Bibelübersetzung
Eine Bibelübersetzung versucht die Urtexte der biblischen_Schriften einem Leserkreis zugänglich zu machen, der die antiken Originalsprachen nicht beherrscht. Die Bibel wurde in hebräischer, aramäischer und altgriechischer Sprache (Koine) verfasst. Neben allgemeinen Schwierigkeiten beim Übersetzen solcher Texte kommt die religiöse Bedeutung der Bibel hinzu, die als Heilige Schrift insbesondere im Judentum und im Christentum angesehen wird.Hinweis: Dieser Artikel befasst sich mit praktischen Problemen, die sich beim Übersetzen der Bibel stellen und damit, wie moderne Übersetzer diese Aufgabe heute lösen.
Bibelübersetzungen werden schon seit mehr als zweieinhalbtausend Jahren mit verschiedenen theoretischen Ansätzen angefertigt. Siehe dazu: Geschichte der Bibelübersetzung.
, mit Teamim. Martin Luther übersetzte den hebräischen Text: ?Wohl dem / der nicht wandelt im Rat der Gottlosen / noch tritt auf den Weg Sünder / noch sitzt, da die Spötter sitzen / sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN / und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!?]]
Ziele einer Übersetzung
Viele moderne Bibelübersetzungen haben das Ziel, die antiken Texte mit der darin enthaltenen Botschaft einem breiten Leserkreis zugänglich zu machen. Sie sind deshalb auf Allgemeinverständlichkeit ausgerichtet und bedienen sich einer möglichst alltäglichen Sprache. Dabei wird Rücksicht auf religiöse Traditionen genommen. So werden beispielsweise Worte wie Evangelium, Taufe, Sünde, Jünger, oft nicht der Alltagssprache angepasst, beziehungsweise sind durch die Religion in die Alltagssprache eingegangen. Die unterschiedliche theologische Auslegung der Bibel bringt unterschiedliche Übersetzungen hervor.
Um Theologen und theologisch Interessierten präzisere Hilfsmittel in die Hand zu geben, werden wissenschaftliche Übersetzungen herausgegeben. Eine Übersetzung ist insofern wissenschaftlich, dass die Gründe für im Detail gewählte Formulierungen intersubjektiv nachprüfbar sind. Dieses Ideal kann jedoch nie vollkommen erfüllt werden.
Daneben gibt es auch Übersetzungen, die nur einen bestimmten Aspekt des Urtextes beleuchten wollen (beispielsweise Walter Jens? Übersetzung des Markusevangeliums) oder solche, die überhaupt eine mehr künstlerische Auseinandersetzung mit dem Urtext darstellen.
Bedingtheit einer Bibelübersetzung
Das Ergebnis der Übersetzungsarbeit ist unter anderem abhängig:
*vom Auftraggeber
*vom Umfang (ganze Bibel oder nur Teile)
*vom zugrundegelegten Kanon
*von der Art (Neuübersetzung, Revision, Bearbeitung)
*von der Zielsprache (grammatische und andere Eigenheiten), Zielkultur oder der Zielgruppe
*von der Religion des Übersetzers und seinem persönlichen Glauben (Konfession, geistliche Strömung)
*von der Auslegung der zu übersetzenden Texte
*vom verwendeten Ausgangstext (Original oder Sekundärtexte)
*vom Übersetzungsansatz (siehe unten)
*vom angestrebten Sprachstil
Die beteiligten Personen prägen das Ergebnis maßgeblich. Nicht nur die Auftraggeber und die Übersetzer, sondern auch Redakteure, Berater (beispielsweise Linguisten, Historiker, Archäologen und natürlich Theologen) und Korrektoren nehmen Einfluss auf die Übersetzung. All diese Personen treffen ihre Entscheidungen aus ihrem kulturell bedingten Weltbild heraus.
Unabhängig von der theologischen Ausrichtung der beteiligten Personen wird ihr Verständnis der Texte auch von ihren individuellen Prägungen und subjektiven Empfindungen beeinflusst, bis hin zu ihren Charaktereigenschaften (vergleiche besonders bei Luther). Schließlich spielen auch die äußeren Bedingungen des Übersetzungsprozesses eine Rolle (Zusammenarbeit, Organisation, Ort und Zeit).
Spezielle Probleme beim Übersetzen der Bibel
Bibelübersetzungen sollen eine Brücke von einer fremden, vergangenen Kultur und Denkweise zu modernen Lesern schlagen. Die alten, heute toten Sprachen der Urtexte mit ihrer eigentümlichen Ausdrucksweise (Grammatik, Lexik) stellen hohe Anforderungen an die Übersetzungsarbeit. Im Falle des Alten Testaments kommt erschwerend dazu, dass außerhalb dessen kaum althebräische Schriften überliefert sind, die als Vergleichsmaterial dienen könnten.
Verständnisschwierigkeiten
Neben sprachlichen spielen auch inhaltliche Verständnisschwierigkeiten bei der Übersetzung der Bibel eine Rolle. Schon die biblischen Schriften selbst bezeugen diese mehrfach (z. B. ).
Wahl des Übersetzungstextes
Sowohl für das masoretische_Text und die griechische Septuaginta. Der masoretische Text wird in protestantischen Kirchen traditionell als der verlässlichere angesehen. Orthodoxe Kirchen bevorzugen dagegen traditionell die Septuaginta, die bereits eine Übersetzung vom Hebräischen ins Griechische darstellt. Frühere katholische Übersetzer gingen meistens von Hieronymus' lateinischer Übersetzung, der Vulgata, aus. Wie Hieronymus nehmen heute auch katholische Übersetzer meistens den hebräischen Text als Grundlage. Moderne wissenschaftliche Übersetzungsarbeit zieht sämtliche verfügbaren antiken Übersetzungen und die Bibel betreffende Schriften heran. Dazu gehören neben der Septuaginta z. B. auch alte syrische und samaritanische Übersetzungen oder die Targumim.
Für das Neue Testament gibt es eine Vielzahl an Sekundärquellen und Manuskripten, deren wichtigste (Codex Vaticanus, Codex Sinaiticus) aus dem 4. Jahrhundert stammen, und seit dem 19. Jahrhundert Grundlage aller traditionellen Übersetzungen sind. Dabei ist nicht gesagt, dass diese ältesten Handschriften auch die verlässlichsten sind. Im 4. Jahrhundert waren die Schriften der Bibel schon relativ weit verbreitet. Signifikante Änderungen des Textes wären ? wenn man solche unterstellt ? logistisch kaum machbar gewesen, da diese in allen Handschriften der damaligen Welt hätten vorgenommen werden müssen. Man vertraut deshalb auch Handschriften aus späteren Zeiten, wo sie untereinander im Wesentlichen gleich sind, und spricht in diesem Zusammenhang vom Mehrheitstext oder auch byzantinischen Text.
Die seit der Reformation maßgeblichen Grundtextausgaben waren geprägt vom so genannten ?Textus receptus?, einem Grundtext, der erstmals von Erasmus von Rotterdam herausgegeben wurde. Einige ältere Manuskripte haben an einigen Stellen Abweichungen, die auch theologisch bedeutsam sind. Diese haben die meisten Übersetzungen der Neuzeit geprägt.
Die Schriften der Bibel gelten als die bestüberlieferten Texte des Altertums. Als man 1947 in Qumran Jesaja-Abschriften aus der Zeit vor der christlichen Zeitrechnung fand, enthielten sie nur marginale Abweichungen von dem heute in hebräischen_Bibelausgaben stehenden Text.
Revisionen
Die meisten Übersetzungen werden ständig revidiert, das heißt überarbeitet. Bedingt durch den natürlichen Sprachwandel können einst treffende, leichtverständliche Formulierungen in Vergessenheit geraten und müssen deshalb ersetzt werden (beispielsweise Luthers Eidam = Schwiegersohn, Farren = Rind etc.). Neue linguistische oder historische Erkenntnisse können Überarbeitungen notwendig machen. Veränderte Moralvorstellungen fließen ebenfalls ein (z. B. Gleichstellung der Frau). Nicht zuletzt beeinflussen auch Erfahrungen in der Glaubenspraxis, die mit vorangegangenen Übersetzungen gemacht wurden, spätere Übersetzungen ? beispielsweise Luther, der die Glaubenssätze seiner Zeit mit großer Entschlossenheit umzusetzen versuchte, aber daran scheiterte und aus dieser Erfahrung heraus eine Neuinterpretation der Paulusbriefe entwickelte.
Systematik der verschiedenen Ansätze zu einer Übersetzung
Heidemarie Salevsky: Übersetzungstyp, Übersetzungstheorie und Bewertung von Bibelübersetzungen; in: Bibelübersetzung heute ? geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Anforderungen; Stuttgarter Symposion 2000; Deutsche Bibelgesellschaft
Aufgrund der unterschiedlichen Struktur verschiedener Sprachen im Allgemeinen ist eine Eins-zu-eins-Übersetzung nicht möglich. Wie Schleiermacher herausstellte, gibt es im wesentlichen zwei Strategien, mit diesem Problem umzugehen: Entweder passt man den Inhalt an den Leser an und nimmt dadurch Kompromisse in der Genauigkeit in Kauf, oder man verlangt vom Leser, sich an den Inhalt anzupassen und nimmt damit Kompromisse in der Verständlichkeit in Kauf. Man nennt diese Strategien auch zieltextorientiert und ausgangstextorientiert oder wirkungstreu und strukturtreu, wobei zu betonen ist, dass -treu hier hauptsächlich die Absicht der Übersetzer meint.
Strukturtreu ? der ausgangstextorientierte Ansatz
Der ausgangstextorientierte Ansatz stellt die Forderung den Urtext strukturtreu in Bezug auf Wortwahl (lexikalisch), Wortbau (morphologisch), Satzbau (syntaktisch) oder Sprachklang (phonetisch) wiederzugeben.
Strukturtreue Übersetzungen wollen den Leser in die Lage versetzen, den Text selbst so studieren zu können, als ob er die Originalsprache beherrsche. Dabei wird in Kauf genommen, dass er fremde Begrifflichkeiten erlernen und sich gegebenenfalls historische Kenntnisse aneignen muss, um den Text zu verstehen. Diesen Nachteil versucht man durch Fußnoten und Anmerkungen, beigefügte Lexika und Kommentare auszugleichen. Da eine kompromisslose Einhaltung des strukturtreuen Ansatzes nicht möglich ist, bergen diese Übersetzungen die Gefahr, dass sich der Leser in einer falschen Sicherheit wiegt, denn gewisse Verluste gegenüber dem Original sind beim Übersetzen unvermeidbar und manche Ausdrücke sind wörtlich übersetzt nicht verständlich oder werden sogar falsch verstanden.
Dem Begriff strukturtreu sind folgende Begriffe untergeordnet:
*Wort- und formgetreue Übersetzungen
*grammatische Übersetzungen
• Übersetzungen
*konkordante]_und_begriffskonkordante_Übersetzungen
•_
• Wirkungstreu ? der zieltextorientierte Ansatz
Der zieltextorientierte Ansatz stellt die Forderung, den Urtext
Diese Übersetzungen sind naturgemäß stark von der theologischen und weltanschaulichen Prägung der Übersetzer beeinflusst, da das Ergebnis von deren Interpretation des Originals abhängt. Dies muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn so können Übersetzungsvarianten forciert werden, die allgemein anerkannte Glaubenssätze klar zum Ausdruck bringen. Für eine theologische Meinungsbildung, die sich auf den exakten Wortlaut der Bibel gründen möchte, eignen sich diese Übersetzungen weniger.
Die Forderung nach Einfachheit und Eindeutigkeit birgt die Gefahr, den Text auch dort zu vereinfachen, wo das Original nicht einfach und nicht eindeutig ist. Dadurch wird dem Leser unter Umständen das falsche Gefühl vermittelt, er habe die betreffende Passage verstanden. Diesen Nachteil versucht man teilweise durch Fußnoten auszugleichen, in denen alternativ ausgangstextorientierte Übersetzungen geboten werden.
Dem Begriff wirkungstreu sind folgende Begriffe untergeordnet:
* Übertragungen
* kommunikative Übersetzungen
* dynamisch-äquivalente Übersetzungen (von griech. dynamis = Kraft, lat. aequus = gleich + valere = wert sein) bedeutet mit der selben Wirkung wie der Urtext)
* common language translation (Übersetzung in [[Umgangssprache)
* culturally reinterpreted (bedeutet kulturell neu interpretiert; wie würden sich die Bibelautoren heute und hier (in der Zielkultur) ausdrücken?)
Sinntreu ? der gemischte Ansatz
Die Mischformen stellen Kompromisse zwischen beiden Typen dar, wobei entweder das ausgangstextorientierte oder das zieltextorientierte Prinzip bevorzugt wird und das jeweils entgegen gesetzte Prinzip zum Ausgleich der Nachteile herangezogen wird. Ziel ist eine so genannte sinntreue Wiedergabe des Urtextes.
Bearbeitungen
Von Bearbeitungen spricht man, wenn der Inhalt so angepasst wird, dass sich die Übersetzung (a) an ein Publikum richtet, an das sich der Urtext ursprünglich nicht speziell richtete (beispielsweise Kinder, Jugendliche (Volxbibel), Gelegenheitsbibelleser) oder dass die Übersetzung (b) einen Sinn verfolgt, den der Urtext ursprünglich nicht verfolgte (Heranführung an die Bibel, Unterhaltung, Parodie z. B. ?Der große Boss?, Bibelcomics, manche Dialektausgaben, chronologische Zusammenstellungen der biblischen Geschichte, Nacherzählungen in Romanform). Eine weitere Gruppe bilden (c) Bearbeitungen für ein anderes Medium, z. B. für Comic, Film, Fernsehen, Hörspiel, Computerspiel. Man nennt diese drei Typen auch adressatenvariant (a), intentions/funktionsvariant (b) und medienvariant (c).
Bearbeitungen sind oft keine eigentlichen Übersetzungen des Urtextes, sondern gehen von einer vorhandenen Übersetzung aus. Man bezeichnet sie dann als intralingual (?innerhalb der selben Sprache?) oder intrakulturell (?innerhalb der selben Kultur?).
Schematische Übersicht
Klassifizierung und Bewertung von Bibelübersetzungen
Die Klassifizierung einer Bibelübersetzung ist nur näherungsweise möglich. Auch eine stark wirkungsorientierte Übersetzung ist immerhin insofern strukturtreu, dass sie die biblischen Geschichten in der ursprünglichen Reihenfolge wiedergibt. Eine Interlinearübersetzung ist in Bezug auf die Reihenfolge der Worte strukturtreu, sie kann aber in jeder anderen Hinsicht wirkungsorientiert sein. Sie müsste dann eingrenzend syntaktisch strukturtreu genannt werden. Die als extrem strukturtreu geltende Buber/Rosenzweig-Übersetzung berücksichtigt beispielsweise nach Ansicht von Gelehrten einige strukturelle Phänomene des hebräischen Verbs überhaupt nichtAugustin R. Müller: Bubers Verdeutschung der Schrift ? die wirkliche Übersetzung?; in: Bibelübersetzung heute ? geschichtliche Entwicklungen und aktuelle Anforderungen; Stuttgarter Symposion 2000; Deutsche Bibelgesellschaft.Selbst die strukturtreueste Übersetzung wird letzten Endes das Ziel verfolgen, dieselbe Wirkung hervorzurufen, wie der Urtext. Die meisten Übersetzungen enthalten im Detail auch bearbeitende Elemente. Man kann deshalb Bibelübersetzungen nur tendenziell klassifizieren. Es stellt sich dabei nicht die Frage, ob sondern in wie weit eine Übersetzung strukturtreu, wirkungstreu oder bearbeitend ist.
Eine Bewertung hängt neben den Erwartungen des Lesers von den Zielen der Übersetzer ab. Strukturtreue Übersetzungen lassen sich in Bezug auf ihre Strukturtreue objektiver bewerten, da die Einhaltung der Vorgaben überprüfbar ist. Bei so genannten wirkungstreuen Übersetzungen kann oft nicht objektiv festgestellt werden, ob die Übersetzung im Detail tatsächlich dieselbe Wirkung bei der Zielgruppe hervorruft, wie das Original in der Ursprungskultur. Insbesondere lässt sich nicht feststellen, ob der Übersetzungsvorschlag begründet, zufällig oder gar willkürlich ist. Theologische Prädispositionen fließen am leichtesten in zieltextorientierte Übersetzungen (beziehungsweise zieltextorientierte Elemente) ein.
Textvergleich deutschsprachiger Bibelausgaben
:(Die Tabelle ist alphabetisch geordnet, damit Revisionen zum Vergleichen untereinander stehen. Siehe auch BasisBibel
2005ff
/'>bgcolor=#fff8dc valign=top|NT, AT, evangelisch
|bgcolor=#fff8dc valign=top|Jesus fuhr fort: ?Das Himmelreich gleicht einem König, der mit den Verwaltern seiner Güter abrechnen wollte. Gleich zu Beginn wurde einer zu ihm gebracht, der ihm zehntausend Talente schuldete.?
|-
|bgcolor=#fff8dc valign=top|Bibel in gerechter Sprache
2006
/'>bgcolor=#fff8dc valign=top|Nach Befreiungstheologie, z. T. unterstützt von Ev. Kirche, wirkungstreu, teilweise adressatenvariant
/'>bgcolor=#fff8dc valign=top|Deshalb ist die °Welt Gottes mit folgender Geschichte von einem Menschenkönig zu vergleichen, der mit seinen °Sklaven(638) abrechnen wollte. Als er mit der Abrechnung begann, wurde ihm einer vorgeführt, der schuldete 10.000 Talente.
Zu den mit ° gekennzeichneten Übersetzungen wird auf die Erläuterungen im Glossar verwiesen, hier auf °basileia und °doulos. In Anmerkung 638 steht, dass für Finanzgeschäfte in großen Dimensionen nur männliche Sklaven eingesetzt worden seien.
|-
|bgcolor=#fff8dc valign=top|Buber/Rosenzweig_(Die_Schrift)
|bgcolor=#fff8dc valign=top|AT, jüdische Ü., strukturtreu
|bgcolor=#fff8dc valign=top|Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal. Finsternis über Urwirbels Antlitz. Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser. Gen 1,1f

