Bao Bao
]]Bao Bao (; 1978) ist ein Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca), der seit 1980 im Besitz des Berliner_Zoos ist und bei den Besuchern als Publikumsliebling gilt. Das männliche Tier ist mittlerweile das älteste weltweit in einem Zoologischen Garten lebende Exemplar und gleichzeitig der einzige Große Pandabär, der in einem deutschen Zoo gehalten wird.
Ankunft in Berlin und erste Zuchtversuche
Bao Bao traf am 5. November 1980 im Alter von zwei Jahren gemeinsam mit dem Pandaweibchen Tjen Tjen (, oft auch als Tian Tian oder Tien Tien erwähnt) in Berliner Zeitung, 18. Mai 2005, Lokales, S. 13.
Zusammenleben und Zuchtversuche mit Yan Yan
Am 14. April 1995 erhielt der Berliner Zoo als Leihgabe der chinesischen Regierungvgl. Plarre, Plutonia ; Prösser, Claudius: "Knut setzt bei allen Hormone frei". In: die tageszeitung, 2. April 2007, Berlin, S. 28 für fünf Jahre ein weiteres Pandaweibchen aus dem Pekinger_Zoo, der im Gegenzug dafür Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt bekamvgl. Winkler, Willi: Bären und gebären lassen. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Dezember 1999, Berlin-Seite, S. 11. Auch mit der zehnjährigen Yan Yan (dt.: ?die Schöne?, oft auch als ?die Niedliche? übersetzt), die zuvor aus Peking vier Mal vergeblich zur Zucht ausgeliehen warvgl. Yan Yan ist endlich schwanger. In: Berliner Zeitung, 1. April 2004, Lokales, gelang es nicht auf natürlichem Wege Nachwuchs zu produzieren. Pandabären sind nur einmal im Jahr für rund 36 Stunden empfängnisbereitvgl. Heun, Sylke: Chancen auf ein Panda-Baby? Yan Yan nun doch erneut besamt. In: Die Welt, 3. Mai 2004. Eine Hormontherapie bewirkte nur, dass die Bärin mit Hilfe eines Bambusstöckchens masturbierte, was jedoch vor der Öffentlichkeit verschwiegen wurdevgl. Der Tod der traurigen Pandabärin. In: Süddeutsche Zeitung, 28. März 2007, Panorama, S. 9. Ab 1997 griff man auf künstliche Befruchtung zurück. Bao Bao wurde betäubt und mit einer Elektro-Ejakulation zur Samenspende gezwungen, die wiederum Yan Yan injiziert wurde.
Diese Versuche wurden von großem Medieninteresse der Berliner Zeitungen begleitet, bis 1999 festgestellt wurde, dass das weibliche Tier unfruchtbar sei und nur zu Scheinschwangerschaften in der Lage wäre, während Bao Bao mit 22 Jahren dem Ende seiner Zeugungsfähigkeit entgegen sah. 2004 reisten zwei Panda-Experten aus dem Pekinger Zoo nach Berlin, um Yan Yan zu ?untersuchen?. Unter ihnen befand sich auch Peng Zhenxin, der Direktor des Riesenpanda-Zentrums. Die chinesischen Experten gaben Bao Baos Desinteresse als Schuld für den fehlenden Nachwuchs an und mit einem tiefgefrorenen Samencocktail mehrerer Pandas aus dem Pekinger Zoo wurden bei Yan Yan Befruchtungsversuche unternommen. Obwohl Zhenxin annahm, dass diese im siebten Anlauf von Erfolg gekrönt wären, stellte sich kein Panda-Nachwuchs im Berliner Zoo ein. Die Züchtungsversuche wurden nach zehn Jahren 2005 eingestelltvgl. Bao Bao trauert nicht.... ddp-Basisdienst, 27. März 2007, 3:20 PM GMT, nachdem zuletzt im Mai 2004 weitere Befruchtungsversuche mit Bao Baos auf deutscher Seite als einwandfrei attestiertem Sperma fehlgeschlagen waren. Hätte tatsächlich Panda-Nachwuchs im Berliner Zoo das Licht der Welt erblickt, wäre dieser automatisch an China gefallen, da alle Artgenossen, die außerhalb Chinas auf die Welt kommen, zum Staatseigentum der Volksrepublik erklärt werden.
Verbleib und Tod Yan Yans
Im Jahr 2002 lief der Leihvertrag über Yan Yan zwischen dem Zoo Berlin und der China Wildlife Conservation Association, dem chinesischen Forstministerium, aus. Er wurde jedoch unter Zugeständnissen um fünf weitere Jahre verlängert. So investierte Berlin verstärkt in die Zusammenarbeit mit chinesischen Biologen und Wissenschaftlern und finanzierte mit Hilfe von zwei Projekten einen Teil des Artenschutzes für den vom Aussterben bedrohten Großen Panda in Chinavgl. Bein, Hans-Rüdiger: Sorge um Zukunft von Pandabärin Yan Yan. In: Die Welt, 7. August 2006. Im selben Jahr fand man in Ursula Piëch, der Frau des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, für fünf Jahre eine finanzkräftige Patinvgl. Industriellen-Gattin hilft Panda Yan Yan. In: Berliner Kurier, 1. Juni 2002, Ausg. 146, Lokales, S. 12. Vier Jahre später, im Oktober 2006, lief das Bleiberecht von Yan Yan im Berliner Zoo erneut ab. Der damalige Zoodirekter Jürgen Lange berichtete aber gegenüber der Presse, dass Yan Yan in Berlin bleiben müsse und man sich langfristig um ein junges Panda-Pärchen bemühen würde. Der Wert für ein Jungtier wird derzeit auf eine Höhe von eine Million Euro beziffertvgl. Beckmann, Christa: Pandabärin Yan Yan starb für alle völlig überraschend. In: Berliner Morgenpost, 27. März 2007, Heft 85/2007, Stadtleben, S. 13. Ebenfalls war von einer völlig neu gestalteten Panda-Anlage die Redevgl. Zoo will junge Pandas nach Berlin holen. In: Die Welt, 3. November 2006, Heft 257/2006, Berlin, S. 35. Zu dieser Zeit betrugen die Versicherungskosten der beiden Tiere circa 35.000 ?, während der Bambus, der zwei Mal im Monat von einer Spezialfirma aus Südfrankreich in Kühltransportern geliefert wurde, pro Jahr die gleiche Summe kostete.
Am 26. März 2007 geriet der Panda-Bestand des Berliner Zoos in die Berichterstattung der deutschen und internationalen Medien, als die 22-jährige Yan Yan ohne vorherige Krankheitsanzeichen an einer akuten Darmverstopfung verendete. Dies hatte letztlich zu einer Blutvergiftung geführt und wiederum ein Herz-Kreislauf-Versagen zur Folge gehabtvgl. Yan Yan starb an Herzversagen. In: Berliner Zeitung, 28. März 2007, Ausg. 74, Lokales, S. 18. Da Pandabären von Natur aus Einzelgänger sind, werde Bao Bao ?nicht groß trauern?, so der Zootierarzt André Schüle. Die Tiere wurden zudem getrennt gehalten. In chinesische Medien kursierte die fälschliche Theorie, Yan Yan sei einer Diät aus Süßigkeiten und Alkohol zum Opfer gefallenvgl. Bartsch, Bernhard: Schokolade und Bier. In: Berliner Zeitung, 3. April 2007, Ausg. 79, Politik, S. 1, während die deutsche Boulevardpresse und bekannte britische Tageszeitungen wie The Timesvgl. Boyes, Roger: Darling! You've sailed back to me. In: The Times (London), Overseas News, S. 54 oder die Daily Mailvgl. Has the Knut craze killed off zoo's precious panda?. In: Daily Mail (London), 28. März 2007, ED 1ST, S. 13 den wachsenden Besucheransturm um das Eisbärenbaby Knut als Schuld für den Tod des Tieres kolportierten. Auf Anordnung des chinesischen Forstministerium soll der Leichnam Yan Yans nach China überführt werden und nicht als Tierpräparat in Berlin verbleiben. Schon ein paar Wochen nach Yan Yans Tod bekundete der CDU-Politiker Friedbert Pflüger auf einer China-Reise gegenüber Behördenvertretern in Chongqing das Interesse des Berliner Zoos an einer neuen Pandabärinvgl. Richter, Christiane: Flurgespräche. In: Berliner Zeitung, 7. April 2007, Ausg. 8, Lokales, S. 21vgl. Hintzmann, Karsten: CDU-Fraktionschef wirbt in China um Panda und Direktflug. In: Die Welt, 17. April 2007, Heft 89/2007, Berlin, S. 34. Flüger hoffe, dass das Vorhaben von der deutschen_Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzenden der CDU, Angela Merkel, weiter verfolgt wird. Merkel plant im Herbst 2007 nach China zu reisen.
Gesundheit und Haltungsbedingungen
Bao Bao gilt trotz seines hohen Alters als gesund, wird aber sporadisch mit einem durchblutungsfördernden Medikament (Karsivanvgl. Kröck, Susanne: Nach Yan Yans Tod : Wie fit ist Bao Bao?. In: Berliner Kurier, 29. März 2007, Ausg. 87, Berlin, S. 13) versorgt. Das letzte Tier, das von der chinesischen Regierung verschenkt wurdevgl. Fuchs, Claudia: Die Niedliche ist tot. In: Berliner Zeitung, 27. März 2007, Ausg. 73, Lokales, S. 19, ist täglich vierzehn Stunden wach, von denen es zwölf mit der Nahrungsaufnahme verbringt. Bao Bao verzehrt täglich in seinem 350 m² großen Gehegevgl. Das Jahr des Bären. In: Süddeutsche Zeitung, 9. Januar 1995, Feuilleton etwa zwölf Kilo Bambus, sowie Soja, Reisknödel und Hühnersuppenvgl. Büscher, Wolfgang; Heun, Sylke: Werdet Paten!. In: Berliner Morgenpost, 8. Februar 2004, Heft 38/2004, BIZ, S. 2. Betreut wird der Große Panda seit seiner Abreise in Peking von dem Tierpfleger Lutz Störmer, der ihn als ?zuverlässigen Kumpel ohne hinterlistige Gedanken? beschreibt und von Bao Bao immer mit einem kurzen ?Bellen? begrüßt wirdvgl. AE: Seit 25 Jahren berlinern: was macht eigentlich... Pandabär Bao Bao?. In: die tageszeitung, 1. November 2005, Berlin Aktuell, S. 22.
1999 warb die deutsche Tageszeitung Die Welt mit dem Bären, die in einer Aktion Bao Bao gemeinsam mit drei Aktienexperten großer deutscher Banken jeweils fünf DAX-Werte für das Jahr 1999 auswählen ließ. Das Depot des Zootiers belegte einen der hinteren Plätze vgl. Struve, Anja: Berliner Panda startet Aufholjagd. In: Die Welt, 8. Juli 1999.
Weblinks
• Porträt auf der offiziellen Webpräsenz des Berliner Zoos
• Porträt und Bildergalerie bei rbb-online.de
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