Belecke
Belecke ist seit 1975 ein Ortsteil der Stadt Warstein im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen (Deutschland) mit 6.154 Einwohnern (Stand 1. Oktober 2005). Der Ort liegt zwischen dem Haarstrang im Norden und dem Sauerland im Süden an der Möhne. Der Ort ist Standort der einzigen Warsteiner Realschule. Das Zentrum des Orts befindet sich auf einer Höhe von 255 Metern über dem Meeresspiegel.
Geschichte
Für das Jahr 938 wird Belecke erstmals erwähnt (Nicht im Jahr 938, denn die historischen Autoren schreiben alle ca. 30 Jahre nach den Ereignissen des Jahres 938, zuerst wohl Hrotsvit (Roswitha von Gandersheim): Gesta Ottonis. Z. 181., wohl ca. 962-965). In diesem Jahr geriet Belecke für einen einzigen Tag in den Blick der Reichsgeschichte: 938 kam zu einem Bündnis verschiedener Adliger, die sich in ihren Rechten beschnitten sahen: Frankenherzog Eberhard, Wichmann d. Ä. und Thankmar - ein Halbbruder von Otto I. - verbündeten sich. Eberhard und Thankmar eroberten die Burg Belecke, in der sich Thankmars Halbbruder Heinrich (Bruder Ottos I.) aufhielt. Heinrich wurde gefangen genommen. Die Aufständischen zogen weiter zur Eresburg (Obermarsberg), die sie eroberten. Otto handelte nun entschlossen und schnell: Im Juli des Jahres 938 zog er mit einem Heer zur Eresburg. Die Besatzung erkannte die Übermacht der Belagerer und öffnete die Tore. Thankmar floh in die Peterskirche, wohin ihn das Heer verfolgte. Auf dem Altar der Kirche legte er seine Waffen und seine goldene Halskette ab - was wohl als Zeichen der Unterwerfung gedeutet werden darf. Dennoch wurde der Kampf bis in die Kirche hineingetragen - eine Ungeheuerlichkeit nach mittelalterlichem Verständnis - Thankmar schließlich durch einen Speerwurf getötet, der durch ein Fenster hinter dem Altar, also von außerhalb der Kirche, geführt wurde. Der Aufstand brach zusammen.
Diese frühen Erwähnungen Beleckes beziehen sich ausnahmslos auf eine Burg, die sicherlich auf dem heutigen Stadtberg, der Belecker Altstadt, als Spornbefestigung, gelegen hat. Daneben gibt es noch eine interessante Flurbezeichnung: Altenbelecke. Diese bezeichnet ein Gebiet am Nordrand des Möhnetals in idealer Siedlungslage: Im Quellbereich eines kleinen Baches (der Selbke), gegen Westwind geschützt, Südhang. Hier darf die ursprüngliche Siedlung Belecke/Baduliki vermutet werden.
(Nicht zu verwechseln mit der heutigen Silbkestraße am Silbkebach, der im Belecker Stadtwald entspringt.)
Belecke - in verschiedenen Namensformen überliefert (Baduliki, Badiliki,Badilikki, Patelecke, Badelecca) - erscheint in einigen wenigen Urkunden des hohen Mittelalters, interessanterweise gleich zweimal in der gefälschten Gründungsurkunde des Klosters Grafschaft, angeblich 1072 von Erzbischof Anno_II._von_Köln, einmal im Text der Urkunde (Badelecche, dann im Nachtrag von ca. 1200 (Badelike).
Am 12. Dezember 1296 verleiht Erzbischof Siegfried von Westerburg, Erzbischof von Köln, dem Ort Belecke Stadtrechte. Höchst wahrscheinlich wurden am gleichen Tag auch Stadtrechtsurkunden für die benachbarten Ortschaften Kallenhardt und Warstein ausgefertigt, die aber leider nicht erhalten sind. Siegfried ist im Spätherbst/Winter des Jahres 1296 nach Westfalen gereist, wo er Junggraf Wilhelm, den Erben der Grafschaft Arnsberg mit Beatrix, der Tochter des Grafenpaares Conrad und Mechtilde von Rietberg verheiratete. Die Stadtrechts-Urkunde, in Soest ausgestellt, liegt in einer späteren Abschrift vor. Zu einem Ausbau der Ortschaft ist es aber offensichtlich nicht gekommen. Erzbischof Siegfried stirbt am 7. April 1297, also nur gut drei Monate nach der ´Gründung´ der Stadt Belecke. Sein Nachfolger - Erzbischof Wikbold v. Holte (1297 ? 1304) - verfolgte andere politische Ziele. Erst der zweite Nachfolger Siegfrieds - Heinrich von Virneburg (1304/06 ? 1332) - nahm die territoriale Konsolidierungspolitik seines Vor-vorgängers wieder auf. In einer Urkunde von 1307 legt der Erzbischof fest, daß jetzt auf dem Berg die Stadt Belecke errichtet und befestigt werden solle.
Gedenkfeiern und Gottesdienste erinnern noch heute an den ?Sturmtag?. An diesem Tag 1448 wehrten die Belecker nämlich einen Angriff der Soester mit Erfolg ab. Beim letzten großen Stadtbrand brannten 2/3 der gesamten Stadt ab. Der Ort war Mitglied der Hanse. Trotzdem herrschte die Landwirtschaft vor, Handel und Handwerk gab es kaum. Wirtschaftlich aufwärts ging es 1911 als die Siepmann-Werke in Belecke eröffneten, in der Nachkriegszeit kamen andere Großunternehmen wie die AEG dazu. Bedingt durch die geschaffenen Arbeitsplätze verdreifachte sich die Einwohnerzahl von Belecke, auch durch den Zuzug vieler Gastarbeiter, vornehmlich aus Italien.
Durch die Kaiser-Heinrich Solequelle war Belecke bis in die 1960er Jahre Kurbad und hieß Bad Belecke. Die Quelle sprudelt nur noch recht gering. Das trinkbare Heilwasser ist aber immer noch für Jeden frei zugänglich im Quellenhäuschen vor dem historischen Bade-Gebäude gegenüber der mächtigen Külbensteine.
Seit der kommunalen Neuordnung 1975 ist Belecke der größte Ortsteil der Stadt Warstein. 2004 wurde eine Ortsumgehung fertig gestellt.
Sehenswürdigkeiten
zeigt.]]
*Bronzeplastik von der Belecker Stadtgeschichte: Anlässlich des 1050-jährigen Jubiläums des Ortes 1988 wurde am Sturmtag des folgenden Jahres die Plastik aufgestellt.
*Ehrenmal für die Kriegsopfer: Dieses Ehrenmal wurde bereits 1900, im Gedenken an die Opfer vorangegangener Kriege erstellt. 1919 wurden die Namen der Opfer des Ersten_Weltkriegs, 2002 die des Zweiten_Weltkriegs ergänzt. Das Denkmal zeigt den deutschen Kaiser Wilhelm_I..
*Stütings Mühle: Die Mühle wurde von 1307 bis 1963, ab 1813 von der Familie Stüting, als solche genutzt. 1994 wurde die Turbine überholt. Im Nachbargebäude (ehemals die Fruchtscheune) ist heute die Stadtbücherei untergebracht.
*Stadtmauer: Die alte Stadtmauer von Belecke wurde nach dem Brand größtenteils zum Bau von Kellern abgebaut, Teile sind aber noch heute sichtbar.
*Altstadt: Zwar wurden große Teile der Altstadt bei dem Brand zerstört, einige Gebäude, teilweise aus dem Jahr 1670 stehen aber noch heute an engen, verwinkelten Straßen. Die Neubauten nach dem Stadtbrand wurden an breiteren und rechtwinklig zueinander stehenden Straßen errichtet.
*Stadtmuseum ?Schatzkammer Propstei?: Auf dem Propsteiberge steht das einzige Museum im Ort. Ausstellungsthemen sind die Belecker Stadt- und Kirchengeschichte sowie kirchliche und liturgische Themen. Im östlichen Teil befindet sich zudem eine kleine, barocke Kapelle.
*Propsteikirche St. Pankratius: Als dreitürmige, gotische Kirche, wurde das Gotteshaus im 13. oder 14. Jahrhundert errichtet. Als einziger blieb der Westturm übrig, dessen Spitze nach einem Blitzeinschlag in der barocken Zeit erneuert werden musste. Der Rest der Kirche wurde von 1749 bis 1750 erbaut.
*Altes Rathaus: Das Rathaus wurde auch erst nach dem Brand erbaut, weil das damalige Rathaus, in dem auch die am Sturmtag erbeutete Soester Fahne gelagert wurde, von den Flammen zerstört wurde. Der barocke Neubau beherbergt heute u.a. eine Heimatstube.
*Christuskirche: Die evangelische Pfarrkirche wurde 1953 eingeweiht. Sechs Jahre später kam noch das Pfarrhaus und ein Jugendheim hinzu. Zum Belecker Pfarrbezirk gehören alle nördlichen Warsteiner Ortsteile und einige Rüthener Orte. 2003 wurde feierlich das 50-jährige Jubiläum begangen, momentan wird die Fassade renoviert.
*Heilig-Kreuz-Kirche: Diese katholische Kirche ist die jüngste des Ortes. Die in Kreuzform gebaute Kirche wurde erst 1961 eingeweiht.
*Haus Welschenbeck: Das Haus ist ein ehemaliger Adelssitz und bietet mit Teich und großem Gartengelände den landschaftlichen Höhepunkt Beleckes.
• Das Gebäude wurde 1934] errichtet, nachdem einige arbeitslose Musiker die Quelle erschlossen haben. Sie wurde schon im [[Mittelalter entdeckt, in der Mitte des 19. Jahrhunderts aber durch Straßenbauarbeiten wieder abgedeckt.
*Kreuzkapelle: Dieses Gotteshaus liegt außerhalb des Ortes und ist nach einem Wallfahrtskreuz, das heute in der Propsteikirche untergebracht ist, benannt. Im 17. Jahrhundert hatten hier Sterbenskranke die Möglichkeit an der ältesten Kapelle Beleckes zu beten. Das heutige Gebäude wurde 1724 errichtet.
*Külbensteine: Die Külbensteine waren eine große und markante Felsformation. Im 19. Jahrhundert wurden sie aber für den Straßenbau teilweise abgerissen, so dass sie mittlerweile nicht mehr so groß sind. In der Nähe befindet sich eine weitere Kapelle. Außerdem ist das der Ort, wo jährlich das Osterfeuer abgebrannt wird.
Söhne und Töchter Beleckes
• Becker], Erzbischof von Paderborn
Weblinks
• www.belecke.de
• Belecker Chronik (seit 1989)
• Wetterstation Belecke
• www.baduliki.de: Ausführliche Seite zur frühen Belecker Geschichte und zur Bedeutung des Ortsnamens

