Barbara McDermott
Barbara McDermott (15. Juni 1912 in Bridgeport, Connecticut, USA als Barbara Winifred Anderson) ist eine von zwei noch lebenden Überlebenden der Lusitania-Katastrophe im Mai 1915. Sie ist die letzte Überlebende der Zweiten Klasse.
Leben
Barbara McDermott ist die Tochter von Roland Anderson und dessen Frau Emily Mary Pybus, einem jungen englischen Paar, das im Sommer 1911 in die Vereinigten Staaten ausgewandert war und noch im selben Jahr in Connecticut heiratete.
Die damals fast Dreijährige reiste im Mai 1915 mit ihrer im fünften Monat schwangeren Mutter Emily Anderson auf der Lusitania, um in England ihre zahlreichen Verwandten zu besuchen. Nach dem Torpedoeinschlag stand Mrs. Anderson ratlos mit ihrer Tochter an der Reling in der Nähe des Hecks. Der Schiffszahlmeister Mr. Harkness sah sie und stieß sie in Rettungsboot Nr. 15, das beim Herabfieren stark schlingerte und mehrere Insassen ? darunter Mrs. Anderson ? ins Wasser schleuderte. Sie ruderte mit den Armen und wurde wieder in das Boot gezogen.
Mutter und Tochter überlebten; Emily Anderson war eine der wenigen Mütter, die ihr Kind retten konnte. Die meisten Kleinkinder wurden im Chaos an Deck erdrückt oder erfroren im eisigen Atlantikwasser. Emily Anderson brachte am 30. September 1915 ihren Sohn Frank Roland Anderson zur Welt, der am 16. März 1916 im Alter von nicht mal sechs Monaten an einer Lungenentzündung starb. Mrs. Anderson erlag am 11. März 1917 im Alter von 28 Jahren einer Brustfellentzündung in Verbindung mit einer verschleppten Lungenentzündung. Ihre Tochter Barbara ist bis heute überzeugt, dass die körperlichen Strapazen und der Schock, den sie durch die Katastrophe erlitten, letztendlich für den frühen Tod ihrer Mutter und ihres Bruders verantwortlich waren.
Barbara blieb bis zum Ende des Krieges bei den Geschwistern ihres Vaters in England und kehrte erst 1919 in die Vereinigten Staaten zurück, um bei ihrem Vater zu leben. Sie machte die Überfahrt auf der Mauretania, dem Schwesterschiff der Lusitania. Sie heiratete, bekam eine Tochter und lebt heute noch immer in Connecticut. Im Verlauf der Jahre ist es verschiedenen Personen gelungen, Mrs. McDermott aufzusuchen und sie über ihre Erlebnisse auf der Lusitania zum sprechen zu bewegen. Sie kann sich bis heute an das Ereignis erinnern und ist unter Lusitania-Experten sehr beliebt, da sie im Gegensatz zu Audrey Lawson-Johnston kein Problem damit hat, über ihre Erlebnisse auf dem Luxusdampfer zu sprechen.
Durch jahrzehntelange Korrespondenz und unzählige persönliche Gespräche mit Marine-Historikern, Lusitania-Forschern, anderen Überlebenden und Hinterbliebenen leistete Barbara McDermott einen erheblichen Beitrag zur Aufarbeitung des Ereignisses und half mit, die Geschehnisse zu rekonstruieren. Sie steuerte Photos ihrer Mutter und von sich selbst sowie zahlreiche Erinnerungsstücke bei und ist noch heute Ansprechpartner für die Verantwortlichen von Marineinstitutionen und -museen. Sie gibt noch heute regelmäßig Interviews. Zuletzt nahm sie an der Erarbeitung der Essays "The Lusitania Resource: Lest We Forget" und "The Lusitania Resource: Lest We Forget Part 2" teil, in denen zahlreiche illustrierte Biografien von Lusitania-Passagieren zusammengetragen und veröffentlicht wurden.
Quellen
* The Lusitania Resource
* Encyclopedia Titanica

