Banastre Tarleton
, 1782]]Sir Banastre Tarleton Bt. (21. August 1754 in Liverpool, England; ? 16. oder 25. Januar 1833 in Leintwardine, Shropshire), britischer Offizier im Amerikanischen_Unabhängigkeitskrieg, berüchtigt für seine brutale, oft sadistische Kriegsführung (Spitzname von amerikanischer Seite bloody ban oder butcher(Schlächter)). Er ist eine der umstrittensten Figuren des Revolutionskrieges.Jugend
Banastre Tarleton war das vierte von sieben Kindern des Kaufmanns, Schiffseigners und Sklavenhändlers John Tarleton aus Liverpool (1719-1773), der dort 1768 sogar Bürgermeister war. Er studierte am Middle Temple in London und bis 1771 in Oxford. Da er die geerbten 5000 Pfund beim Spiel verloren hatte, mußte er in die Armee eintreten und kaufte sich eine Kommission als Kavallerieoffizier bei den 1. Dragoon guards, erwies sich aber schon bald als fähig und ?gut zu Pferd?.
Amerikanische Revolution
Im Dezember 1775 ging er als Freiwilliger unter General Cornwallis nach Amerika in den Unabhängigkeitskrieg. 1776 wurde er Brigademajor der Kavallerie.
Unter dem Befehl von Oberst William Harcourt, nahm er an Aufklärungsritten teil, die die Bewegungen von General Charles_Lee´s Truppen in New Jersey erkunden sollten. Am Freitag den 13. Dezember umzingelte er dort ein Haus in Basking Ridge, in dem sich Lee aufhielt, und erzwang dessen Gefangennahme durch Androhung, es abzubrennen.
Anfang 1780 wurde er Kommandeur der ?British Legion?, einer aus leichter Infantrie und Kavallerie gemischten Truppe, auch ?Tarleton´s Raiders? genannt (?raid? werden im Englischen schnelle Aufklärungs/Beute-Ritte der Kavallerie gennant). Mit ihnen operierte er im selben Jahr in South Carolina zur Unterstützung der Kampagne von General Henry Clinton, die zur Eroberung von Charleston führten.
Am 29. Mai 1780 überwältigte er mit 150 Berittenen eine Miliztruppe von 350 bis 380 Virginiern unter Abraham Buford. Dieser weigerte sich zunächst sich zu ergeben und setzte seinen Marsch fort, wurde aber durch starke Verluste zur Aufgabe gezwungen. Nach amerikanischen Angaben ignorierte Tarleton danach die weiße Flagge und setzten das Massaker fort, nach seinen eigenen Worten brach in seiner Truppe Chaos aus, nachdem sein Pferd unter ihm weggeschossen wurde und seine Leute glaubten er sei tot. Am Ende wurden 113 Amerikaner getötet und 203 gefangen genommen, wobei 150 wegen zu großer Verwundung zurückgelassen wurden. Tarleton´s Verluste waren 5 Tote und 12 Verwundete. Das kleine Scharmützel wurde von den Briten ``Schlacht von Waxhaw Creek`` getauft, von den Amerikanern Waxhaw Massaker oder Buford Massaker. Es trug viel zur Motivation und zu Rachegelüsten bei den amerikanischen Milizen bei. Ähnlich wie im Dreißigjährigen Krieg vom ?Magdeburger Pardon?, sprach man dort von ?Tarletons Gnade? (im Sinne von keine Gnade), ?Tarletons quarter?.
In South Carolina hatte Tarleton in Francis Marion einen Guerilla-Gegner, den er nie zu fassen bekam und sich deshalb an der Zivilbevölkerung schadlos hielt, die er damit noch mehr gegen sich und die Briten aufbrachte. Angeblich soll er z.B. die Witwe des verstorbenen amerikanischen Generals Richardson gezwungen haben, die Leiche auszugraben und mit dem Leichnam zu dinieren (November 1780, bei Nelson´s Ferry). Nach anderen Schilderungen ließ er sich erst höflich von der Witwe zum Diner einladen, um danach Haus, Vieh und Felder zu verbrennen. Auch viele britische Offiziere waren von seinem Vorgehen abgestoßen.
Tarleton war wesentlich am Sieg von Cornwallis in der Schlacht von Camden August 1780 beteiligt. Er siegte bei Fishing Creek in South Carolina und Catawba Fords gegen General Thomas Sumter, hatte aber bei Blackstock Hill im November 1780 schon weniger Erfolg. Im Januar 1781 wurde seine Einheit in der Schlacht von Cowpens gegen Brigadegeneral Daniel Morgan fast aufgerieben. Tarleton gelang es aber zu entkommen.
Nach Erfolgen in Scharmützeln bei Tarrants House und in der Schlacht von Guilford Courthouse März 1781 marschierte er mit Cornwallis nach Virginia. In einem Raid nach Charlottesville versuchte er Gouverneur Thomas Jefferson und das Parlament von Virginia zu fangen. Diese wurden aber durch einen nächtlichen Ritt von 40 Meilen durch Jack Jouett gewarnt, und nur 7 Abgeordnete fielen in Tarleton´s Hände. Sein letzter Posten in diesem Krieg war die Verteidigung Gloucester Point im Rahmen der Belagerung von Yorktown in Virginia. Nach der Kapitulation Ende 1781 kehrte Tarleton, der auf Parole frei gelassen war, nach England zurück. Alle britischen Offiziere mit Ausnahme von ihm wurden nach der Kapitulation von den ehemaligen Gegnern zum Diner geladen.
Politik und weitere Karriere
1784 liess er sich für die Wahlen zum Parlament als Vertreter Liverpools aufstellen, wurde aber knapp geschlagen. 1790 war er erfolgreich und blieb der Vertreter Liverpools bis 1812 (mit der Ausnahem von einem Jahr). Trotz gegensätzlicher Ansichten über den Unabhängigkeitskrieg unterstützte er
Charles James Fox. Als Redner widmete er sich militärischen Themen und dem Sklavenhandel, durch den Liverpool fiel Geld verdiente (nicht zuletzt seine Brüder Clayton und Thomas). Er bekämpfte die Gegner des Sklavenhandels (Abolitionisten) wo er nur konnte. Mit einer Ausnahme stimmte er meist für die Opposition: als die Koalition von Charles Fox und Lord North an die Macht kam (Regierung von William Cavendish-Bentinck, 3. Herzog von Portland) unterstützte er diese und wurde dafür Gouverneur von Berwick und Lindisfarne.
1794 wurde er Generalmajor (Major-General), 1801 Generalleutnant (Lieutenant-General) und 1812 General. Er hatte militärische Kommandos in Irland und England. 1815 wurde er Baron (Baronet) und erhielt 1820 den Bath-Orden.
Nachkommen und Sonstiges
Tarleton heiratete 1798 eine illegitime Tochter des 4. Herzogs von Ancaster. Er hatte aber keine Kinder aus der Ehe. 15 Jahre lebte er mit der Schauspielerin Mary Robinson (Perdita), die er aufgrund einer Wette verführte. Auch diese Verbindung war kinderlos.
Er wurde sowohl von Joshua Reynolds als auch Thomas Gainsborough portraitiert.
Er schrieb eine Geschichte seiner Feldzüge, Campaigns of 1780 and 1781 in the Southern Provinces of North America, London, 1781, in der er sich in sehr günstigem Licht darstellt und Cornwallis kritisiert. Cornwallis kommentierte das nur in seiner Korrespondenz, ein Oberst Roderick Mackenzie öffentlich: Strictures on Lieutenant-Colonel Tarleton's History 1781.
Der Film Der_Patriot aus dem Jahr 2000 von Roland Emmerich stellt Tarleton (Colonel William Tavington genannt, gespielt von Jason Isaacs) aus amerikanischer Sicht als brutalen Schlächter von Zivilisten dar, der in SS-Manier eine Kirche samt dorthin geflüchteten Einwohnern abbrennt. Der Bürgermeister von Liverpool Edwin Clein, für dessen Wähler Tarleton ein nationaler Held ist, verlangte darauf eine Entschuldigung von den Filmemachern.
Er kommt auch in dem Film Amazing Grace von 2006 vor, gespielt von Ciarán Hinds, diesmal als Politiker und parlamentarischer Hauptgegner der Abolitionisten (Sklavereigegnern) unter William Wilberforce.
Literatur
*William Dobein James A Sketch of the Life of Brig. General Francis Marion
*Christopher Hibbert Redcoats and Rebels
*Mark Boatner Cassell's Biographical Dictionary of the American War of Independence, 1763-1783, Cassell, London, 1966, ISBN 0 304 29296 6
Weblinks
• Banastretarleton.org Webseite zu ihm mit seiner eigenen Darstellung der 1780/81 Kampagne, englisch
• Eine Art Tagebuch der Virginia Kampagne, mit Zitaten von Tarleton, James u.a., englisch, pdf Datei

