Barabbas
Barabbas war nach allen evangelischen Berichten des Prozesses gegen Jesus ein Mann, der sich in der Zeit der Passion in römischer Haft befand. Diesen Berichten zufolge soll Pontius Pilatus dem versammelten Volk die Alternative angeboten haben, entweder ihn oder Jesus freizulassen. Von dieser Episode wird in allen Evangelien unmittelbar vor der Kreuzigung Jesu berichtet (, , , ).
Der Name
Der in den heutigen Fassungen der Passion Jesu überlieferte Name Barabbas ist wahrscheinlich ein Codex Koridethi (? oder 038; IX. Jahr.) überliefert (P.Winter, On the Trial of Jesus, S. 95). (?Sohn des Abbas? bzw. ?Sohn des Meisters? oder ?Sohn unseres Meisters?) angenommen wird.
Einige Codices enthalten in den Stellen des Lukasevangelium () werden Aufruhr und Mord als Ursache seiner Verhaftung angegeben. Der Passus des Lukasevangeliums wird aber als Entlehnung aus dem Markusevangelium betrachtet.
In wird Barabbas lediglich als ?angesehener Gefangener? bezeichnetDie meisten Bibelübersetzungen haben das Wort epísemos mit ?berüchtigt? wiedergegeben. Ethymologisch hat das Wort die Bedeutung ?mit einem Zeichen versehen?, ?gekennzeichnet?. und im Philo von Alexandria überlieferte EpisodeIn Flaccum, 36?38. zurück, die sich bei einem Besuch von Herodes Agrippa I. in Alexandria ereignet haben soll. Um Agrippa zu verspotten, habe eine Meute von Einwohnern Alexandrias einen ?armen Teufel? namens Karabbas mit einem Teppich über der Schulter und einem Korb auf dem Haupt als König verkleidet, verspottet und schließlich geschlagen. Wegen der Ähnlichkeiten dieser Episode mit den Misshandlungen, die nach den Passionsberichten Jesus von den römischen Soldaten zugefügt wurden, und wegen der ?extremen Unwahrscheinlichkeit? der Episode von Barabbas sei Loisy zufolge denkbar, ?dass Pilatus Jesus als Karabbas? habe behandeln lassen.A. Loisy, L'évangile selon Marc, Paris: 1912, S. 454f (zit. nach P. Winter, On the Trial of Jesus, S. 94f).
Die evangelischen Passionsberichte sind nicht nur die einzigen Quellen, die Notizen über Barabbas überliefert haben. Auch der in der christlichen Tradition als privilegium paschale bezeichnete Brauch der Römer, einen Gefangenen anlässlich der Passahfest zu befreien, wird nur an diesen Stellen der Evangelien erwähnt. Dass einen solchen Brauch bei Römischen Statthaltern in Palästina je gegeben habe, wird als unwahrscheinlich erachtet: Nichts derartiges ist in römischen oder jüdischen Quellen überliefert und auch die anhand von vertretene Ansicht, dass es sich dabei um einen jüdischen Brauch gehandelt habe, findet keinerlei Bestätigung.
Anmerkungen
Siehe auch
• (1962)]
Literatur
*Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece (27. rev. Auflage), Dt. Bibelgesellschaft: Stuttgart, 2001
*Wolfgang Wiefel, Das Evangelium nach Matthäus (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament; 1), EVA: Leipzig, 1998
*Paul Winter: On the Trial of Jesus (Studia Judaica, Bd. 1), de Gruyter: Berlin, 1961

