Ballade
Das Wort Ballade leitet sich her aus der okzitanischen Sprache der südfranzösischen mittelalterlichen Trobadordichtung und bezeichnet ursprünglich eine Gattung des Tanzliedes.
Okzitanisch
Aus okzitanisch balar ("tanzen, Reigen tanzen", von lat. ballare "tanzen", griech. ballein "werfen, bewegen, sich bewegen") entstand balada (seit ca. 1200) als Wort für "Tanz" und Gattungsbezeichnung für ein Tanzlied, neben dem auch die eng verwandte Gattung dansa existiert.Es sind vier okzitanische Lieder erhalten, die im Liedtext als balada oder mit der Verkleinerungsform baladeta ausgewiesen sind, und zwei weitere, bei denen das Wort in den Handschriften als Titulus des einzelnen Liedes erscheint, was bei zwei Liedern der ersten Gruppe auch zusätzlich zur textlichen Erwähnung des Wortes der Fall ist. Insgesamt handelt es sich um folgende Stücke (Numerierung nach Pillet-Carstens, Strophenschema jeweils ohne Refrain wiedergegeben):
*Mort m'an li semblan (PC 461,166)
**Refrain: 10A 10A
**Strophen: I-III 10a 10a 10a 10a
**Tornada: IV 10a 10a
**Gruppierung der Strophen: coblas unisonnantz
*D'amor m'estera ben e gent (PC 461,73)
**Refrain: 8A 8A
**Strophen: I-VI 8b 8b 8a
**Tornada: Str. VI
**Gruppierung: coblas unisonnantz
*Coindeta sui (PC 461,69)
**Refrain: 10A' 10A'
**Strophen: I-II 10b' 10b' 10b' 10a', III-V 10d' 10d' 10d' 10a'
**Tornada: Str. V
**Gruppierung: coblas doblas (I-II, III-IV; coblas ternas III-V)
*Si voletz que?m laix d'amar (PC 434a,65, Cerveri de Girona)
**Refrain: 7A 7B' 7A 7B'
**Strophen: I/III 7a 7b' 7a 7b' 7a 7b', II 7b' 7a 7b' 7a 7b' 7a
**Tornada: IV 7b' 7a 7b' 7a, V 7a 7b' 7a 7b'
**Gruppierung: coblas retrogradadas
*Quant lo gilos (PC 461,201)
**Refrain: 6A' 3B 5B
**Strophen: I 6c' 6c' 6c' 3b 5b, II 6d' 6d' 6d' 3b 5b, III 6e' 6e' 6e' 3b 5b
**Tornada: keine (vgl. aber Str. I)
**Gruppierung: coblas singulars
*Lo fi cor qu'ie?us ai (PC 244,4, Guiraut d'Espanha)
**Verstyp: 5 + 5 gebrochene Zehnsilbler mit unregelmäßig untereinander gereimten Anversen
**Refrain: A' A'
**Strophe: I 10b' 10b' 10b' 10a', II: 10b' 10b' 10b' 10a'?, III: 10c' 10c' 10c' 10a'
**Tornada (nur formal): IV 10d' 10d' 10a', V 10c' 10a'
**Gruppierung: --
Die ballada ist keine festgelegte metrische Form, sondern variiert in den erhaltenen Liedern, innerhalb bestimmter Grenzen. Sie erscheint jeweils als mehrstrophiges Lied, mit drei bis sechs Strophen. Die Strophen sind metrisch gleichgebaut (Isostrophie), mit Ausnahme von Si voletz, wo jede Strophe das Schema der vorhergehenden umkehrt (coblas retrogradadas). Die Strophen sind isometrisch (ohne Wechsel der Verslänge innerhalb der Strophe), mit Ausnahme von Quant lo gilos, wo die Reimpartner des Refrains Kurzverse sind. Der Umfang der Strophen ohne Zählung des Refrains beträgt drei bis sechs Verse, als Verstyp dominiert der Zehnsilbler (drei Lieder), neben dem Sechs-, Sieben- oder Achtsilbler (jeweils nur einmal). In der Strophengruppierung gemäß der Reimfüllung handelt es sich in zwei Fällen um coblas unisonnantz (alle Strophen klingen gleich), in je einem um coblas doblas (je zwei Strophen klingen gleich) oder coblas singulars (jede Strophe mit neuen Reimklängen), während im Fall von Si voletz die coblas retrogradads nur tendenziell auch als alternierende coblas doblas deutbar sind und in Lo fi cor überhaupt keine regelhafte Gruppierung vorliegt.
Wichtigstes Formmerkmal der balada ist ein mehrzeiliger Refrain (respos, refranh). Dieser ist meist zweizeilig, aber in zwei Fällen auch drei- bzw. vierzeilig. Seine genaue Verwendungsweise ist aufgrund der in den Handschriften meist nur abkürzenden Notation wiederkehrender Refrainverse nicht ganz sicher zu erschließen und wurde darum in der Forschung unterschiedlich gedeutet. Der Refrain steht jeweils am Anfang und in der Regel (zweifelhaft: Si voletz) erneut am Ende der Strophe und wird auch innerhalb der Strophe wiederholt: hat die Strophe ohne den Refrain drei Verse, so wird der Refrain nach dem erstren Vers wiederholt; hat sie mehr als drei Verse, so wird er nach dem ersten und nach dem zweiten Vers wiederholt. Nicht ganz sicher ist, ob dabei innerhalb der Strophe jeweils der vollständige Refrain (Karl Bartsch) oder nur der erste Refrainvers (Alfred Jeanroy) zu wiederholen ist. Letzteres wird heute meist angenommen, so dass sich bei einer dreiversigen Strophe das Schema AAbAbbAA, bei beiner vierversigen das Schema AAbAbAbbAA ergibt, Beispielstrophe:
Eine Ausnahme von dieser Regel bietet erneut Si voletz, wo dem Prinzip der coblas retrogradadas auch der Refrain durch Umkehrung seines Reimgeschlechts untergeordnet ist, indem dort nicht regelmäßig der erste Refrainvers, sondern in der ersten Strophe einmal der erste und dann der zweite, in der zweiten Strophe zuerst der vierte und dann der dritte Refrainvers wiederholt wird, während die dritte Strophe sich wieder dem Prinzip der ersten anschließt:
:17A 27B' 37A 47B' 7a 17A 7b' 27B' 7a 7b' 7a 7b' 17A 27B' 37A 47B' (I/III)
:17A 27B' 37A 47B' 7b' 47B' 7a 37A 7b' 7a 7b' 7a 17A 27B' 37A 47B' (II)
In zwei Fällen sind den Liedern jeweils eine bzw. zwei Kurzstrophen als Geleitstrophe (tornada) nachgestellt, in den übrigen mit Ausnahme von Quant lo gilos erfüllen jeweils eine oder zwei normale Strophen am Schluss die inhaltliche Funktion einer Geleitstrophe, indem sie sich thematisch auf das Lied selbst beziehen, während in Quant lo gilos bereits die der Überlieferung zufolge erste von drei Strophen mit einer Ansprache an das Lied beginnt. Inhaltlich und stilistisch reicht die Bandbreite vom (vorherrschend) Volkstümlichen bis zum mindestens tendenziell Höfischen, wie es sich auch in der Verwendung der eher für das höfische Repertoire charakteristischen Geleitstrophen andeutet.
Französisch
In der nordfranzöischen Dichtung der Schumann, Brahms und Hugo Wolf komponieren Balladen. Auch in der Oper finden sich Balladen, so in Wagners Fliegendem Holländer (Ballade der Senta), oder als Chorwerke (Schumann, Mendelssohn u.v.w.). In der nichtvokalen Musik wird der Titel zunächst vornehmlich für Klavierwerke in Anlehnung an literarische Vorbilder verwendet, so z.B. in den 4 Balladen von Chopin (vermutlich nach Gedichten von Mickiewicz) und Brahms (op 10, nach Herder), später aber völlig frei im Sinne eines Charakterstücks von Liszt, Brahms (späte Klavierstücke ab op 76) oder Grieg. Die bekannteste Orchesterballade ist L'apprenti sorcier (nach Goethe: Der Zauberlehrling) von Paul Dukas.
Siehe auch
Liste deutscher Balladen
Ballade (U-Musik)
Ballade (Klaviermusik)
Weblinks
• Auswahl von Balladen im Projekt Gutenberg-DE
• English Ballad Archive (1500-1800), der Samuel Pepys collection des Magdalene College (Cambridge), University of California (Santa Barbara)

