Alsfeld
Alsfeld ist eine Stadt im Zentrum von Hessen. Die nächstgrößeren Städte sind Bad Hersfeld, etwa 39 km im Osten, Fulda, ungefähr 44 km im Südosten, Gießen, zirka 52 km im Westen und Marburg, etwa 43 km im Nordwesten gelegen.
Geografie
Geografische Lage
Die Stadt liegt bei der Mitte Deutschlands am Oberlauf der Schwalm im nördlichen Vogelsbergkreis und am südlichen Rand des Knüllgebirges, am Westhang des Alsfelder Beckens. Je nach Betrachtung (Wetterregionen, Zuteilung von Rundfunkredaktionen, usw.) genießt Alsfeld eine verwirrende Zuordnung zu verschiedenen willkürlichen Regionsbezeichnungen.
Nachbargemeinden und -kreise
Alsfeld grenzt im Norden an die Gemeinden Willingshausen, Schrecksbach und Ottrau (alle Schwalm-Eder-Kreis), im Osten an die Gemeinde Breitenbach (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und die Gemeinde Grebenau (Vogelsbergkreis), im Süden an die Gemeinden Schwalmtal und Romrod, sowie im Westen an die Stadt Kirtorf und die Gemeinde Antrifttal, alle ebenfalls zum Vogelsbergkreis gehörend.
Stadtgliederung
Neben der Kernstadt gibt es die Stadtteile Altenburg, Angenrod, Berfa, Billertshausen, Eifa, Elbenrod, Eudorf, Fischbach, Hattendorf, Heidelbach, Leusel, Liederbach, Lingelbach, Münch-Leusel, Reibertenrod und Schwabenrod.
Geschichte
Alsfeld wurde im Jahre 1069 das erste Mal urkundlich erwähnt. Ausgrabungen in der Walpurgiskirche haben ergeben, dass es hier im 9. bzw. 10. Jahrhundert schon eine romanische Kirche gegeben hat. Somit entstand der Ort vermutlich in der Zeit der Karolinger. Zwischen 1180 und 1190 bauten die Landgrafen von Thüringen hier an der historischen Handelsstraße der Kurzen_Hessen, eine Burg. Diese Lage begünstigte die Entwicklung von Alsfeld, so dass Alsfeld ab 1222 als Stadt bezeugt ist. 1655]]
Seit 1247 gehörte Alsfeld zu Landgrafschaft Hessen und im Jahre 1254 trat die Stadt dem Rheinischen_Städtebund bei. Herrman_II. baute sich hier 1395 ein Schloss und die Stadt war zeitweise Residenzstadt. Seit 1567 gehörte die Stadt zu Hessen-Marburg und ab 1604 zu Hessen-Darmstadt. Bis 1972 war sie Sitz des gleichnamigen Landkreises, der bei der hessischen Gebietsreform mit dem Nachbarkreis Lauterbach und dem Raum Schotten zum Vogelsbergkreis zusammengeschlossen wurde.
Die Entscheidung des hessischen Innenministeriums, Lauterbach zur Kreisstadt zu bestimmen, führte seinerzeit zu einiger Verbitterung in Alsfeld, die das Verhältnis zu Lauterbach über Jahre hinweg belastete. Auf Grund der Proteste im Alsfelder Raum teilte z. B. die Kfz-Zulassungsstelle Alsfeld zwischen 1972 und 1978 nicht, wie ursprünglich vorgesehen, das Kennzeichen LAT (Lauterbach), sondern weiterhin Nummernschilder mit dem Kürzel ALS zu, bis 1978 VB als Autokennzeichen des Vogelsbergkreises festgelegt wurde.
1975 wurde Alsfeld durch den Europarat zur Europäischen Modellstadt erklärt. Daraufhin wurden viele der 400 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten wie auch das Fachwerkrathaus, der Pranger und eines der ältesten Häuser Deutschlands restauriert.
Der Stadtname
Zur Herkunft des Stadtnamens gibt es einige Legenden. So soll um das Jahr 1200 der Landgraf von Hessen/Thüringen einen Ausritt über den Vogelsberg gemacht haben. Auf dem Homberg (einem Hügel nahe Alsfeld) angekommen, blies dort ein starker Wind. So sagte dieser: ?Als fällt mir der Hut vom Kopp.? (?Als?: oberhessisch für ?immerfort?.) Aus ?als fällt? wurde dann angeblich Alsfeld. Tatsächlich aber kommt der Name Alsfeld von Adelesfeld, abgeleitet von dem Wort adelig.
Historische Wasserversorgung
Unter den Einheimischen gilt die Versorgung mit Straßenreinigungs- und Feuerlöschwasser als Besonderheit: Der Liederbach (einheimisch: Lerrebach), war viele Jahrhunderte am heutigen Bahnhofsgelände aufgestaut worden. Im Regelfall floss der Bach dann von dort über den Ludwigsplatz in die Obergasse. Das natürliche Gefälle geschickt ausnutzend, erhielt der Bach Abzweigungen in andere Gassen. Deren Verlauf in Pflasterrinnen folgte der sich schwächende Bach, um dann beim Fulder Tor zur Schwalm hin die Stadtmauern wieder zu verlassen. Bei Bedarf wurden die Sperren des Liedenteiches gezogen, so dass eine größere Wassermenge verfügbar gewesen ist.
Mit Trinkwasser versorgten sich die Einwohner über Brunnen im Haus: Es soll jedes Haus in der Kernstadt einen eigenen Brunnen gehabt haben. In zwei Gaststätten in Marktnähe sind noch heute die Hausbrunnen zu besichtigen (vgl. ?Gerichtsglocke? der Walpurgiskirche).
Eingemeindungen
Die Gemeinden Berfa, Hattendorf, Liederbach und Lingelbach wurden anlässlich der Gemeindereform am 11. Juli 1972 eingemeindet.
Politik
Stadtverordnetenversammlung
37 Stadtverordnete bilden die Alsfelder Stadtverordnetenversammlung. Die Sitzverteilung ist seit der letzten Kommunalwahl am 26. März 2006 wie folgt:
Magistrat
Der Derbyshire/Großbritannien, seit 1962)
Nakskov (Dänemark, seit 1963)
Chaville (Frankreich, seit 1974)
Amstetten (Österreich, seit 1979)
Spisská_Nová_Ves (Slowakische Republik, seit 1992)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Konzerte
* Regelmäßig Rock-, Pop- und volkstümliche Konzerte in der Hessenhalle
* Regelmäßig alternative Konzerte im alten Jugendzentrum
Theater
* Theater Regional in der Stadthalle
* Alljährliches Theater der lokalen höheren Schulen (ASS/MES)
* Alsfelder Marktspielgruppe, die jährlich zum historischen Markt im September ein Theaterstück aus der Alsfelder Geschichte vorführt
Museen
* Regionalmuseum Alsfeld, Rittergasse, in den Patrizierhäusern ?Neurath-Haus? (erbaut 1688) und dem ?Minnigerode-Haus? (erbaut 1687), gibt Vorträgen u.a. Veranstaltungen eine besondere Atmosphäre, häufig kleine, feine Sonderausstellungen
* Spielzeugmuseum Alsfeld
* Alsfelder Märchenhaus mit Puppenstuben-Etage Sackgasse/ Ecke Samuel-Spier-Gasse: Öffnungszeiten und Veranstaltungskonditionen im Tourist Center Alsfeld am Markt, besonders zu Weihnachten sehr romantisch
Bauwerke
Leipzig und von Kassel nach Frankfurt verlaufende Handelsstraße (heutiger Straßenzug: Hersfelder Straße, Untergasse, Obere Fulder Gasse, Markt) innerhalb der Stadt so verwinkelt verläuft wie auch weit außerhalb der Stadt. So ist zu vermuten, dass sich Äußeres etwas verkleinert schon immer auch innerhalb Alsfelds wiederfindet.
Am Markt im Zentrum der Altstadt befindet sich das Fachwerk-Rathaus in früher Rähmbauweise, das von 1512 bis 1516 errichtet worden ist. Sein steinerner Unterbau wurde früher als Markthalle genutzt. Von 1960 bis 1972 führte der damalige Landkreis Alsfeld das Rathaus im Kreiswappen.
In der Nähe des Rathauses steht das Weinhaus, an dessen Ecke sich noch heute der Pranger befindet. Der Pranger ist ein schließbarer Eisenring, der den Verletzern mittelalterlicher Regeln um den Hals gelegt wurde. Die tatsächlichen oder vermeintlichen Regelverletzer waren in ihrer Wehrlosigkeit damit dem Spott oder sogar der physischen Missachtung (z.B. anspucken) der anderen Einwohner ausgesetzt. Der Pranger ist mit einem Trittstein ausgestattet und weist deutlichen Benutzungsspuren auf.
Das Weinhaus wurde im Jahre 1538 von Hans von Frankfurt mit einem Staffelgiebel errichtet. Gebaut wurde es als städtisches Weinlager und Ausschank. Die alten Vorhangbogenfenster wurden 1840 verändert. Heute ist das Weinhaus Hauptsitz der Verwaltung der Stadt Alsfeld und steht unter Denkmalschutz.
An das Weinhaus ist das älteste Fachwerkhaus der Stadt angebaut. Es wurde in Ständerbauweise errichtet. Die ältesten Teile des Hauses stammen von 1350. Weitere Aus- und Umbauten fanden 1403 und 1464 statt. Unter dem Haus befinden sich noch zwei Keller mit Tonnengewölbe, die aus der Zeit der Stadtgründung stammen.
Hinter diesen drei Gebäuden steht die Walpurgiskirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Chor wurde im Jahr 1393 neu erbaut, der Turm wurde nach dessen Einsturz 1394 neu errichte, allerdings erst 1543 vollendet und 1836 um ein Geschoss gekürzt. Das gotische Langhaus wurde ab 1472 zu einer Kirchenhalle umgebaut. In einer zu den Architekturformen passenden Bildsprache schuf Charles Crodel 1963 die den Kirchenraum prägende Gesamtverglasung. Die Walpurgiskirche hat seit dem 3. Dezember 2006 ein täglich mittags ertönendes Glockenspiel.
In unmittelbarer Nähe zur Walpurgiskirche befindet sich das spätgotische Beinhaus, das 1368 das erste Mal erwähnt und 1510 erweitert wurde. Es diente zur Aufbewahrung der Gebeine aus dem Friedhof.
Am südlichen Ende der Altstadt steht die Dreifaltigkeitskirche, die ehemalige Klosterkirche der Augustiner aus dem 14. Jahrhundert. Sie besitzt einen zweischiffigen, asymmetrischen Hallenbau, der um das Jahr 1435 erbaut wurde. Der Kirche fehlt, wie bei Bauten von Bettelorden üblich, ein Kirchturm.
Bei den Ruinen der Klosterbauten ist ein Stück der alten Stadtmauer mit dem Leonhardsturm erhalten, einem Torturm der ehemaligen Stadtbefestigung, der 1386 erbaut wurde.
Die prächtige Synagoge wurde bei den Pogromen am 9. November 1938 zerstört. Die Thora der Synagoge wurde von Mitgliedern des heute noch existierenden Museums- und Geschichtsvereins gerettet und ist im Regionalmuseum ausgestellt. Eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge ist an der Ecke Martin-Luther-Straße/Hinter der Mauer zu finden.
An besonders interessanten Gebäuden, den ?Alsfelder Perlen?, sind zweisprachige, nummerierte Erläuterungen angebracht. Mit Hilfe eines Faltblatts ist auf diese Weise ein thematischer Stadtrundgang möglich.
Regelmäßige Veranstaltungen
* Himmelfahrt: akademischer Marktfrühschoppen
* Alsfelder Pfingstmarkt
* Alsfelder Stadtfest (1. Augustsamstag)
* Marktspiel mit historischem Markt (2. Wochenende im September)
* Alsfelder Weihnachtsmarkt
* Vogelsberger Spezialitäten: Verschiedene publikumswirksame Aktivitäten Alsfelder Einwohner am 1. Samstag des Monats
* Spezialitätenmarkt am 3. Samstag des Monats
Wirtschaft
Verkehr
Alsfeld liegt unmittelbar an der Autobahn A_5 mit den Anschlussstellen Alsfeld Ost und Alsfeld West. Die dort gelegene Raststätte ?Pfefferhöhe? ist nach der Raststätte Rimberg die zweithöchste der BAB_5 und ist auch wegen der Erreichbarkeit über die B_49 beliebter Treffpunkt von Pendlern und Busfernreisenden.
Die Bundesstraßen B_254 und B_62 führen durch die Stadt. Weiterhin beginnt hier die Bundesstraße B_49.
Alsfeld ist auch per Eisenbahn über die (obere) Vogelsbergbahn Gießen?Alsfeld?Fulda erreichbar. Seit dem 1. April 1916 konnte Alsfeld von Niederaula her mit der Gründchenbahn angefahren werden. Der Personenverkehr wurde hier schon am 25. Mai 1974 wieder eingestellt. Der letzte Zug, ein Güterzug, verließ Alsfeld am 28. Mai 1988 nach Eifa. Seitdem ist die Strecke zwischen Alsfeld und Breitenbach unterschiedlich renaturiert.
Die Einfädelung der Gründchenbahn bedingte eine Umgestaltung der Bahnanlagen, das prächtige neoklassizistische Empfangsgebäude stammt aus dieser Zeit. Das Empfangsgebäude und die Ausmaße des Bahnhofes (mit Lokstation) lassen erahnen, welche verkehrliche, wirtschaftliche Bedeutung Alsfeld für das agrarisch geprägte Umland hatte.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Johann Georg Nestfell (* 6. April 1694, ? 14. August 1762), Kunstschreiner und Verfertiger von Planetenmaschinen
Samuel Spier (* 4. April 1838, ? 9. November 1903), Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie
Rudolf Stammler ( * 19. Februar 1856, ? 25. April 1938), Rechtsphilosoph
Henny Koch (* 22. September 1854; ? 13. Juni 1925), Schriftstellerin
Peter Gruss (* 28. Juni 1949), Präsident der Max-Planck-Gesellschaft
Thomas Freitag (* 17. Juni 1950), deutscher Kabarettist
Manfred Stumpf (* 1957), Zeichner, Bildhauer und Computerkünstler
Stephan Weidner (* 29. Mai 1963), Texter, Bassist und Sänger der Gruppe Böhse Onkelz
Weblinks
• Website der Stadt Alsfeld
• Alsfeld: Sehenswürdigkeiten (Bilder/Rundgang)
• Regionalmuseum Alsfeld
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lmo:Alsfeld

