Benedikt Weibel
Benedikt Weibel (15. Oktober 1946 in Thun) ist ein Schweizer Manager. Von 1993 bis 2006 war er Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen_Bundesbahnen_(SBB) und damit deren CEO.
Karriere
Benedikt Weibel wuchs in Solothurn auf, wo er die Matura absolvierte. Danach studierte er Betriebswirtschaft an der Universität Bern. Zwischen 1971 und 1975 war er als Assistent am Betriebswirtschaftlichen Institut der Uni Bern tätig. 1975 erfolgte sein Wechsel zu den SBB als Sekretär des damaligen Präsidenten der Generaldirektion, Roger Desponds. Mit der Ernennung zum SBB-Generalsekretär 1983 begann sein Aufstieg.
1986 wurde Weibel Direktor des Marketingbereichs Personenverkehr, 1990 Leiter des Departements Verkehr und auf den 1. Januar 1993 ernannte ihn der Bundesrat zum Chef der SBB. Seit der Umwandlung der Staatsbahn in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft des Bundes im Jahre 1999 führte er das Unternehmen als Vorsitzender der Geschäftsleitung. Auf den 31. Dezember 2006 trat er von diesem Posten ab. Sein Nachfolger wurde der 45-jährige Jurist Andreas Meyer, der Managementerfahrungen bei der Deutschen_Bahn gesammelt hat.
Neben seiner Tätigkeit als SBB-Chef präsidierte Weibel ab dem 1. Februar 2003 auch die europäische Union internationale des chemins de fer. Ab dem 1. Januar 2003 war er zudem Mitglied des Verwaltungsrats der französischen Staatsbahn SNCF. Er hat sich entschieden, nach seinem Rücktritt als Dozent an die Uni Bern zurückzukehren. Zudem wird er eine Koordinationsfunktion für die Euro_08 übernehmen.
Bilanz des SBB-Chefs
Unter Weibel wurden die SBB "marktfit" getrimmt und neue Leistungsaufträge bestimmt. Gleichzeitig stieg der Kostendruck, auf den die SBB mit Stellenkürzungen und Auslagerungen reagierten. Trotz Kritik von Gewerkschaftsseite wurde Weibels volksnahes Auftreten vom SBB-Personal sehr geschätzt.
Als problematisches Relikt aus der Zeit als Staatsbetrieb erwies sich die SBB-Pensionskasse: Ohne Schwankungsreserve vom Bund ausgegliedert, konnte diese bisher noch nicht saniert werden.
In den 14 Jahren der Ära Weibel konnten die SBB das Angebot beträchtlich erweitern, nicht zuletzt auch durch die Einführung der Bahn 2000 am 12. Dezember 2004, als der grösste Fahrplanwechsel der Schweizer Bahngeschichte reibungslos ablief.
Weniger reibungslos verlief hingegen die Strompanne des 22. Juni 2005. In den Abendstunden dieses Sommertags standen in der ganzen Schweiz 2000 Züge still und rund 200'000 Reisende waren blockiert. Bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert hatte, dauerte es Tage und der Schaden für die SBB belief sich auf 5 Mio. Fr. Es sei ihm "unendlich peinlich", sagte Benedikt Weibel nach dem Blackout. Der Vorfall hatte für ihn keine Konsequenzen und auch seine Popularität litt nicht darunter, obwohl ein interner Bericht sowie eine deutsche Consultingfirma den SBB übereinstimmend mangelndes Risikomanagement vorwarfen.
Als schwierigstes Jahr unter seiner Führung bezeichnete Weibel aber stets 1994: Am 21. März 1994 werden bei einem Zugsunglück in Däniken neun Menschen getötet und 19 weitere verletzt. Die Explosion eines Benzinzuges im zürcherischen Affoltern sowie ein Chemieunfall im Bahnhof von Lausanne machen für Weibel dieses Jahr zum schwärzesten in seiner Karriere. Er ordnet darauf ein umfangreiches Sicherheitsprogramm für die gesamte Unternehmung an.
Zur Person
Weibel ist verheiratet, Vater dreier erwachsener Kinder und wohnt in der Nähe von Bern. Er ist begeisterter Hobbysportler (u. a. Bergsteigen mit Bergführerpatent, Velofahren, Joggen und Nordic Walking), weshalb er seinen Rücktritt unter anderem damit begründete, dass man als Sportler noch im Vollbesitz seiner Kräfte aufhören sollte. Er ist Mitglied der Sozialdemokratischen_Partei_der_Schweiz, die bei der Beschäftigungspolitik der SBB oft nicht die gleiche Position wie Weibel vertrat.
Quelle
• swissinfo, 25. Februar 2006 sowie andere Presseberichte
Literatur
* Christian Dorer / Patrik Müller, Der rote Boss - Die Benedikt-Weibel-Story, Orell Füssli Verlag Zürich 2006, ISBN 3-280-05190-8

