Bell (bei Mendig)
Bell bei Mendig in der Eifel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz und gehört zur Verbandsgemeinde Mendig.
Seit dem 19. Jahrhundert sind die Beller für ihren Backofenbau weit über nationale Grenzen hin berühmt.
Geschichte
Namensursprung
Bell wird als "Belle" in der Stiftungsurkunde des Klosters Laach 1093 erstmals erwähnt.[http://www.rlb.de/mrHist/91-3152-som/2.445.html Mittelrheinisches Urkundenbuch]
Welche Bedeutung der Ortsname Bell hat, lässt sich wegen mangelnder Quellen nicht mehr rekonstruieren. Einerseits könnte die idyllische Umgebung und somit eine Ableitung aus dem Französischen (franz. la belle = die Schöne) ausschlaggebend sein, andererseits existiert jedoch auch die Sage eines schönen Mädchens ("Bella"), die als einen von drei Erbteilen neben ihren beiden Brüdern, denen Ober- und Niedermendig zugesprochen wurde, die Liegenschaften von Bell zugewiesen bekam. Auszuschließen ist jedoch eine Ableitung aus dem Englischen (engl. bell = Glocke) oder gar dem Latein (lat. bellum = Krieg).
Wahrscheinlicher ist es, dass der Name dem Keltischen entspringt, was dann "Ort auf der Höhe" bedeuten würde. Durch die geographische Lage Bells scheint diese Vermutung am schlüssigsten. Allerdings müsste der Name dann schon wesentlich älter sein als die erste Erwähnung, da die Kelten im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus die Eifelregion - und explizit auch die Gegend um Bell - besiedelten, was spätere Funde belegen.
= Der zweite_Weltkrieg
=Kurz vor dem Ende des Krieges 1945 wurde Bell von alliierten Bombern angegriffen, wobei der Glockenturm der neuen Kirche zerstört und ein großer Teil des Schiffes beschädigt wurde.
Wappenbeschreibung
Das heutige Gemeindewappen ist erst 1983 zum offiziellen Wappen der Gemeinde Bell erhoben worden. Die offizielle Beschreibung des Wappens lautet: "In silbernem Schild im Schildhaupt ein angeschobener, durchgehender, dreilätziger blauer Turnierkragen, darunter 3 (2:1) schrägrechts rote Hämmer." Genehmigungsurkunde der Bezirksregierung Koblenz. 04. Aug. 1983
Historisch geht das Wappen auf das Wappen des ersten für Bell urkundlich erwähnten Adelsgeschlecht derer zu Kolve zurück, welche die drei roten Hämmer auf silbernem Grund in diesem führten. Dies wiederum rührt daher, dass sie Nachfahren derer von Hammerstein auf Burg Hammerstein bei Neuwied waren. Eine Überlieferung aus dem Jahre 1336 des Siegels Hermanns von Bell ist Grundlage für die heutige Gestaltung des Wappens.
Der Volksmund assoziert die drei roten Hämmer auch mit den Werkzeugen der Backofenbauer in Verbindung, was aufgrund der Dorfgeschichte naheliegend ist.
Städte-/Gemeindepartnerschaften
Eine offizielle Partnerschaft besteht nicht, jedoch ist man der Gemeinde Bell im Hunsrück aufgrund der Namensgleichheit sehr verbunden. Gegenseitige Besuche von Vereinen oder zu Veranstaltungen finden immer wieder großen Anklang auf beiden Seiten.
Die politische Entwicklung nach 1945
Gemeinderat
Der Gemeinderat setzt sich aus 16 Mandaten zusammen, welche derzeit von 4 Fraktionen gestellt werden. Stärkste Fraktion ist die CDU mit 9 Sitzen, gefolgt von der SPD mit 3 Sitzen und mit jeweils 2 Sitzen von der Wählergruppe Bell und der Wählergruppe Zepp.
weitere politische Gremien
Des Weiteren gibt es 4 Ausschüsse:
* Haupt- und Finanzausschuss (16 Mitglieder)
* Bau-, Friedhofs- und Liegenschaftsausschuss (16 Mitglieder)
* Rechnungsprüfungsausschuss (16 Mitglieder)
* Umlegungsausschuss (10 Mitglieder)
Bürgermeister der Gemeinde Bell
* 1850 - 1853 Josef C. Bayen
* 1853 - 1854 Peter Scheuren
* 1854 - 1870 Joh. Jos. Ackermann
* 1870 - 1877 Anton Bast
* 1877 - 1893 Joh. Schneider
* 1894 - 1905 Jak. Daub
* 1905 - 1919 Peter Jos. Scharnbach
* 1919 - 1923 Jak. Jos. Scheuren
* 1923 - 1924 Joh. Jos. Schneider
* 1924 - 1930 Jak. Jos. Scheuren
* 1930 - 1933 Joh. Jos. Zepp
* 1933 - 1941 Joh. Jos. Schneider
* 1941 - 1945 Wilhelm Füllenbach (Vertr. während seiner Soldatenzeit: Peter Wilkes)
* 1945 - 1946 Hyronimus Scheuren und Christian Bous (Beauftragte der Besatzer)
* 1946 - 1951 Karl Bell
* 1951 - 1964 Wilhelm Thelen
* 1964 - 1974 Herbert Schlich
* 1974 - 1979 Alfons Genn
* 1979 - ....... Bernd Merkler
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Beller Platt und "Läppe Tallep"
Der Beller Dialekt, das Beller Platt ist bis in die Nachkriegsjahre hinein von fast allen Bürgern des Dorfes einheitlich gesprochen worden. Durch verschiedene Faktoren hat der Gebrauch des Beller Platts jedoch stark abgenommen. Der langjährige Dorfchronist von Bell, Karl Schneider, führt dies in seinem der Beller Mundart gewidmeten Wörterbuch auf drei wesentliche Faktoren zurück:
* Verlust der bäuerlichen Prägung des Dorfes
* Durchmischung der Bevölkerung durch Zuzug vieler Neubürger (Flüchtlinge und Neubaugebiete)
* Höheres Ausbildungsangebot durch den wirtschaftlichen Aufschwung und der damit verbundene Glaube vieler Eltern, dass sie die Spracherziehung ihrer Kinder hochdeutsch und nicht dialektal gestalten sollten Karl Schneider: Beller Platt und Läppe Tallep. S. 7
Durch lange Besatzungszeiten der Franzosen der Rheinlande ist der Beller Dialekt - wie andere Dialekte des Rheinlandes - stark von der französischen Sprache beeinflußt.
Ebenso ist der Dialekt von vielen eigenen Begriffen, die meist mit dem Backofenbau zu tun haben, durchzogen, jedoch verschwanden diese Begriffe weitestgehend aus dem Sprachgebrauch, da in den 50er/60er Jahren des 20. Jahrhunderts die Tuffsteinöfen durch moderne Stahlöfen ersetzt wurden und somit die handwerklichen Ausdrücke nicht mehr benötigt wurden.
Eine Besonderheit des Dialektes ist das sogenannte "Läppe Tallep", welches eine Geheimsprache des Dorfes ist. Dadurch, dass die Backofenbauer oftmals lange Zeit in fremden Bäckersfamilien lebten, um dort einen Ofen zu errichten, entwickelten sie eine eigene Sprache, um sich ungehört vom Auftraggeber unterhalten zu können. Das Prinzip des "Lepper Tallep" besteht darin, dass ausgehend vom Beller Platt einzelne Silben oder Wörter rückwärts ausgesprochen wurden.
Durch den Rückgang des Backofenhandwerks wird diese Form des Beller Platts jedoch nicht mehr gesprochen und nur noch wenige Bürger des Dorfes beherrschen die korrekte Anwendung.
Zum Erhalt beider Sprachformen wurde 1996 von Karl Schneider ein eigenes Wörterbuch mit einer dem Buch entsprechenden Kassette herausgegeben um die Beller Mundart der Nachwelt zu erhalten.
Sehenswürdigkeiten
Im Ortkern von Bell finden sich noch viele alte Bauten aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, die zum Teil unverputzt sind, so dass das Mauerwerk aus Lava- und Tuffstein zu sehen ist. Auch findet man vereinzelt sehr altes Fachwerk. Immer wieder mussten jedoch alte Bauten zugunsten verschiedener Erneuerungen weichen, was besonders am Beispiel des Ausbaus der L82 seit 1977 und diversen Erweiterungen der Hauptstraße zu sehen ist.
Auch sind viele der unten genannten Einzelbauten immer wieder erweitert, saniert oder komplett neu errichtet worden, so dass man sagen kann, dass Bell, trotz einiger alter baulichen Elemente, doch in einem ständigen Prozess war und weiterhin ist, wie der jüngste Umbau des Vorplatzes der alten Schule zeigt.
= Gemeindehaus
=Auf dem ehemaligen Gelände des Laacher Hofs, der in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde, steht heute die Gemeindehalle von Bell.
Ende der Siebzieger Jahre wurde der Ruf nach einem Bürgerhaus in der Gemeinde laut, da bis zu dieser Zeit alle Veranstaltungen in den großen privaten Sälen stattfinden mussten. Als dann im Jahre 1978 der Karneval aufgrund der Tatsache, dass man keine Räumlichkeiten für die Veranstaltung finden konnte, ausfallen musste, war nun die Notwendigkeit eines solchen Baus allen bewußt.
Noch unter Bürgermeister Genn wurde unabhängig davon in dem selben Jahr der 1931 erbaute Torbogen des Hummeshofes eingerissen, nachdem in den 1970er Jahren schon das Hauptgebäude abgerissen wurde und Bell somit eines seiner wohl ältesten Gebäude verlor.
Nach dem Regierungswechsel 1979 wurden unter Bürgermeister Merkler die Planungen für ein Gemeindehaus nun vorangetrieben. Diese stießen allerdings zuerst auf starke Kritik innerhalb der Bevölkerung, da man hohe Kosten, die Zerstörung des Dorfbildes und eine erhöhte Lärmbelästigung befürchtete.
Im Jahre 1981 wurde die Finanzierung des Baus sichergestellt und es konnte mit dem Bauvorhaben, das auf 1,16 Mio. geschätzt wurde und letztendlich auch nicht wesentlich mehr kostete, begonnen werden. Allerdings mussten vorab noch Gebäude und Einfriedungen abgerissen werden und das Baugelände begradigt werden. An den Kosten für den Bau, der überwiegend von ortsansässigen Firmen durchgeführt wurde, beteiligten sich auch das Land Rheinland-Pfalz und der Landkreis Mayen-Koblenz.
Am 15. Juli 1983 konnte dann das neu errichtete Gemeindehaus im Rahmen der Kirmes feierlich eingeweiht werden. Seither wird es zu verschiedenen Veranstaltungen und privaten Feierlichkeiten von den Bellern genutzt.
Im Obergeschoss befindet sich eine Mehrzweckhalle, die sowohl Raum für Sport- als auch Festveranstaltungen bietet. Im Untergeschoss sind die Gemeindebüros als auch das Sitzungszimmer, welches ebenfalls zu kleineren Feierlichkeiten genutzt wird und gleichfalls Wahlbüro ist, sowie eine Großküche untergracht.
1992 wurde auf dem Kirmesplatz direkt neben bem Gemeindehaus von der Firma Karl Heuft zu ihrem 150-jährigen Bestehen ein Backofen errichtet, welcher später durch die Gemeinde mit einem ihn umgebenden Backeshauses ("de Backes") erweitert wurde und seither vor allem zur Kirmes und zum Backesfest genutzt wird.
2001 wurde die Halle dann durch den Ausbau des Eingangsbereichs vergrößert und präsentiert sich seitdem in ihrer heutigen Form.
= Alte Kirche
== Pfarrkirche St. Florinus
== Burg Bell
=Die Burg Bell (auch "de Buursch") ist ein Gutshof am südöstlichen Ortsausgang, der aus einem Burghaus im Osten und um einen Hof herum im Osten, Süden und Westen errichteten Wirtschaftsgebäuden besteht und von dem Bellerbach im Norden begrenzt wird.
Erstmalig wird 1267 ein auf Laacher Boden errichtetes "castellum" urkundlich erwähnt, welches in selbigem als Lehen den Herren zu Kolve zu Bell gegeben wurde. "Burg und Hus zu Belle" wurden dann unter dem Segen der Laacher 1336 dem Erzbischof Balduin von Trier übereignet. 1400 dann wurde das Gut schließlich aufgrund eines Streits zwischen der Stadt Mayen und dem Ritter Rullmann von Bell verbrannt und abgerissen. Über die Architektur des ursprünglichen Baus lässt sich nur spekulieren, da hierzu keinerlei Dokumente erhalten sind. Weiterhin geht man davon aus, dass auf den Abriss des der Fehde zum Opfer gefallenen Gebäudes ein sofortiger Wiederaufbau erfolgte.
Auch die Entstehung des heute noch erhaltenen Bruchsteinbaus ist unbekannt. Man weiß jedoch, dass das Burghaus im Jahre 1673 durch die Franzosen zerstört wurde und geht davon aus, dass sich die in den Basalttürbogen eingemeißelte Jahreszahl 1726 auf den Wiederaufbaus dieses Schadens bezieht.
Auf dem Keilstein der südöstlichen Tür befindet sich eine weitere Jahreszahl 1772, welche als Datierung für den südlichen Anbau gelten könnte, durch den eben auch diese zweite Türe zu erklären wäre.
In den Jahren 1878/79 wurde dann das Burghaus erneut unter der Familie von Brewer umgebaut. Deren Familienwappen befindet sich auch über dem Keilstein der südöstlichen Türe und es ist belegt, dass seit der Hochzeit von Karl-Josef von Brewer aus Niederlahnstein mit der Erbtochter Anna-Maria von Krümmel vom Burghof dieser in den Bezitz der von Brewers überging.
Bis 1862 beherbergte die Burg auch den Verwaltungssitz in Bell, wurde dann jedoch durch das neue Verwaltungsgebäude für die Bürgermeisterei St. Johann in der Hauptstraße abgelöst.
Mit dem Tod des letzte Burgbesitzers Franz-Xaver von Brewer am 9. Juni 1974 stirbt die Linie der von Brewers aus und die Burg wird 1976 von deren Erben an die Familie Merkt verkauft, in deren Besitzung sie sich noch heute befindet.
Heute wird ein Teil der alten Gebäude von einem im Dorf ansässigen Getränkebetrieb als Lager- und Verkaufsfläche genutzt. Ebenso veranstaltet der Junggesellenverein im alten Burghof jährlich sein Junggesellenfest.
= Hummeshof
== Gänsehalsturm
=Den Gänsehalsturm (auch "Jänshals") gibt es in Bell gleich zweimal.
Der ältere Turm wurde 1889/90 in 577 m Höhe vom "Jagdclub Gänsehals" auf Anregen von Lehrer Virgil Müller erbaut. Der Turm, der aus Tuffquadern besteht, hat eine Seitenlänge von 3,90 m und ist 9,20 m hoch. Ein zweiter Baukörper beträgt in seiner Länge 5,10 m Seitenlänge und ist 6,20 m hoch.
Man geht davon aus, dass der Bau vom "Eifelverein" unterstützt wurde, da der Jagdclub seinerzeit diesem angebunden war und notariell nachvollzogen werden kann, dass das Grundstück 1895 von Wilhelm Ackermann an Adolf Dronke, den damaligen Vorsitzenden des Eifelvereins, geschenkt wurde.
Dies wird weiterhin durch die Tatsache untermauert, dass der Jagdclub wohl Liquiditätsprobleme hatte und der Eifelverein den Turm 1899 mit einer Restschuld von 1750 Mark übernahm.
Der Eifelverein verkaufte den Turm 1927 dann an den "Skiclub Koblenz", der diesen dann "Dr.-Görgen-Hütte" nennt und acht Jahre später 1935 an Albert Haas aus Köln weiterverkauft, welcher ihn dann 1940 an Wilhelm Cruse aus Koblenz, Georg Ackerknecht aus Wiesbaden und einen Herrn Eckhold veräußert.
Da der Turm während der Kriegsjahre und noch einige Zeit danach nicht beaufsichtigt wurde, war er stark beschädigt und durch die herausgerissenen Türen und Fenster frei begehbar, was sich die Bevölkerung der Umgebung zu Nutze machte um den Ausblick von ihm zu genießen.
1960 schließlich kauft Herr Cruse die beiden Teile seiner Mitbesitzer an und baut den Turm zu einem Wochenendhaus um. Seither ist er nicht mehr öffentlich zugänglich.
Im Jahre 1976 wurde dann von der RWE etwa 50 m westlich vom alten Turm ein neuer Turm erbaut. An diesem 74 m hohen Richtfunkturm befindet sich in 24 m Höhe eine separate Panoramaplattform, welche öffentlich zugänglich ist.
Der Turm, der direkt an einem Landwirtschaftsweg zwischen Bell und Rieden steht, ist seither beliebtes Anlaufziel für Wanderer und Naturliebhaber, die den herrlichen Rundumblick auf die Eifel und die Pellenz genießen möchten. Bei gutem Wetter kann man über den Rhein hinweg die Erhebungen des Westerwalds und manchmal sogar mit Hilfe eines Fernglases die Türme des Kölner Doms sehen.
= "Beller Jääß"
=Am 12. Juli 1985 wurde hinter dem Gemeindehaus durch den Bürgermeister ein Brunnen mit einer in Sprunghaltung befindlichen Ziege aus Bronzeblech auf einem Lavastein eingeweiht. Bei dieser Ziege handelt es sich um die "Beller Jääß" (Beller Ziege).
Die Ziege etablierte sich im Laufe der Zeiten als eine Art Sinnbild für Bell, da bis nach Ende des zweiten_Weltkriegs die Ziege (als Ersatz für die kostenaufwendigeren Kühe) eines der verbreitetsten Haus- und Zuchttiere in der Gemeinde war, wovon auch viele Erwähnungen in diversen Anekdoten des Dorfes zeugen.
So wurden die Beller Bürger mit der Zeit von Bürgern umliegender Dörfer "Beller Jääße" genannt, denn es war nicht unüblich in der Region den Bürgern der Nachbardörfer Spitznamen zu verpassen. So nannte man im Gegenzug die Bürger von Obermendig beispielsweise "Wasserköpp" (Wasserköpfe/Dickschädel) und die Ettringer waren "Besemsmäche" (Besenbinder).
Da der Name in der Bevölkerung sehr beliebt war, benannte sich die Möhnengesellschaft bei ihrer Gründung im Jahre 1948 nach eben diesem Sinntier des Dorfes.
= Hasenbrunnen
=Der Hasenbrunnen (auch "Häessesebuhr") liegt an der Brunnenstraße und ist die Quelle des Bellerbachs, der Richtung Mendig fließt. Das Datum der Ersterrichtung, seinerzeit mit zwei Basaltbecken, ist unbekannt. Im Jahre 1968 wurde er komplett neu gestaltet - sehr zu seinem Nachteil, da nun Beton das wesentliche Element war. Nach einer erneuten Umgestaltung 1987 wurde er in seinem heutigen Zustand eingeweiht.
In den Brunnenstein sind getreu des Namens Hasen eingemeißelt. Aus diesem Stein fließt das Wasser zuerst durch zwei Becken und wird dann nach einem kleinen Wasserfall zusammen mit einem weiteren Auslauf in den Bellerbach geleitet.
Der Brunnen hat vielen Generationen als Trinkwasserquelle, Waschstätte oder auch einfach zur Erholung gedient und auch heute noch gibt es einige Bürger, die auf den besonderen Geschmack des Wassers schwören und sich regelmäßig dort mit selbigem versorgen.
= Erlenbrunnen
=Der Erlenbrunnen (auch "Erlebuhr", "Saurebuhr" oder "Eedel" (nach einem Steinbruch in der Nähe) genannt) liegt zwischen Bell und Mendig und wurde 1809 erbaut. Er wird von Bellern gerne als Rastplatz auf dem Fußweg nach Mendig genutzt. Allerdings ist durch die Lage - zumindest im Volksdenken - nicht klar, welcher Gemeinde denn nun dieser Brunnen gehöre. Da der Brunnen jedoch zwei Ausläufe besitzt, hat sich der Volksmund mit der Zeit angewöhnt den oberen Auslauf Bell und den unteren Mendig zuzusprechen, was zur Folge hat, dass man als Beller gerne einmal (scherzhaft) kritisch beäugt wird, wenn man aus dem "Mennije Buhr" trinkt.
In den Jahren 1931, 1964 und 1988 wurde der Erlenbrunnen jeweils renoviert und Vereine beider Gemeinden kümmern sich um den Erhalt des Brunnens.
= Schaubackofen
=Im Sommer des Jahres 1989 wurde an der Ecke Wehrerstraße - Gänsehalsstraße von einigen traditionellen Backofenbauern ein Schaubackofen errichtet, welcher den Besuchern des Dorfes einen Einblick in die lange Tradition des Backofenbaus gibt.
Zum Backen allerdings ist dieser Ofen nicht geeignet, da eine Seite durch ein Schaufenster ersetzt ist, um einen Blick in das Innere zu gewähren. Dort sind neben Informationstafeln auch Gerätschaften der Backofenbauer ausgestellt.
Direkt vor dem Backofen wurde am 2. Januar 1993 mit der Enthüllung der Statue des Backofenbauers das Jahr der 900-Jahr-Feier eingeläutet. Diese aus Basalt gehauene Figur stellt einen mit typischen Werkzeugen ausgestatteten Backofenbauer auf Wanderschaft dar und ist schnell zu einem weiteren Wahrzeichen Bells geworden.
= Alte Schule
=Die Alte Schule (auch "de ahl Schull") ist eigentlich das jüngste von drei Gebäuden, die in Bell als Schule genutzt wurden. Im Jahre 1789 wurde erstmalig ein Schulgebäude errichtet, welches alten Berichten zufolge an der Ecke Kichgasse - Hauptstraße gestanden haben muss. Dieses wurde jedoch 1797 wieder verkauft und es wurde direkt neben dem alten ein neues Schulhaus gebaut, welches neben einem Schulsaal im ersten Stock die Lehrerwohnung im Erdgeschoss beherbergte.
Aufgrund der Bevölkerungszunahme entschloss man sich im Jahre 1825 eine größere Schule zu bauen. Dieser Bau, der heute als Alte Schule bekannt ist, wurde noch vor dem Jahre 1826 von Johann Claudius von Lassaulx fertig gestellt und in einer zweiten Bauphase 1844 erweitert.
Nachdem 1967 schon die Klassenstufen 7 und 8 und 1970 dann auch die 5. und 6. Klasse nach Mendig verlegt wurden, wurde 1974 schließlich auch die Grundschule geschlossen und Bell verlor somit seinen etwa 300-jährigen Schulbetrieb und die Beller Schüler mussten vortan zum Unterricht ins benachbarte Mendig.
1983 wurde das Gebäude dann durch das Landesdenkmalamt unter Denkmalschutz gestellt und vorangegangene Abrisspläne der Gemeinde wurden verworfen und es wurde 1986 ein Umbau beschlossen.
1987 wurde das Gebäude sowohl innen als auch außen vollständig renoviert und es wurde durch einen Anbau erweitert. Seitdem befinden sich im Obergeschoss Vereinsräume und im durch den Anbau erweiterten Erdgeschoss ist der Kindergarten untergebracht.
= Kapellen
=Neben dem Altarraum der alten Kirche, der heute ebenfalls als Kapelle genutzt wird, befinden sich in Bell drei weitere Kapellen.
Am ehemaligen nördlichen Dorfausgang an der Kreuzung Nippesstraße - Wehrer Straße wurde im Jahr 1960 die Marienkapelle (auch Johanneskapelle) errichtet, welche im Jahr 1983 renoviert wurde. Zuvor hatte dort schon einmal eine Kapelle gestanden, die jedoch aufgrund von Straßenarbeiten abgerissen werden musste. Diese 1846 erbaute Kapelle war dort an der Stelle errichtet worden, an der zuvor ein altes Kreuz gestanden hatte, welches an eine Sage erinnerte, in der ein Mann namens Jean von Räubern überfallen schwört, an der Stelle, an der er den nächsten Ort erreicht und somit gerettet sei, eine Kapelle errichten wolle, wodurch sich auch die Bezeichnung Johanneskapelle erklärt.
Die im 19. Jahrhundert errichtete Dreifaltigkeitskapelle stand bis in die 1940er Jahre an der Ecke Gänsehalsstraße - Hauptstraße und musste dann abgerissen werden, da der Straßenverkehr sie sehr in Mitleidenschaft gezogen hatte. Etwa 100 Meter des ursprünglichen Standortes wurde dann 1950/51 eine neue Kapelle an der Hauptstraße in Richtung Mayen erbaut, die ebenfalls 1983 renoviert wurde.
Am östlichen Dorfausgang Richtung Mendig an der Kreuzung Tanzbergstraße - Hauptstraße steht die Josephskapelle. Auch hierbei handelt es sich nicht um die erste Kapelle an diesem Ort. Anfang des 19. Jahrhunderts stand dort das "Schanken-Heiligenhäuschen", das 1837 aufgrund seines baufälligen Zustandes abgerissen und neugebaut wurde. Doch auch diese Kapelle musste dann im Jahre 1968 wegen einer Straßenerweiterung weichen und wurde ein wenig versetzt neu errichtet.
= Waldplatz
=Der Waldplatz (auch alter Schützenplatz) besteht aus zwei ehemaligen Freiluft-Schießanlangen, einem separaten WC-Gebäude und einer Grillhütte mit großem Clubraum. Er wurde 1956 vom Schützenverein als Schützenplatz angelegt und parallel dazu wurde von der Gemeinde der Waldplatz gestaltet. Nachdem die Schützen 1990 in das neu errichtete Schützenhaus überwechselten, wurden die Schießstände nicht mehr genutzt. Nach einem Brand, bei dem die alte Hütte fast vollständig abbrannte, wurde sie im Zuge des Wiederaufbaus direkt vergrößert und die Toilettenanlage behindertengerecht gestaltet.
Der Waldplatz ist heute ein sehr beliebter Platz für die Austragung von privaten als auch Vereinsfeierlichkeiten. Durch den Grillplatz ist er gerade in den Sommermonaten fast jedes Wochenende belegt.
= Sportplatz
=Der Sportplatz wurde 1926 nach einer Rodung des Geländes in Handarbeit angelegt, wurde 1972 ausgebaut und 1991/92 generalrenoviert. Neben einem Tennenbelag, 100-m-Bahnen, Sprunggrube und Kugelstoßring ist ein Sportplatzhaus vorhanden, in dem WCs, Duschen, Umkleidekabinen sowie ein Clubraum untergebracht sind.
= Schützenhalle
=Die Schützenhalle wurde 1990 weitestgehend im Eigenbau der Schützen in der Gemarkung "Boderbank" nordwestlich von Bell errichtet. Zuvor hatten die Schützen den alten Schützenplatz (Waldplatz) genutzt.
Die neue Halle enthält zehn 10-Meter Luftgewehrstände, sowie zehn 50-Meter Kleinkaliberstände
Die Halle wird nicht nur von den Schützen genutzt sondern kann auch zum Zwecke privater Feiern angemietet werden.
= Naturkundemuseum Maria Laach
=Das Naturkundemuseum Maria Laach ist mit einer Fläche von etwa 1000 m² Deutschlands größtest Naturkundemuseum. Es befindet sich im Naturschutzgebiet Laacher See und gehört somit zu Maria Laach.
Auf zwei Stockwerken werden ca. 400 Präparate in naturgetreuen Dioramen nachgebildet und ausgestellt. Das Museum ist bedacht, den jährlich rund 30.000 Besuchern (darunter viele Schulklassen) nicht nur die einheimische Flora und Fauna zu präsentieren, sondern auch ökologische Zusammenhänge und die Notwenidigkeit des Arten- und Biotopschutzes näher zu bringen.
Das Gebäude wurde 1951-53 von den Laacher Mönchen als Exerzitienheim gebaut und wurde bis 1980 als Schulungs- und Tagungsstätte genutzt. Nach der Schließung des Hauses im Jahre 1980 stand das Gebäude in den folgenden vier Jahren leer.
1984 pachteten Tierpräparator Klaus Ullenbruch sen. aus Bell das Anwesen und nach zweijährigem Umbau wurde im Sommer 1986 das Museum eröffnet. Seitdem ist es immer weiter ausgebaut und erweitert worden, so beispielsweise durch die Einrichtung eines Terrariums in einem Gebäudeflügel in den Jahren 1996/97, welches dann im August 1997 eröffnet werden konnte. 1998 wurde ein Seminarraum eingerichtet, dessen Laborausstattung eine Leihgabe des SchUR-Projekts Rheinland Pfalz ist.
Es ist eine vom "Naturschutz Östliche Vordereifel gGmbH" getragene gemeinnützige Einrichtung und wird als Familienbetrieb der Familie Ullenbruch geführt.
Vereinsleben
Die Gemeinde Bell verfügt über ein abwechslungsreiches Vereinsleben, welches sich durchaus sehen lassen kann. Für jeden Bürger ist etwas dabei, sei es Sport, Musik, Heimatverbundenheit, Erhaltung alter Traditionen oder einfach das gesellige Beisammensein. Die Vereine gestalten das Dorfleben durch verschiedene Feste aktiv mit und sorgen somit für einen abwechslungsreichen Jahresablauf.
Feste und Bräuche
Ein besonderes Fest im Dorf ist seit 1949 das Hahnenköpfen am Kirmessonntag, dessen Ausrichter der Kath. Junggesellenverein ist, der auch einen Tag zuvor, am Kirmessamstag und am Vorabend zum 1. Mai mit Hilfe des Musikvereins oder des Spielmannzuges den Kirmes- bzw. Maibaum aufstellt.
Auch das jährliche Backesfest des Spielmannszuges hat mittlerweile Traditionscharakter erreicht. In einem Steinbackofen wird auf dem Kirmesplatz Brot nach alten Rezepten zubereitet und verkauft.
Jedes Jahr an Pfingsten unternimmt die FFW Bell eine größere Wanderung mit Mitgliedern in die nähere und weitere Umgebung.
Der "St. Hubertus" Schützenverein ermittelt seit etlichen Jahren an Fronleichnam seinen Adler- und Scheibenkönig, die Abends mit Musikbegleitung vom eigenem Hause abgeholt und zur Schützenhalle geleitet werden. Auch ein Vereinspokalschießen wird seit 20 Jahren jährlich mit den Beller Vereinen durchgeführt.
Der Bauernverein hält seit Jahrzehnten sein Erntedankfest im Oktober ab. Landfrauen beteiligen sich mit einem reichhaltigen Küchenangebot und für die Unterhaltund des Festes ist stehts der Musikverein mit passender Musik zur Stelle.
Wirtschaft und Infrastruktur
Öffentliche Einrichtungen
In einem Zimmer des Stockwerkes über dem Kindergarten (alte Schule) wurde ein Jugendtreff eingerichtet, der jeden Donnerstagabend offen ist.
= Kindergarten
=Seit den 50er Jahren wurde immer wieder angeregt, einen Kindergarten in Bell einzurichten, was jedoch lange Zeit aufgrund mangelnden Bedarfs immer wieder als nicht notwendig angesehen wurde. Zur Debatte stand vor ihrem Abriss unter anderem die alte Kirche, die ja schon als Landheim gedient hatte, jedoch wurde diese Idee ebenfalls verworfen.
In den 70er Jahren kam das Thema dann erneut auf, jedoch sah man immer noch keinen Handlungsbedarf. Somit gingen die Kinder Anfang der 80er Jahre in die benachbarten Kindergärten von Ettringen und Mendig und man hatte einen eigenen Busverkehr für diesen Zweck eingerichtet.
Im Zuge des Umbaus der alten Schule, in den Jahren 1986/87 wurden dort in einem Anbau Räumlichkeiten für einen Kindergarten gebaut. Dieser wurde dann im September 1987 eingewiehen.
Seitdem hat Bell einen eigenen Kindergarten, der mittlerweile drei Gruppen besitzt und teilweise auch Kinder benachbarter Ortschaften aufnimmt.
= Schulen
=Seit der Schließung der Schule in Bell im Jahre 1974 hat Bell keine eigene Schule mehr.
Die Schüler der Klassen 1 bis 4 gehen nun nach Mendig in die Pfarrer-Bechtel-Grundschule.
Weiterführende Schulen in deren Einzugsbereich Bell liegt sind:
* in Mendig:
** die Hauptschule "Geschwister Scholl"
** die Hermann-Gmeiner-Realschule
* in Mayen:
** das Meginagymnasium
* in Andernach:
*Kurfürst-Salentin-Gymnasium
Ansässige Gewerbe
Indumontec GmbH,
Bau von Industrieanlagen, Montagen, und Technischer Service
im Bereich der Hütten und Walzwerkstechnik
Gewerbegebiet
Das Gewerbegebiet "Am Rothen Berg", welches mit einer Gesamtfläche von 5,87 ha am Ortsrand gelegen ist, hat eine direkte Anbindung an die Landesstraße L 82. Weiterhin sind Anbindungen an die A_61 und die B_412 sowie die [Bundesstraße 262|B 262]] (und somit auch an die A_48) schnell und gut erreichbar. Die nächstgelegenen Flughäfen sind Köln/Bonn und Frankfurt/Hahn, die nächsten Häfen befindet sich in Andernach und Koblenz, der nächste Containerbahnhof in Koblenz.
Literatur
* Gabriele von Fuchs: 900 Jahre Bell. Gemeindeverwaltung Bell, Bonn/Bell 1993.
* Karl Schneider: Beller Platt und Läppe Tallep. Druckerei Schmidgen, Bell/Wassenach 1996.
Weblinks
• Internetpräsenz der Ortsgemeinde Bell
• Bell auf mendig.de
• Naturkundemuseum Maria Laach

