Benediktiner
Die Benediktiner (lat. Ordo Sancti Benedicti, OSB) sind ein kontemplativ ausgerichteter Orden innerhalb der römisch-katholischen_Kirche, welcher gemeinhin als Grundlage des westlichen Ordenslebens seit Ende der Spätantike bzw. des frühen Mittelalters gilt. Bezeichnend sind die Grundsätze des Ordens, welche neben der Ordensregel (Regula Benedicti) alles beinhalten, was insbesondere den benediktinischen Orden auszeichnet: "Ora et labora et lege" (bete, arbeite und lies). Drei Gelübde legt der Benediktinermönch im Laufe seines Ordenslebens ab: "Stabilitas" (Beständigkeit in der Gemeinschaft), "Klösterlichen Lebenswandel" und "Gehorsam". Als ein Motto der Benediktiner kann gelten: "Ut in omnibus glorificetur Deus - Auf dass Gott in allem verherrlicht werde".
Geschichte
thumb|left|Mönchtum insgesamt verstanden werden.
Es hatte sich nach Vorbildern aus Ägypten und dem Nahen_Osten entwickelt, aber zu eigener Ausprägung gefunden. Während dort im Wesentlichen das Eremitentum als das eigentliche Mönchtum - die asketische Lebensform, in der der Gläubige eine besondere Gottesnähe ausdrückt und erfährt - verstanden wurde, waren in den weströmischen Städten andere Formen stärker hervorgetreten (Familienaskese, zölibatäre Gemeinschaften christlicher Frauen). Bischof Eusebius (? 370) hatte in Vercelli in einer Gemeinschaft mit anderen Priestern zusammen gelebt und so das erste Beispiel eines Klerikerklosters gegeben. Der heilige Hieronymus, der das östliche Mönchtum auf seinen Reisen kennen gelernt hatte, begünstigte die Weiterentwicklung des römischen Ideals des Vita Rusticana zum monastischen Ideal, in dem sich für ihn Abgeschiedenheit und Studium vereinen sollten.
Der heilige Augustinus bezeugt im Jahr 387 Stadtklöster in Rom, aus denen sich später die Einrichtung der Basilikaklöster entwickelte.
Die Proklamierung des Christentums als Staatsreligion des römischen Reiches 391 führte zu Bevölkerungsteilen, die sich nicht selbst zum Christentum bekehrt hatten, sondern es als römische Staatsbürger verordnet bekamen. Die Folge war ein in etlichen Regionen wenig gefestigter Glaube, neben dem die bisherigen Weltbilder und religiösen Vorstellungen parallel weiter existierten. Dieser Hintergrund begünstigte das Entstehen von Gemeinschaften, die ihr Leben vollständig als religiöses, christliches Leben verstehen wollten.
Das Konzil von Chalcedon 451 entschied, die Klöster in die Episkopalkirche einzugliedern. Sie wurden mithin Teil der kirchlichen Hierarchie und ihren Ortsbischöfen untergeordnet. Damit war der Sonderweg gegenüber dem östlichen Mönchtum endgültig beschritten.
Benedikt von Nursia und Gregor der Große
Vor diesem Hintergrund sticht die Gestalt des Benedikt von Nursia (* um 480; ? 547), der für das 529 von ihm gegründeten Kloster bei Montecassino die nach ihm benannte Regula Benedicti (Benediktsregel) verfasste, die auf der Regula Magistri und anderen klösterlichen Regeln basiert, kaum hervor.
Wesentliche Haltungen, die die Regel von den Mönchen verlangt, sind Gehorsam gegenüber ihrem Abt, Schweigsamkeit, Beständigkeit und Demut.
Der größte Teil des Tages ist dem gemeinsamen und persönlichen Gebet gewidmet oder wird in Stille, mit Meditation und geistiger Lektüre verbracht.
Handwerkliche Arbeit, von der die Mönche leben sollten, schaffte Ausgleich. Der Tagesablauf der Mönche wird gegliedert durch den Gottesdienst, dem nach der Regel nichts vorgezogen werden darf. Wie im Mönchtum üblich wurden Psalmen gebetet, nach der Regel alle 150 innerhalb einer Woche (in der heutigen Zeit aber aufgeteilt).
Damit unterscheidet sich die Regula Benedicti in wenig von anderen klösterlichen Regeln dieser Zeit. Auch der Heilige war nur einer von vielen Klostergründern. Er hatte bei ihrer Abfassung keine ordensartigen Strukturen vor Augen - es ging ihm, ganz wie anderen Regelautoren auch, darum, die Verhältnisse in seinem eigenen Haus zu klären.
Ein Aspekt, der die spätere Sonderstellung der Regel erklären könnte, ist die Nivellierung von Standesunterschieden beim Eintritt - die Rangfolge der Mönche orientierte sich, von durch den Abt bestimmten Ausnahmen abgesehen, einzig an ihrem Eintrittsalter. Dies konnte den elitären Charakter der Klöster schwächen, die zuvor eher als Einrichtungen von und für Adlige verstanden worden waren und sozial niedriger Gestellte im Klostereintritt den gesellschaftlichen Aufstieg suchen ließen.
Auch die relative Milde in den Regelungen zur Askese und die relative Kürze, die über die Nichtbehandlung sonst üblicher Regelthemen die problemlose Übernahme in anderen Klöstern - auch etwa in anderen Klimazonen - möglich machte, mag zur späteren Beliebtheit der Regel beigetragen haben (wobei zu beachten ist, dass die Regel deshalb niemals ohne ergänzende Bestimmungen befolgt werden konnte, den sogenannten Constitudines.
Nichts davon sticht jedoch so heraus, dass es Benedikt zu seinem Titel als "Vater des Abendlandes" hätte verhelfen können. Diese Entwicklung beginnt erst mit der Abfassung seiner Biographie: Den "Dialogen" Gregors_des_Großen (? 604).
Der zweite Band der Dialoge ist vollständig der Biographie Benedikts gewidmet. Die Intention, die den vom Mönchtum begeisterten Papst zur Niederschrift bewegte, lässt sich relativ klar herausarbeiten: Italien sollte einen nationalen Heiligen erhalten, eine Identifikationsfigur, wie sie andere Regionen (etwa Südgallien mit Martin von Tours) längst hatten. Er wählte die Gestalt des wenige Jahrzehnte zuvor verstorbenen Klostergründers, die er idealisierte und mit vielen Wundertaten anreicherte.
Das starke Durchscheinen des Idealtypus durch die Darstellung Gregors hat in der Forschung des 20. Jahrhunderts die Historiztät Benedikts überhaupt in Frage gestellt. Man geht heute allerdings davon aus, das Gregors Schilderungen durchaus eine reale Biographie zum Kern haben. Auch Gregor, der die Stellung des Mönchtums als Teil der Kirche durch seine Lehren durchaus festigte und ihnen apostolisches Wirken - also Predigten, Seelsorge und caritative Aufgaben - erst ermöglichte, dürfte dabei keine Vorstellung von einem "Ordenswesen" gehabt haben. Im Verständnis ihrer Zeit ist die Vorstellung vom einzelnen Kloster als organisatorisch autarke Einheit noch viel zu tief verwurzelt.
Nach seiner Beschreibung beginnt Benedikts eigentliche Gründungsgeschichte seiner Klöster mit Benedikts Abkehr vom Eremitentum und der Zuwendung zu einem Gemeinschaftsleben. Benedikt sammelt die ersten Schüler um sich und legt so den Grundstein für weitere Gemeinschaften. So gründete er etwa zwölf Klöster in der Umgebung von Subiaco, unter anderem auch Montecassino, indem er seine Ordensregel verfasste.
Bemerkenswert ist, dass Gregor, obwohl er die Abfassung der Regel erwähnt und sie als vorbildlich lobt, in keiner seiner zahlreichen Schriften zum Mönchswesen Zitate oder Ideen aus ihr verwendet - im Gegensatz zu einigen anderen Mönchsregeln. Es scheint also, als hätte er die Regula Benedicti nicht im Wortlaut gekannt, was vor allem erstaunt, da der Tradition nach die Mönche nach der Zerstörung Montecassinos 577 durch die Langobarden die Regel nach Rom gebracht haben sollen. Zumindest dieser Schritt der Überlieferungstradition der Benediktregel scheint also fragwürdig. (Sie wird erst 620 wieder bezeugt.)
Angelsächsische Mönche und Mischregelzeitalter
Die Ordensregel verbreitete der nachfolgenden Jahrhunderte in ganz Europa und wurde so zu einer Grundlage für viele Klostergründungen und Gemeinschaftesformen (häufig in Verbindung mit anderen Regeln, besonders der des heiligen Columban, bis sie auf dem Konzil von Aachen 816 als einzige Regel verbindlich für alle Klöster des Frankenreichs wurde). Das heutige geistige und kulturelle Europa wäre ohne den prägenden Einfluss Benedikts von Nursia und der Benediktinerklöster nicht denkbar.
Der Einfluss der Benediktinermönche erstreckte sich nicht nur auf die Christianisierung Europas, etwa durch Bonifatius (673; ? 754), sondern auch auf die Kultur, Landwirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Seelsorge. Es ist weitgehend den Benediktinern zu verdanken, dass das kulturelle Erbe der Antike über die Jahrhunderte des Frühmittelalters in Westeuropa erhalten blieb.
Benediktinerklöster wurden ab dem achten und neunten Jahrhundert stark in die Reichsverwaltung integriert, da Mönche lesen und schreiben konnten, was zu dieser Zeit außer Klerikern kaum jemand konnte und sie den als staatstragend angesehenen Gebetsdienst leisteten. Dies führte zu einem allmählichen Macht- und Reichtumsgewinn der Großklöster, die das Armutsideal unterhöhlten. Abteien verloren ihre Selbständigkeit und unterstanden seit Karl_dem_Großen dem Kaiser oder regionalen Fürsten. Die Gründung der Abtei_Cluny am 11. September 910 wurde zum Beginn einer Klosterreform, die diesen Missstand beenden wollte. In der Gründungsurkunde wurde der Abtei freie Abtswahl und Unabhängigkeit vom Bischof und weltlichen Herrschern garantiert. Der Reformgedanke breitete sich rasch aus. Viele Klöster schlossen sich Cluny an und innerhalb eines Jahrhunderts umfasste der Klosterverband von Cluny über tausend Klöster. Dies war der erste eigentliche Orden in der Geschichte des westlichen Mönchtums.
Die Lebensweise der Mönche von Cluny erregte auch Kritik. Das in der Benediktsregel vorgesehene Gleichgewicht von Gebet und Handarbeit wurde zugunsten des Gebets aufgeweicht. Die Abtei lebte von Messstipendien und Gebetsstiftungen. In ihrer Blütezeit wurden in Cluny täglich über 200 Psalmen gebetet. Im Hochmittelalter kam eine Hochschätzung von Askese auf. Die Lebensweise von Cluny wurde als nicht mehr regeltreu kritisiert.
Der Benediktinermönch Robert von Molesme gründete eine Reformabtei in Molesme, in der die Mönche getreu nach der Benediktsregel lebten und ihren Unterhalt durch Handarbeit statt durch Meßstipendien und Stiftungen verdienen sollten. Dieser Versuch scheiterte. Ein zweiter Versuch jedoch glückte. In Cîteaux baute Robert ein Reformkloster auf, das er als Abt leitete und das unter seinen Nachfolgern Alberich von Cîteaux und Stephan Harding zum Mutterkloster des Zisterzienserordens wurde.
Bis ins Hochmittelalter waren die Benediktiner der bedeutendste Orden, verloren diese Stellung jedoch, einerseits an die Zisterzienser andererseits aber auch an die im 13. Jahrhundert neu entstehenden Bettelorden. Die Benediktiner waren in das Feudalsystem und die Naturalienwirtschaft integriert und in ihrer Arbeit auf Landwirtschaft und Seelsorge ausgerichtet. Die neu aufkommenden Städte und die sich entwickelnde Geldwirtschaft konnten die Benediktiner nur langsam in ihre Lebensweise integrieren. Bildung genossen und vermittelten die Benediktiner in lokalen Klosterschulen. Die im 12. Jahrhundert neu aufkommenden Universitäten, die ein nicht-sesshaftes Leben der Lehrenden und Studierenden erforderten, waren den Benediktinern fremd. Einen ersten Schritt hin zur Bildung von Kongregationen tat 1336 Papst Benedikt XII., der in seiner Summa magistri Zusammenschlüsse von Abteien zu Provinzen und die Einsetzung von Provinzkapiteln verfügte.
Die Reformation traf die Benediktiner, wie alle großen Orden, schwer. Zahlreiche Klöster gingen unter - zunächst durch Selbstauflösung, weil sich die Mönche den Lehren Luthers anschlossen, der das Mönchtum als unchristlich ablehnte, später durch die Erlasse konvertierter Fürsten.
Im 16./17. Jahrhundert entstand aus Reformen innerhalb des Zisterzienserordens der Orden der Trappisten, sodass es fortan einen weiteren Orden gab, der durch Reformen aus dem Benediktinertum hervorging.
Der "Josephinische Klostersturm" in Österreich war für viele Benediktinerklöster, die in Österreich auf ein sehr hohes Alter zurückblicken können, der Niedergang.
Im Zuge der Säkularisierung wurden in Deutschland ab 1803 fast alle Benediktinerklöster aufgelöst. Im Zuge der nachfolgenden Restauration kam es zu Neugründungen. Vor allem in Bayern (aber auch in anderen Staaten des Deutschen Bundes, vgl. z. B. Kloster Beuron in Preußen) bildeten sich neue Ordensniederlassungen. Im Bayerischen Konkordat von 1817 wurden Klosterneugründungen vereinbart, für die Ludwig_I. ab 1825 vor allem Benediktiner heranzog. 1830 entstand als erste Benediktinerabtei des Kloster Metten neu.
Heute gibt es in Deutschland 34 Männer- und 27 Frauenklöster, in Österreich 16 Männer- und 4 Frauenklöster und in der Schweiz 9 Männer- und 12 Frauenklöster der Benediktiner. Die Österreichische Benediktinerkongregation unterhält zudem das Kolleg St. Benedikt in Salzburg, das Studienhaus für die deutschsprachigen Benediktinermönche.
Benediktinerabteien sind jeweils eigenständige Gemeinschaften; eine übergreifende Ordensorganisation im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die meisten Klöster sind in Kongregationen zusammengeschlossen, die Kongregationen wiederum zur Benediktinischen_Konföderation, der der Abtprimas vorsteht. Dieser hat allerdings keine Leitungsfunktion, sondern nur repräsentative Aufgaben.
Zur Zeit gibt es weltweit rund 40.000 Mönche und Nonnen bzw. Schwestern, die zur benediktinischen Ordensfamilie gehören.
Spiritualität
Wesentliche Eigenschaft, die ein Mönch nach der Benediktsregel haben muss, ist die Suche nach Gott. Das Leben im Kloster soll dafür den geeigneten Rahmen schaffen. Benedikt selbst bezeichnet das Kloster als Schule für den Dienst des Herrn. Gehorsam im Sinne des einfühlsamen Hinhörens auf Gott und die Menschen wird als weitere wichtige Eigenschaft eines Mönches in der Benediktusregel genannt. Wert legen die Benediktiner auf discretio, das Einhalten des rechten Maßes, das weise Leben in der rechten Mitte ohne zu viel oder zu wenig.
Das Klosterleben der Benediktiner war durch das Gebet geprägt. Im Mittelpunkt stand nicht das Gebet des einzelnen, sondern das Gebet in der Gemeinschaft, was auch durch das Losungswort Ora et labora (lat. Bete und arbeite) der Benediktiner gekennzeichnet ist. Die Arbeit trat neben dem Gottesdienst und ein großer Teil des Tages ist dem gemeinschaftlichem Chorgebet und Lesung gewidmet. Die Arbeit bietet den nötigen Ausgleich, da nach Benedikt "Das Nichtstun der Feind der Seele ist" und sichert gleichzeitig den Lebensunterhalt der Gemeinschaft. Dadurch ist der Tagesablauf der Mönche durch den Gottesdienst gegliedert, dem nach der Regel nichts vorgezogen werden darf, sondern alle Tätigkeiten müssen eingestellt werden, um zum Gottesdienst zu eilen. Neben der täglichen Messe ist das Stundengebet für die Benediktiner wesentlich. Die Regel selbst schreibt acht Gebetszeiten (Vigil, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet) vor. Innerhalb einer Woche sollen alle 150 Psalmen des Alten Testamentes gebetet oder gesungen werden. Im Mittelalter erweiterte sich das Psalmengebet der Benediktiner immer weiter. In Cluny z.B. wurden im 11. Jahrhundert über 200 Psalmen täglich gebetet. Seit der Neubesinnung in der Ausrichtung der Ordensgemeinschaften im Zuge des Zweiten_Vatikanischen_Konzils wurden die Gebetszeiten auf sieben beschränkt; die Prim wurde abgeschafft. Heute ist das Psalmengebet der Benediktiner so gestaltet, dass die 150 Psalmen entweder innerhalb einer Woche oder auf zwei Wochen aufgeteilt gebetet werden können. Besonders in den bayrischen und österreichischen Abteien werden die sieben Gebetszeiten aufgrund der Tätigkeiten der Mönche in Schule und Pfarrseelsorge mitunter zusammengefasst. (Bspw. werden Terz, Sext und Non zu einer sogenannten Tageshore oder Mittagshore zusammengefasst).
Tätigkeiten der Benediktiner
betreibt ein bekanntes humanistisches Gymnasium mit Internat]]
Schulen
Die Lehrtätigkeit der Benediktinerklöster hat eine lange Tradition. Bereits zu Lebzeiten des Heiligen Benedikt wurden Kinder ins Kloster aufgenommen, um ihnen Bildung zu vermitteln.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Benediktinerklöster zu Zentren der Kultur und Bildung und haben nicht selten die Kinder aus Adelshäusern ebenso erzogen wie das einfache Volk. Aus dieser Tradition heraus sind Schulen mit modernen Lehrplänen entstanden. Auch heute noch unterhalten viele Benediktinerklöster Schulen und Internate. Eine der bekanntesten Benediktinerschulen in Deutschland unterhält die Abtei Ettal mit einer Schul- und Internatstradition, die bis in die Barockzeit zurückgeht; vormalig als Ritterakademie für junge Knaben aus dem Adelsstand während einer der Blütezeiten des Klosters im 18. Jahrhundert gegründet, wurde die Schultradition um 1900 (nach fast hundertjähriger Unterbrechung durch die Säkularisation) bis heute im Sinne der klassischen humanistischen Bildung fortgeführt. Die bekanntesten Benediktinergymnasien in Österreich sind jenes des Stiftes St. Paul im Lavanttal, das Schottengymnasium in Wien, die Stiftsgymnasien von Stift Melk, Stift Admont, Stift Kremsmünster und Stift Seitenstetten.
Seelsorge
Die Seelsorge ist ein Dienst an den Menschen und daher ein tragendes Gerüst des christlichen Glaubens. Seelsorge kann sich auf vielerei Arten gestalten. Besonders die österreichischen Benediktiner blicken auf eine sehr lange Tradition zurück, was die Pfarrseelsorge betrifft. Natürlich ergaben sich immer wieder Spannungen zwischen dem klösterlichen Leben einer Gemeinschaft und dem Dienst eines (Pfarr-)Seelsorgers, doch ist dieser Aufgabenbereich typisch für benediktinisches Leben in Österreich seit Jahrhunderten und nicht mehr wegzudenken. Man sieht darin auch eine Chance, benediktinisches Leben zu den Menschen zu bringen und an den Menschen wirken zu lassen.
Die Tradition der Pfarrseelsorge hat sich, bis auf wenige Ausnahmen in anderen Länder, vorrangig in Österreich erhalten. Vor der Säkularisierungswelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts war sie auch ein wichtiger Aufgabenbereich deutscher und bayrischer Benediktiner. Nach deren (teilweiser) Wiederbegründung wurde dieser Dienst aber nicht mehr übernommen, zum Teil auch vielerorts abgelehnt.
Jugendarbeit und Erwachsenenbildung
ist auf dem Gebiet der Jugend- und Erwachsenenbildung sehr aktiv.]]
Neben diesen für den dauerhaften Besuch angelegten Einrichtungen laden verschiedene Jugendbegegnungshäuser und Jugendbildungshäuser der Benediktinerklöster zum Besuch ihrer offenen Angebote ein. Die Arbeit vieler Benediktinerklöster erstreckt sich heute aber auch auf das Gebiet der Erwachsenenbildung, beispielsweise werden sogar Seminare für Manager und Unternehmer veranstaltet.
Landwirtschaft
Landwirtschaft insgesamt (Ackerbau, Viehzucht, Obstgärten, Weinbau, Liköre und Kräuter) sind nach wie vor wichtige Bestandteile benediktischer Klöster.
Im 12. Jahrhundert verfasste die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098?1179) Bücher über Heilpflanzen. Bei ihr kommt es zu einer Verschmelzung von antikem Wissen, christlichem Glauben und germanischem Weltbild. Obwohl ihre Bücher in lateinischer Sprache geschrieben sind, verwendet sie für die Heilpflanzen die volkstümlichen Bezeichnungen ihrer Heimat. Somit werden ihre Bücher unter anderem zu einem Zeugnis der Volksmedizin ihrer Zeit.
, Mutterkloster der Missionsbenediktiner]]
Mission
Darüberhinaus betreibt der Benediktinerorden vor allem in Afrika und Asien zahlreiche Missionsstationen, wie zum Beispiel Peramiho in Tansania. Die Missionsbenediktiner der Benediktinerkongregation von St. Ottilien (Erzabtei St._Ottilien, Abtei Schweiklberg, Abtei Münsterschwarzach, Abtei Königsmünster) wurden im 19. Jahrhundert mit dem Ziel der Mission gegründet. Dass ein kontemplativ ausgerichteter Orden gezielt Mission betrieb, war damals ein Novum.
Kultur
Zahlreiche Abteien führen bedeutende Museen und sind Mäzene für moderne und klassische Kunst. Überhaupt verfügen die Benediktiner über bedeutende Kunstschätze und die berühmtesten Bibliotheken. Bekannt ist jene im Stift Admont, die als größte Klosterbibliothek der Welt gilt.
Bekannte Benediktiner
Anselm von Canterbury (um 1033-1109), Heiliger, Kirchenlehrer, Begründer der Scholastik
Beda Venerabilis (um 673-735) Theologe und Geschichtsschreiber
Bonifatius (672/673?754), Heiliger, Missionar (?Apostel der Deutschen?) und Kirchenreformer
François_Lamathe_Bédos_de_Celles_de_Salelles_ (1709-1779), Organist, Orgelbauer, Verfasser von L'Art du facteur d'orgues (Die Kunst des Orgelbauers)
Grün,_Anselm (*1945), Schriftsteller
Guido von Arezzo, auch (Guido) Aretinus (um 992-1050), italienischer Benediktinermönch, Musiktheoretiker und Lehrer, u.a. Erfinder der Solmisation
Guido von Pomposa (* um 1010, ? 31. März 1046), Heiliger und Abt
Hildegard von Bingen (1098-1179), Mystikerin
* Hügen, Guido (*1963), Bundeskurat der DPSG seit 2001
Wilhelm von Selling (? 1494), englischer Abt des Klosters Christ Church in Canterbury
Walburga (um 710-779), Missionarin und Äbtissin
Willibald von Eichstätt (um 700-787), Bischof von Eichstätt
Willibrord (ca. 658-739), angelsächsischer Missionar, Abt zu Echternach und Bischof von Utrecht
Wolf,_Notker (*1940), Abtprimas des Benediktinerordens
Wunibald (701-761), Abt im Kloster Heidenheim
Benediktinerklöster
Deutschland
= Bayerische Benediktinerkongregation / Föderation der Bayerischen Benediktinerinnen
=Männerklöster
Abtei_Metten
Abtei_St._Stephan_in_Augsburg
Abtei_Scheyern
Abtei_Weltenburg
Abtei_St._Bonifaz,_München
Priorat_Andechs
Abtei_Schäftlarn
Abtei Ettal
Priorat_Wechselburg
Abtei_Plankstetten
Abtei_Rohr
Abtei_Niederaltaich
Abtei_Ottobeuren
Frauenklöster
Abtei_Eichstätt
Abtei_Frauenwörth
* Abtei Maria Frieden, Kirchschletten
Abtei_St._Gertrud,_Tettenweis
* Kommunität Venio, München
= Beuroner Benediktinerkongregation
=Männerklöster
Erzabtei Beuron
Abtei_Tholey
Abtei_Gerleve
Abtei Maria Laach
Abtei Grüssau
Abtei Weingarten
Abtei Neuburg
Priorat_Nütschau
Abtei Neresheim
Frauenklöster
Abtei_St._Hildegard,_Eibingen
Abtei_vom_hl._Kreuz,_Herstelle
Abtei_St._Erentraud,_Kellenried
Abtei_Engelthal
Abtei Varensell
* Abtei Hl. Maria, Fulda
Priorat_Marienrode
= Ottilianer Benediktinerkongregation
=Männerklöster
Erzabtei_St._Ottilien
Priorat Jakobsberg
Abtei Münsterschwarzach
Kloster Damme
Abtei Schweiklberg
Abtei Königsmünster - Meschede
* Cella St. Benedikt - Hannover
Frauenklöster
Missions-Benediktinerinnen, Tutzing
Kloster St. Alban, Diessen
= Benediktinerkongregation v. d. Verkündigung
=Männerklöster
Abtei_St._Matthias,_Trier
Priorat_Huysburg
= Sublacenser Benediktinerkongregation
=Männerklöster
Abtei Kornelimünster
Abtei_Siegburg
= Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung
=* Kloster Neustift, Ortenburg
= Benediktinerinnen von der hl. Lioba
=* Kloster Wald
= Benediktinerinnen vom heiligsten Sakrament
=* Kloster Osnabrück
* Kloster Vinnenberg, Warendorf
* Kloster Maria Hamicolt
Kloster Kreitz
* Benediktinerinnen Köln
* Kloster Trier-Kürenz
* Kloster Marienberg
= Frauenklöster außerhalb von Kongregationen
=* Abtei St. Gertrud, Alexanderdorf
* Abtei Burg Dinklage
* Abtei Mariendonk, Kempen
* Abtei Mariä Heimsuchung, Steinfeld
* Priorat U.L. Frau, Habsthal
* Säkularinstitut St. Bonifatius
Österreich
= Österreichische Benediktinerkongregation
=Männerklöster
Erzabtei_St._Peter, Salzburg
Abtei_Kremsmünster
Abtei_Michaelbeuern
Abtei_Lambach
Abtei_Admont
Abtei_St._Lambrecht
Abtei_Melk
Abtei_St._Paul
Abtei_Göttweig
Abtei_Seitenstetten
Abtei_Altenburg
Schottenabtei, Wien
Priorat_Gut_Aich, St. Gilgen
Priorat_St._Joseph, Maria Roggendorf
= Bayerische Benediktinerkongregation / Föderation der Bayerischen Benediktinerinnen
=Abtei_Nonnberg, Salzburg
= Beuroner Benediktinerkongregation
=Männerkloster
Abtei Seckau
Frauenkloster
Abtei St. Gabriel, Bertholdstein
= Ottilianer Benediktinerkongregation
=Männerkloster
Abtei_St._Georgenberg-Fiecht
= Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung
=* Anbetungskloster, Wien
= Benediktinerinnen vom Unbefleckten Herzen
=Steinerkirchen an der Traun
Schweiz
= Schweizer Benediktinerkongregation
=Männerklöster
Abtei_Disentis
Abtei_Einsiedeln
Abtei_Engelberg
Abtei_Fischingen
Abtei_Mariastein
Frauenklöster
* Benediktinerinnenkloster zu Allen Heiligen in der Au
* Abtei St. Gallenberg
* Abtei zum Hl. Martin
* Kloster St. Johann
* Abtei St. Andreas
* Abtei St.Lazarus
= Ottilianer Benediktinerkongregation
=Männerkloster
* Abtei Uznach
= Föderation der benediktinischen Schwesternklöster der Schweiz
=* Kloster Melchtal
* Benediktinerinnen Maria-Rickenbach
* Kloster Marienburg
= Klöster außerhalb von Kongregationen
=Männerkloster
* Abtei Le Bouveret
Frauenkloster
* Kloster Fahr
= Benediktinerkongregation von Monte Oliveto Maggiore (Olivetaner)
=Frauenkloster
* Kloster Heiligkreuz
Südtirol
= Schweizer Benediktinerkongregation
=Männerklöster
Abtei Marienberg
Abtei_Muri_Gries, Bozen
= Beuroner Benediktinerkongregation
=Frauenkloster
* Abtei vom Hl. Kreuz, Säben
Literatur
* Christian Schütz, Philippa Rath (Hrsg.): Der Benediktinerorden: Gott suchen in Gebet und Arbeit. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 3. Aufl. 2003. ISBN 3-786-78506-6
* Die Benediktusregel (lat.-dt.), hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. Beuron: Beuroner Kunstverlag, 1992. ISBN 3-870-71061-6
* SS. Patriarchae Benedicti Familiae Confoederatae: Catalogus Monasteriorum O.S.B., Editio XIX 2000. Centro Studi S. Anselmo, Rom 2000.
* Peter Dinzelbacher, James Lester Hogg (Hrsg.): Kulturgeschichte der christlichen Orden in Einzeldarstellungen. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1997. ISBN 3-520-45001-1
* Karl Suso Frank: "Geschichte des christlichen Mönchtums". Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 5. verbesserte und ergänzte Aufl. 1993
Weblinks
*
*
• Benediktiner im deutschen Sprachraum
• Website der Benediktinischen Konföderation mit Atlas aller weltweit bestehenden Benediktiner- und Benediktinerinnenklöster
• Die Regel des Heiligen Benedikt
• Die Regel des Heiligen Benedikt (lateinischer Originaltext, .pdf-Datei)
• Audio-Beiträge des Deutschlandfunks
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Siehe auch: Benedikt-Medaille

