Ballana
Ballana ist die moderne Bezeichnung eines Friedhofes in Nubien, ganz im Süden des heutigen Ägyptens, auf der Westseite des Nils gelegen. Hier grub Walter B. Emery einen Friedhof mit 122 Grabanlagen aus. Es handelt sich um Hügelgräbern mit unterirdischen Kammern. Es wird vermutet dass Ballana der Bestattungsort der Könige von Nobatia war.Der Friedhof
Die Funde gleichen denen von Qustul. Es gab vereinzelte Menschenopfer und auch Pferde sind mit diesen Herrschern bestattet worden. Das Grab mit der Nummer 80 war unberaubt und enthielt noch die Bestattung eines Königs. Dieser war auf einem Bett bestattet worden. Auf seinem Kopf fand sich noch eine silberne Krone und an Armen und Beinen reicher Schmuck. Weitere Könige sind wohl in Grab 6, 95, 114 und 118 bestattet worden. In jedem dieser Gräber fanden sich Kronen aus Silber, die in ihrem Stil meroitisch-ägyptische mit spätantiken mediterranen Elementen vereinen. In Grab 3 fand sich ein spätantiker Silberteller mit dem Bild des Hermes. In anderen Grabanlagen fanden sich Kandelaber, von denen einige sicherlich im Mittelmeerraum produziert worden sind, andere dagegen sicherlich in Nubien.
Die Grabfunde sind ein beeindruckendes Zeugnis für den Reichtum dieser spätantiken Herrscher, die über weitreichende Handelsbeziehungen verfügten, aber auch eigene Werkstätten hatte, die hochwertige Produkte anfertigten.
Die Bestattungssitten mit Menschen- und Pferdeopfer greifen offensichtlich auf alte aus Kerma stammende Traditionen zurück.
Wichtige Grabanlagen
Grab 47
Das Grab gehörte eventuell einer Königin oder zumindest einer hoch stehenden Dame. Der Grabhügel war bei der Auffindung 39,30 Meter im Durchmesser und noch 6,80 Meter hoch. Er war wie üblich mit dicken Schichten an Kieselsteinen bedeckt. Die Grabkammer im Inneren des Hügels fand sich unberaubt und enthielt die größte Sammlung an Schmuckstücken aus den Friedhöfen von Ballana und Qustul. Am Eingang zu dem Gang, der zur Grabkammer führte, lagen die Skelette von zwei Menschenopfern und ein reich geschmücktes Pferd. Bei den Skeletten lagen noch einige Objekte. Es handelt sich offensichtlich um Diener, die ihrer Herrin mit in den Tod folgen mussten. Eine weitere Dienerin lag direkt am Eingang zur Grabkammer.
In der Grabkammer fand sich die unberührte Tote. Die Leiche war schon stark verfallen, doch fand sich ausgesprochen viel Schmuck, so dass von einer Frau ausgegangen wird. Auf dem Kopf trug sie eine Silberkrone, an den Armen 20 Silberarmreifen, um den Hals einen Silberreifen und 14 Ketten, mit Perlen aus verschiedenen Materialien. Als Armreifen trug sie Silber- und Korallenreifen. Am Kopf eine Reihe von Ohrringen.
In der Grabkammer lagen daneben noch Bronzeschalen, ein Silberbecher und eine Bronzelampe in der Form eines menschlichen Kopfes.
Grab 80
Dieses Grab war das reichste der hiesigen Bestattungen. Die Grabkammer war schon früh in sich zusammengefallen und wurde deshalb nie beraubt.
Der eigentlichte Grabhügel war einst 62 Meter im Durchmesser und 12 Meter hoch. Die Grabanlage innerhalb des Hügels bestand aus vier Räumen. In dem Gang, der zu den Grabkammer führte, fanden sich die Reste von geopferten Pferden und Kamelen. In der ersten Grabkammer lag auch die Leiche des hier bestatteten, bei dem es sich wohl um einen König handelte. Er lag einst auf einer Bahre, von der sich aber nur noch die Metallteile fanden. Auf dem Haupt des Herrschers lag eine Silberkrone, die mit Halbedelsteinen dekoriert war.[http://www.dignubia.org/maps/timeline/ce-0400.htm Bild der Leiche und der Krone (unten)] In seiner linken Hand hielt er Waffen, wie einen Bogen und Pfeile. Um seinen Hals fanden sich Ketten.
Am Kopfende des Herrschers fand sich auch die Leiche eines Hundes, der offensichtlich, das Lieblingstier des Herrschers war und diesem mit ins Jenseits folgte. In dieser Grabkammer fanden sich auch die Reste von anderen geopferten Dienern. Einer von ihnen war offensichtlich ein Soldat, der mit seinem Eisenschwert begraben wurde. Um den König fanden sich zahlreiche Beigaben, darunter viel Keramik, Bronzegefäße und Waffen. Ein Weihrauchbrenner in der Form eines Löwen, ist vielleicht ein Import aus China.
In einer weiteren Kammer der Grabanlage fand sich die Bestattung einer Frau, die eine Krone trug und deshalb wohl als Königin anzusehen ist.
Grab 95
Der unterirdische Teil des Grabes war schon kurz nach der Bestattung eingestürzt, so dass auch hier das Begräbnis unberaubt blieb. Der Grabhügel war bei der Auffindung 56 Meter im Durchmesser und 7,45 Meter hoch. Es fanden sich drei Kammern. In der ersten lag auch das Skelett des Herrschers mit einer Silberkrone. Am Grabeingang lag ein geopferter Diener und das Skelett einer Kuh. Am Nordende des Raumes befand sich die Bestattung der Königin, die auch mit einer Silberkrone geschmückt war. Alle drei Kammern waren angefüllt mit Beigaben. Es fand sich viel Keramik, bronzene Gefäße, Waffen und ein Faltstuhl aus Eisen, vielleicht der Thron des Königs.
Siehe auch
• Quellen und Anmerkungen
Literatur
*Walter B. Emery: Nubian Treasure. London 1948, S. 57-72
Weblinks
*[http://www.numibia.net/nubia/sites_salvage.asp?p_Numb=13 Nubia Museum (engl)

