Bekehrung
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: Bekehrung des Paulus]]
Bekehrung ist der Ausdruck, der im Christentum üblicherweise für die Konversion zum christlichen Glauben verwendet wird.
Bekehrung bezieht sich auf das neutestamentliche Wort ???????? (Änderung des Denkens), das auch mit Sinnesänderung, Umkehr oder Buße übersetzt wird. Das Wort wird im Neuen Testament von Johannes_dem_Täufer , von Jesus von Nazaret und von christlicher_Wiedergeburt.
Christliche Mission und Evangelisation wollen Bekehrung bewirken. Bekehrung bezieht sich auf die Hinwendung des einzelnen Menschen zum Christentum, während Christianisierung die Verbreitung des Christentums auf geographischer oder ethnischer Ebene meint.
Bekannte Bekehrungserlebnisse sind die Bekehrung des Paulus von Tarsus durch eine Christuserscheinung und die Bekehrung von Augustinus durch das Lesen des Römerbriefs sowie das ?Turmerlebnis? Martin Luthers.
Theologisches Verständnis der Bekehrung
Während sich alle Konfessionen und Richtungen des Christentums darüber einig sind, dass eine Bekehrung eine Entscheidung zum Christentum ist, gehen die Meinungen bei den Fragen, was eine Bekehrung alles umfasst und wodurch sie bewirkt wird stark auseinander.
Nach Auffassung vieler konservativer Kirchen sind Bekehrung und Taufe die einzigen Voraussetzungen zur Erlösung des Menschen, aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zu Gott. Für die meisten Kirchen beginnt jedoch nach der Bekehrung der Weg der christlichen Heiligung, auf dem der Mensch sich immer mehr in Richtung auf die christlichen Ideale entwickelt.
Römisch-katholische Kirche
In der römisch-katholischen_Kirche ist die Taufe der Ort der ersten, grundlegenden Bekehrung. Durch den Glauben an die Frohe Botschaft und durch die Taufe widersagt man dem Bösen und erlangt das Heil, welches die Vergebung aller Sünden und das Geschenk des neuen Lebens ist. [http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P4F.HTM: Katechismus der katholischen Kirche, 1427]
Der Heilige Geist bewirkt die Bekehrung, dass der Mensch sich Gott zuwendet und von der Sünde Abstand nimmt, wie sie Jesus am Anfang des Evangeliums verkündet hat . [http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P74.HTM Katechismus 1989]
Noch Ungetaufte werden (in der römisch-katholischen_Kirche) zunächst feierlich in das Katechumenat aufgenommen und mit Katechumenenöl gesalbt. In der Zeit des Katechumenates wird der Taufwillige (Katechumene) in den Glauben eingeführt. Die Taufe von Erwachsenen findet in der katholischen Kirche traditionell in der Feier der Osternacht statt, in der auch das Taufwasser geweiht und das Taufversprechen der Gemeindemitglieder erneuert wird.
Evangelische Kirchen
Die evangelischen Kirchen verstehen unter Bekehrung die persönliche, freie Entscheidung, Jesus Christus nachzufolgen, ihn als Heiland und Herrn anzuerkennen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Entscheidung der Beginn des christlichen Lebens ist. [http://www.calvinianum.de/Bekenntnis/HK/So_33.html Heidelberger Katechismus: Bekehrung]
In der Konkordienformel von 1573 wird im Artikel II Vom freien Willen gesagt, dass die Bekehrung vom Heiligen Geist durch die Predigt und das Wort Gottes bewirkt wird. [http://www.apostolic.de/20_credo/021_konkordien.shtml Konkordienformel 1577]
Dabei gibt es zwei unterschiedliche Sichtweisen bezüglich der Beteiligung von Gott und Mensch an der Bekehrung.
= Arminianismus
=Im Arminianismus, z.B. bei evangelischen Landeskirchen und bei der evangelisch-methodistischen_Kirche wird die Bibel so ausgelegt, dass der Weg zu Gott jedem Menschen offensteht (vorauseilende Gnade) und es in der Entscheidung des Einzelnen liegt, dieses Angebot anzunehmen oder nicht.
= Calvinismus
=In Kirchen mit calvinistischer Lehre gilt die schon von Augustinus von Hippo entwickelte Lehre der doppelten Prädestination, nach der Gott vor aller Zeit entschieden habe, wer zu den Geretteten und wer zu den Verlorenen gehören wird. Daher bekehrt sich nach dieser Theologie ein Mensch nur, wenn Gott das vor aller Zeit so entschieden hat. Gott allein ist es, der die Bekehrung bewirkt. Diese Bekehrung bewirkt eine grundlegende Veränderung des Menschen. [http://www.calvinianum.de/Bekenntnis/DL/3_4.html Dordrechter Lehrsätze, Artikel 9-11]
Da die Menschen aber nicht wissen, wie Gott im Einzelfall entschieden hat, kennen auch diese Kirchen Mission und Aufruf zur Umkehr.
Evangelikalismus und Pietismus
Im Pietismus und in der evangelikalen Bewegung wird die Bekehrung durch ein Gebet an Jesus Christus vollzogen. Man bekennt darin, dass man ein Sünder ist, und bittet Jesus Christus darum, die Herrschaft im eigenen Leben zu übernehmen. [http://www.bibelportal.de/index.php?option=com_content&task=view&id=15&Itemid=26 bibelportal.de: Der Weg Gottes, der zur Erlösung führt] Bei evangelistischen Veranstaltungen wird durch den Altarruf zu so einem Gebet aufgefordert.
Diese Art der Bekehrung ist prinzipiell sowohl für getaufte Kirchenmitglieder wie auch für Ungetauften möglich. Bei Ungetauften folgt in der Regel eine Taufe nach dem Ritus der entsprechenden Kirche.
Charismatiker in der römisch-katholischen_Kirche sprechen bei dieser Art der Bekehrung lieber von ?Lebensübergabe? statt von Bekehrung, weil nach offizieller katholischer Lehre die Wiedergeburt bereits bei der Taufe geschieht und nicht wiederholt werden kann.
Pietisten und Evangelikale sehen die Bekehrung oft als einmaligen und genau datierbaren Punkt im Leben des Einzelnen und bezweifeln manchmal sogar, ob jemand ein Christ ist, wenn er kein solches datierbares Bekehrungserlebnis hat.
Baptisten
Bei christlichen Gemeinden in baptistischer Richtung ist die Bekehrung eine unabdingbare Voraussetzung zur Zulassung zur Glaubenstaufe, bewirkt jedoch an und für sich keine Erlösung.
Literatur
* William H.C. Frend/Michael Wolter/Pius Engelbert/Falk Wagner/Walter J. Hollenweger/Hans-Werner Gensichen: Art. Bekehrung I. Alte Kirche und Mittelalter II. 16. bis 20. Jahrhundert II/1. Reformationszeit II/2. Von 1577 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts III. Systematisch-theologisch IV. Praktisch-theologisch V. Religionsgeschichtlich. In: Theologische Realenzyklopädie 5 (1980), S. 439-486 (umfassender Überblick)
* Coenen, Lothar (Hg): Theologisches Begriffslexikon zum NT, Brockhaus Vlg 1993, S. 69-76
Weblinks
• Die Feier der Aufnahme gültig Getaufter in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche (Die Bezeichnung Konversion, d. h. ?Bekehrung?, ist mit Absicht vermieden).

