Stadtbahn Bielefeld
Die Stadtbahn Bielefeld wird von der moBiel GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Bielefeld, betrieben. Sie bildet neben den ebenfalls von moBiel betriebenen Stadtbussen und den vier das Stadtgebiet bedienenden Regionalbahnstrecken mit elf Bahnhöfen das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Bielefeld. Die Bahn wird oft als U-Straßenbahn bezeichnet. Sie befördert pro Jahr rund 26 Mio. Fahrgäste.Liniennetz
Das Stadtbahnnetz umfasst eine Linienlänge von ca. 36 km und vier Linien, die insgesamt 63 Haltestellen bedienen.Neben diesen Hauptlinien gibt es Einzelfahrten mit abweichenden Linienführungen von und zum Betriebshof Sieker. Dabei wird die Verbindungsstrecke vom Betriebshof zur Haltestelle Sieker Mitte genutzt:
Diese Linienführungen sind im nebenstehenden Linienplan nicht explizit eingezeichnet.
Im Studenten- und Schülerverkehr und zu Veranstaltungen (Spiele von Arminia_Bielefeld in der SchücoArena, Konzertveranstaltungen) verkehren Einsatzbahnen. Es werden dann durchgehende Bahnen ab Rudolf-Oetker-Halle bzw. Lohmannshof nach Stieghorst, Senne und Sieker eingesetzt oder andere Kombinationen (z. B. Milse - Stieghorst). Diese Linien tragen die Linienbezeichnung der Ziellinie (also nach Senne Linie 1) oder ein E. Eine Ausnahme bildet Linie 10, die auch am späten Abend fährt:
Die Linien 1?3 sind Hauptbahnhof_Bielefeld nach Sieker. Der für 1914 geplante Bau der dritten Linie wurde durch den Ausbruch des Ersten_Weltkrieges verhindert. Erst 1928 wurde sie in Betrieb genommen und vervollständigte die Planungen des Straßenbahnnetzes.
Der Straßenbahnbetrieb musste am 31. März 1945 nach schweren Bombenangriffen vorübergehend eingestellt werden. Die Beseitigung der Kriegsschäden dauerte bis in das Jahr 1950 hinein, wobei der Betrieb auch während des Wiederaufbaus auf allen Linien im eingeschränkten Rahmen weitergeführt wurde. Der Fuhrpark bestand zu diesem Zeitpunkt aus Wagen des Typs GT6, welche später durch Einbau eines Mittelteils zum Typ GT8 erweitert wurden. Diese verkehrten noch bis Anfang der neunziger_Jahre auf der Linie 3.
Nach der Beseitigung aller Kriegsschäden begann man, das Streckennetz auszubauen. Neben der Verlängerung der vorhanden Linien 1 und 2 (damals 3) in den sechziger_Jahren, ist insbesondere die Eröffnung des ersten Straßenbahntunnels am 21. September 1971 erwähnenswert. Dieser verläuft auf einer Länge von ca. 250 m unter der Herforder Straße und beinhaltet die Haltestelle Beckhausstraße (Linie 2). Der Tunnel ist der erste Abschnitt des heute existierenden Stadtbahnnetzes und ist völlig in diesem aufgegangen.
1978 begann der weitere Ausbau des Tunnelsystems. Dazu mussten die drei Linien zunächst zwischen Rathaus und Hauptbahnhof zusammengeführt werden. Bisher war die Haltestelle ?Berliner Platz? (heute: Willy-Brandt-Platz) Straßenbahn-Treffpunkt. Fahrgäste vom Jahnplatz, dem zentralen Umsteigepunkt zu den Stadtbussen, mussten dort Anschluss-Wartezeiten hinnehmen. Zu verkehrsschwachen Zeiten (damals 40-Minuten-Takt) bedeutete das nach nur einer Haltestelle Fahrt einen Zeitverlust von oft über 5 Minuten, also sehr lange Fahrtzeiten zwischen Jahnplatz und Bahnhof. Der Grund war die Linie 3, sie fuhr über Kesselbrink und Friedrich-Ebert-Straße zur Herforder Straße. Die Gleisverlegung durch die Nikolaus-Dürkopp-Straße führte sie ab Oktober 1986 an den Niederwall heran.
Der bereits in Planung befindliche Ausbau auf vier Linien wurde beim Tunnelbau bereits durch Blindstollen berücksichtigt. In den siebziger_Jahren wurde das bestehende Straßenbahnnetz noch einmal im geringen Umfang erweitert (Verlängerung der Linie 2 von Baumheide nach Milse 1978).Nach 23 Jahren Bauzeit wurde die Bielefelder Stadtbahn am 28. April 1991 eröffnet. Neben der Einführung neuer Fahrzeuge (M8C bzw. M8D), Hochbahnsteigen und Beschleunigungsmaßnahmen (eigene Trassen, Ampelschaltungen etc.) trug der Tunnelbetrieb maßgeblich zur Leistungssteigerung des Stadtbahnnetzes bei.
In den 90er Jahren wurde das Netz durch eine Verlängerung der Linie 3 in östlicher Richtung (Sieker Mitte bis Stieghorst, 5 Haltestellen, 1995/96) und vor allem durch den Bau der neuen Linie 4 (Rathaus ? Universität, 7 Haltestellen, 2. April 2000) zusätzlich gestärkt. Im Jahre 2002 wurde die Linie 4 um zwei weitere Haltestellen erweitert und endet heute an der Haltestelle Lohmannshof. Die Haltestelle Universität ist der größte oberirdische Haltepunkt des Stadtbahnnetzes. Eine überdachte Brücke verbindet Stadtbahn und Parkhäuser mit dem Uni-Haupteingang.
Heute gibt es 7 unterirdische Bahnhöfe: Jahnplatz und Hauptbahnhof (alle Linien), Beckhausstraße (Linie 2, eröffnet 1971), Wittekindstraße und Nordpark (Linie 3, eröffnet 1991) sowie Siegfriedplatz und Rudolf-Oetker-Halle (Linie 4, eröffnet 2000). Die Haltestelle Baumheide (Linie 2, eröffnet 1978) liegt unter einem Brückenbau und ist daher einer unterirdischen Haltestelle ähnlich.
Betrieb und Verkehrsfluss
Im Fahrplan 2006 besteht ein durchgehender Taktverkehr bis ca. 0.30 Uhr. An Werktagen wird tagsüber im 10-Minutentakt gefahren, sonst im 15-Minutentakt (die Linie 2 fährt abends im 30-Minutentakt). Verstärkungszüge sind auf der Linie 4 im Schüler- und Studentenverkehr (5-Minutentakt) sowie zu Fußballspielen in der SchücoArena (2- bis 3-Minutentakt) nötig, im Schülerverkehr auch auf den Linien 1 und 3.
Im Herbst 2002 wurde der Frühverkehr am Wochenende eingeschränkt: samstags bis ca. 7 Uhr und sonntags bis ca. 9 Uhr fahren nur noch Busse (Nachtlinien) auf einem radial angelegten Frühverkehrsnetz zum Treffpunkt Jahnplatz. Dadurch ist an Wochenenden ein Verkehrsangebot rund um die Uhr entstanden. Allerdings ist der Hauptbahnhof im Frühverkehrsnetz kaum eingebunden, denn keine Frühverkehrslinie fährt ihn direkt an (nur 3 von 8 Linien haben Haltestellen in Bahnhofsnähe).
An der Haltestelle Jahnplatz können an beiden Bahnsteigen 3 Züge (Kurzzüge mit M8C) hintereinander halten. Dies wurde jahrelang für einen direkten Anschlussbetrieb in den Abendstunden (und sonntagsmorgens) genutzt. Fahrgastzunahmen im Abendverkehr und eine bessere Fahrzeugnutzung (der 30-Minuten-Anschlussbetrieb führte zu Standzeiten von fast 30 Minuten z. B. in Milse) ermöglichten im Herbst 2003 eine Taktverdichtung zum 15-Minutentakt, dadurch wurden auch Langzüge z. B. nach Senne und Lohmannshof möglich.
Fuhrpark
Die Bielefelder Stadtbahn wird mit einem Schienennetz der Spurweite 1000 mm betrieben. Es stehen insgesamt 80 Stadtbahnen des Typs_M zur Verfügung, die sich auf die zwei Baureihen M8C und M8D aufteilen.
Baureihe M8C
Die Wagen dieses Typs sind für Zwei-Richtungs-Betrieb ausgelegt und können somit als Einzelfahrzeug eingesetzt werden. Auch ein Betrieb als Doppelzug ist durch die beidseitige Kupplung möglich.
Baureihe M8D
Im Gegensatz zur Baureihe M8C verfügen die M8D-Fahrzeuge lediglich über einen vollwertigen Fahrerstand, da sie ausschließlich für den Betrieb in Doppeltraktion konzipiert wurden. Um einen Zwei-Richtungs-Betrieb zu ermöglichen, wurde auf der Gegenseite ein Hilfsfahrerstand installiert, dieser wird jedoch im normalen Betrieb nicht genutzt.
Beiwagen Baureihe MB4
Die antrieblosen Beiwagen sind eine Ergänzung zur Baureihe M8D. Sie werden als Mittelwagen zwischen zwei M8D-Fahrzeuge gekoppelt. Die Wagen verfügen über einen eigenen Stadt- und Regionalbussen ist der Jahnplatz (Busbahnhof). An den Endhaltestellen der Linien 1 bis 3 gibt es Busbahnhöfe mit Direktanschlüssen u. a. nach Jöllenbeck, Ubbedissen und Sennestadt. Weitere wichtige Verknüpfungspunkte bestehen an der Kirche in Brackwede, am Lohmannshof, an der Universität, Deciusstr., Sieker Mitte, Baumheide und am Betheleck.
Seit Inbetriebnahme der Stadtbahn wurden viele Regionalbuslinien aus der Innenstadt zurückgenommen und beginnen nun an den Endpunkten der Stadtbahn (u. a. die Linien in Richtung Enger, Spenge, Herford) oder in Brackwede (Linien nach Schloß Holte-Stukenbrock, Gütersloh über Friedrichsdorf). Durch die verkürzten Linienwege konnte teilweise der Takt verdichtet werden.
An den Endpunkten der Linien 1 bis 3 befinden sind Park and Ride-Plätze. Die größte P+R Anlage bietet jedoch die Universität mit Parkhäusern und Parkplätzen direkt an der Stadtbahn Haltestelle. Weitere Parkplätze an der Linie 4 gibt es zwischen den Haltestellen Wellensiek und Lohmannshof. Im moBiel-Netzplan sind überdachte Bike and Ride-Plätze eingezeichnet.
Zukunft
Aufgrund der angespannten Finanzlage sind derzeit keine bedeutenden Ausbauten wie in den 90er Jahren zu erwarten. Angedacht sind für die Zukunft vor allem Verlängerungen der Linie 3 nach Hillegossen bzw. über Theesen nach Jöllenbeck. Außerdem gibt es Planungen für Verlängerungen nach Milse Ost, Stieghorst Süd (Linie 2) oder Brackwede Süd (Linie 1) und für eine neue Strecke nach Heepen.
Im Zuge des Umbaus der Detmolder Str. werden die Haltestellten der Linie 2 in diesem Bereich zu Haltestellen mit Hochbahnsteigen umgebaut.
Wissenswertes
Circa 70 % der Haltestellen haben einen rollstuhlgerechten Zugang, der bei den U-Bahnhöfen durch einen Aufzug realisiert ist. Diese Haltestellen sind im moBiel-Netzplan farblich gekennzeichnet (im hier gezeigten Plan sind die nicht behindertengerechten Stationen grau gefärbt).
Die oberirdische Haltestelle Rathaus, an der alle Stadtbahnlinien halten, hat sich mit der Zeit zu einer zentralen Umsteigestation für Raucher entwickelt. Dies ist als eine Folge des Rauchverbots an allen unterirdischen Bahnhöfen, zu denen auch die zentrale Haltestelle Jahnplatz gehört, zu sehen.
Weblinks
• Webpräsenz von moBiel
• Bilder und Informationen über die Stadtbahn in Bielefeld
• Chronik der Stadtbahn Bielefeld
• Geschichte der Stadtbahn Bielefeld (englisch)
• Alte Netzpläne der Stadtbahn Bielefeld (englisch)

