Beobachter (Regelungstechnik)
Beobachter berechnen in der Regelungstechnik Zustände eines Systems (insb. Regelstrecke) aus den messbaren Eingangs- und Ausgangsgrößen. Dies geschieht, weil in der Regel nicht alle Zustände messbar sind beziehungsweise eine gewünschte Redundanz nicht herstellbar ist. Um Beobachter konstruieren zu können, muss ein System beobachtbar sein. Hierbei wird zwischen struktureller Beobachtbarkeit und vollständiger Beobachtbarkeit unterschieden.Definition vollständiger Beobachtbarkeit
thumb|right|400px|Blockdiagramm_Zustandsraumdarstellung
Ein lineares System ist dann beobachtbar, wenn bei bekannter Steuerfunktion u(t) und bekannten Matrizen A und C aus der Messung des Ausgangsvektors y(t) über ein endliches Zeitintervall der Anfangszustand eindeutig bestimmt werden kann.
Definition strukturelle Beobachtbarkeit
Eine Klasse von Systemen heißt strukturell steuerbar bzw. strukturell beobachtbar, wenn es mindestens ein System gibt, das vollständig steuerbar bzw. vollständig beobachtbar ist.
Um dies nachzuweisen gibt es Verfahren, deren Erläuterung hier zu weit führen würde. Dabei sind Matrizen, in denen alle Elemente ungleich 0 mit * markiert wurden, da alle Elemente gleich 0 über die strukturelle Beobachtbarkeit und strukturellen Steuerbarkeit entscheiden. Sie sind nicht mit der Beobachtbarkeitsmatrix zu verwechseln.
Nachweis vollständiger Beobachtbarkeit
Strukturelle Beobachtbarkeit ist eine notwendige Bedingung für die vollständige Steuerbarkeit. Jedoch werden zumeist nur die folgenden Beobachtbarkeitskriterien genutzt, um eine vollständige Beobachtbarkeit nachzuweisen.
Das Beobachtbarkeitskriterium nach Kalman ist relativ einfach zu bestimmen, jedoch kann dabei die Beobachtbarkeit nicht auf einzelne Eigenvorgänge bzw. Eigenwerte zu beziehen. Dies kann mit Hilfe des Gilbert und des Hautus Kriteriums geschehen.
Beobachtbarkeitskriterium von Kalman[Lunze, Jan: Regelungstechnik 2: Mehrgrößensysteme Digitale Regelung. S.94 , 4. Aufl. Heidelberg : Springer, 2006. ? ISBN 3-540-32335-X]
Das System (A,C) ist genau dann vollständig beobachtbar, wenn die Beobachtbarkeitsmatrix den Rang hat:
: mit
:
Beobachtbarkeitskriterium von Gilbert[Lunze, Jan: Regelungstechnik 2: Mehrgrößensysteme Digitale Regelung. S.95, 4. Aufl. Heidelberg : Springer, 2006. ? ISBN 3-540-32335-X]
Das System , dessen Zustandsraummodell in kanonischer Normalform vorliegt, ist genau dann vollständig beobachtbar, wenn die Matrix keine Nullspalte besitzt und wenn die p Spalten , der Matrix , die zu den kanonischen Zustandsvariablen eines p-fachen Eigenwerts gehören, linear unabhängig sind.
:Mit
:
:
V ist dabei die Matrix mit den Eigenvektoren.
Beobachtbarkeitskriterium von Hautus[Lunze, Jan: Regelungstechnik 2: Mehrgrößensysteme Digitale Regelung. S.96, 4. Aufl. Heidelberg : Springer, 2006. ? ISBN 3-540-32335-X]
Das System (A,C) ist genau dann vollständig beobachtbar, wenn die Bedingung:
:Rang
:für alle Eingenwerte der Matrix A erfüllt ist.:Was wiederum gleichbedeuten mit der Aussage:
:für alle Rechtseigenvektoren ist.
Beobachter-Normalform
Die Beobachter-Normalform kann unter anderem aus der Übertragungsfunktion:
einfach bestimmt werden.
:
:.
Luenberger-Beobachter [Lunze, Jan: Regelungstechnik 2: Mehrgrößensysteme Digitale Regelung. S.332ff, 4. Aufl. Heidelberg : Springer, 2006. ? ISBN 3-540-32335-X]
thumb|right||Blockdiagramm_Zustandsraumdarstellung
Die Idee von Luenberger 1964 beruht auf einer Parallelschaltung vom Beobachter zum Regelstreckenmodell. Dabei wird jedoch die Differenz zwischen auf das Modell zurückgeführt, um den Beobachter flexibel auf Störungen beziehungsweise eigene Ungenauigkeiten reagieren zu lassen. Grundsätzliche Gleichung des Beobachters ist also
:
:
dabei bestimmt sich
:
somit ergibt sich für den Beobachter
:
Für den Beobachtungsfehler eines Luenbergeroperator gilt daher , wenn alle Eigenwerte der Matrix negative Realteile besitzen.
Die Rückführmatrix wird beim Luenberger Beobachter so gewählt, dass die Matrix
:
die vorgegebenen Beobachtungseigenwerte aufweist. Bestimmt man aus diesen Eigenwerte die Koeffizenten des charakteristischen_Polynoms , so kann der Vektor wie folgt bestimmt werden.
:
Reduzierter Beobachter
Reduzierter Beobachter mit Zustandsrückführung
Quellen
Siehe auch
*Steuerbarkeit
*Zustandsdarstellung
*Zustandsregelung
*Regelungstechnik
Literatur
* S.D.G. Cumming, Design of observers of reduced dynamics, Electronic Letters 5, 1961, 213-214
* D. G. Luenberger, Observing the state of a linear system. IEEE Transaction on Military Electronics, (8):74-80, 1964
* R.E. Kalman and B. Bucy, New results in linear filtering and prediction theory.Trans ASME, Series D, Journal of Basic Engineering(ASME),83D:98-108, 1961
* A. Gelb, Applied Optimal Estimation. The MIT press, Massachusetts Institute of Technology, 1974
* Otto Föllinger, Regelunsgtechnik, Einführung in die Methoden und ihre Anwendung, ISBN 3-7785-2336-8

