Chinesischer Flussdelfin
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Der Chinesische Flussdelfin (Lipotes vexillifer), auch als Jangtse-Delfin oder Baiji () bekannt, ist ein ausschließlich im Fluke und die Flipper tragen oberseits eine graue und unterseits eine weiße Färbung. Auf dem Rücken trägt er eine kleine, dreieckige Rückenfinne mit abgestumpfter Spitze.
Seine fast schnabelartige Schnauze ist deutlich vom Kopf abgesetzt und zur Spitze leicht aufwärts gebogen. Sie ist sehr schmal und trägt pro Kieferhälfte zwischen 30 und 35 gleichartig geformte, kegelförmige Zähne. Die Stirn ist steil abfallend und die Augen sind verkümmert, aber nicht funktionslos.
Verbreitung
Ursprünglich glaubte man, dass der Chinesische Flussdelfin auf den Dongting-See beschränkt sei, ehe man in den 1970er-Jahren erkannte, dass er auf einer Länge von 1900 Kilometer von der Mündung des Jangtse aufwärts zu finden war. Etwa alle vier Kilometer konnte ein Flussdelfin gefunden werden. Bei Hochwasser drangen die Tiere auch in Nebenarme des Flusses und Seen vor. Aus dem Dongting-See verschwand der Wal, nachdem sich in dem Gewässer durch die landwirtschaftliche Nutzung sehr große Mengen Sediment angesammelt hatten. Danach wurde er nur noch im breiten, langsam fließenden Mittelteil des Jangtse gesichtet.
Lebensweise
Über die Lebensweise ist wenig bekannt. Wegen der verkümmerten Augen sind Chinesische Flussdelfine auf Echo-Ortung beim Beutefang angewiesen. Ihre Nahrung sind ausschließlich Fische, die sie auf nur zwanzig Sekunden währenden Tauchgängen erbeuten. Das Spektrum der Beutefische ist sehr groß, die Hauptbeute stellen dabei längliche Welse dar, die sie am Gewässerboden jagen.
Der Chinesische Flussdelfin lebt heute vor allem als Einzelgänger. Früher war er eher in Paaren oder Kleingruppen von drei bis sechs Tieren anzutreffen, gelegentlich wurden auch Gruppen bis zu zehn Tieren gesichtet. Die meiste Zeit hält sich der Flussdelfin knapp unter der Wasseroberfläche auf, in dem Fall ist seine Rückenflosse sichtbar. Beim Auftauchen kommt zuerst der Kopf zum Vorschein und das Tier taucht mit einer buckelförmigen Krümmung wieder ab. Die Fluke taucht dabei nicht auf.
Über das Fortpflanzungverhalten der Chinesischen Flussdelfine ist so gut wie nichts bekannt. Die Jungtiere kommen mit weniger als 95 Zentimeter Körperlänge und 10 Kilogramm Körpergewicht auf die Welt.
Systematik und Etymologie
Nach Fossilfunden besiedelte der Flussdelfin den Jangtse vor etwa 20.000 Jahren aus dem Pazifik. Er ist der einzige Vertreter der Gattung Lipotes und zugleich der Familie der Lipotidae. Bis vor wenigen Jahren wurde er gemeinsam mit dem Gangesdelfin, dem La-Plata-Delfin und dem Amazonasdelfin in einer Familie Flussdelfine (Platanistidae) eingeordnet. Die Ähnlichkeiten zwischen diesen Arten sind jedoch nicht auf eine Verwandtschaft, sondern auf eine unabhängige, konvergente Anpassung an das Leben im Süßwasser großer Flusssysteme zurückzuführen.
Der Name Lipotes leitet sich von dem griechischen Wort leipos ab, welches mit zurückgeblieben oder übriggeblieben übersetzt werden kann und sich auf das sehr begrenzte Verbreitungsgebiet der Art bezieht. vexillifer leitet sich von den Silben vexillum für Fahne und fer für tragen ab, bedeutet also fahnentragend.
Bestand und Bedrohung
Die erste Beschreibung der Tiere stammt aus der Naturenzyklopädie Erya aus der Han-Dynastie. Biologen schätzen, dass zu dieser Zeit noch etwa 5.000 Flussdelfine im Jangtse lebten. 1978 wurde zur Erforschung der Tiere das Süßwasserdelfin-Forschungszentrum (????????) der chinesischen Akademie der Wissenschaften gegründet.
Heute ist der Chinesische Flussdelfin der seltenste Wal und gleichzeitig auch eines der seltensten Säugetiere der Welt. Der aktuelle Bestand wird auf maximal 50 Tiere geschätzt. Vor allem die chinesische Industrialisierung hat dem Bestand dieser Tiere sehr zugesetzt. Die Verschmutzung des Jangtse, der übermäßige Schiffsverkehr sowie häufiges Verfangen in Fischernetzen haben die Art an den Rand des Aussterbens gebracht. Viele dokumentierte Todesfälle werden der Leinen- und Hakenfischerei auf Störe zugeschrieben, hinzu kamen häufige Kollisionen mit Motorbooten, deren Anzahl sich auf dem Jangtse massiv vermehrt hat.
Obwohl die Volksrepublik China den Delfin bereits 1979 als gefährdete Art erkannt und 1983 unter strengsten Schutz stellte und ein Jagdverbot erließ, veränderten sich die für das Tier bedrohlichen Umstände nicht. 1986 wurden bei einer Zählung noch 300 Baijis festgestellt, 1990 lag die Population bei etwa 200 Tieren. Bis 1997 verringerte sich diese Zahl auf geschätzt höchstens 50; 23 Tiere wurden tatsächlich gezählt. 1998 waren es schließlich nur noch sieben Tiere. 2006 wurde trotz 26tägiger Suche kein lebendes Tier mehr gefunden[http://www.n-tv.de/739905.html n-tv: Baiji ausgestorben?] [http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,454348,00.html SPIEGEL: Flussdelfin Baiji: Heißer Kandidat für die erste ausgestorbene Walart]. Es wird jedoch für möglich gehalten, dass einige wenige Exemplare noch in einem östlichen Arm des Jangtse leben. Die letzte belegte Sichtung eines Baiji stammt aus dem September 2004.
Es ist sehr schwer, die aktuelle Anzahl der Tiere abzuschätzen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Art den Bau des Drei-Schluchten-Damms überlebt, da dieser die Populationen endgültig voneinander trennt. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass sich der Baiji nicht mehr vermehrt und dass die letzten Überlebenden dieser Spezies noch innerhalb dieses Jahrzehnts ohne Nachkommen aussterben werden. Der zu den Zahnwalen zählende Baiji-Delfin wäre damit die erste zu Menschenzeiten ausgestorbene Walart.
Im November 2006 sollte versucht werden, einige der wenigen noch überlebenden Tiere aufzuspüren, einzufangen und im Shishou-Reservat, einem 20 km langen Yangtse-Arm wieder auszusetzen Nature, Band 440, S. 1096 (27.4.06), um so den Fortbestand der Art zu sichern. Dies scheiterte daran, dass keine überlebenden Tiere gefunden werden konnten. Zur Rettung der Population sind laut der Schutzorganisation Baiji Foundation mindestens 20 bis 25 Tiere nötig.
In Gefangenschaft wurden bislang erst zwei Tiere gehalten. Dabei handelte es sich um das männliche Tier Qiqi, das von einem Fischer verletzt wurde und danach von 1980 bis 2002 im Wuhan Institute of Hydrobiology gehalten wurde, sowie ein weiteres Tier, das ein Jahr lang (1996 bis 1997) im Shishou Semi-natural Baiji Dolphin Sanctuary lebte und dann verstarb. 1998 wurde außerdem ein Weibchen nahe Shanghai gefunden, es verweigerte allerdings die Nahrung und starb einen Monat später.
Literatur
Mark Carwardine: Wale und Delphine. Delius Klasing, 1996, ISBN 3-7688-0949-8 (hochwertiger Führer)
* Mark Carwardine: Delphine: Biologie, Verbreitung, Beobachtung in freier Wldbahn. Naturbuch Verlag, 1996, ISBN 3-89440-226-1 (informativer Bildband)
* Ralf Kiefner: Wale und Delphine weltweit: Pazifischer Ozean, Indischer Ozean, Rotes Meer, Atlantischer Ozean, Karibik, Arktis, Antarktis. Jahr Top Special Verlag, 2002, ISBN 3-86132-620-5 (Führer der Zeitschrift "tauchen", sehr detailliert)
* R. R. Reeves, B. S. Stewart, P. J. Clapham, J. A. Powell: See Mammals of the World: a complete Guide to Whales, Dolphins, Seals, Sea Lions and Sea Cows. A&C Black, 2002, ISBN 0-7136-6334-0 (Führer mit zahlreichen Bildern)
* Gérard Soury: Das große Buch der Delphine. Delius Klasing, 1997, ISBN 3-7688-1063-1 (detailreicher Bildband)
* M. Würtz, N. Repetto: Underwater world: Dolphins and Whales. White Star Guides, 2003, ISBN 88-8095-943-3 (Bestimmungsbuch)
Douglas Adams, Mark Carwardine: Die Letzten ihrer Art. Heyne, 1992, ISBN 3-453-06115-2
Weblinks
*
• Convention on Migrating Species (englisch)
• Baiji.org ? Organisation zum Schutz des Baiji (englisch)
• Artikel zum Flussdelfin in der Süddeutschen Zeitung
Quellen
nov:Chinani rivere-delfine
zh-classical:???
zh-yue:???

