Bibliotheksbau
Bibliotheksbau, auch Bibliothek. Die Gebäude von Bibliotheken sind wegen der Bedeutung des aufzubewahrenden Gutes oftmals in besonderer Weise gestaltet. Dabei gibt es mehrere Parameter zu berücksichtigen:*Die Form des Mediums (Papyrus, Handschriften, Bücher...)
*Die Form der Benutzung (Präsenzbibliothek, Ausleihbibliothek...), darunter fallen auch Sicherheitsaspekte
*Die steigende Zahl der Publikationen
*architektonische Stilvorgaben
Im Laufe der Zeit sind so zahlreiche bedeutende Bauwerke entstanden, zum Beispiel:
:Bibliothek von Alexandria, in der Antike abgebrannt; wird derzeit wieder aufgebaut.
:Wiener_Hofbibliothek von Johann Bernhard Fischer von Erlach, 1726 vollendet.
:Bibliothek im ehem. Prämonstratenserkloster Strahov-Kloster (Strahovský Klá?ter) in Prag, 1782/1783.
Geschichte
Bibliotheken als eigenständige Zweckbauten gab es bereits in der Antike. Die größten unter ihnen waren die Bibliothek von Alexandria mit einer Sammlung von Papyrusrollen, die den Anspruch erhob, das gesamte Wissen ihrer Zeit zu enthalten, sowie die Bibliothek von Pergamon, in der erstmals im großen Umfang Pergament verwendet wurde.
Im Mittelalter gab es nur in Klöstern und an Bischofssitzen Bibliotheken mit einem Umfang von höchstens einigen Hundert Handschriften. Die erste Erwähnung der Bezeichnung Bibliothek für einen speziellen Raum findet sich in der St._Gallen. Die Bücher wurden in der Regel auf Kirchenbänken ähnlichen Pulten abgelegt (Pultbibliothek) und aufgrund ihres hohen Wertes (für das Kopieren einer Bibel wurde ca. 3 Jahre gerechnet) angekettet. Mit steigender Literaturproduktion wurden die Pulte zu Regalen ausgebaut. Die Benutzung der Bibliothek war vom Tageslicht abhängig und auf wenige Stunden am Tag begrenzt.
In der Renaissance entwickelten sich Saalbibliotheken, bei denen die Bücher in großen, gut belichteten Sälen untergebracht wurden. Die im 17. Jahrhundert und 18. Jahrhundert vorherrschenden Saalbibliotheken dienten oft mehr einen repräsentativen Zweck. So wurden die Bücher teilweise aufgrund ihres uneinheitlichen Erscheinungsbildes in Schränken verschlossen oder mit einheitlichen Buchrücken versehen.
Erst Anfang des 19. Jahrhunderts kam die Idee eines eigens auf seinen Zweck ausgerichteten Bibliotheksbaus auf.
Bibliotheksspezifische architektonische Planungsgrundsätze
1973 (?) veröffentlichte Harry Faulkner-Brown einen Kriterienkatalog zur Beurteiling bestehender sowie zur Planung künftiger Bibliotheksbauten, die für jegliche Bibliothkesgröße Gültigkeit beanspruchen. Sie gelten inzwischen als etabliert.
Diese Kriterien beziehen sich einerseits ausschließlich auf die funktionale Qualität, nicht auf ästhetische Anforderungen,
die den funktionalen zu folgen haben. Andererseits sind sie so allgemein, um für die Planung oder Beurteilung jedes bestehenden oder neu zu errichtenden Bibliotheksbaus verwendet werden zu können, auch auf so genannte Hybridbibliotheken. Nach diesen Kriterien sollte ein Bibliotheksbau folgende Qualitäten aufweisen:
* flexibel: Alle (Hauptnutz-) Flächen sollten für die Erfüllung aller bibliothekarischen Hauptfunktionen genutzt und aufeinander abgestimmt werden können. Das bedeutet zum Beispiel, dass Gebäudeteile, die zur Speicherung von Büchern (das sind Regalstellflächen) genutzt werden, jederzeit auch als Lesesaal genutzt werden können sollte, und umgekehrt. Das wird u.a. erreicht durch eine hohe Deckentraglastfähigkeit aller Geschosse, um so auf möglichst viel Gebäudenutzfläche auch Regalanlagen aller Art montieren zu können.
* erweiterbar: Das Gebaüde sollte prinzipiell ohne aufwändige Abbrucharbeiten vergrößert werden können und ästhetisch als geschlossenes Ganzes wirken können. In der Regel werden Magazinerweiterungen nötig; inzwischen können sie auch durch die Ausweitung der Aufgaben einer Bibliothek nötig werden, etwa um Lehrräume anbieten zu können. Die Erweiterung kann in die Höhe, Tiefe oder seitlich geplant werden. Das gilt auch für die Digitale Bibliothek insofern, als sie für den Bitsrom stehts genügend Speicherkapazität reservieren muss.
* kompakt: Aus wirtschaftlichen Gründen sollte der Bau immer nur kurze Wege für Benutzer, Personal und Bände erfordern. Das spricht für kubische Bauformen.
*ökonomisch: Nicht erst die inzwischen hohen Unterhaltskosten für Wartung, Kühlung, Strom, Heizung u.a. erzwingen einen wirtschaftlich betreibbaren Bau. Wie das umgesetzt werden sollte, hängt vom Stand der Technologien ab.
*zugänglich: Bibliotheken können sich schnell zu komplex gegliederten Raumsystemen entwickeln. Für Besucher sollte ihr Eingang als solcher mit minimalen Mitteln erkennbar gemacht sein und vom Eingang her sich Erstbesuchern leicht erschließen unter nur minimaler Verwendung von Leitsystemen. Das spricht für eine räumliche Anordnung der Räume, wie es ein Besucher erwarten würde oder benötigt: Zum Beispiel befindet sich im Eingangsbereich die zentrale Auskunft, die Ausleihtheke, darauf folgt Katalogbereich, dann den Lesesaalbereich, dann das ggf. geöffnete Magazin (Friehhandmagazin). Dazu gehören heute auch die Anbindung an univeritäre Datennetze zur Nutzung elektronischer Ressourcen über Kabelkanäle aus Fußbodentanks oder WLAN (Letzteres nur mit Einschränkung).
*komfortabel: Für den Benutzer, der in der Bibliothek arbeitet, muss sichergestellt sein Raumklima im engen wie im weiten Sinne, das leistungseffizienntes Arbeiten mit den Bibliotheksmaterialien gestattet. Das spricht zum Beispiel für konstante Raumtemperatur von durschnittliech 23 Grad Celsius, für Zug- und Lärmfreiheit, für attraktive innenräumliche Atmosphäre über die Wand- und Lichtgestaltung oder für Erfrischungs- und Entspannungsräume.
* gut organisiert: Auf überschaubarer und optimal aufeinander abgestimmte Weise müssen den Besuchern die Bibliotheksmaterialien zugänglich sein. Das spricht gegen Außenmagazine, für kurze Bereitstellungszeiten, für einen großen Friehandbereich mit möglichst vielen Beständen in systematischer Aufstellung.
*abwechslungsreich: Um den verschiedenen individuellen Arbeitsplatzanforderungen der Besucher gerecht werden zu können, müssen möglichst viele verschiedene Arbeitsplatztypen angeboten werden wie Gruppenarbeitsräume, Arbeitskabinen, Carrells, einfache Leseplätze, Notebookarbeitsplätze.
*sicher: Zum einen ist der Nutzer vor der Bibliothek zu schützen zum Beispiel durch Maßnahmen des Brandschutzes. Zum anderen muss sich die Bibliothek vor den Nutzer schützen, zum Beispiel durch Buchsicherungsanlagen.
* konstant gegen Umwelteinflüssen: Der Betrieb der Bibliothek muss unabhängig von Wetterlagen möglich sein. Das betrifft den Schutz des Buchbestandes, zum Beispiel durch konstante Temperatur und relative Luftfeuchte durch unterirdisch gebaute Magazine, ebenso die raumklimatische Arbeitsplatzsituation an den Außenwänden des Gebäudes.
Planung
Die Planung eine Bibliotheksneubaus beginnt mit der Erstellung eines Raumprogramms: Anhand der geplanten Anzahl von Benutzer- und Mitarbeiterarbeitsplätzen und dem geplanten Fassungsvermögen für den Bestand an Druckwerken kann ein grober Flächenbedarf errechnet werden, dem wiederum ein grober Kostenwert zugeordnet werden kann. Gegenwärtig wird mit rund 3.000 Euro Baukosten pro 1 Quadratmeter Hauptnutzfläche gerechnet.
Literatur
Zum Thema Bibliotheksbau gibt es eine umfangreiche [http://www.ub.fu-berlin.de/~naumann/litera.html Online-Bibliographie] von Prof. Dr. Ulrich Naumann.
Die erste Ausgabe (01/2005) der elektronischen Zeitschrift [http://www.libreas.de LIBREAS] des Instituts_für_Bibliothekswissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin widmet sich schwerpunktmäßig dem Thema "Bibliotheksbau".
Weblinks
• Bibliotheksbauten.de
• BibliotheksbauarchivSiehe auch: Liste von Bibliotheken

