Wörgl Hauptbahnhof
Der Hauptbahnhof Wörgl liegt im Nordwesten der Stadt Wörgl am Ende der Bahnhofstraße. Er ist ein bedeutender Eisenbahnknoten auf den Strecken Wien - Linz - Salzburg - (München -) Rosenheim - Kufstein - Wörgl - Innsbruck (im Abschnitt Wien Westbahnhof - Salzburg österreichischen_Westbahn bzw. im Abschnitt Kufstein - Wörgl - Innsbruck Unterinntalbahn) und Salzburg - Hallein - Schwarzach-St. Veit - Bischofshofen - Zell am See - Brixental - Wörgl (Giselabahn bzw Salzburg-Tiroler-Bahn als Teil der österreichischen Westbahn). Erst seit 10. Dezember 2006 heißt er offiziell ?Wörgl Hauptbahnhof?.Beschreibung, Lage, Bedeutung und Geschichte
Die Einkaufs-, Industrie-, Handels- und Schulstadt Wörgl im österreichischen Bundesland Tirol, auf 511 m Meereshöhe rechtsseitig am Inn und ca 60 km östlich von Innsbruck gelegen, hat sehr große Bahnanlagen; in Summe die zweitgrößten Westösterreichs nach der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Der (jetzige Haupt-)Bahnhof Wörgl, gebaut 1858, auf 505 m Seehöhe, ist mit heue ca 30.000 Reisenden täglich jener mit der zweithöchsten Frequenz an Fahrgästen in Tirol, und was die Anzahl der Zugfahrten betrifft, so dürfte er mit bis zu 430 Zugfahrten täglich Innsbruck noch übertreffen und die westösterreichische Spitze bilden. Hier halten ? mit ganz wenigen Ausnahmen ? alle Reisezüge, vier Verschubreserven besorgen die Zugbildung unzähliger Güter-, aber auch Reisezüge sowie den Fahrverschub (verwendet werden in der Regel elektrische Verschublokomotiven der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen)-Reihe 1063 und Dieselloks der ÖBB-Reihen 2067 und 2068), es bestehen Standorte der ÖBB-Traktion und der ÖBB-Technischen Services mit (zusätzlichem) eigenem Remisenverschub (Reihe 2067), auch wenn auf den dazugehörigen Verwaltungs- und Werkstättengebäuden immer noch die frühere Aufschrift ?Zugförderung Wörgl? prangt (noch davor: "Heizhaus Wörgl", aus der Zeit der k.u.k.-österreichisch-ungarischen Donaumonarchie). Ebenso gibt es die verschiedensten Dienststellen des Bau-, Bahnerhaltungs-, Sicherungs-, Fernmelde-, Elektro- und anderer Dienste. Ein Güterterminal mit Logistikzentrum, ein Unterwerk und ausgedehnte Anschlussgleisanlagen sowie eine Verladestelle für "Auto im Reisezug" vervollständigen die Eisenbahnlandschaft. Wörgl ist Sitz eines ÖBB-Gebietsleiters Netz (derzeit Werner Steiner) und eines ÖBB-Bahnhofsmanagers (derzeit Manfred Gredler), beide mit dem Zuständigkeitsbereich von Saalfelden bzw Kufstein bis Fritzens-Wattens, sowie mehrerer anderer überregionaler Kommandostellen. Betriebsmanager ("Bahnhofvorstände") sind derzeit Werner Eder für die Bahnhofsanlagen in Wörgl und Walter Seebacher für die Umlandbahnhöfe (Fritzens-Wattens bis Kufstein bzw Westendorf).
Wörgl liegt an der Abzweigung zweier bedeutender Eisenbahnmagistralen: Einerseits an der Strecke (München ? Rosenheim ?) Kufstein ? Wörgl ? Innsbruck (? Brenner ? Bozen ? Verona), der früheren ?Nordtiroler Bahn?, die 1858 eröffnet und die vom Erbauer der Semmeringbahn, Carl Ritter von Ghega, geplant wurde, andererseits an der österreichischen Westbahn Wien ? Linz ? Salzburg ? Schwarzach im Pongau- St. Veit ? Zell am See ? Kitzbühel ? Wörgl ? Innsbruck ? Feldkirch (? Lindau bzw. ? Buchs SG), die im Teilstück Wien ? Wörgl als "Kaiserin Elisabeth-Bahn" bezeichnet wird, im Teilstück Salzburg ? Wörgl auch als "Salzburg-Tiroler-Bahn" bzw "Giselabahn" (nach einer_Tochter von Kaiser Franz_Joseph_I. und seiner Frau Elisabeth, genannt "Sissi"), und im Teilstück Zell am See ? Wörgl als ?Brixentalbahn", eröffnet im Jahre 1875 im Abschnitt Hallein ? Schwarzach-St. Veit ? Wörgl. Bis in die späten 1990er Jahre fand in Wörgl der Wechsel vom Rechtsfahren der Züge (aus Richtung Kufstein und Zell am See bzw Amstetten, wo der Gleiswechsel in die andere Richtung auf der ÖBB-Westbahn stattfand) auf das Linksfahren (nach Innsbruck bzw zum Brenner) und vice versa statt; dazu war eine der ganz selten vorkommenden sogenannten ?Flachkreuzung(sweich)en? im westlichen Weichenbereich eingebaut, die einen Wechsel des Streckengleises mit 120 km/h ermöglichte. Heute besteht auf der gesamten Westbahn und in ganz Westösterreich generell Gleiswechselbetrieb mit dem rechten Streckengleis als Regelgleis. Seit 1890 ist die Strecke Wörgl - Innsbruck, seit 1914 die Strecke Wörgl - Zell am See - Salzburg und seit 1939 die Strecke Wörgl - Kufstein - München durchgehend zweigleisig, und seit 1928 sind alle Strecken nach und um Wörgl elektrifiziert (15 KV, 16,7 Hz).
Die Bahnhofsanlage und das Aufnahmegebäude wurden im Zweiten_Weltkrieg fast völlig zerstört. Das Bahnhofsgebäude wurde nach dem Krieg in Richtung Innsbruck bzw Kundl (nach Westen) verschoben, neu gebaut und 1950, rechtzeitig vor der Erhebung Wörgls zur Stadt im Jahr 1951, eröffnet. Als Sicherungsanlage diente ein elektromechanisches EM 55-Gleisbild-Befehlswerk für die Fahrdienstleiter; die Wärterstellwerke waren im Stellwerk 1 ein Drehachsen-Wärter-Gleisbildstellwerk und im Stellwerk 2 ein EM 55-Wärter-Gleisbildstellwerk. Die Stellwerksanlagen, die heute als "Reihenstellwerke" bezeichnet werden bzw unter diese Untergruppe fallen, wurden zum Teil museal erhalten. Beide Wärter-Stellwerksgebäude, die heute nicht mehr existieren, waren Turmstellwerke. In der alten Fahrdienstleitung am Bahnsteig 1 sitzen heute nur noch der Außendienst-Fahrdienstleiter (Aufsichtsbeamte) und der Telegraphist (Betriebsfernmelder); die Kommandozentrale kam ins Dachgeschoß (siehe gleich unten).
Um- und Ausbau
Im Jahr 1995 wurde der Bahnhof Wörgl mit einem Kostenaufwand von ca 100 Mio Euro (1,4 Mrd Schilling) von den ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) fast vollständig umgebaut und mit der damals modernsten Zentralstellwerksanlage der Bauart SpDrL A2 mit EBO (einheitlicher Bedienoberfläche auf fünf Bildschirmen; Bedienung über Tastatur und Maus, Graphic Automatic Light [GrAuLi] = computergesteuerte Selbststellanlage mittels Vorprogrammierung bzw. Zuglenkziffern) ausgestattet, die laufend weiter ausgebaut wurde. Das Zentralstellwerk wurde als Dachgeschoß über der Bahnhofshalle gebaut; von hier aus besteht durch die Panoramafensterwand ein atemberaubender Ausblick auf das Gelände des Hauptbahnhof-Teils und auf die Zugförderung. Zusätzliche Bahnsteige und die Güterterminals wurden errichtet, der Bahnhof Kundl in den Bahnhof Wörgl eingebunden sowie ein drittes Gleis dorthin verlegt und in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurden die Bahnhofshalle und die (insgesamt zehn) Bahnsteige mit Personenaufzügen und Zugzielanzeigeanlagen versehen und zusammen mit allen anderen Anlagen für den Reise- und Güterverkehr sowie auch der Bahnhofvorplatz, der nach jenem in Innsbruck wohl der beeindruckendste in Tirol ist, völlig neu gestaltet und letzterer auch mit einer Grünanlage ausgestattet; ein Park- & Ride-Platz für mehrere hundert Autos ergänzt die Anlagen. Vom Bahnhofvorplatz aus nehmen die regionalen und überregionalen Omnibuslinien ihren Ausgang, und die vier Stadtbuslinien und weitere kürzere Regiobuslinien beginnen ebenfalls hier. Die Güterverladung wurde vom ehemals angrenzenden Frachtenbahnhof ins Cargo-Terminal (zum Bahnhofteil Wörgl Terminal Nord) bei Wörgl-Liesfeld (Richtung Kundl, also nach Westen) verlegt; dort existiert auch das Logistikzentrum und eine RoLa-Verladestelle.
Stellwerksanlage
Vom Zentralstellwerk ("Betriebsfernsteuerzentrale"), in dem neben den Fahrdienstleitern auch der Betriebsüberwacher seinen Dienst tut, wird derzeit der Bereich zwischen Radfeld und Schaftenau bzw Bruckhäusl, genauer gesagt, zwischen der SBl Wörgl 1 und der SBl Kufstein 3 bzw der ÜSt Hopfgarten 1 (Bruckhäusl) aus ferngesteuert; damit wird auch der Bahnhofsteil Wörgl-Kundl samt den Terminals Nord und Süd sowie der Bahnhof Kirchbichl bedient bzw gesteuert (die Fernsteuerung des südlich gelegenen Bahnhofes Hopfgarten und evtl auch der Bahnhöfe Brixlegg und Jenbach von Wörgl Hbf aus ist in Vorbereitung). Der Zugförderungsbereich hat ein eigenes Drucktasten-Gleisbildstellwerk, das 14 elektrische Weichen (daneben besteht noch eine Anzahl an ortsbedienten Weichen und eine Drehscheibe) und 19 Verschubsignale stellt, nur Verschubfahrstraßen kennt und vom Remisenoberaufseher bedient wird; vom Zentralstellwerk aus besteht die Möglichkeit, (Lokomotiv-)Zugfahrten bis und ab dem Zugförderungs-(Traktions-)bereich durchzuführen, weil bei den Einfahrten des Zfg-(TR-)Bereiches Fahrwegendetafeln ? verbunden mit je einem Verschubsignal ? und bei den Ausfahrten Ausfahrsignale angebracht sind.
Der Wörgler Hauptbahnhof allein (ohne Nebenbahnhöfe und Zugförderungsbereich) hat derzeit 167 Weichen und Gleiskreuzungen sowie 388 Lichtsignale (davon 62 Vorsignale und Signalnachahmer, 75 Hauptsignale, 23 Schutzsignale, 181 alleinstehende und in Hauptsignalen integrierte Verschubsignale, 47 Geschwindigkeitsanzeiger und -voranzeiger) und 14 Gleissperrschuhe. Für den Bahnhofteil Wörgl-Kundl zum Beispiel kommen 84 Signale, 4 Gleissperrschuhe und 18 ferngestellte Weichen dazu. In dieser Aufzählung sind Ersatz- und Abfahrtssignale u. dgl. nicht eingerechnet.
Somit bestehen die Bahnhofteile Wörgl Kundl, Wörgl Terminal Nord, Wörgl Terminal Süd und der (eigentliche) Bahnhof Wörgl (Hbf) selbst. Im Stadtgebiet liegt noch die Haltestelle Bruckhäusl (früher: ?Söll-Leukental?) mit Überleitstelle und Ladegleisen; die dortigen Weichen und Signale werden vom Zentralstellwerk Wörgl aus mitbedient. Es bestehen in Bruckhäusl zwei Besonderheiten: erstens kann in die Ladegleise und aus ihnen signalmäßig als Zugfahrt ein- und ausgefahren werden; alle diesbezüglichen Weichen einschließlich Schutzweiche sind elektrisch, sogar Verschubsignale sind aufgestellt, und zweitens ist die Haltestelle derzeit noch mit einem Schrankenwärter besetzt, der auch für die Sicherheit der Reisenden verantwortlich ist, bis die geplante Fußgänger- und Straßenunterführung gebaut ist.
Zukunft
Für die nähere Zukunft ist beabsichtigt, diese Haltestelle in ?Wörgl Süd ? Bruckhäusl? umzubenennen, und in Höhe des Terminals Nord eine weitere Personenhaltestelle ?Wörgl West ? Terminal? zu errichten. Auch im Zuge des derzeitigen viergleisigen Ausbaus der Unterinntalbahn im Zuge der TEN-Achse Berlin - Palermo samt Brennerbasistunnel wird Wörgl eine gewichtige Rolle spielen und als größter an bzw in unmittelbarer Nähe der Neubaustrecke gelegener gelegene Bahnhof und als einziger mit Lokomotiv- und Wagenwerkstätten und Lokomotivstützpunkt an beiden Bahnhofseiten (Verknüpfungsstellen der Neubau- mit der Bestandstrecke in Radfeld im Westen und in Schaftenau im Osten) voll an die Neubaustrecke angebunden.
"Hauptbahnhof"
Im Frühjahr 2006 wurde die Idee geboren, den Bahnhof Wörgl in ?Wörgl Hauptbahnhof? umzubenennen bzw zu erheben; einerseits wegen seiner Größe und Wichtigkeit und der nun doch schon beträchtlichen Anzahl von Eisenbahn-Betriebstellen in Wörgl, und andererseits aus Publicity- und Imagegründen. Einer Stadt mit ?Hauptbahnhof? wird in den Augen der Reisenden ? insbesondere jener, die im nahen und fernen Ausland die Kursbücher studieren oder Fahrplanauskünfte einholen ? immer ein höherer Stellenwert beigemessen: da muss es wirtschaftliche und touristische Infrastruktur geben, es muss ein wichtigeres Gemeinwesen bestehen, es muss ?etwas los sein?. Diese Argumente des geistigen Vaters der Idee ?Wörgl Hauptbahnhof?, Dr. Arthur Pohl, der als Wörgler unter anderem Mitglied einer der Aufsichtsräte im ÖBB-Konzern ist, und der schon an der Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes maßgeblich beteiligt war, fielen bei Bürgermeister LA Arno Abler auf fruchtbaren Boden, sodass zwischen den ÖBB und der Stadt Wörgl eine Vereinbarung über dieses Projekt zustande kam. Seiner Verwirklichung zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 gingen zusätzlich umfangreiche weitere Ausbau- und Verschönerungsmaßnahmen voraus; so wurden die Bahnhofshalle und auch die Bahnsteige teilweise neu gestaltet, ein Blindenleitsystem angebracht, eine Video-Überwachungsanlage neu erstellt und zudem ein permanenter Sicherheitsdienst (neudeutsch: "Security") eingerichtet, eine neue LED-Zugzielanzeigeanlage anstelle der alten Solari-Anlage eingebaut und etliches mehr, und die komplette Beschilderung der Bahnhofsanlagen wurde großzügigst (größtenteils mit innenbeleuchteten Transparenten) erneuert und dem neuen, dunkelblauen ÖBB-Design ("New Corporate Identity") angepasst. Internationale Züge werden nun nicht mehr nur in deutscher, sondern auch in englischer und teilweise in italienischer Sprache durch die Lautsprecheranlage ausgerufen; dies geschieht wie in anderen wichtigen österreichischen Knotenbahnhöfen per RAM-Bausteinen durch die bekannte österreichische Fernsehsprecherin und Schauspielerin Chris Lohner.
Kulturelles
Das Bahnhofsgebäude ist der Ausgangspunkt eines aktuellen Meilensteinprojekts, welches durch in den Gehsteigboden eingelassene beschriftete Marmortafeln wichtige Ereignisse der Weltgeschichte entlang der Bahnhofstraße auflistet. Das wird durch zwei große beschriftete Marmortafeln am Haupteingang zur Bahnhofshalle dokumentiert und beschrieben.
Siehe auch
• wichtiger Personenbahnhöfe]
• von Eisenbahnstrecken in Österreich]
• Weblinks
*[http://www.bahnarchiv.net/2006-woergl_hbf.htm Bilder von Wörgl Hbf - Aussenanlagen
• Bilder von Wörgl Hbf - Zentralstellwerk (Betriebsfernsteuerzentrale)
• Bilder von Wörgl Hbf - Zugförderungsstellwerk
• Bilder von Wörgl Hbf - Zugförderung - Aussenanlagen
• Bilder von Wörgl Hbf - Zugförderung - Innenanlagen
• Bilder von Wörgl Hbf - Zugförderung - Drehscheibe
• Bilder von Wörgl Hbf - Zugförderung - Lokomotiven

