Osho
Rajneesh Chandra Mohan Jain (11. Dezember 1931 in Kuchwada, Madhya Pradesh; ? 19. Januar 1990 in Pune, Maharashtra) war der Urheber und Mittelpunkt der Neo-Sannyas-Bewegung, einer neuen spirituellen Bewegung mit Sitz in Indien und zeitweise auch den Vereinigten_Staaten_von_Amerika und weiterhin Anhängern in der ganzen Welt. Er nannte sich zuerst Acharya Rajneesh (Mitte der Sechzigerjahre bis Anfang der Siebzigerjahre), danach Bhagwan Shree Rajneesh (bis Ende 1988) und von Anfang 1989 bis zu seinem Tod Osho.Namen
Der Titel Acharya bedeutet ?Lehrer? und wird als Beiname für herausragende Persönlichkeiten im Hinduismus und Jainismus verwendet. Das Wort Bhagwan kommt aus dem Sanskrit. Es bedeutet hier ?Gesegneter? (nicht ?Gott?, wie oft fälschlich behauptet) und ist in Indien ein häufiger Titel für spirituelle Meister. Im Buddhismus ist es auch der erste Zusatztitel für den historischen Buddha Siddhartha Gautama.[http://www.experiencefestival.com/a/Bhagavan/id/1894295 Geschichtliches zur Bedeutung des Wortes Bhagavan] Shree (auch Shri oder Sri) kommt ebenfalls aus dem Sanskrit und bedeutet ?spirituell vermögend?; es wird oft ähnlich wie das englische Wort ?Lord? verwendet. Osho ist ein Titel aus dem Zen-Buddhismus und bedeutet dort eigentlich ?Mönch? oder ?Abt?.
Leben
Chandra Mohan Jain (Rajneesh war ein Spitzname,[http://www.britannica.com/eb/article-9001180/Bhagwan-Shree-Rajneesh Encyclopædia Britannica] den er von seiner FamilieFrances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 77 erhielt) wurde am 11. Dezember 1931 in Kuchwada, Madhya Pradesh (Indien) als ältester Sohn eines Tuchhändlers geboren und von seinen Großeltern aufgezogen. Die Familie gehörte zur Taranpanthi-Religionsgemeinschaft,Books I Have Loved, Kapitel 14 einer Splittergruppe der Digambara-Jainas. Er war ein begabtes, aber rebellisches Kind und schon in früher Jugend für seine Debattierkünste bekannt.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 77 Im Alter von 21 Jahren soll er nach eigenem Bekunden am 21. März 1953 in einer Vollmondnacht in einem Park Erleuchtung erfahren haben:
:?The moment I entered the garden everything became luminous, it was all over the place ? the benediction, the blessedness. I could see the trees for the first time ? their green, their life, their very sap running. The whole garden was asleep, the trees were asleep. But I could see the whole garden alive, even the small grass leaves were so beautiful.
:?I looked around. One tree was tremendously luminous ? the maulshree tree. It attracted me, it pulled me towards itself. I had not chosen it, god himself has chosen it. I went to the tree, I sat under the tree. As I sat there things started settling. The whole universe became a benediction.? The Discipline of Transcendence, Vol. 2, Kapitel 11[http://www.realization.org/page/doc0/doc0015.htm]
::?Sowie ich den Garten betrat, gewann alles eine Leuchtkraft, die überall war ? der Segen, die Seligkeit. Zum ersten Mal sah ich die Bäume ? ihr Grün, ihr Leben, den Saft, der in ihnen floss. Der ganze Garten schlief, die Bäume schliefen. Doch ich sah den ganzen Garten als lebendig, selbst die kleinen Grashalme sahen so wunderbar aus.
::Ich sah mich um. Ein Baum leuchtete besonders stark ? der Maulshree-Baum. Er zog mich an, zog mich zu sich hin. Ich hatte ihn nicht gewählt, Gott selbst hat ihn gewählt. Ich lief zu dem Baum, setzte mich unter den Baum. Und als ich dort saß, begann alles, zur Ruhe zu kommen. Das ganze Universum wurde zum Segen.?
Er erwarb den Magister-Grad in Philosophie mit Auszeichnung (1956, University of Sagar[http://www.sagaruniversity.nic.in/univ.htm Website der University of Sagar]) und lehrte als Professor zunächst am Raipur Sanskrit College und dann, bis 1966, an der Universität von Jabalpur.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 77 In den 60er Jahren unternahm er unter dem Namen Acharya Rajneesh ausgedehnte Vortragsreisen durch Indien, in denen er führende Persönlichkeiten der etablierten Religionen und der Politik Indiens provozierte.[http://nwda-db.wsulibs.wsu.edu/findaid/ark:/80444/xv60199 University of Oregon Libraries Collection], Historical Note Von 1962 an leitete er mehrmals im Jahr Meditations-Camps, insbesondere in Mount Abu, Rajasthan, und es wurden erste Meditationszentren (Jivan Jagruti Kendras, Lebenserweckungszentren) gebildet.Autobiographie eines spirituellen Provokateurs, Anhang Seine so genannte Lebenserweckungsbewegung (Jivan Jagruti Andolan) wurde in dieser Zeit viel von Jainas unterstützt. Ab 1964 veröffentlichte das Jivan Jagruti Kendra in Bombay ein vierteljährliches Magazin und fungierte später dann auch als offizieller Herausgeber seiner Bücher.Autobiographie eines spirituellen Provokateurs, Anhang 1966 legte er seine Professur nieder, um sich ganz seiner Karriere als Redner und Lehrer widmen zu können.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 77
Große Kontroversen in Indien erregte 1968 eine Vortragsreihe, in der er die Einstellungen der indischen Gesellschaft gegenüber Liebe und Sex scharf kritisierte und für eine freizügigere Atmosphäre plädierte.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 77 Die Vortragsreihe wurde später als Buch unter dem Titel From Sex to Superconsciousness (Titel der deutschen Ausgabe: Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein) veröffentlicht.
Am 28. September 1970 begann er, Schüler (?Neo-Sannyasins? oder heute meist einfach kurz ?Sannyasins?) zu initiieren. Sannyasins erhielten von ihm einen neuen Namen (Frauen z.B. ?Ma Dhyan Shama?, Männer z.B. ?Swami Satyananda?) und trugen bis September 1985 alle orange oder rote Kleidung und eine Mala (Halskette) mit 108 Holzkugeln und seinem Bild.
Orangefarbene Kleidung und Mala sind Attribute traditioneller Sannyasins (als heilig betrachteter Asketen) in Indien. Osho wollte mit seinem Neo-Sannyas eine bewusste, pointierte Abkehr vom traditionellen, verzichtgeprägten Sucherethos schaffen, wie er später (1985) erklärte:
:?In India the red clothes and mala have been used for thousands of years by all the religions as symbolic of a sannyasin. I wanted to destroy that traditional idea of sannyas, because the sannyasin has to be celibate, the sannyasin has not to touch a woman, not to talk to a woman. The sannyasin cannot stay in a household, he has to stay in a temple. He has to eat only once a day, he has to fast continuously again and again. He has to torture himself. This is sick.
:?I wanted to destroy this image, that's why I had chosen the red color. And I had almost three hundred thousand sannyasins in India. My sannyasins created tremendous trouble amongst the traditional sannyasins, because there was no way to know who is who. My sannyasins would be walking on the road and people would touch their feet, not knowing that these are not celibates; they have their girlfriends. They eat two times a day, they eat everything that is the best ? whether it is Italian or Chinese or Japanese, it does not matter. These people belong to the twenty-first century, and old sannyasins were very angry because I have destroyed their image.
:?With our coming to the West, now red clothes and the mala are no longer needed, because in the West they have never been symbolic of religion. They have done their work in India. They have made their point, that a sannyasin can be with a wife, with children; that he need not be a parasite on the society, he can work, he can create, he can earn; that he need not be worshipped.?From Bondage to Freedom, Kapitel 17
::?In Indien dienen die roten Kleider und die Mala seit Jahrtausenden allen Religionen als symbolische Kennzeichen eines Sannyasins. Ich wollte diese traditionelle Idee des Sannyas zerstören, denn der Sannyasin muss im Zölibat leben, er darf keine Frau berühren, mit keiner Frau sprechen. Der Sannyasin darf nicht in einem Haushalt wohnen, sondern nur in einem Tempel. Er darf nur einmal am Tag essen, er muss dauernd, immer wieder fasten. Er muss sich quälen. Das ist krank.
::Ich wollte dieses Image zerstören, deswegen wählte ich die rote Farbe. Und ich hatte fast dreihunderttausend Sannyasins in Indien. Meine Sannyasins versetzten die traditionellen Sannyasins in riesige Aufruhr, denn es gab keine Unterscheidungsmöglichkeit mehr. Wenn meine Sannyasins auf der Straße liefen, kamen Leute und berührten respektvoll ihre Füße; sie wussten nicht, dass dies keine Menschen sind, die sexuell enthaltsam sind, dass sie ihre Girlfriends haben. Dass sie zweimal am Tag essen, und von allem nur das Beste ? italienisch, chinesisch oder japanisch, was auch immer. Diese Leute gehören zum zwanzigsten Jahrhundert, und die alten Sannyasins waren sehr wütend, weil ich ihr Image zerstört habe.
::Mit unserer Ankunft im Westen sind die roten Kleider und die Mala nicht mehr notwendig, denn im Westen waren sie nie religiöse Symbole. Sie haben ihren Zweck in Indien erfüllt. Sie haben deutlich gemacht, dass ein Sannyasin eine Frau und Kinder haben kann, dass er kein Parasit zu sein braucht, der der Gesellschaft zur Last fällt, dass er arbeiten kann, schöpferisch tätig sein kann, Geld verdienen kann, dass er nicht angebetet zu werden braucht.?
1971 begann er auf den Vorschlag eines seiner Schüler hin, sich Bhagwan Shree Rajneesh zu nennen.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 78
In den folgenden Jahren gewann er in zunehmendem Maße auch über die Grenzen Indiens hinaus Anhänger, darunter viele aus dem deutschen Sprachraum.
Ashram in Poona
Osho gründete 1974 in Poona (heute Pune) einen Ashram, im Haus eines Maharajas, das ihm Catherine Venizelos zur Verfügung stellte. Poona wurde zu einem Pilger-Ort für tausende Menschen aus aller Welt, die dort persönliche und spirituelle Entwicklung suchten. Die Besucher aus dem Westen zählten bald mehr als die aus Indien.
Osho gab jeden Morgen einen in Hindi oder Englisch gehaltenen ?Discourse? (Vortrag). Bis 1981 wechselten sich dabei Vortragsreihen auf Hindi und Englisch in monatlichem Rhythmus ab. Jede Vortragsreihe hatte einen Klassiker der spirituellen Weltliteratur als ihren thematischen Schwerpunkt. Diese spontan, ohne Notizen gehaltenen Vorträge berührten alle Bereiche des LebensFrances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 80 und sind in hunderten Büchern und Videos zugänglich. Abends gab es Darshans, in denen Osho persönliche Gespräche mit individuellen Anhängern und Besuchern führte.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 80 Ansonsten umfasste das Angebot des Ashrams diverse Meditationen und (für Besucher aus westlichen Kulturen) Selbsterfahrungsgruppen.
Osho entwickelte etliche neue Meditationstechniken ? darunter die ?Dynamische Meditation? (1970), die ?Kundalini-Meditation? und die ?Nataraj-Meditation? ?, die täglich von Hunderten seiner Schüler in der Meditationshalle des Ashrams praktiziert wurden.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 80 Viele der in Poona eingesetzten Selbstfindungstechniken waren unter seiner Anleitung entstandene Anpassungen bereits bestehender Methoden wie Encounter, Psychodrama, Gestalttherapie, Tanztherapie etc., die in dieser Form auch heute noch von westlichen Therapeuten (insbesondere der humanistischen Psychologie) eingesetzt werden.
Seine provokativen Vorträge und die besonders in den ersten Jahren ungewöhnlich freizügige Einstellung zur Emotionalität und Sexualität[http://movies2.nytimes.com/mem/movies/review.html?res=9D01E2D81038F930A25752C1A967948260 Artikel in der New York Times vom 13 Nov. 1981]Elten (1979, Neuauflage 2000) enthält ausführliche Beschreibungen hierzu in den Therapiegruppen erregten internationales Aufsehen und führten in der Öffentlichkeit vielerorts zu einer Polarisierung. Die westliche Presse berichtete wie schon zuvor die indische oft sensationsheischend (?Sex-Guru? etc.).
Im deutschsprachigen Raum lösten vor allem die Berichterstattung der Illustrierten Stern und der Bestseller Ganz entspannt im Hier und Jetzt des ehemaligen Stern-Reporters Jörg Andrees Elten großes Interesse an Osho aus. Gleichzeitig wurden in nahezu allen Ländern der westlichen Welt Niederlassungen der Osho-Bewegung (Ashrams, ?Bhagwan-Zentren?) gegründet. Diese bestehen zum Teil heute noch (z.B. Köln, Hamburg).
1980 warf ein fundamentalistischer Hindu während eines Morgenvortrags ein Messer nach Osho, verfehlte aber sein Ziel.[http://timesofindia.indiatimes.com/articleshow/28605046.cms Artikel in der Times of India vom 18. Nov. 2002] Im Frühjahr 1981 trat Osho nach einer längeren Krankheit in eine Phase des Schweigens ein, und statt der täglichen Vorträge gab er nun Satsangs (stilles Zusammensitzen, mit kurzen Phasen von Lesungen aus seinen Werken und Live-Musik).
Oregon
Der Ashram in Pune wollte ursprünglich in Indien (Gujarat) expandieren, doch dies scheiterte am Widerstand der indischen Behörden.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 85 1981 siedelte Osho mit einigen seiner Anhänger zuerst nach Montclair (New Jersey)[http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9C05E2DE1138F935A2575AC0A967948260&sec=&spon=&pagewanted=1 Artikel in der New York Times vom 16. Sept. 1981] und später nach Oregon (USA) um, unter anderem auch auf der Suche nach einer besseren medizinischen Behandlung, da er unter Diabetes, Asthma und ernsthaften Rückenproblemen litt.Frances FitzGerald, The New Yorker 22. Sept. 1986, S. 86 Anhänger kauften für 5,75 Millionen Dollar die entlegene Big Muddy Ranch (früherer Drehort einiger Westernfilme mit John Wayne), auf deren Grund die Siedlung ?Rajneeshpuram? entstand. Osho wohnte dort in einem Trailer, als Gast der Kommune.
Die Kommune wuchs rasant an, und Tausende von Besuchern aus aller Welt kamen zu den jährlichen Master's Day Festivals. Aufsehen und Kontroversen erregte in den folgenden Jahren eine Flotte von bis zu 93 Rolls-Royce, die Osho von seinen Schülern zur Verfügung gestellt wurde.[http://www.sabon.org/oshomobile/index.html#interview]
Es kam jedoch bald zu immer weiter ausufernden Rechtsstreiten mit den Behörden über BauvorschriftenLewis F. Carter (1990), S. 143 sowie zu Anfeindungen seitens der ansässigen Bevölkerung, die sogar Morddrohungen gegen Osho einschlossen.Lewis F. Carter (1990), S. 203ff. Kommentare der Sprecherin und Sekretärin Oshos, Ma Anand Sheela, verstärkten die Spannungen. Osho selbst äußerte sich während dieser Zeit nicht in der Öffentlichkeit; er war von 1981 bis 1984 in seiner Phase des Schweigens und weitgehend vom Kommunegeschehen isoliert. Sheela übernahm währenddessen den Führungskreis.
Auch in der Kommune selbst traten Spannungen auf; viele Sannyasins waren mit dem Regime von Sheela nicht einverstanden und verließen Rajneeshpuram.Lewis F. Carter (1990), S. 203ff. Die Spirale der Verzweiflung,Frances FitzGerald, The New Yorker 29. Sept. 1986, S. 115 in der sich das Führungsteam um Sheela angesichts der überwältigenden Schwierigkeiten befand, endete schließlich in soziopathischem und kriminellem Verhalten:Lewis F. Carter (1990), S. 203ff. 1984 wurden vorsätzlich Salmonellen in das Essen verschiedener Restaurants der Kleinstadt The Dalles in Oregon lanciert, um zu sehen, ob es möglich wäre, Wahlberechtigte krank zu machen und so das Ergebnis der bevorstehenden County-Wahlen zu beeinflussen.Frances FitzGerald, The New Yorker 29. Sept. 1986, S. 116 Oshos Leibarzt und zwei Beamte der Oregoner Behörden wurden im Auftrag Sheelas vergiftet; Oshos LeibarztFrances FitzGerald, The New Yorker 29. Sept. 1986, S. 119 und einer der BeamtenLewis F. Carter (1990), S. 202 wurden daraufhin ernsthaft krank, genasen aber schließlich wieder.
Nachdem Sheela und ihr Führungsteam im September 1985 die Kommune fluchtartig verließen, hielt Osho eine Pressekonferenz, in der er die ihm nun zu Ohren gekommenen Verbrechen publik machte und die Behörden bat, Ermittlungen einzuleiten.[http://www.ashe-prem.org/two/davisson.shtml Artikel im Magazin Ashé] Diese resultierten schließlich in der Verhaftung und Verurteilung von Sheela und mehreren ihrer Mitarbeiter.Lewis F. Carter (1990), S. 234?240
Am 23. Oktober 1985 finalisierte eine Federal Grand Jury unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Anklageschrift gegen Osho wegen angeblicher Einwanderungsdelikte.Frances FitzGerald, The New Yorker 29. Sept. 1986, S. 110 Am 28. Oktober 1985 wurde Osho nach einem Flug nach North Carolina ohne Haftbefehl (die Anklage war noch nicht offiziell angekündigt worden) verhaftet. Als Begründung gaben die amerikanischen Behörden an, er habe die USA verlassen wollen. Osho bekam eine Bewährungsstrafe, die unter der Bedingung, das Land zu verlassen, ausgesetzt wurde. Osho behauptete danach, er sei in den zwölf Tagen, die er in verschiedenen amerikanischen Gefängnissen verbrachte, mit einem Mittel vergiftet worden, das später nicht mehr nachweisbar sei.
Rückkehr nach Pune
Der Gesundheitszustand Oshos verschlechterte sich ständig. Nach Aufenthalten in Nepal, Griechenland und Uruguay und verschiedenen Irrflügen um den Globus, während deren ihm überall auf massives Betreiben der entsprechenden Stellen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) die Einreise verweigert wurde,[http://www2.db.dk/pe/twotales.htm] kehrte er schließlich in den Ashram in Pune zurück.
Ab April 1988 befasst er sich in seinen Vorträgen ausschließlich mit Zen-Meistern. Ende 1988 erklärte er, dass er nicht mehr Bhagwan genannt werden wollte ? der Witz sei nun vorbei:
:?I don?t want to be called Bhagwan again. Enough is enough! The joke is over!?No Mind: The Flowers of Eternity, Kapitel 1
Nach einigen Wochen ohne Namen akzeptierte er auf den Vorschlag seiner Schüler hin den Namen Osho, der als respektvolle Anrede in einigen Zen-Geschichten, die er in seinen Vorträgen besprochen hatte, aufgetaucht war.
Vier Jahre nach der Verhaftung starb er am 19. Januar 1990 im Alter von 58 Jahren in Pune. Seine Asche befindet sich in einem weißen marmornen Meditationssaal im Ashram. Auf einer Gedenktafel steht ein Zitat Meher Babas: ?Never Born, Never Died: Only Visited this Planet Earth between Dec 11 1931 ? Jan 19 1990.?
Erbe
Oshos Werke sind heute so populär wie nie zuvor.[http://garmond.pl/nowyhoryzont/files/oshoip.pdf Osho Times, Januar 2006][http://www2.db.dk/pe/bookman.htm Artikel in LOGOS ? The Journal of the World Book Community, Vol. 12, 2001], auch [http://www.atypon-link.com/LOG/doi/abs/10.2959/logo.2001.12.1.49 hier] Auszüge und Zitate aus seinen Büchern erscheinen regelmäßig in indischen Tageszeitungen,[http://samayika.blogspot.com/] darunter auch viele regionalsprachliche Zeitungen. Zu prominenten Osho-Bewunderern gehören der indische Premierminister Dr. Manmohan Singh,[http://sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?file=/chronicle/archive/2004/08/29/ING9G8DKC31.DTL San Francisco Chronicle, Artikel vom 29. Aug. 2004] der bekannte indische Autor und Journalist Khushwant Singh[http://sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?file=/chronicle/archive/2004/08/29/ING9G8DKC31.DTL San Francisco Chronicle, Artikel vom 29. Aug. 2004] und der deutsche Autor und Philosoph Peter Sloterdijk.[http://www.lettre.de/archiv/36_sloterdijk.html Interview mit Peter Sloterdijk in Lettre International].
Oshos Ashram in Pune hat sich zum [http://www.osho.com/Main.cfm?Area=MedResort&Language=English Osho International Meditation Resort], einem der populärsten Reiseziele Indiens,[http://www.virtualpune.com/html/localguide/attractions/html/osho_international_resort.shtml] entwickelt.
Oshos Philosophie
Osho war gegen jedes Glaubenssystem. Er betonte den Wert der authentischen religiösen Erfahrung gegenüber der Zugehörigkeit zu einer Religion. Gott sei nichts als eine Erfindung des Menschen, Opium für das Volk:
:[http://www.youtube.com/watch?v=PBEIeRSLb8k ?It is absolutely necessary that God should be dead.] But I want you to know my understanding: It was good of Friedrich Nietzsche to declare God dead ? I declare that he has never been born. It is a created fiction, an invention, not a discovery. Do you understand the difference between invention and discovery? A discovery is about truth, an invention is manufactured by you. It is man-manufactured fiction.
:?Certainly it has given consolation, but consolation is not the right thing! Consolation is opium. It keeps you unaware of the reality, and life is flowing past you so quickly ? seventy years will be gone soon.
:?Anybody who gives you a belief system is your enemy, because the belief system becomes the barrier for your eyes, you cannot see the truth. The very desire to find the truth disappears.
:?But in the beginning it is bitter if all your belief systems are taken away from you. The fear and anxiety which you have been suppressing for millennia, which is there, very alive, will surface immediately. No God can destroy it, only the search for truth and the experience of truth ? not a belief ? is capable of healing all your wounds, of making you a whole being. And the whole person is the holy person to me.? God is Dead, Now Zen is the Only Living Truth, Kapitel 1; Video [http://www.youtube.com/watch?v=PBEIeRSLb8k hier] verfügbar
::?Es ist absolut notwendig, dass Gott tot sein muss. Aber ich möchte, dass ihr meine Auffassung kennt: Es war gut von Friedrich Nietzsche, Gott für tot zu erklären ? ich aber sage, dass er überhaupt nie auf die Welt gekommen ist. Er ist eine Geschichte, eine Erfindung: keine Entdeckung. Versteht ihr den Unterschied zwischen einer Erfindung und einer Entdeckung? Eine Entdeckung hat mit der Wirklichkeit zu tun; eine Erfindung dagegen ist von euch fabriziert worden. Es ist eine vom Menschen fabrizierte Geschichte.
::Natürlich spendet sie Trost, aber Trost ist nicht das Richtige! Trost ist Opium. Er bewirkt, dass ihr euch der Wirklichkeit weiterhin nicht bewusst werdet, und das Leben fließt so schnell an euch vorbei ? die siebzig Jahre werden bald vorüber sein.
::Jeder, der euch ein Glaubenssystem verkauft, ist euer Feind, denn das Glaubenssystem wird zu einer Barriere für eure Augen, ihr könnt die Wirklichkeit nicht sehen. Selbst der Wunsch, die Wahrheit zu finden, verschwindet.
::Aber am Anfang ist es bitter, wenn euch alle eure Glaubenssysteme weggenommen werden. Die Angst und Furcht, die ihr seit Jahrtausenden unterdrückt, die aber noch da ist, sehr lebendig ist, wird sofort wieder an die Oberfläche treten. Kein Gott kann sie zerstören, nur die Suche nach der Wirklichkeit und die Erfahrung der Wirklichkeit ? nicht ein Glaube ? kann alle eure Wunden heilen, euch zu ganzen Wesen machen. Und für mich ist der ganze Mensch der heilige Mensch.?
Der Weg zur authentischen religiösen Erfahrung liegt seiner Meinung nach in der Meditation und der Liebe, im Feiern und der Kreativität. Dabei trat Osho zeit seines Lebens für eine undogmatische Einstellung ein. Lachen, Humor, ist für ihn der höchste spirituelle Wert,The Transmission of the Lamp, Kapitel 12, Laughter is the highest spiritual quality, Frage 4 Ernsthaftigkeit dagegen eine KrankheitA Bird on the Wing, Kapitel 10. Dementsprechend enthalten seine Vorträge hunderte von zum Teil recht gewagten [http://www.youtube.com/watch?v=6D7rWLzloOI Witzen] (der einzige Teil seiner Vorträge, den er vom Blatt las).
Er widersprach sich auch oft selbst, da es für ihn keine Widersprüche, sondern nur einander ergänzende Sichtweisen gibt.Interview mit Jeff McMullen, 60 Minutes, Australien; Video [http://www.youtube.com/watch?v=otGQqO2TYMI hier] verfügbar[http://www.youtube.com/watch?v=otGQqO2TYMI] Im Grunde war er auch gegen den Begriff der Philosophie und sprach die Hoffnung aus, dass die Widersprüche in seinen Werken es der Nachwelt für immer unmöglich machen würden, eine Philosophie aus seinen Werken zu basteln:
:?I am not trying to give you a philosophy, a doctrine, a dogma. A dogma has to be consistent, a creed has to be consistent. I am not trying to convert you to a certain belief; a belief has to be consistent. I am trying to give you a vision, not a belief. I am trying to help you to come to my window to see the sky, to see the truth. That truth cannot be described. And that truth cannot be made a dogma, and that truth contains all contradictions ? because it is so vast. So I go on giving you glimpses, aspects of it: one aspect is contradictory to another aspect. But in the whole truth, all aspects meet and mingle and are one.? The Beloved, Vol. 1, Kapitel 6
::?Ich will euch nicht eine Philosophie, eine Doktrin, ein Dogma geben. Ein Dogma muss in sich schlüssig sein, ein Religionsbekenntnis muss in sich schlüssig sein. Ich will euch nicht zu einem bestimmten Glauben bekehren; ein Glaube muss logisch schlüssig sein. Ich will euch eine Vision vermitteln, keinen Glauben. Ich möchte, dass ihr zu meinem Fenster kommt und den Himmel seht, die Wirklichkeit seht. Die Wirklichkeit ist unbeschreiblich. Und aus dieser Wirklichkeit lässt sich kein Dogma machen, diese Wirklichkeit vereint alle Widersprüche in sich ? sie ist so unermesslich groß. Also gebe ich euch immer wieder Einblicke, Aspekte der Wirklichkeit: ein Aspekt widerspricht dem anderen. Aber in der gesamten Wirklichkeit treffen sich all diese Aspekte, vermischen sich und sind eins.?
Oshos Vorträge und Initiationsgespräche wurden aufgezeichnet und in Buchform in praktisch unredigiertem Originalwortlaut und auch als Tonkassetten und Videofilme veröffentlicht. Die in Hindi gehaltenen Vorträge (nach 1981 sprach er durchwegs in druckreifem Englisch) werden nun nach und nach auch ins Englische übersetzt. So sind über 400 Bände von durchschnittlich 250 Seiten (ohne Berücksichtigung von thematischen Neuzusammenstellungen) entstanden. Viele Werke sind zudem ins Deutsche und mehr als fünfzig andere Sprachen übertragen worden.[http://garmond.pl/nowyhoryzont/files/oshoip.pdf Osho Times, Januar 2006]
Bekannte Titel:
* Hammer on the Rock. Initiationsgespräche
* Diskurse zum Vigyan Bhairav Tantra, 5 Bände, ISBN 3933556163
* Meditation, die erste und letzte Freiheit, ISBN 3925205373
* Autobiographie eines spirituellen Provokateurs, ISBN 3453872878
* Vom Sex zum kosmischen Bewußtsein, ISBN 3925205764
* Guida Spirituale (Desiderata)
* The Book of the Books (Dhammapada)
* Tao, The Three Treasures
* The Book of the Secrets (Tantra)
* Philosophia Ultima (Mandukya Upanishad)
* The Rajneesh Upanishad (gemischt)
* No Water, no Moon (Zen)
* This very Body, the Buddha (Zen)
* Zen, The Special Transmission
* The Goose is Out (Zen)
* Buddha sprach (42 buddhistische Sutren)
Zwei Jahre nach seinem Tod wurde die komplette Ausgabe seiner Bücher in die Bibliothek des indischen Parlaments aufgenommen. Diese Ehre wurde zuvor nur Mahatma Gandhi zuteil.[http://www2.db.dk/pe/bookman.htm Artikel in LOGOS ? The Journal of the World Book Community, Vol. 12, 2001], auch [http://www.atypon-link.com/LOG/doi/abs/10.2959/logo.2001.12.1.49 hier]
Anhänger und Schüler
Hier seien einige besonders im deutschen Sprachraum bekannte Persönlichkeiten genannt, die sich Osho irgendwann in ihrem Leben einmal genähert haben bzw. Sannyasins wurden.
Der New-Age-Musiker Georg Deuter (Swami Chaitanya Hari) komponierte in den Siebzigerjahren die Musik für verschiedene Osho-Meditationen.[http://music.barnesandnoble.com/features/interview.asp?NID=358567&z=y] Der Schauspieler Terence Stamp wurde 1976 in Poona Sannyasin (Swami Deva Veeten).[http://www.terencestamp.com/HTML/PEOPLE/Rajneesh/Rajneesh.html] Die Schauspielerin Eva Renzi nahm in den Siebzigerjahren an Therapiegruppen in Poona teil und versorgte danach die Boulevardpresse mit negativen Berichten über ihre dortigen Erfahrungen.[http://www.abendblatt.de/daten/2005/08/17/471352.html] Der Stern-Journalist Jörg Andrees Elten fuhr nach Poona, um einen Report zu verfassen, wurde aber kurz darauf zum Schüler Oshos (Swami Satyananda) und ist immer noch als Journalist und Seminarleiter in der Osho-Bewegung tätig.[http://www.oshotimes.de/seiten_php/team.php][http://www.hierjetzt.de/index.php?id=76]
Die Jugendbuchautorin Elfie Donnelly und ihr damaliger Ehemann, der Fernsehmoderator Peter Lustig, gingen in den Siebzigerjahren beide nach Poona. Elfie Donnelly nennt Osho immer noch als eines ihrer Vorbilder.[http://www.womenweb.de/lifestyle/karriere/frauderwoche.7090.4.html] Auch der deutsche Philosoph und TV-Moderator Peter Sloterdijk verbrachte in den Siebzigerjahren einige Zeit in Poona und sieht diese Erfahrung als den entscheidenden Einschnitt in seinem Leben.[http://www.taz.de/pt/2006/06/13/a0226.1/text] Rudolf Bahro war 1983 mehrere Wochen in Rajneeshpuram und äußerte sich positiv zu Osho.Rudolf Bahro, In Amerika gibt es keine Kathedralen, taz-Interview aus Rajneeshpuram vom 29/30. 08. 1983 Der Musikjournalist und Autor Joachim-Ernst Berendt wurde Sannyasin [http://www.amazon.de/gro%C3%9Fe-Jazz-Orleans-ausf%C3%BChrlicher-Diskographie/dp/3596229804] und schrieb später das Vorwort zu dem Osho-Buch ?Die verborgene Harmonie?.
Die Schauspielerin und Politikerin Barbara Rütting (Ma Anand Taruna) nennt Osho den größten Therapeuten des Jahrhunderts,[http://www.barbara-ruetting.de/b-r/index_07.htm] und der Alternativmediziner und Autor Dr. Achim Eckert, der mehrere Jahre in Oshos Ashram verbrachte, wendet bei seiner Arbeit Oshos Meditationstechniken an.[http://www.heilendestao.at/sem_dt_med_bm.htm]
Weitere namhafte Figuren in der Osho-Bewegung sind Denny Yuson-Sanchez (Swami Anand Veeresh, Phoenix House, Humaniversity, Therapeut)[http://www.humaniversity.nl/Framesets/aboutus_frameset.htm] und Michael Barnett (Swami Anand Somendra, Energie-Therapeut), der sich allerdings 1982 von Osho trennte.[http://www.sein-berlin.de/index.php?option=com_content&task=view&id=312&Itemid=140]
Literatur
*Osho, Autobiographie eines spirituellen Provokateurs, Heyne, 2002, ISBN 3-453-87287-8
*Osho, Glimpses of a Golden Childhood, Osho Viha, 1997, ISBN 81-7261-072-6
*Brecher, Max: A Passage to America, 1993
*Carter, Lewis F., Charisma and Control in Rajneeshpuram, Cambridge University Press, 1990, ISBN 0-521-38554-7
*Elten, Jörg Andrees, Ganz entspannt im Hier und Jetzt ? Tagebuch über mein Leben mit Bhagwan in Poona, Innenwelt Verlag, 2000 (Neuauflage, Erstausgabe 1979), ISBN 3-925-20594-2
*FitzGerald, Frances, Cities on a Hill: A Journey Through Contemporary American Cultures, Simon & Schuster, 1986, ISBN 0-671-55209-0 (enthält ein sehr ausführliches Kapitel über Rajneeshpuram, das zuvor in zwei Teilen im Magazin The New Yorker [Ausgaben vom 22. und 29. Sept. 1986] veröffentlicht wurde)
*Goldman, Marion S.: Passionate Journeys ? Why Successful Women Joined A Cult, The University of Michigan Press, 1999
*Gordon, James S.: The Golden Guru ? The strange Journey of Bhagwan Shree Rajneesh, 1987
*Hoevels, Fritz Erik: Bhagwan oder das Dilemma einer menschenfreundlichen Religion ? Eine psychoanalytische Studie, 1987
*Huth, Fritz-Reinhold: Das Selbstverständnis des Bhagwan Shree Rajneesh in seinen Reden über Jesus, Studia Irenica Band 36, 1993
*Klosinski, Gunther: Psychologische und psychodynamische Aspekte religiöser Konversion zu neureligiösen Bewegungen am Beispiel der Neo-Sannyas-Bewegung; Habilitationsschrift, 1983
*Palmer, Susan J. und Sharma, Arvind: The Rajneesh Papers: Studies in a New Religious Movement, 1993
*Priskil, Peter: Jesus ? Bhagwan: ein Vergleich, 1987
*Süss, Joachim: Zur Erleuchtung Unterwegs: Neo-Sannyasin in Deutschland und ihre Religion, Marburger Studien zur Afrika- und Asienkunde, 1994
*Tanner, Fritz: Bhagwan. Gauner ? Gaukler ? Gott?, Panorama Verlag, Altstätten/München 1986, ISBN 390750626X
*Thoden, Anna & Schmidt, Ingemarie: Der Mythos um Bhagwan ? Die Geschichte einer Bewegung, rororo Sachbuch 1080, 1987
Quellen
Weblinks
• Osho.com ? offizielle Website, enthält Online-Archiv aller in Hindi und Englisch gehaltenen Vorträge (Hindi kostenlos, Englisch gebührenpflichtig)
• Osho-Videos auf video.google
• Osho Verlag
• Videofilm über den ersten Ashram in Pune, inkl. 20-Minuten-Vortrag von Osho (Videoqualität ist nicht perfekt) (engl.)
• Videofilm der University of Oregon: The Rise and Fall of Rajneeshpuram (engl.)
• Artikel im Magazin Ashé: The Rise and Fall of Rajneeshpuram (engl.)
• ?Bhagwan or The Dilemma of a Human Religion? (engl.)
• Auszug aus einem Gespräch P. Sloterdijks mit Hans-Jürgen Heinrichs
• David Singer: Umschau. Zu dir oder in mich? ? Aktueller Bericht über einen Aufenthalt im Osho-Resort
• DER SPIEGEL Nr. 32/1985 ? Interview
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