Hitler-Jugend
Die Hitler-Jugend (HJ) war die Jugend- und Nachwuchsorganisation der NSDAP, die zur ?Erziehung? der Jugend diente und dafür sorgte, dass sich bei den Heranwachsenden ein Bewusstsein bildete, das dem Nationalsozialismus dienlich war.Anfänge
Die Geschichte der HJ begann bereits 1922 mit der Gründung des ?Jugendbundes der NSDAP? in München. Dieser Jugendbund war die erste offizielle Jugendorganisation der NSDAP, er war untergliedert in ?Jungmannschaften? (14- bis 16-jährige) und den ?Jungsturm Adolf Hitler? (16- bis 18-jährige). Die Initiative zur Schaffung dieses Jugendbundes ging vom NSDAP-Parteimitglied Adolf Lenk und nicht etwa von der Parteiführung aus. Der Jugendbund wurde in den Parteiapparat eingebaut, der ?Jungsturm Adolf Hitler? unterstand unmittelbar der SA-Führung. Er galt als Jugendabteilung der SA_(Sturmabteilung), anfangs trugen die Jugendlichen daher die gleiche Uniform wie die SA-Leute. Folglich wurde dieser Jugendbund in der Öffentlichkeit und sogar in weiten Teilen der Partei gar nicht als eigenständige Organisation wahrgenommen und blieb in einem relativ bedeutungslosen Stadium.
Nach dem gescheiterten Putsch von 1923 (Hitler-Ludendorff-Putsch) wurden verschiedene Gruppen des Jugendbundes unter Decknamen weitergeführt. Letztlich konnte sich nur eine Gruppe in Plauen um ihren Führer Kurt Gruber halten. Ihm gelang es, die Mitgliederzahl rasch zu steigern und 1926 kam auf Betreiben Grubers der Zusammenschluss einiger solcher Gruppen unter der Bezeichnung ?Großdeutsche Jugendbewegung? (GDJB) zustande. Diese zunächst auf Sachsen beschränkte Bewegung unterstellte sich nun der nach Hitlers Entlassung neu gegründeten NSDAP, war aber keine Parteijugend. Mehrere Wehrjugendverbände konkurrierten um die parteiamtliche Anerkennung durch die NSDAP. Als schärfster Kontrahent zur GDJB erwies sich dabei die von Gerhard Roßbach gegründete ?Schilljugend?. Nach einem kurzen Machtkampf setzte sich Gruber schließlich durch und die ?Großdeutsche Jugendbewegung? wurde zur offiziellen Jugendorganisation der NSDAP.
Gründung
Am 3. und 4. Juli 1926 in Weimar, auf dem ersten Parteitag der NSDAP nach der Neugründung 1925, wurde die GDJB (Großdeutsche Jugendbewegung) dann auf einer Sondertagung für Jugendfragen im Vereinslokal ?Armbrust? in ?Hitler-Jugend, Bund deutscher Arbeiterjugend? umbenannt und war fortan einzige Jugendorganisation der NSDAP. Sie blieb allerdings bis zur Machtübernahme des Nationalsozialismus 1933 relativ unbedeutend. Namensgeber war Hans Severus Ziegler, später stellvertretender Gauleiter in Thüringen. Baldur von Schirach fungierte auf dem Parteitag als Melder. An der Gründung der HJ ist er ? entgegen landläufiger Meinung ? nicht beteiligt gewesen.
Pflichtmitgliedschaft
thumb|180px|Erinnerungsplakette_an_ein_HJ-Zeltlager_1936
Um die Jugendlichen dazu zu bewegen, in die Hitler-Jugend einzutreten, lief eine gewaltige Werbekampagne: Geworben wurde mit Fahrten und Zeltlagern. Die Reiter-, Motor-, Flieger-, Marine-, Nachrichten-HJ sprach die technisch begabten und sportlichen Jugendlichen an; die Jugendlichen, deren Talent im künstlerischen Bereich lag, konnten sich bei Fanfarenzügen und Theaterspielscharen betätigen. Feiern wie zur Sommersonnenwende oder zum Gedenken an die ?Märtyrer der Bewegung? versprachen das Erlebnis von Gemeinschaft. Wer der HJ nicht beitrat, zählte als Außenseiter. Beamte wurden dazu verpflichtet, ihre Kinder in die HJ zu schicken.
Seit dem 1. Dezember 1936 war die Mitgliedschaft gemäß dem ?Gesetz über die Hitler-Jugend? und zusätzlich bekräftigt durch die ?Jugenddienstpflicht? (25. März 1939) nicht mehr freiwillig, das heißt, ab dieser Zeit wurde die Mitgliedschaft für alle 10- bis 18- jährigen Jugendlichen obligatorisch; alle wurden in der Hitler-Jugend erfasst. Die Teilnahme an deren Veranstaltungen konnte ? vergleichbar mit der Schulpflicht ? auch gegen den Willen der Eltern polizeilich erzwungen werden; dagegen half aber ? wie in der Schule ? eine schriftliche Entschuldigung der Eltern.
Am 9. März 1940 wurden die Bestimmungen und Vorschriften in der Polizeiverordnung ?Zum Schutz der Jugend? erweitert.
Aufgaben
thumb|180px|HJ-Armband_für_medizinisches_Personal
Im Gegensatz zu den Jugendverbänden der Weimarer Republik hatte die HJ gesellschaftliche und staatliche Aufgaben zu erfüllen. Sie sollte die Jugend im Sinne der NS-Ideologie prägen und gleichzeitig als ?wesentliches Mittel der Herrschaftssicherung? (Klönne) fungieren. Obwohl dies einen Bruch mit dem unabhängigen Selbstverständnis der deutschen Jugendbewegung vor 1933 bedeutete, nahm die HJ für sich in Anspruch, diese fortzuführen. Eine Kooperation zwischen HJ und anderen Jugendorganisationen hatte vor 1933 kaum bestanden, denn im Reichsausschuss Deutscher Jugendverbände war die HJ nicht vertreten. Bei Auf- und Ausbau ihrer Monopolstellung auf dem Gebiet der Jugendarbeit behielt sie deren Traditionen (z. B. das Prinzip der Selbstführung) und Personalstruktur (erst 1936 wurden hier ehemalige bündische Führer entfernt) bewusst bei, um die zentrale Lenkung und Gestaltung des HJ-Dienstes zu verschleiern. Dieser zielte darauf ab, politische und ideologische Inhalte zu vermitteln, wobei der Schwerpunkt bei der HJ auf vormilitärischer Ertüchtigung lag, während der BDM den Fokus neben der sportlichen Betätigung auch auf die hauswirtschaftliche Vorbereitung für die künftige Mutterrolle richtete. Zu diesem Zweck wurde die Jugend ? zusätzlich zum regulären HJ-Dienst ? in ein umfangreiches Aktionsprogramm (u. a. Organisation von Fahrten und Lager, Inszenierung von Wettkämpfen und kulturellen Veranstaltungen) eingebunden, das speziell ihren Interessen und Bedürfnissen angepasst war. Die HJ-Erziehung hatte somit die Tendenz, sich als neue und für Jugendliche attraktive Gegenkraft zu tradierten Normen der Erziehungsinstanzen (Schule, Elternhaus und Kirche) zu etablieren, mit dem Ziel, diese letztendlich auszuschalten.
Die Entwicklung der HJ
Bis 1933
Gruber und die Hitler-Jugend (HJ) wurden kurze Zeit nach dem Weimarer Parteitag (4. Juli 1926) den obersten SA-Führern (Führer der Sturmabteilung) unterstellt. Angeblich soll die HJ von Hitler als eine Art von Jugendabteilung der SA, der Sturmabteilung, die als Hitlers Privatarmee diente, angesehen worden sein. Ende 1926 wurde von der NSDAP beschlossen, dass alle Mitglieder der HJ, die 18 Jahre alt wurden, in die SA überzutreten hätten. Diese Anweisung dürfte einer der Hauptgründe für die im Vergleich zu anderen nationalsozialistischen Vorfeldorganisationen relativ geringe politische Bedeutung der HJ bis 1933 gewesen sein. So war die HJ gezwungen den Großteil ihrer erfahrenen Kader und Aktivisten an die SA abzutreten und war daher im Vergleich zu anderen Jugendorganisationen wie dem kommunistischen KJVD nur eingeschränkt zu eigenständiger politischer Arbeit fähig und für den Straßenkampf kaum zu gebrauchen. So blieb die HJ bis zur Machtübertragung an die Nationalsozialisten weitestgehend ein Anhängsel der Sturmabteilung. Dies führte auch zum Beschluss, mehr Gewicht auf Jugendarbeiten wie Heimatabende und Fahrten zu legen. Zu dieser Zeit entstanden die ersten NSDAP-Schülergruppen. Diese wurden vereinigt und bekamen den Namen NS-Schülerbund. Theodor Adrian von Renteln, ein nationalsozialistischer Funktionär und Politiker, leitete den NS-Schülerbund. Gleichzeitig wurde der Bund Deutscher Mädel gegründet.
Am Parteitag der NSDAP 1926 marschierten immerhin schon rund 2.000 Jugendliche an Hitler vorbei. Davon waren etwa die Hälfte Österreicher. 1931 trat Gruber als Reichsführer der HJ zurück. Im Herbst 1931 wurde Baldur von Schirach von Adolf Hitler zum Reichsjugendführer der NSDAP (im Range eines SA-Gruppenführers) ernannt und führte die HJ, den NS-Studentenbund (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) und den NS-Schülerbund. Am 13. April 1932 wurde die HJ durch das Verbot und die Verfolgung der SA betroffen und ebenfalls verboten. Dies galt jedoch nur für eine kurze Zeit. Die HJ arbeitete illegal weiter und Schirach schrieb, dass die HJ in dieser Zeit ihre besten Leute gewonnen habe. Die Zahl der Mitglieder wuchs in dieser Zeit auf zirka 35.000 an.
Am 1. und 2. Oktober 1932, dem Reichsjugendtag der HJ in Potsdam, marschierte die Teilnehmerkolonne der etwa 80.000 Jugendlichen mehr als sieben Stunden an Adolf Hitler vorbei. Das wies auf eine nicht zu übersehende Rolle im öffentlichen und politischen Leben Deutschlands hin. Die HJ wurde sehr stark für den Wahlkampf eingesetzt, wobei die HJ die NSDAP mit Demonstrationen und Propagandaaktionen tatkräftig unterstützte.
Das Jahr 1932 war für die HJ ein Jahr der Demonstrationen, Kundgebungen, Propagandaaktionen, Versammlungskampagnen und Märsche. Die HJ war vielmals die tragende Macht bei oben genannten Aktionen und wirkte bei fast allen mit. Bis 1933 starben 21 Angehörige der HJ bei politischen Auseinandersetzungen mit der Regierung oder politisch anders orientierten Organisationen.
Die Mitglieder der HJ setzten sich wie folgt zusammen:
*69% Jungarbeiter und Lehrlinge
*10% in kaufmännischen Berufen
*12% Schüler
*Der Rest waren Arbeitslose
Die allgemeine Not im Gefolge der Pariser Vorortverträge und während der Weltwirtschaftskrise veranlasste viele Zeitgenossen, die einzige Rettung von solchen Parteien zu erhoffen, die ein völlig anderes politisches System forderten. Das waren die NSDAP und die KPD. Die äußerst schlechten Zukunftsaussichten brachten auch den Jugendorganisationen der rechts- und links-radikalen Parteien Zulauf.
Die Abhängigkeit der HJ von der Partei im Politischen sowie im Organisatorischen ist unverkennbar. Die HJ betonte das auch immer wieder deutlich, wie beispielsweise eine Aussage von Arthur Axmann, zweiter Reichsjugendführer, belegt: ?Die HJ ist gross geworden als Gliederung der Partei ? sie hatte stets den gleichen Weg und das gleiche Schicksal.?
1933 bis 1939
Am 30. Januar 1933 übernahm die NSDAP in Deutschland die Macht. Damit bekam die HJ eine ganz neue Funktion. Diese wurde mit folgender Parole verkündet: ?Die Kampfauslese der HJ muss nun zur Volksjugend werden.?
Weil die NSDAP jetzt die einzige erlaubte Partei in Deutschland war, wollte die HJ die einzige Jugendorganisation sein. Die Führung der HJ strebte danach, so viele Jungen und Mädchen wie möglich in die HJ zu bekommen. Gleichzeitig versuchte sie, in der HJ die Erziehungsfunktion zu übernehmen und Betätigungsmöglichkeiten wie Sport und Lager zu organisieren. Hans-Helmut Dietze schrieb: ?Die HJ will sowohl die Gesamtheit der Jugend, wie auch den gesamten Lebensbereich des jungen Deutschen erfassen.?
Die NSDAP und somit Hitler selbst beschlossen, die gesamte Jugend zu erfassen, zu kontrollieren und nach dem nationalsozialistischen Gedankengut zu erziehen. Schirach beschloss sehr früh, einige Jugendverbände aus dem Reichsausschuss deutscher Jugendverbände auszuschliessen. Ein Jugendverband nach dem anderen wurde verboten, von der HJ übernommen oder trat selbstständig über. Dabei ist zu beobachten, dass rechte Organisationen viel länger überlebten als linke, katholische oder soziale Organisationen. Damit begann ein sehr großer Zuwachs von Jugendlichen bei der HJ. Auffallend ist, dass viele neue Mitglieder der HJ vorher kein Interesse gezeigt hatten, einer Jugendorganisation beizutreten.
Es gab jedoch einige Jugendverbände, die nach Ansicht der HJ gefährlich waren. Es handelte sich dabei um konfessionelle Jugendverbände oder auch freie Jugendbewegungen, die sich als eigenständige Selbsterziehungsgemeinschaften sahen und sich aufgrund der Verbote im Grossdeutschen_Bund zusammengeschlossen hatten. Da Schirach nicht genug Macht hatte um dieses Problem zu lösen, drängte er auf eine institutionelle Festigung seiner Machtposition. Er wurde am 17. Juni 1933 von Hitler zum Jugendführer des Deutschen Reiches ernannt. Damit hatte er die Aufsicht über alle Jugendorganisationen und jede Neugründung musste von ihm bewilligt werden. Zudem konnte er die Führung der jeweiligen Jugendorganisationen wählen, beziehungsweise abwählen. Damit war die gesamte Jugendarbeit in Deutschland unter der Kontrolle der HJ-Führung.
Das Erste, was Schirach in seiner neuen Machtposition unternahm, war, den Grossdeutschen Bund aufzulösen. Zur gleichen Zeit wurden auch die bündischen und freien Jugendbewegungen aufgelöst und verboten. Ende 1933 wurde die Evangelische Jugend Deutschlands (800'000 Mitglieder) formal von der HJ aufgenommen. Damit durfte die Jugendarbeit der evangelischen Kirche nur noch rein seelsorgerischer Natur sein. Nur wer auch HJ-Mitglied war, konnte in die evangelischen Jugendwerke aufgenommen werden.
Mit der katholischen Jugend sollte ebenso verfahren werden. Es gab jedoch energischen Widerstand von Seiten der Katholiken. Artikel 31 des Reichskonkordats gab ihnen einen gewissen Schutz. Schirach griff zu anderen Mitteln und führte Terrorakte und Propagandaaktionen gegen die katholische Jugend durch. Er ließ auch regionale Verbote aufstellen, wie zum Beispiel die Bestimmung, dass Kinder von Beamten nicht in der katholischen Jugend sein durften.
Damit stieg die Mitgliederzahl der HJ nochmals enorm. Ende 1932 verzeichnete die HJ eine Mitgliederzahl von 107.956 und Ende 1934 waren es bereits 3.577.565.
Zwischen 1934 und 1937 kam es vorübergehend zur Einrichtung eines so genannten Staatsjugendtages, an dem für die Mitglieder der Hitler-Jugend anstelle von Schulunterricht HJ-Dienst stattfand. Nur die wenigen noch nicht organisierten Jugendlichen einer Schule mussten zum Unterricht erscheinen.
Die HJ begann Sportwettkämpfe zu organisieren und es wurden Leistungsabzeichen geschaffen, die an der nun einheitlichen Uniform angebracht wurden. Die Uniform wurde vom Staat vorgeschrieben. Mit den dazugehörigen Abzeichen wurde eine starke Hierarchie eingeführt.
Am 1. Dezember 1936 veröffentlichte Hitler das Gesetz über die Hitler-Jugend:
Mit diesem Gesetz wurde die HJ die einzige und umfassende Institution der Jugenderziehung außer dem Elternhaus und der Schule und zum ersten Mal wurde klar ausgedrückt, wo die HJ stand. Sie umfasste die ganze deutsche Jugend. Diese Gesamtheit der deutschen Jugend wurde damit in der HJ mit nationalsozialistischem Gedankengut erzogen. Sie stand unter der Führung der NSDAP und somit unter der Führung Hitlers.
Die Jahre nach diesem Gesetz dienten vor allem der Festigung von Positionen und Systemen der HJ. Nachdem die Position gesichert und gefestigt war, konzentrierte sich die Führung der HJ auf die Gegner und die immer noch bestehenden Jugendgruppen. Am 18. Juni 1937 wurde die Doppelmitgliederschaft in der HJ und der katholischen Jugend verboten und ähnliche Maßnahmen wurden getroffen, um die katholische Jugend ganz auszuschalten.
Bei der Besetzung von Edelweißpiraten und der Widerstandsgruppe ?Weiße Rose?. Einige Studenten an der Universität in München bildeten um den Philosophen Prof. Kurt Huber die ?Weiße Rose?. Diese Gruppe versuchte, mit Flugblattaktionen und Mauerschriften auf die Willkürherrschaft Hitlers aufmerksam zu machen. Dem begegnete die HJ-Führung mit Ausweitung des Jugend-Arrestes, verschärften Kontrollen des Streifendienstes und Zuhilfenahme der Staatsorgane und ihrer Mittel. Im Falle der Organisation ?Weiße Rose? wurde die Spitze dieser Bewegung, unter anderem Sophie Scholl, zum Tode verurteilt.
Nach dem Krieg verschwand die HJ von der Bildfläche. Einige HJ-Führer versuchten, die HJ illegal weiter leben zu lassen, was aber scheiterte.
A. Klönne bringt auf den Punkt, dass die HJ eine Organisation mit einem ?perfekt-staatischen Erfassungssystem mit Zwangscharakter, paramilitärischen Organisationsformen und starker Betonung der Wehrertüchtigungsfunktion war. ?(?) Im Krieg lag die Funktion der HJ (als eine Art Kriegshilfsorganisation) weitgehend bei der Durchführung von Wehrertüchtigung und Einsätzen an der Heimatfront.?
Die HJ im ?Volkssturm?
Gegen Ende des Zweiten_Weltkriegs wurden Angehörige der HJ auch zu Volkssturm-Einheiten dienstverpflichtet, die im Osten wie im Westen gegen die vorrückenden alliierten Truppen eingesetzt wurden. Mit Panzerfäusten ausgerüstet bildeten sie sogenannte Panzer-Jagdkommandos. Im April 1945 fanden in der Nähe des Berliner Olympiastadions Tausende jugendliche Mitglieder der Hitler-Jugend als Teil des sogenannten Volkssturms den Tod. Auf Veranlassung des Sportfunktionärs Carl Diem und des Reichsjugendführers Arthur Axmann waren sie gegen die von Westen ins eingekreiste Berlin vorrückenden schwerbewaffneten sowjetischen Panzertruppen als letzte Reserve eingesetzt worden, um das schon von der Roten Armee eingenommene Reichssportfeld zurückzuerobern. Vorwiegend im Westen sollen bei Annäherung des Frontverlaufs Angehörige der HJ vereinzelt auch zu _Werwolf-Aktionen rekrutiert worden sein.
Gliederung
Formationen der Hitler-Jugend
*das Deutsche Jungvolk
(10- bis 14-jährige Jungen),
seine Mitglieder im ersten Jahr Pimpfe genannt
*die eigentliche Hitler-Jugend
(14- bis 18-jährige Jungen)
*der Jungmädelbund
(10- bis 14-jährige Mädchen)
*der Bund Deutscher Mädel (BDM)
(14- bis 17-jährige Mädchen)
*das BDM-Werk Glaube und Schönheit
(17- bis 21-jährige Mädchen)
Sonderformationen
*die Flieger-HJ
*die Motor-HJ
*die Marine-HJ
*die Nachrichten-HJ
*die Reiter-HJ
*die HJ-Feuerwehrscharen
*die HJ-Bergfahrtengruppen
*der HJ-Streifendienst
*die HJ-Feldschere
*die BDM-Gesundheitsdienstmädel
*die Gebirgsjäger-HJ
*die Rundfunkspielscharen der HJ
Jährliche Parolen des Reichsjugendführers
Ab 1934 stand jedes Jahr unter einem besonderen Motto, nach dem der ?Dienstplan? der HJ schwerpunktmäßig ausgerichtet wurde. Diese hießen im Einzelnen:
*1934 Jahr der Organisation
*1935 Jahr der Schulung
*1936 Jahr der Ertüchtigung
*1937 Jahr des Jungvolks
*1938 Jahr der Heimbeschaffung
*1939 Jahr der Verständigung
*1940 Jahr der Gesundheit
*1941 Jahr der Bewährung
*1942 Unser Leben: Ein Weg zum Führer
*1943 Jahr des Osteinsatzes und des Landdienstes
*1944 Kriegseinsatz der deutschen Jugend
*1945 Jahr der Kriegsfreiwilligen
Dienstränge
Dienstränge und Rangabzeichen
Die Ränge in der Hitler-Jugend waren: Hitlerjunge, Rottenführer, Oberrottenführer, Kameradschaftsführer, Oberkameradschaftsführer, Scharführer, Oberscharführer, Gefolgschaftsführer, Obergefolgschaftsführer, Hauptgefolgschaftsführer, Stammführer, Oberstammführer, Unterbannführer, Bannführer, Oberbannführer, Hauptbannführer, Gebietsführer, Obergebietsführer, Stabsführer der RJF, Reichsjugendführer.
Daneben gab es (erwachsenes) medizinisches Personal mit den Diensträngen: Oberfeldscher, Hilfsarzt, Truppenarzt, Hauptarzt, Hauptstabsarzt.
Die Ränge im Deutschen Jungvolk waren: Pimpf, Hordenführer, Oberhordenführer, Jungenschaftsführer, Oberjungenschaftsführer, Jungzugführer, Oberjungzugführer, Fähnleinführer, Oberfähnleinführer, Hauptfähnleinführer, Jungstammführer, Oberjungstammführer, Jungbannführer, Oberjungbannführer, Hauptjungbannführer und Gebietsjungvolkführer.
Alle Rangabzeichen wurden am rechten Oberarm auf runden schwarzen Scheiben in Form von weißen
Winkeln und Sternen getragen: 1 Winkel, 2 Winkel, 1 Stern, 1 Stern und 1 Winkel, 2 Sterne und 1 Winkel in der vorgenannten Reihenfolge.
thumb|none|650px|Hitlerjunge_(1)_Rottenführer_(2)_Oberrottenführer_(3)_Kameradschaftsführer_(4)_Oberkameradschaftsführer_(5)_Scharführer_(6)_Oberscharführer_(7)_Gefolgschaftsführer_(8)_Obergefolgschaftsführer_(9)_Hauptgefolgschaftsführer_(10)_Stammführer_(11)_Oberstammführer_(12)
thumb|none|750px|Bannführer_(13)_Oberbannführer_(14)_Hauptbannführer_(15)_Gebietsführer_(16)_Obergebietsführer_(17)_Stabsführer_(18)_Reichsjugendführer_(Kragenspiegel)_(19)
Dienststellungen und Führerschnüre
Vom Dienstrang zu unterscheiden war die Dienststellung. Die Dienststellung gab an, was für eine Einheit der Inhaber tatsächlich als Einheitsführer zu führen hatte.
Dienststellungen in der Hitler-Jugend / im Deutschen Jungvolk (erkennbar an der Führerschnur):
* Kameradschaftsführer / Jungenschaftsführer (zwei einfache Kordeln rot und weiß)
* Scharführer / Jungzugführer (geflochtene Kordel grün)
* Hauptscharführer / Hauptjungzugführer = in jeder Gefolgschaft / in jedem Fähnlein ein fünfter Scharführer / Jungzugführer, dem der Gefolgschaftsführer / Fähnleinführer Verwaltungsarbeit und andere Geschäftsaufgaben auftragen konnte (geflochtene Kordel grün-schwarz)
* Gefolgschaftsführer / Fähnleinführer (geflochtene Kordel grün-weiß)
* Stammführer / Jungstammführer (geflochtene Kordel weiß)
Die einfachen Kordeln trug der Einheitsführer vom Knopf der linken Hemdtasche zum mittleren Hemdenknopf, die geflochtene Kordel vom Knopf der linken Hemdtasche zur linken Schulterklappe.
Einheitsführer vom Bannführer / Jungbannführer aufwärts trugen keine Führerschnüre, sondern nur ihre Rangabzeichen.
Gebietsdreieck, Armbinde, Siegrune
Das ?Gebietsdreieck? war ein Aufnäher oben am linken Hemdärmel in Gestalt eines flachen Dreiecks, dessen Schrift den Namen des Gebiets nannte (für Hitler-Jugend und Jungvolk übereinstimmend). Unterhalb des Gebietsdreiecks trugen Angehörige der Hitler-Jugend eine Armbinde rot-weiß-rot mit schwarzem Hakenkreuz, Angehörige des Deutschen Jungvolks einen runden Aufnäher mit einer einfachen Siegrune.
Literatur
*Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg. Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik, hrsg. v. Institut f. Zeitgeschichte. Bd. 13/1 u. 2. München 2003.
*Karl-Heinz Huber: Jugend unterm Hakenkreuz. Frankfurt am Main-Berlin: Ullstein. 1986.
*Michael H. Kater: Hitler-Jugend, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2005. [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=4964&type=rezbuecher&sort=datum&order=down&search=Hitler%2DJugend Rezension]
*Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Dokumente und Analysen. Düsseldorf 1982.
*Werner Klose: Generation im Gleichschritt. Die Hitlerjugend. Ein Dokumentarbericht. Oldenburg-Hamburg-München 1982.
*Hannsjoachim W. Koch: Geschichte der Hitlerjugend. Ihre Ursprünge und ihre Entwicklung 1922?1945. Percha 1975.
*Heinz Schreckenberg: Erziehung, Lebenswelt und Kriegseinsatz der deutschen Jugend unter Hitler. Münster 2001 (= Geschichte der Jugend; 25).
*Hans Siemsen, Die Geschichte des Hitlerjungen Adolf Goers,Verlag Rosa Winkel 2000
*Stachura, Peter D.: Nazi Youth in the Weimar Republic (= Studies in comparative politics; 5), Santa Barbara (Calif.), 1975, S. 20?40
*Schubert-Weller, Christoph: Hitlerjugend. Vom ?Jungsturm Adolf Hitler? zur Staatsjugend des Dritten Reiches.'' München: Weinheim. 1993.
*Olaf Zwake/Helmut Lensing, Die Hitler-Jugend im Lingener Land 1933 ? 1936. Eine neue Sozialisationsinstanz zwischen Anspruch und Alltagsleben, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Emsländische Geschichte Bd. 13, Haselünne 2006, S. 199-318.
Siehe auch
• im Nationalsozialismus]
• HJ-Fahrtenmesser
*?Stadt_der_Jugend?]
•_
• Schutzwallehrenzeichen
*Swing-Jugend
*[[Vorwärts!' target='blank'>Vorwärts! schmettern die hellen Fanfaren]
Weblinks
• Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv, Bestand RS 3?12, 12. SS-Panzer-Division Hitlerjugend
*http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/organisationen/jugend/
• Bilder zur Hitler-Jugend
• Text des ?Gesetzes über die Hitler-Jugend?
• Text der Verordnung ?Jugenddienstpflicht?
• ausführlicher Artikel zur HJ bei Shoa.de
• Klassenfahrt um 1935, Sport, Wandern, Jugendherberge

