Bedingter Erwartungswert
Bedingte Erwartungswerte und bedingte Wahrscheinlichkeiten bezüglich einer Teil-?-Algebra stellen eine Verallgemeinerung von bedingten_Wahrscheinlichkeiten dar. Sie werden unter anderem bei der Formulierung von Martingalen verwendet.Einleitung
Ein Beispiel
Wenn zwei unabhängige standardnormalverteilte Zufallsvariablen und gegeben sind, kann man, ohne lange zu überlegen, den bedingten Erwartungswert der Zufallsvariable , gegeben , angeben, d. h. den Wert, den man im Mittel für den Ausdruck erwartet, wenn man kennt:
:
Diese Gleichung wirft jedoch mehrere technische Fragen auf, die generell eine etwas sorgfältigere Vorgehensweise bei der Definition erforderlich machen:
* Der Ausdruck auf der linken Seite ergibt nur Sinn, wenn man als eine Zufallsvariable auffasst. Man kann z. B. nicht für den Wert einsetzen und schreiben .
* Wenn man als eine Zufallsvariable auffasst, dann ist notwendigerweise der Ausdruck auf der rechten Seite, der eine Funktion von ist, ebenfalls eine Zufallsvariable. Der bedingte Erwartungswert ist somit eine Zufallsvariable.
* Wenn man eine Zufallsvariable durch definiert, gilt . Also hängt der bedingte Erwartungswert von nicht davon ab, welche Werte die Zufallsvariable in der Bedingung ( bzw. ) annimmt, sondern nur davon, welche Informationen die Werte implizieren. Diese Informationen können durch die von der Zufallsvariable erzeugte Teil-unabhängig und standardnormalverteilt. Man erhielte aber nur noch, wenn nicht ist, und sonst . Das zeigt, dass der bedingte Erwartungswert nicht eindeutig festgelegt ist, und dass es, wenn überhaupt, nur sinnvoll ist, den bedingten Erwartungswert für alle Werte von simultan zu definieren, da man ihn für einzelne Werte beliebig abwandeln kann.
Herleitung aus bedingten Wahrscheinlichkeiten
In einem Wahrscheinlichkeitsraum gibt die bedingte Wahrscheinlichkeit an, wie wahrscheinlich das Ereignis ist, wenn man Information über das Eintreten von erhalten hat. Allgemeiner kann man nach der Wahrscheinlichkeit fragen, die angibt, wie wahrscheinlich ist, wenn man Information über das Eintreten bzw. Nichteintreten einer Menge von Ereignissen erhalten hat. Man kann dabei annehmen, dass eine Zufallsvariablen kennt, dann weiß man, unabhängig vom jeweiligen Wert, über alle Ereignisse der Form Bescheid, d. h. ist in diesem Fall die von den Zufallsvariablen erzeugte ?-Algebra . Die Wahrscheinlichkeit hängt dann davon ab, welchen Wert annehmen, oder allgemein, welche Ereignisse von eingetreten sind und welche nicht eingetreten sind, d. h. ist eine Funktion von , die totale Wahrscheinlichkeit ergibt sich für jedes
:,
was sich auch schreiben lässt als , wobei , die Erwartungswert einer Zufallsvariable betrachtet. Beide Ansätze werden in der nachfolgenden Definition kombiniert.
Definition
sei eine Zufallsvariable mit Werten in in einem Wahrscheinlichkeitsraum , und sei eine Teil-?-Algebra.
Eine Zufallsvariable mit Werten in heißt bedingter Erwartungswert von bezüglich , geschrieben , wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
* ist Nullmenge in , wodurch sich die einheitliche Schreibweise rechtfertigen lässt.
Ist die von Zufallsvariablen , ..., erzeugte stochastischen_Kern von nach zusammenfassen kann,
: für alle ,
spricht man von regulärer bedingter Wahrscheinlichkeit.Faktorisierung: Der bedingte Erwartungswert , der als eine Funktion von definiert ist, lässt sich auch als eine Funktion von darstellen: Es gibt eine messbare Funktion , so dass
: für alle .Existenz: Die allgemeine Existenz bedingter Erwartungswerte für Satz von Radon-Nikodym zeigen. In der hier angegebenen Definition existiert der bedingte Erwartungswert genau dann, wenn es eine Menge gibt, so dass und fast überall. (Man könnte auch letzteren Ausdruck für die Definition verwenden, um Fälle wie für eine polnischen_Räumen mit der Borel-?-Algebra, allgemeiner gilt: Ist eine beliebige Zufallsvariable mit Werten in einem polnischen Raum, so existiert eine Version der Verteilung in der Form eines bedingten_Wahrscheinlichkeit überein:
: für alle Rechnen mit Dichten: Ist eine beschränkte Dichte der gemeinsamen Verteilung von Zufallsvariablen , so ist
:
die Dichte einer regulären bedingten Verteilung in der faktorisierten Form.
Rechenregeln
Die Gleichungen sind, soweit nichts anderes angegeben ist, jeweils so zu verstehen, dass die linke Seite genau dann existiert (im Sinne der obigen Definition), wenn die rechte Seite existiert.
* Für die triviale ?-Algebra ergeben sich einfache Erwartungswerte und Wahrscheinlichkeiten:
*: für alle
*: für alle
* Ist unabhängig von , so gilt fast überall.
* Ist oder messbar bezüglich , so gilt fast überall.
* Turmeigenschaft: Für Teil-?-Algebren gilt und fast überall.
* Es gilt fast überall, wenn oder einen endlichen Erwartungswert besitzt.
* Es gilt fast überall für reelle Zahlen .
* Monotonie: Aus folgt fast überall, wenn die bedingten Erwartungswerte existieren.
Monotone_Konvergenz: Aus folgt fast überall, wenn die bedingten Erwartungswerte existieren und fast überall.
Jensensche Ungleichung: Ist eine konvexe Funktion, so gilt fast überall, wenn die bedingten Erwartungswerte existieren.
* Ist messbar bezüglich , so gilt fast überall, wenn die bedingten Erwartungswerte existieren. Insbesondere ist fast überall, d. h. der bedingte Erwartungswert ist im Sinne des Skalarprodukts von VIDEO-NEWS UND ANGEBOTE

