Belagerung von Ofen (1684/1686)
Nach der erfolglosen Zweiten_Wiener_Türkenbelagerung 1683 durch die Osmanen, welche den Großen_Türkenkrieg auslöste, startete eine kaiserliche Gegenoffensive zur Rückeroberung Ungarns in deren Folge die ungarische Hauptstadt Ofen von den Osmanen befreit werden konnte.|}}
Zwei Jahre nach der erfolglosen Belagerung von Ofen wurde 1686 ein erneuter Feldzug zur Einnahme der ungarischen Hauptstadt gestartet, an der diesmal mit 74.000 Mann eine fast doppelt so starke christliche Streitmacht teilnahm. Mitte Juni 1686 wurde mit der Belagerung begonnen. Ein türkisches Entsatzheer traf Mitte August vor Ofen ein, doch Abdurrahman Abdi Pascha scheute einen Großangriff gegen die Belagerungsarmee und so kam es am 2. September 1686 zum erfolgreichen Generalsturm auf die Festung. Prinz Eugen und seine Dragoner waren nicht direkt an der Einnahme beteiligt, sondern sicherten den Rücken ihres Heeres vor der türkischen Entsatzarmee, welche die Einnahme der Stadt, seit 143 Jahren in osmanischem Besitz, nicht verhindern konnte. Nach der Erstürmung entlud sich nun der ganze Hass und Zorn der siegreichen Soldaten gegen die verhassten ?Heiden?. Die osmanische Bedrohung, welche im Bewusstsein des damaligen Europas über Jahrhunderte fest verankert war, die in ganz Europa verbreitete Wut über die berüchtigten Gräueltaten der Türken gegen die Zivilbevölkerung und schließlich auch der von Kirche und Glauben angefachte religiöse Hass entluden sich nun an Besatzung und Bevölkerung von Ofen:
:?Ofen wurde eingenommen und der Plünderung preisgegeben. Die Soldaten begingen dabei tausenderlei Exzesse. Gegen die Türken, wegen ihres langen und hartnäckigen Widerstandes, der eine erstaunliche Menge ihrer Kameraden das Leben gekostet hatte, aufgebracht, sehen sie weder auf Alter noch Geschlecht. Der Kurfürst von Bayern und der Herzog von Lothringen, durch das Seufzen der Männer die man umbrachte, und der Weiber, die vergewaltigt wurden, gerührt, erteilten so gute Ordres, daß [sic!] dem Niedermetzeln Einhalt geschah und noch über 2000 Türken das Leben gerettet wurde...?Ernst Trost, Prinz Eugen von Savoyen. (Wien - München ²1985), S. 56
Das Gemetzel der kaiserlichen Truppen richtete sich nicht nur gegen die Muslime, sondern ebenfalls gegen die jüdische Bevölkerung von Ofen. Man kann davon ausgehen, dass in den ersten drei Tagen nach Eroberung der Stadt die jüdische Gemeinde Ofens nahezu vernichtet wurde. Thomas Winkelbauer, Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter Teil 1. In: Herwig Wolfram(Hg.), Österreichische Geschichte 1522 - 1699. (Wien 2004), S. 166
Folgen
Als Folge der Einnahme Ofens sowie der gewonnenen Schlacht bei Mohács (1687), erkannte der ungarische Reichstag im November 1687 in Pressburg die Erblichkeit der ungarischen Krone im Haus Habsburg an und verzichtete gleichzeitig auf das Widerstands- sowie Widerspruchsrecht. Thomas Winkelbauer, Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 1. In: Herwig Wolfram(Hg.), Österreichische Geschichte 1522 - 1699. (Wien 2004) S. 168 Außerdem verpflichtete sich der ungarische Reichstag den habsburgischen Thronfolger noch zu Lebzeiten seines Vaters zum König von Ungarn zu krönen. So wurde am 9. Dezember 1687 Joseph, der neunjährige Sohn Kaiser Leopolds, als erster erblicher König mit der Stephanskrone gekrönt. Ungarn war nun endgültig Erbland der Habsburger und bereits im Juni 1688 wurde die "Kommission zur Einrichtung des Königreichs Ungarn" geschaffen, um im Land der Stephanskrone eine starke monarchistische Regierung, unter Berücksichtigung des Wiener Absolutismus und des Merkantilismus, zu schaffen. Thomas Winkelbauer, Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 1. In: Herwig Wolfram(Hg.), Österreichische Geschichte 1522 - 1699. (Wien 2004) S. 168

