klassen (Alter von 9 bis 15). Daran schließt sich für begabte Kinder eine zweijährige Oberstufe an.Sultanate of Oman, Ministry of Education: National Report on Quality Education in Oman, 2004, S. 14 f.
Im Oman existiert keine Schulpflicht. Trotzdem besuchen von den 6- bis 12-Jährigen insgesamt 93,6% aller Jungen und 91,9% aller Mädchen eine Schule. Während im Schuljahr 1996/97 noch eine durchschnittliche Wiederholerquote in den Klassen 7 bis 9 von 13,6 % zu verzeichnen war, konnte durch vermehrte Anstrengungen diese Rate auf 8,0 % im Schuljahr 2002/03 gesenkt werden. Die Schulabbrecherquote sank im gleichen Zeitraum von 7,1 % auf 2,0 %.Sultanate of Oman, Ministry of Education: National Report on Quality Education in Oman, 2004, S. 19.
Die größte Herausforderung für das omanische Schulsystem ist das starke Bevölkerungswachstum von 1,84 % pro Jahr. Der Bau einer Grundschule (Klasse 1-4) wird mit ungefähr 430.000 Omani Rials (= 1,117 Mio. US-$) angeben. Eine Mittelstufen-Schule kostet ca. 460.000 Omani Rials (= 1,195 Mio. US-$). Hinzukommen die Kosten für die Lehrer und die Ausstattung. Da diese enormen Kosten nicht vom Staat alleine getragen werden können, bemüht man sich verstärkt um Public Private Partnerships mit Privatschulen. Im Schuljahr 2003/04 waren ca. 4 % aller Schüler an Privatschulen eingeschrieben.Sultanate of Oman, Ministry of Education: National Report on Quality Education in Oman, 2004, S. 30 f.
Außerdem wurde 1996 ein Erwachsenbildungsprogramm zur Bekämpfung des Analphabetismus ins Leben gerufen, an dem im Zeitraum bis 2010 insgesamt 108.000 Menschen beiderlei Geschlechts teilnehmen sollen.Sultanate of Oman, Ministry of Education: National Report on Quality Education in Oman, 2004, S. 21.
Besondere Schulen
Aus der Masse der allgemeinbildenden Schulen ragen folgende heraus:
• The Sultan's School: Diese 1977 gegründete Privatschule ist die älteste Privatschule im Oman und gilt als eine der renommiertesten Schulen des Landes. Sie ist auf einem großzügig angelegten Gelände mit 69 km² gelegen. Der Unterricht erfolgt auf Arabisch und Englisch. Abschlüsse können als International Baccalaureate Diploma (IB) und International General Certificate of Secondary Education (IGCSE) erworben werden.
• 'Shatti' target='blank'>Al Qurum Secondary School for Girls (SQS): Dies ist eine der drei ältesten Mädchenschulen im Oman und zugleich die renommierteste. Die Ausbildung ist ausgezeichnet und die Absolventinnen gehören landesweit immer zu den Besten. 2004 z. B. absolvierten allein 30 Absolventinnen den Abschlusstest mit über 98%, obwohl es der härteste seit Jahren war! Dies zeigt auch die hohe Motivation, die omanische Mädchen vor den omanischen Jungs auszeichnet. Derzeit besuchen 1.500 Mädchen die Schule im Stadtteil Al Qurum von Maskat, der zugleich zu einer der vornehmsten des gesamten Landes zählt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1980 absolvierten 20.000 Schülerinnen die Schule (Stand: 2004).
• The American International School in Oman: Diese internationale Schule wird überwiegend von den Kindern von Expatriates besucht
• American British Academy: Diese Schule für beiderlei Geschlechter wird von Omanis und Ausländern besucht.
• Indian School Muscat: Schule für die indischen Zuwanderer; gehört auch zu den besseren Schulen im Oman.
Außerdem gibt es einige Spezialschulen für Kinder mit besonderen Anforderungen:
• Al Tarbiya Al Fikriya Schule für geistig Behinderte: 1984 wurde die Madrasa Al Tarbiya Al Fikriya Schule für Kinder mit starken Lernbehinderungen eröffnet. Die Schule wird durch das Ministerium der Ausbildung finanziert. Die Schüler werden von zu Hause abgeholt und nach dem Unterricht wieder dorthin zurückgefahren. Kinder können Madrasa Schule bis zur 11. Jahrgangsstufe besuchen. Zunächst werden sie in allgemeinbildenen Fächer unterrichtet und später in berufliche Fähigkeiten wie Zimmerei, Landwirtschaft und Hauswirtschaft geschult. Diese Schule wurde im Schuljahr 2003/04 von insgesamt 299 Schüler/innen besucht.
• Amal Schule: Die Al Amal Schule für Gehörlose wurde 1980 in Qurum eröffnet. Sie ist eine Tagesschule und besitzt Wohnmöglichkeiten für Schüler aus dem Landesinneren. Die Schüler werden in den Fächer Arabisch, Naturwissenschaften, Geschichte, Sport, Geographie, Kunst und Musik unterrichtet. Die Schülerzahlen betrugen im Schuljahr 2003/04 insgesamt 244 männliche und weibliche Schüler.
• Ibn Al Khattab Institute für Blinde]: Diese Privatschule besuchten im Schuljahr 2003/04 insgesamt 83 Schüler/innen.
Weiterhin werden Omanis mit Behinderungen auch in Kuwait und Bahrain unterrichtet.Sultanate of Oman, Ministry of Education: National Report on Quality Education in Oman, 2004, S. 19 f.
Lehrer
1980 gab es im Lande nur 5.150 Lehrer, von denen lediglich 8,2 % Omanis waren. Im Jahre 2003 unterrichten insgesamt 32.345 Lehrer, von denen 80,5% Omanis sind.Sultanate of Oman, Ministry of Education: National Report on Quality Education in Oman, 2004, S. 17.
Colleges im Oman
Die Einordnung omanischer Colleges im Vergleich zu den deutschen Fachhochschulen ist in der Tat eine schwierige Frage. Die meisten Colleges im Oman sind den dt. Fachhochschulen vergleichbar. Allerdings existieren auch Colleges, die eher den dt. Berufsakademien vergleichbar sind. Manche Colleges sind hingegen eindeutig Universitäten. Historisch gesehen kann man sagen, dass einige Colleges eine Entwicklung von einer Berufsakademie über eine Fachhochschule zu einer Universität durchlaufen haben. Eine Einordnung einzelner Anstalten ist schwierig, da in einem solchen Fall meist auch diese drei Abschlussarten erworben werden können (sog. Higher Diplomas (siehe unten) bzw. Bachelor und Master). Daher wurden die entsprechenden Einrichtungen in einer eigenständigen Kategorie College in Oman einsortiert.
Berufsfachschulen und Berufsakademien
Im Oman existieren folgende Berufsfachschulen und Berufsakademien:
• Polyglot Institue Oman LLC (Fremdspracheninstitut)
• Rusayl Institute (technische Berufe)
• Sur College of Education (Lehrerausbildungsanstalt)
• The Royal Guard of Oman Technical College (technische Berufe)
Hochschul- und Studiensystem
Das omanische Hochschulsystem ist relativ jung. Die erste staatliche Hochschule, die Sultan_Qaboos_University (SQU), wurde 1986 gegründet. Es gibt ein binäres Hochschulwesen, das im Wesentlichen aus Universitäten und Colleges sowie einigen Higher Institutes besteht. Universitäten und Colleges finden sich sowohl in staatlicher als auch in privater Trägerschaft. An den Colleges wird bislang fast nur im Undergraduate-Bereich ausgebildet, Forschungsaktivitäten werden nicht durchgeführt.
An den Colleges erwerben die Studierenden ihren ersten berufsqualifizierenden Abschluss. Das erste Studienjahr schließt in der Regel mit dem Higher National Certificate (HNC) ab, das einen eigenständigen Abschluss darstellt. Daran kann man ein weiteres Jahr anschließen, um ein Higher National Diploma (HND) zu erwerben. Im dritten Jahr wird der Bachelor-Grad erlangt. Dieser akademische Grad wird meistens in Verbindung mit einer ausländischen Universität verliehen und ist damit weltweit anerkannt (die Zusammenarbeit mit anerkannten Universitäten wird vom oman. Ministery of Higher Education bei der Genehmigung der Studiengänge im Oman verpflichtend gefordert). Dieser berechtigt dann meist auch zur Aufnahme eines Master-Studiengangs.
An der einzigen staatlichen Universität des Landes, der SQU, werden die Fachbereiche, an denen die Undergraduates studieren, ebenfalls Colleges genannt. Die Einrichtungen, an denen man den Master erwirbt, heißen dort Schools.
Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Bildungseinrichtungen, die ebenfalls dem tertiären Bildungssektor zugerechnet werden, aber eher Berufsfachschulcharakter haben. Auch einige der Colleges werden eher mit bundesdeutschen Berufsfach- oder Fachoberschulen verglichen, denn mit deutschen Fachhochschulen. Ein dem deutschen vergleichbares Berufsbildungssystem (fokussiert auf technische Berufe) soll nun mit Hilfe der GTZ aufgebaut werden.
An den staatlichen Hochschulen studieren fast ausschließlich Omanis. Expatriates besuchen in der Regel private Hochschulen oder studieren im (benachbarten) Ausland.
An der SQU ist die Lehrsprache weitgehend Englisch. Lediglich im College of Arts wird vornehmlich in Arabisch unterrichtet. Im Master- und PhD Bereich wird ausschließlich in Englisch unterrichtet. In den privaten Universitäten ist die Lehrsprache ebenfalls weitgehend Englisch. An wenigen Colleges ist die Lehrsprache Arabisch, an den meisten wird in Englisch unterrichtet. Alle Hochschulen sind per Dekret gehalten, internationale Kooperationen mit etablierten ausländischen Hochschulen zu pflegen.
Das omanische Hochschulsystem kann nicht alle Studierwilligen aufnehmen. Es herrscht ein harter Wettbewerb; an der SQU werden nur die besten Studierenden angenommen. Auch die privaten Universitäten sind bemüht, die akademischen Standards bei der Zulassung hoch zu halten. Es besteht daher eine generelle, ungedeckte Nachfrage an Studienangeboten, insbesondere im Bachelor-Bereich, man schätzt, dass im Jahre 2005 bis zu 30.000 Studienplätze fehlten.
Das Hochschulsystem im Oman besteht aus
a) einer staatlichen Universität
Sultan_Qaboos_University_(SQU)
b) sechs staatlichen Colleges
Muscat College (The Higher College of Technology)
Al Musanna College of Technology
Ibra College of Technology
Nizwa College Technology
Salalah College of Technology
College of Banking & Financial Studies in Ruwi (Maskat)
c) vier privaten Universitäten
Dhofar University
University of Nizwa
Sohar_University
Oman-German University of Technology (Eröffnung im akademischen Jahr 2007/08)
d) zwölf private Colleges
Das erste private College wurde bereits 1994 gegründet. Seit dem hat es eine Reihe von weiteren Neugründungen gegeben. Die Colleges sind mehrheitlich fokussiert auf die Bereiche Wirtschaftswissenschaften, Management und Computerwissenschaften. Die Unterrichtssprache ist fast überall Englisch. Einige wenige Colleges lassen nur omanische Studierende zu.
Muscat College
Fire Safety Engineering College
Al-Zahra College for Women
Oman Tourism & Hospitality Academy, vormals Oman Tourism College (OTC), davor Oman College of Tourism)
Oman Medical College
Waljat Colleges of Applied Sciences
International Maritime College Oman (IMCO LLC)
Middle East College of Information Technology
Al Buraimi College
Scientific College of Design
Oman College of Science & Technology
Mazoon College for Management and Applied Sciences
Majan College (College of Administrative Sciences)
Modern College of Business & Science
Caledonian College of Engineering
Sur University College
Gulf College
Einzelnachweise
Weblinks
• Information des Oman Cultural Office in Washington, D. C. (USA)

