Verhaltensökonomik
Die Verhaltensökonomik (engl. ) setzt sich mit irrationalem menschlichen Verhalten in wirtschaftlichen Situationen auseinander. Sie versucht vor allem die Annahme des Homo oeconomicus, also rational denkender Menschen, aufzulösen. Das beobachtete Verhalten widerspricht in der Regel den Vorhersagen klassischer ökonomischer Modelle, weshalb die Verhaltensökonomik eine Erklärung für dieses irrationale Verhalten sucht. Solches Verhalten kann quer über alle Lebenssituationen beobachtet werden, weshalb sich eine breiten, empirischen Literatur gebildet hat. Es existiert zudem eine Vielzahl unterschiedlicher theoretischer Modelle, die jeweils bestimmte Verhaltensanomalien erklären können.Zwei weitere Spezialfelder beschäftigen sich mit irrationalem Verhalten. Die verhaltensorientierte Finanzierungslehre (engl. beschäftigt sich mit Verhalten auf Finanz- und Kapitalmärkten, das den klassischen Modellen entgegen spricht. Der noch fast unbearbeitete Zweig der verhaltenorientierten Finanzwissenschaft (engl. ) versucht mögliche staatliche Reaktionen auf irrationales Verhalten, sowie kollektive irrationalle Entscheidungen zu untersuchen.
Geschichte
Während der Ära der kognitive_Psychologie in den 1960er Jahren, das Gehirn im Gegensatz zu Modellen des als Informationsverarbeitungsgerät anzusehen.
Psychologen auf diesem Gebiet wie , Funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) wurde eingesetzt, um herauszufinden, welche Gehirngegenden bei den verschiedenen Schritten des wirtschaftlichen Entscheidens benutzt werden. Experimente, die Marktsituationen wie Börsenhandel und Auktionen simulieren, wurden als besonders nützlich angesehen, da sie ermöglichen, die Auswirkungen einer bestimmten Voreingenommenheit auf das Verhalten zu isolieren; das beobachtete Marktverhalten kann typischerweise auf verschiedene Weisen erklärt werden. Sorgsam entwickelte Experimente können dabei helfen, die Zahl nachvollziehbarer Erklärungen einzugrenzen. Die Experimente sind so gestaltet, dass sie vergleichbare Anreize schaffen, wobei verbindliche Transaktionen unter Verwendung echten Geldes die Norm sind.
Entscheidende Beobachtungen
Es gibt drei hauptsächliche Themen in der Theorie der Hersh Shefrin (2002) Beyond Greed and Fear: Understanding behavioral finance and the psychology of investing. Oxford Universtity Press
• Leute treffen häufig Entscheidungen auf Grundlage der Daumenregel, nicht nur aufgrund strikt vernünftiger Analyse.
*Einordnung (Markt|Unvollkommene_Märkte]_():_Versuche,_beobachtete_Markthandlungen_zu_erklären,_die_vernünftigen_Erwartungen_und_der_Markteffizienz_zuwiderlaufen._Diese_beinhalten_fehlerhafte_Bepreisung,_unvernünftige_Entscheidungen_und_Anomalien_beim_Gewinn._Besonders_Gruppendenken. beruht genauso viel auf der Risikoaversion () oder das starke Bedauern, das mit jeder Entscheidung verbunden ist, bei der Objekte, zu denen eine starke gefühlte Bindung besteht (zum Beispiel das Haus), vollkommen verloren werden können. Verlustängste scheinen sich zum Beispiel im Investorenverhalten zu manifestieren. Wenn ein Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren zur Folge hätte, dass ein nominaler Verlust realisiert werden muss, so lässt sich häufig ein Unwillen beobachten, diese Transaktion durchzuführen (Genovese & Mayer, 2001). Dies kann auch erklären, warum die Preise auf dem Immobilienmarkt sich bei schwacher Nachfrage nicht den Angebotspreisen nähern.
Benartzi und Thaler (1995) behaupten, dass sie das (Wertpapieraufschlagrätsel) gelöst haben, indem sie die Prospekttheorie anwandten. Dies ist ein Rätsel, das konventionelle Finanzmodelle bislang nicht lösen konnten.Shlomo Benartzi and Richard H. Thaler (1995) Myopic Loss Aversion and the Equity Premium Puzzle; The Quarterly Journal of Economics, Vol. 110, No. 1.
Modelle der
Einige Finanzmodelle, die bei der Geldanlage und der Anlagebewertung eingesetzt werden, verwenden Parameter der , zum Beispiel
*Thalers Modell der Preisreaktionen auf neue Informationen, mit drei Phasen, Unterreaktion, Anpassung und Überreaktion, die einen Preistrend hervorrufen.
*der Koeffizient der Aktienbewertung
Kritik an der Theorie der
Kritiker der , wie zum Beispiel Eugene Fama, unterstützen meist die Theorie des vollkommenen_Marktes. Sie behaupten, dass eher eine Sammlung von Anomalien ist als ein echter Zweig der Finanztheorie, und dass diese Anomalien irgendwann aus dem Markt gepreist werden oder unter Berufung auf Argumente der Mikrostrukturen des Marktes erklärt werden. Es sollte jedoch ein Unterschied gemacht werden zwischen individuellen Voreingenommenheiten und gesellschaftlichen Voreingenommenheiten; erstere können durch den Markt ausgeglichen werden, während die anderen Rückkopplungen hervorrufen können, die den Markt weiter und weiter vom ?fairen Preis? entfernen.
Ein besonderes Beispiel dieser Kritik findet sich in einigen Erklärungsversuchen des -Rätsels. Es wird argumentiert, dass sich das Rätsel daraus ergibt, dass Markteintrittsbarrieren (sowohl praktischer als auch psychologischer Art) früher den Markteintritt von Individuen in den Wertpapierhandel verhindert haben. Demnach wird sich der Unterschied der erzielten Gewinne zwischen Wertpapieren und Anleihen mit der Zeit verringern, sobald elektronische Mittel den Wertpapierhandel einer größeren Zahl von Händlern zugänglich machen werden. Darauf erwidern andere, dass viele persönliche Investmentfonds durch Pensionskassen verwaltet werden, so dass der Effekt dieser vermeintlichen Schranken gering wäre. Außerdem scheinen professionelle Investoren und Fondsmanager mehr Anleihen zu halten, als man angesichts der langfristigen Gewinnunterschiede vermuten würde.
Themen der
Modelle in beziehen sich gewöhnlich auf bestimmte beobachtete Marktanomalien und wandeln herkömmliche neoklassische Modelle ab, indem sie wirtschaftliche Entscheider so beschreiben, dass sie zum Teil willkürlich handeln (heuristisch) oder von -Effekten beeinflusst werden. Im Allgemeinen befindet sich die Theorie der im Rahmen der neoklassischen Theorie, obwohl die herkömmliche Annahme des vernünftigen wirtschaftlichen Handelns häufig angezweifelt wird.
Heuristik
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*zum Status quo] ()
• des Spielers] ()
• ()
Systematische_Kognitionsprobleme
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Systematische Kognitionsprobleme
• Einordnen] (): Handlung aufgrund beobachteter Muster und Signale, ohne Überprüfung deren empirischen Evidenz
*Trägheit, Verhaftetsein in alter Evidenz: Neue Informationen werden nicht oder nur sehr zögerlich zugeordnet. Wenn eine Zuordnung erfolgt dann oft falsch.
* Ansteckung: Zeit- und Erfolgsdruck sowie subjektive Wissenslücken führen zu Unsicherheit, welche durch Beobachtung und Nachahmung anderer bewältigt wird.
• Durchrechnen] ()
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Anomalien
• Wertpapieraufschlagrätsel' target='blank'>()_
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Kritik an der Theorie der
Kritiker der betonen typischerweise die Vernunft der wirtschaftlich Handelnden (siehe Myagkov und Plott (1997), unter anderen). Sie behaupten, dass experimentell beobachtetes Verhalten sich nicht auf Marktsituationen übertragen lässt, weil Lerngelegenheiten und Wettbewerb sicherstellen werden, dass es wenigstens zu einer weiten Annäherung an vernünftiges Verhalten kommen wird. Andere merken an, dass kognitive Theorien wie die Prospekttheorie lediglich Modelle des Entscheidens sind, nicht verallgemeinerbares wirtschaftliches Verhalten, und sie deshalb nur anwendbar sind auf die einmaligen Entscheidungsprobleme, die den Teilnehmern von Experimenten oder Befragungen gestellt werden.
Traditionelle Wirtschaftler sind ebenfalls skeptisch bezüglich der bei Experimenten und Befragungen verwendeten Techniken, die in den eine große Rolle spielen. Wirtschaftler betonen die Bedeutung der tatsächlichen_Präferenzen im Gegensatz zu den bei Befragungen ?angegebenen Präferenzen?, um einen wirtschaftlichen Wert zu bestimmen. Experimente und Befragungen müssen sorgfältig vorbereitet werden, um systemimmanente Voreingenommenheiten, strategisches Verhalten und das Fehlen von Anreizvergleichbarkeit () zu vermeiden. Viele Wirtschaftler misstrauen wegen der Schwierigkeiten bei Ausschluss dieser Möglichkeiten den Ergebnissen, die auf diese Weise gewonnen werden. Rabin (1998) lehnt diese Kritiken ab, indem er behauptet, dass die Ergebnisse in verschiedenen Situationen und Ländern nachgestellt werden können, und sie zu guten theoretischen Einblicken führen können.
Schlüsselfiguren
Colin Camerer - Daniel Kahneman - David Laibson - George Loewenstein - Matthew Rabin - Robert Shiller - Richard Thaler - Amos Tversky - Ronald Coase - Lola Lopes - Sarah Lichtenstein - Paul Slovic - Andrew Lo - Andrei Shleifer - in Deutschland: Joachim Goldberg - Martin_Weber
Nichtspezialisten, deren Werk bedeutend für diese Disziplin ist
Herbert Simon - Gerd Gigerenzer - Fischer Black - John Tooby - Leda Cosmides - Paul Rubin - Donald Rubin
Literatur
* Camerer, C. F.; Loewenstein, G. & Rabin, R. (eds.) (2003) Advances in Behavioral Economics
* Goldberg, Joachim; Nitzsch, Rüdiger von: Behavioral Finance, München 2004 (4. Aufl.). ISBN 3-89879-100-9
* Kahneman, D. & Tversky, A. 'Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk,' Econometrica, XVLII (1979), S. 263?291
* Rabin, Matthew 'Psychology and Economics,' Journal of Economic Literature, American Economic Association, vol. 36(1), Seiten 11-46, März 1998.
* Shleifer, Andrei (1999) Inefficient Markets: An Introduction to Behavioral Finance, Oxford University Press
* Sunstein, Cass R. (ed.), Behavioral Law & Economics, New York 2000
Siehe auch
Value Investing
Weblinks
• Behavioural Finance
• History of Behavioral finance
• Behavioral-Finance Group FAQ / Glossary
• Richard Thaler's 'anomalies' papers
• Behavioural Finance at MoneyScience
• Behavioral Finance in der Praxis

