Bank für Gemeinwirtschaft
Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), hervorgegangen aus den Gemeinwirtschaftsbanken der Gewerkschaften, ist ein ehemaliges Kreditinstitut, das heute in der SEB AG aufgegangen ist.Zu den Gemeinwirtschaftbanken zählten ebenfalls die BAWAG, Wien und die Genossenschaftliche Zentralbank, Basel.
Geschichte
Als Gemeinwirtschaftsbanken wurden die Banken bezeichnet, die nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland von den Gewerkschaften in Verbindung mit den Konsumgenossenschaften aufgebaut wurden.
Sie setzten damals die Tradition der schon die in den Zwanzigern bestehenden kleineren Gewerkschaftsbanken und Konsumgenossenschaften fort.
Nach dem Krieg war durch alliierte Gesetzgebung kein bundesweit agierendes Kreditinstitut erlaubt. Es wurden daher gewerkschaftliche Banken in Frankfurt am Main, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart gegründet. 1953 wurde zusätzlich die Bank für Wirtschaft und Arbeit in Berlin gegründet.
1958 schlossen sich die sechs auf dem Gebiet der Bundesrepublik liegenden Gemeinwirtschaftsbanken zur Bank für Gemeinwirtschaft AG (BfG AG), Frankfurt am Main, zusammen. Zu dieser Zeit gehörten 95 % des Grundkapitals dem Deutschen_Gewerkschaftsbund bzw. seinen einzelnen Gewerkschaften.
1963 fusionierte die BfG mit der Bank für Wirtschaft und Arbeit in Berlin.
1974 wird die Beteiligungsgesellschaft für Gemeinwirtschaft BGAG gegründet und wird Hauptaktionär.
1987 übernimmt die Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft die Aktienmehrheit.
1991 firmierte die Bank in BfG Bank AG um, wobei die drei Buchstaben nun keine Abkürzung mehr, sondern einfach ein Name sind.
1993 übernimmt die Crédit Lyonnais, Paris, die Aktienmehrheit.
2000 schließlich erwirbt der schwedische Finanzkonzern Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) 100 % der Aktien.
2001 firmiert die BfG AG in SEB AG um und verliert damit ihre eigenständige Identität.
Geschäftspolitik
Gemeinwirtschaft
Die Geschäftspolitik der Bank für Gemeinwirtschaft wurde durch die Ideologie der Gemeinwirtschaft bestimmt. Die BfG sollte nicht nur die Hausbank der Gewerkschaften sein, sondern nachweisen, dass eine Bank auch ohne privates Gewinnstreben sondern im Gemeinwohlinteresse erfolgreich betrieben werden konnte.
Die BfG galt lange Zeit als Bank für kleine Leute und wurde wegen der erzielten Gewinne bis in die 1980er Jahre als "Perle" der Gewerkschaftsunternehmen bezeichnet. Anfang der 80er war sie kurz davor, die Commerzbank als drittgrößtes Kreditinstitut Deutschlands abzulösen. Sie litt danach nicht zuletzt unter dem Skandal um die Neue Heimat, der das Image aller Gewerkschaftsunternehmen beschädigte, allerdings gab es auch Managementfehler und -instinktlosigkeiten. So wurde auf dem Höhepunkt der Affäre um Kurt Waldheim dessen Neffe in den Vorstand berufen oder als das Hütten- und Bergwerke Rheinhausen geschlossen wurde, eröffnete die BfG dort eine neue Niederlassung.
Vor allem aber führte eine riskante Kreditpolitik (insbesondere Kredite an Staaten der dritten_Welt und des ehemaligen Ostblocks zu existenzbedrohenden Verlusten. Die Bank rutschte Mitte der 1980er Jahre in die negativen Zahlen, nur etwa ein Dutzend von rund 75 Filialen arbeiteten mit Gewinn.
So teilte die BfG das Schicksal der anderen gemeinwirtschaftlichen Unternehmen (z.B. Neue Heimat, co op AG, AHHB und zuletzt BAWAG in Österreich): Durch Misswirtschaft in die Krise geraten, kosteten diese Unternehmen die Gewerkschaften viel Geld und konnten nur als "normale", gewinnorientierte Unternehmen am Markt bestehen.
Allfinanz
Nachdem lange Zeit kein Käufer für eine Minderheitsbeteiligung gefunden wurde, musste eine Aktienmehrheit (50% plus eine Aktie) an die Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft abgegeben werden. In der Folge gab es Massenentlassungen, die Zahl der Mitarbeiter und Filialen wurde unter dem Vorstandsvorsitzenden Paul Wieandt um ein Viertel reduziert. Drei Viertel der Führungskräfte mussten das Haus verlassen.
Strategisches Ziel der AM war eine Allfinanz-Geschäftspolitik: Der Vertrieb von Bankprodukten und Versicherungen unter einem Dach.
Trotz dieser drastischen Sparmaßnahmen gelang der Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft eine Sanierung nicht. Die Geschäftspolitik wurde auf wohlhabendere Kunden ausgerichtet, doch dass widersprach dem Image der Bank und diese Kundenkreise konnten nicht gewonnen werden. Auch der Versuch, in einer Bank Versicherungsprodukte zu verkaufen, blieb erfolglos. Die BfG wurde dann als deutsches Tochterunternehmen an Auslandsbanken verkauft, erst an die Crédit Lyonnais, dann an die Skandinaviska Enskilda Banken.
Die BfG gilt bis heute als eines der kreativsten Kreditinstitute überhaupt. Sie entwickelte zahlreiche Produkte, die heute Standardangebot aller Banken sind. Dazu gehört der Sparbrief mit steigenden Zinsen im Laufe der Jahre, um den Kunden langfristig zu binden (Vorbild für den Bundesschatzbrief), das Konto inklusive aller Dienstleistungen zum monatlichen Einheitspreis und die Einführung des Kontos mit kostenloser Kreditkarte.

