Bahnhof Meiningen
Der Bahnhof Meiningen ist ein Knotenpunkt von vier Bahnlinien und mit seinen Einrichtungen der bedeutendste Bahnhof in Südthüringen. Er besteht aus einem Durchgangsbahnhof und einen Kopfbahnhof.
Lage
Der Bahnhof liegt am Rande des Stadtzentrums von Meiningen neben dem Englischen Garten und trennt die Stadtteile Zentrum und Oststadt. Die Altstadt und viele öffentliche Einrichtungen wie Das Meininger Theater, Schloss Elisabethenburg, Hotels oder das Justizzentrum sind nicht weiter als 500 Meter entfernt. Der Meininger Bahnhof liegt am Streckenkilometer 60,69 der Werrabahn.
Der Bahnhof
Bei einer Länge von 1,2 Kilometer nimmt das Bahnhofsgelände eine Fläche von rund 10 Hektar ein.
Der Bahnhof besteht heute aus dem Personenbahnhof, der Betriebsstätte der Süd-Thüringen-Bahn (Bahnbetriebswerk Meiningen), dem Güterbahnhof, dem Verladebahnhof und Wartungseinrichtungen für den UnterfrankenShuttle. Für den reibungslosen Verkehr stehen vier Stellwerke zur Verfügung.
Mit 74 Abfahrten und mit ebenso vielen Ankünften täglich gibt es vom Bahnhof Meiningen über vier Bahnlinien Verbindungen in folgende Städte, die mit RegionalExpress-Zügen und Regionalbahnen bedient werden.
Suhl-Arnstadt-Erfurt (RE 3366/67 und Süd-Thüringen-Bahn - Linie STB 4/KBS 570).
Mellrichstadt-Bad_Neustadt(Saale)-Schweinfurt (UnterfrankenShuttle - Linie EIB 4/KBS 815).
Bad Salzungen-Eisenach (Süd-Thüringen-Bahn - Linie STB 1/KBS 575) (Werrabahn).
Hildburghausen-Sonneberg (Süd-Thüringen-Bahn - Linie STB 1/KBS 569) (Werrabahn).
Im Bahnhof befinden sich folgende Einrichtungen: Fahrkartenschalter, Fahrkartenautomaten, ein BSW-Betreuungsbüro, die Betriebsleitung der Süd-Thüringen-Bahn, die Niederlassung einer Telekommunikationsfirma, Bäckerei, Kiosk und eine Spielothek. Ein großer Teil des Güterbahnhofs wird von einem Handwerksbetrieb und einer Verkaufseinrichtung genutzt.
Geschichte
Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde der Bahnhof im Zuge der Eröffnung der Werrabahn am 2. November 1858 eingeweiht. Der östlich von der Lindenallee befindliche Teil des Englischen Gartens musste hierfür weichen. Der Bahnhof wurde Sitz der Werra-Eisenbahn-Gesellschaft, die die Konzession für den Bau und Betrieb der Werrabahn erhielt. Gegenüber dem Empfangsgebäude entstand 1863 eine Betriebswerkstätte mit Ringlokschuppen und Drehscheibe.
1874 nahmen die Königlich Bayerische Staats-Eisenbahnen die Strecke Schweinfurt-Meiningen in Betrieb und errichteten südlich an den bestehenden Bahnhof anlehnend den Bayerischen Bahnhof als Kopfbahnhof mit Lokschuppen und Gleisanlagen. Es entstand unter den Gleisanlagen und Bahnsteigen ein Straßentunnel, um die Stadtteile Zentrum und Oststadt miteinander zu verbinden. Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Neudietendorf-Grimmenthal 1884 erhält der Bahnhof Anschluss an die Fernzugverbindung Berlin-Erfurt-Würzburg-Stuttgart.
1895 wurde die Werrabahn von der Preußischen_Staatsbahn übernommen. Die Betriebswerkstätte wurde 1902 in eine Hauptwerkstätte umgewandelt und schließlich 1914, als nördlich des Bahnhofs eine neue Hauptwerkstatt, das spätere RAW Meiningen und heutige Dampflokwerk Meiningen entstand, in ein Bahnbetriebswerk umgewandelt.
Nach Bildung der Deutschen_Reichsbahn kam der Bahnhof zur Reichsbahndirektion Erfurt, die hier eines von 9 Betriebsämter einrichtete. Weiterhin wurde der Bahnhof Sitz eines Maschinenamtes und eines Verkehrsamtes. Das Bahnbetriebswerk wurde vergrößert und erhielt eine größere Drehscheibe. Im südlichen Teil des Bahngeländes entstand ein Tanklager zur Treibstoffversorgung von Tankstellen. Im Zweiten_Weltkrieg zerstörte ein amerikanischer Bombenangriff die südlichen Gleisanlagen, eine darüber führende Straßenbrücke, das Stellwerk 4 und das Tanklager.
Nach dem Krieg wurde im Juli 1945 die Bahnlinie nach Schweinfurt unterbrochen. Der Lokschuppen der ehemaligen Bayerischen Staatsbahn wurde zu einem Kohlebahnhof umgebaut. Die Sowjetarmee errichtete zwischen dem Güterbahnhof und dem Bahnbetriebswerk einen Verladebahnhof für schweres Kriegsgerät.
Von 1960-1961 wurde der Personenbahnhof umgebaut. Es entstand eine neue Bahnhofshalle mit Fahrkartenschalter, Gepäckschließfächer, Mitropa, Zeitungsshop, Kiosk, Toiletten und später ein Intershop. Eine große Freitreppe führte nun auf den Bahnhofsvorplatz.
Nach der Errichtung der innerdeutschen Grenze richtete die DR in der DDR neue Fernverbindungen ein. Der Bahnhof Meiningen war nun Start- und Endpunkt von D- und Eilzügen nach Erfurt, Halle (Saale), Leipzig, Berlin, Dresden - Görlitz und Stralsund - Barth (Ostsee). Der Bahnverkehr und die Zahl der Reisenden nahm dadurch von 1960-1989 enorm zu. Die Zahl der täglichen Zugverbindungen stieg auf über 200 Abfahrten und ebenfalls 200 Ankünften an.
Ab 1967 kamen im Bahnbetriebswerk Diesellokomotiven zum Einsatz.
Um 1970 wurde eine Städteschnellverkehr-Zugerbindung nach Berlin eingerichtet. Ab dem 25. Oktober 1976 verkehrte der Städteexpress ?Rennsteig? zwischen Meiningen und Berlin.
Der relativ kleine Bahnhof war nun so überlastet, dass oft zwei Züge gleichzeitig von einem Bahnsteig abfuhren. Züge, die auf dem Bahnhofsgelände keinen Platz mehr fanden, wurden im Bahnhof Grimmenthal abgestellt. 1980 wurde im Bahnbetriebswerk eine neue Lokhalle und Drehscheibe eingeweiht. Weiterhin entstand eine Reisezug-Waschanlage.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 und der Wiedereröffnung der Bahnlinie Meiningen-Schweinfurt 1991 verlor der Bahnhof Meiningen zunehmend seine große Bedeutung. Die Schnellzugverbindungen der Deutschen Reichsbahn wurden eingestellt. Ende der 1990er-Jahre wurde direkt neben dem Bahngelände nahe der Bahnsteige ein neuer Busbahnhof errichtet, der für den Reisenden einen guten Verkehrsverbund Bahn-Bus anbietet. Das Tanklager und der Kohlebahnhof wurden abgerissen. An deren Stelle befindet sich heute die Meininger Stützpunktfeuerwehr.
Seit 1999 ist der Bahnhof Meiningen Betriebsstandort der Süd-Thüringen-Bahn.
Literatur
Dr. Georg Thielmann und Hermann Lohr, Bahn & Bild Verlag Berlin

