Bildungsarmut
Bildungsarmut ist der individuelle Mangel an Bildungszertifikaten und Bildungskompetenzen. Dieses Defizit kann absolut oder relativ zum Bildungsreichtum der umgebenden Gesellschaft ausgedrückt werden.Messung von Bildungsarmut
Mit den Kompetenzstufen der PISA-Studien ist es möglich, Bildungsarmut als absolute Bildungsarmut zu benennen. Absolute Bildungsarmut liege vor, so Jutta Allmendinger und Stephan Leibfried, wenn die unterste Kompetenzstufe in der Skala der PISA-Studien nicht erreicht würde. Hier läge ein Funktionaler Analphabetismus vor. Auch mit Bildungszertifikaten ließe sich Bildungsarmut messen: absolute Bildungsarmut heißt, dass keine Bildungszertifikate vorliegen, relative Bildungsarmut, dass der Anteil an Bildungszertifikaten einen bestimmten Wert unterschreitet, der sich an der Durchschnittsverteilung gesellschaftlicher Bildungstitel misst. Jutta Allmendinger / Stephan Leibfried: Bildungsarmut. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003) [http://www.bpb.de/publikationen/T3GDNK,2,0,Bildungsarmut.html#art2]
Volkswirtschaftliche Verwendung des Begriffs
Humankapitalschwäche übersetzt.
Volkswirtschaftlich sei daran gelegen, Bildungsarmut zu vermeiden, da diese als Humankapitalschwäche Wachstumsimpulse der Wirtschaft unterbinden könne, wie die OECD-Studie The Sources of Growth OECD ? Organisation for Economic Co-Operation and Development (2003): The Sources of Economic Growth, Paris aus dem Jahr 2003 dies für die Bundesrepublik Deutschland prognostiziert. DIW (2006): Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland Köln, S. 4 [http://www.dihk.de/inhalt/download/gutachten_bildungsarmut.pdf#search=%22Bildungsarmut%20und%20Humankapitalschw%C3%A4che%20in%20Deutschland%22]
Seit Anfang der 1990er Jahre bleibt der Anteil der Menschen ohne Sekundarstufe-II-Abschluss ebenso wie der Anteil der
Menschen ohne Berufsausbildung gleich.
:"Damit hat sich die relative Position Deutschlands im internationalen Vergleich verschlechtert. Ein Anstieg der Bildungsarmut ist vor allem bei jungen Menschen zu beobachten." IW (2006): Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland Köln, S. 26
Zu den individuellen Folgen von Bildungsarmut zählen geringere Einkommensmöglichkeiten, ein geringeres Berufsprestige sowie ein größeres Arbeitslosigkeitsrisiko. Gesellschaftliche Auswirkungen sind bildungsökonomisch gesehen zum einen negative Folgen für das wirtschaftliche Wachstum, zum anderen höhere Ausgaben der öffentlichen Haushalte.
Ursachen der Bildungsarmut in Deutschland
Das Gutachten des Instituts_der_deutschen_Wirtschaft von 2006 sieht drei Ursachen für die Entstehung von Bildungsarmut:
# Mangelnde frühkindliche Förderung durch die Eltern
# Mangelnde Unterstützung während der Schulzeit
# Ungünstiges Schulumfeld
Diese Ursachen könnten behoben werden durch:
# Den Ausbau frühkindlicher Förderung
# Den Ausbau von Ganztagsschulen
# Die Schaffung einer besseren FörderkulturIW (2006): Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland Köln, S. 77
Siehe auch
Armut
Literatur
* Jutta Allmendinger (1999): Bildungsarmut - zur Verschränkung von Bildungs- und Sozialpolitik. In: Soziale Welt, Jg. 50, H. 1. S. 35-50.
• Jutta Allmendinger / Stephan Leibfried (2003): Bildungsarmut. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003)
* Christina Anger / Axel Plünnecke / Susanne Seyda / Dirk Werner / unter Mitarbeit von: Holger Schäfer (2006): Bildungsarmut und Humankapitalschwäche in Deutschland. Köln
• Thomas Hinz / Frithjof Zerger / Jochen Groß (November 2004): Neuere Daten und Analysen zur Bildungsarmut in Bayern

