Balingen
Balingen ist eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.Der Ort ist nicht zu verwechseln mit der Gemeinde Bahlingen am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen.
Geografie
Geografische Lage
Balingen liegt, umgeben von den Balinger Bergen (u.a. der Plettenberg, Schafberg, Lochen und das Hörnle), im Tal der Eyach, einem Nebenfluss des Neckars. Der Fluss betritt von Albstadt kommend im Südosten das Stadtgebiet, fließt dann in nordwestlicher Richtung, westlich des Stadtteils Dürrwangen vorbei, nimmt dann den von Osten kommenden Schalksbach auf, fließt dann weiter durch den Stadtteil Frommern und erreicht schließlich die südliche Kernstadt. Dann fließt die Eyach nach Norden, die Altstadt liegt am linken Ufer des Flusses, verlässt die Kernstadt und fließt dann zwischen den Stadtteilen Ostdorf und Engstlatt durch um das Stadtgebiet im Norden in Richtung Haigerloch wieder zu verlassen.
Westlich der Stadt liegt die ?Großer_Heuberg? genannte Region, u.a. mit dem höchsten Berg der Schwäbischen Alb, dem 1015 m hohen Lemberg. In Balingen gibt es eine 1724 entdeckte Schwefelquelle.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Balingen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Zollernalbkreis:
Hechingen, Grosselfingen, Bisingen, Albstadt, Meßstetten, Hausen am Tann, Dotternhausen, Dormettingen, Geislingen und Haigerloch.
Stadtgliederung
Die Stadt besteht aus der Kernstadt und Stadtteilen Dürrwangen, Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern, Heselwangen, Ostdorf, Roßwangen, Stockenhausen, Streichen, Weilstetten und Zillhausen, wobei die meisten dieser Stadtteile erst im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre nach Balingen eingegliedert wurden. Heselwangen war bereits 1934 nach Balingen und Dürrwangen 1937 nach Frommern eingemeindet worden.
Für die Stadtteile wurden insgesamt acht Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung eingerichtet, das heißt, diese haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Zahl der Mitglieder im Ortschaftsrat richtet sich nach der Einwohnerzahl der Ortschaft und liegt zwischen 7 und 13. In jedem der Ortschaften gibt es eine Ortschaftsverwaltung, quasi ein ?Rathaus vor Ort?, dessen Leiter der Ortsvorsteher ist. Die acht Ortschaften sind: Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern (mit Dürrwangen und Stockenhausen), Ostdorf, Streichen, Weilstetten (mit Roßwangen) und Zillhausen. Heselwangen wird direkt von der Kernstadt Balingen aus verwaltet.
Zu einigen Stadtteilen gehören noch räumlich getrennten Wohnplätze mit eigenem Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen:
*in der Kernstadt: Holderhof, Reichenbacher Hof, Stadtmühle und Schmiden
*in Endingen: Eckhaus, Galgenrain und Kutzmühle
*in Erzingen: Bronnhaupten
*in Frommern: Säge und Ziegelhütte
*zu Ostdorf: Böllatmühle, Gießmühle, Kaunter Gipsmühle, Obere Mühle, Wirtschaft zum Kühlen Grund
*zu Weilstetten: Hotel Lochen
*zu Zillhausen: Wannental
Raumplanung
Balingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Neckar-Alb, zu dessen Mittelbereich neben Balingen selbst die Städte und Gemeinden Dautmergen, Dormettingen, Dotternhausen, Geislingen, Hausen am Tann, Ratshausen, Rosenfeld, Schömberg, Weilen unter den Rinnen und Zimmern unter der Burg des Zollernalbkreises gehören.
Geschichte
Balingen wurde 863 als Baginga erstmals erwähnt. Im 12. Jahrhundert traten verschiedene Adlige als Ortsherren des kleinen Dorfes auf. Vermutlich gab es auch eine Burg. Im 13. Jahrhundert gehörte die Siedlung der Grafen_von_Zollern, die den Ort zum Sitz der Schalksburg machten. 1255 wurde die Stadt Balingen gegründet, etwa 200 m weiter flussaufwärts zur bisherigen Siedlung in einer Landzunge zwischen Eyach und Steinlach. Letztere wurde erst später im Zuge der Stadtbefestigung umgeleitet. Der neue Hauptarm bildetet den südlichen Wassergraben, der alte Lauf den westlichen Graben. Mit dem Stadtrecht wuchs die Siedlung rasch an und erhielt eine Ummauerung. 1403 gelangte Balingen durch Kauf an Württemberg, wo die Stadt bald Sitz eines Amtes wurde. Im 15. Jahrhundert war die Stadt mehrfach verpfändet, so unter anderem an Graf Hans von Werdenberg und an die Herren von Bubenhofen. Die für die Stadt zuständigen Vögte und Obervögte residierten im ehemaligen Zollernschloss.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Balingen Sitz eines Oberamtes, das ab 1810 zur Landvogtei am oberen Neckar und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis gehörte. Nach Feuersbrünsten von 1724 und 1809 wurde die Stadt mit regelmäßigem Grundriss neu erbaut. Die Bewohner betrieben seit dem 19. Jahrhundert hauptsächlich Trikotwebereien und waren in der Handschuh- und Schuhfabrikation tätig, andere betrieben auch Viehhandel.
1934 wurde das Oberamt Balingen in den Landkreis Balingen überführt, der bei der Kreisreform 1973 Bestandteil des neu gebildeten Zollernalbkreises wurde.
1944 wurden in den Ortsteilen Frommern und Erzingen im Rahmen des ?Unternehmens Wüste? Ölschieferwerke und Konzentrationslager errichtet. Unter unmenschlichen Bedingung wurde damit weitgehend erfolglos versucht, Öl zu gewinnen (siehe auch KZ Bisingen).
Durch die Eingliederung verschiedener Umlandgemeinden überschritt die Einwohnerzahl Balingens 1973 die Grenze von 20.000. Danach stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung vom 1. Januar 1974 beschloss.
Geschichte der Stadtteile
Die Balinger Stadtteile haben eine unterschiedliche Geschichte, kamen jedoch nahezu alle über die Grafen von Zollern 1403 an Württemberg. Hier gehörten sie zum Amt bzw. Oberamt Balingen, aus dem 1934 der Landkreis Balingen hervorging. Lediglich Roßwangen kam erst 1938 zum Landkreis Balingen, zuvor gehörte der Ort zum Oberamt Rottweil.
Bronnhaupten wurde 1140 als Brunnohoubiton erstmals erwähnt. Die Oberhoheit lag bei der Herrschaft Kallenberg, mit der die Siedlung 1381 an Österreich gelangte. Im 15. Jahrhundert war das Dorf verödet. Die Güter wurden vom Rittergut Geislingen erworben. Die Herrschaftsrecht wurden 1591 von den Truchsessen von Waldburg erworben. Ab 1598 war Bronnhaupten vorübergehend Herrschaftssitz. Im 17. Jahrhundert erwarb Württemberg alle Rechte. Ab 1703 war es Rentkammergut und unterstand der Verwaltung in Balingen. 1852 wurde es nach Erzingen eingegliedert.
Religionen
Das Gebiet der heutigen Stadt Balingen gehörte anfangs zum Bistums_Rottenburg-Stuttgart.
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Balingen auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter die Evangelisch-methodistische Kirche, Baptisten und die Gemeinde_Gottes_KdöR. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Balingen vertreten.
Eingemeindungen
In die Stadt Balingen wurden folgende Gemeinden eingegliedert bzw. mit der Stadt Balingen vereinigt:
*1934: Heselwangen
*1. Januar 1971: Stockenhausen, Streichen
*1. Juli 1971: Ostdorf, Roßwangen
*1. August 1971: Endingen
*1. September 1971: Erzingen (mit dem 1852 eingegliederten Bronnhaupten)
*1. Januar 1973: Zillhausen
*1. Oktober 1973: Engstlatt
*1. Januar 1975: Frommern (mit dem 1937 eingegliederten Dürrwangen), Weilstetten
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
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¹ Volkszählungsergebnis
Politik
Gemeinderat
Bei der Gemeinderatswahl am 13. Juni 2004 ergab sich folgende Sitzverteilung:
• Demokratische Union Deutschlands|CDU] - 17 Sitze
• Partei Deutschlands|SPD] - 11 Sitze
• Wähler|FWV] - 7 Sitze
*Die Frauenliste Balingen - 5 Sitze
• Demokratische Partei|FDP] - 4 Sitze
*Initiative Kritische Bürger - 4 Sitze
Bürgermeister
An der Spitze der Stadt Balingen stand seit dem 14. Jahrhundert ein herrschaftlicher Wasserfall stürzt der Büttenbach insgesamt 26 Meter tief in eine Schlucht, davon 17 Meter in freiem Fall. Der Wasserfall ist von einem Parkplatz unterhalb von Zillhausen über eine Treppenanlage zugänglich (siehe auch: Wasserfälle in Deutschland). Ein kleinerer Wasserfall liegt 2 km weiter südlich im Wannental oberhalb von Stockenhausen.
Regelmäßige Veranstaltungen
In der Stadthalle finden in der Regel alle zwei Jahre Kunstausstellungen mit überregionaler Bedeutung statt. Die Ausstellungen haben wechselnde Schwerpunkte, in der Vergangenheit zum Beispiel Marc Chagall, Pablo Picasso, Joan Miró oder Paul Klee.
Das alljährlich Ende Juni stattfindende Metal-Festival ?Bang Your Head? auf dem Balinger Messegelände hat längst internationale Bekanntheit erreicht.
Seit 1995 wird von der evangelischen Kirchengemeinde Erzingen-Schömberg jährlich das ?Balinger Rockfestival? organisiert. Dies findet in Erzingen statt und verzeichnet jährlich circa 1.000 Besucher. Aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland reisen Fans der christlichen_Rockmusik an.
Wirtschaft und Infrastruktur
Bedeutende ortsansässige Unternehmen
Bizerba_GmbH_und_Co._KG_(Waagenhersteller)
IDEAL_Krug_&_Priester_GmbH_&_Co_KG_(Aktenvernichter-Hersteller)
Uhlsport_GmbH_(Sportartikelhersteller)
Verkehr
Durch Balingen führt die Bundesstraße B_27, die sich nördlich des Stadtteiles Engstlatt bis südlich von Balingen auf einer Länge von etwa 10 km mit der Bundesstraße B_463 vereint. Die B 27 verbindet die Stadt nach Norden mit dem Großraum Stuttgart und nach Süden mit Schaffhausen in der Schweiz. Die B 463 verläuft in Richtung Nordwesten über Haigerloch zur Autobahn A_81 (Anschlußstelle Empfingen) und in Richtung Südosten über Albstadt bis nach Sigmaringen.
-Triebwagen Richtung Aulendorf und Schömberg (bei Balingen)]]
Durch Balingen führt die Zollernalbbahn, welche von Tübingen über Hechingen, Balingen, Albstadt und Sigmaringen bis nach Aulendorf verläuft. Eine weitere Bahnlinie verläuft in Richtung Schömberg (bei Balingen) (siehe Bahnstrecke Balingen?Rottweil). Balingen hat insgesamt sechs Bahnhöfe: Engstlatt, Balingen (Württ), Balingen-Süd, Frommern, Endingen, Erzingen
Der Öffentliche_Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Stadt befindet sich in der Wabe 331. Für die Stadt selbst gilt der Stadttarif 31.
Medien
Die wichtigsten lokalen Zeitungen sind der Zollern-Alb-Kurier und der Schwarzwälder Bote. Über Kabel ist der regionale TV-Sender RTF.1 -Fernsehen für die Region Neckar-Alb zu empfangen.
Behörden, Gerichte und Einrichtungen
In Balingen ist der Sitz des Landratsamts Zollernalbkreis. Ferner gibt es ein Finanzamt, eine Agentur für Arbeit, ein Notariat und ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Hechingen und Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart gehört.
Balingen ist Sitz auch des Kirchenbezirks Balingen der Evangelischen_Landeskirche_in_Württemberg und des Dekanats Balingen des Bistums_Rottenburg-Stuttgart.
Bildung
Die Stadt Balingen ist Schulträger des Gymnasiums Balingen, der Realschule Balingen und der Realschule Frommern und der Lauwasenschule (Förderschule). Ferner unterhält sie sechs Grund- und Hauptschulen (GHS Weilstetten, GHS Frommern, Langwiesen-GHS Engstlatt, Längenfeld-Schule und Sichel-Schule) und drei selbständige Grundschulen (Endingen, Schmiden und Streichen-Zillhausen).
Der Zollernalbkreis ist Träger der Beruflichen_Schulen (Gewerbliche Schule) sowie der Schule für Sprachbehinderte mit Schulkindergarten Balingen und der Krankenpflegeschule der Kreisklinik Balingen.
Die private Abendrealschule, die Freie Waldorfschule Balingen und die Plettenbergschule für Physiotherapie und Massage Engstlatt runden das schulische Angebot Balingens ab.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Die Stadt Balingen hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:
* Karl von Leibbrand (? 14. März 1898), Oberbaurat
* Hermann von Ehmann (? 7. Dezember 1905), Oberbaurat
* Josef Filser (? 31. Juli 1918), Oberamtmann und Regierungsrat
* Konrad Haussmann (? 11. Februar 1922), Landtagsabgeordneter
* Friedrich Eckenfelder (? 11. Mai 1938), Kunstmaler
* Robert Wahl (? 5. Dezember 1955), Oberbürgermeister
* Prof. Wilhelm Kraut (*9. Mai 1875; ? 26. September 1957), Fabrikant
* Jakob Beutter (? 17. Januar 1972), Schreinermeister
* Albert Hagenbuch (? 25. Dezember 1997), Oberbürgermeister
* Wilhelm Kraut (* 17. März 1906; ? 13. Juli 1992), Ehrensenator
Söhne und Töchter der Stadt
Philipp Nicodemus Frischlin (* 22. September 1547 in Erzingen; ? 29. November 1590 in Hohenurach), ein späthumanistischer Philologe, neulateinischer Dramatiker und Lyriker
Heinrich Lang (* 14. November 1826 in Frommern; ? 13. Januar 1876 in Zürich), Theologe
Heinrich Haasis (* 21. April 1945), Präsident des Deutschen_Sparkassen-_und_Giroverbands
Jürgen Haug, Schauspieler, Drehbuchautor und Sprecher (u.a. für Hörspiele). Er spielt Theater und Film und wirkte schon mehrfach in der Fernsehserie Tatort und in anderen Serien mit.
Stefan Krohmer (* 1971), Regisseur und Schauspieler, er erhielt 2002 den Adolf-Grimme-Preis für seinen Film "Ende der Saison".
Literatur
* Württembergisches Städtebuch; Band IV Teilband Baden-Württemberg Band 2 aus Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte ? Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart, 1961
* 750 Jahre Stadt Balingen : 1255 - 2005 / Hrsg. Stadtverwaltung Balingen. Red., Gestaltung und Layout: Stadtarchiv Balingen mit Unterstützung von Sigrid Foth ... - Balingen : Stadtverwaltung, c 2005. - 528 S. : zahlr. Ill. - (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Balingen ; Bd. 7) - ISBN 3-00-017595-4
* Balingen : Impressionen einer Stadt / [Text: Stadtarchiv Balingen. Bild: Gerd Schneider]. - Balingen : Daniel, [2000]. - 100 S. : überwiegend Ill. ; 29 cm. - ISBN 3-927936-32-4
* Grandt, Michael; Unternehmen 'Wüste' - Hitlers letzte Hoffnung ISBN 3-87407-508-7
* Immo Opfermann, Roger Orlik: Ölschieferwerk Frommern - Industriereportage (1947). Sp-Verlag. 2002. ISBN 3980787311 (Im Archiv einer süddeutschen Presseagentur wurde eine beeindruckende Fotoreportage von einem der längst demontierten Werke gefunden)
Weblinks
• Internetpräsenz der Stadt Balingenlmo:Balingen

