Bahnhof Berlin-Lichterfelde West
Der Bahnhof Berlin-Lichterfelde West ist ein in Berlin-Lichterfelde gelegener S-Bahnhof an der Wannseebahn. Er entstand in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zur Erschließung der Villenkolonie Lichterfelde-West und ist einer der ersten Vorortbahnhöfe im Berliner Raum.
Im bahnamtlichen_Betriebsstellenverzeichnis wird der Bahnhof unter dem Kürzel BLIW geführt.
Geschichte
Erbauung und Vorkriegszeit
Der Bahnhof wurde am 15. Dezember 1872 als Lichterfelde (Potsdamer Bahn) eröffnet. Der Bahnhof war zunächst mit lediglich zwei Seitenbahnsteigen sowie einem aufwändigen Empfangsgebäude im Stil einer toskanischen Villa ausgestattet. Der Bau wurde von dem Hamburger Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn veranlasst und finanziert, der das Gebiet der heutigen Villenkolonie erwarb und die Villenkolonie selbst gründete. Die Station sollte der Erschließung des elegant angelegten Viertels Lichterfelde West dienen und wurde dementsprechend in einem repräsentativen Landhausstil erbaut. Von einer raschen Bahnverbindung nach Mitte und in das Regierungsviertel erhoffte sich Carstenn eine noch größere Attraktivität seiner Gründung. Mit dem Wachstum des Ortes Lichterfelde folgte eine Umbenennung nach der anderen. Im Juli 1884 hieß der Bahnhof zunächst Groß-Lichterfelde (Potsdamer Bahn), zwei Jahre später kam die Umbenennung in Groß-Lichterfelde B.M., wobei das B.M. für Berlin?Magdeburg stand, den beiden Endpunkten der Strecke.
Mit dem Bau der Neuen Wannseebahn 1891 wurde der Bahnhof grundlegend umgebaut. Die Vorortzüge erhielten ein eigenes Gleispaar neben der Stammbahn, der Bahndamm wurde hochgelegt, die Überführung über die Drakestraße wurde gebaut und die Bahnhöfe erhielten ihre heute noch vorhandenen Mittelbahnsteige. In Lichterfelde West wird zusätzlich eine Kehranlage eingerichtet. Am 1. Oktober 1891 wird die Strecke mitsamt dem neuen Bahnhof eröffnet. Im Bereich der Fernbahn werden ebenfalls die Gleisanlagen erweitert, hier entsteht der gleichnamige Güterbahnhof. Die Station erhält am 1. Januar 1899 wieder einen neuen Namen, diesmal Groß-Lichterfelde West, womit alle drei Lichterfelder Bahnhöfe (Ost, Süd und West) eine Orientierung anhand der Himmelsrichtung bekamen.
Zwischen 1900 und 1902 wird die Wannseebahn für einen Probebetrieb mit 750 V Gleichstrom elektrifiziert. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen schließlich bei der Anhalter_Vorortbahn zum Einsatz, die ab 1903 mit dem gleichen System betrieben wurde. Dieser Betrieb hält sich bis zur Umstellung auf das heutige System mit 800 V Gleichstrom im Jahre 1929.
Zwischenkriegszeit
1925 erfolgt die letzte Umbenennung des Bahnhofs. Nach der Eingemeindung Groß-Lichterfeldes nach Groß-Berlin 1920 entfällt das Groß im Namen Lichterfelde, auch der Bahnhof heißt fortan dem entsprechend nur noch Lichterfelde West. Ähnlich ergeht des den beiden anderen Lichterfelder Bahnhöfen.
Ab dem 15. Mai 1933 halten am Bahnhof die elektrischen Züge der Berliner S-Bahn. Zum Einsatz kommen neben den Stadtbahnwagen auch die neu angeschafften Züge der gleichnamigen Bauart ?Wannseebahn?, welche im Unterschied zu den normalen Wagen ET_165 versenkte Nieten haben. Abgesehen von dieser Auffälligkeit weisen die Wannseebahnwagen sonst kaum Unterschiede auf.
Im Zweiten_Weltkrieg wird der Bahnhof am 30. April 1944 durch einen Luftangriff beschädigt. Die Gleisanlagen am südwestlichen Ende des Bahnhofs wurden dabei komplett zerstört, so dass zwischen Zehlendorf und Lichterfelde West ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden musste. Der verbliebene Verkehr kommt schließlich Ende April 1945, wenige Tage vor der Kapitulation zum Erliegen.
Nachkriegszeit
Bereits am 6. Juni 1945 kann der Betrieb, wenn auch nur notdürftig betrieben, wieder aufgenommen werden. Rund eineinhalb Jahre später wird der Güterbahnhof von der amerikanischen Besatzungsmacht bezogen, die hier einen Militärbahnhof einrichtete. Von hier aus verkehrten dann die Züge der Soldaten über den Grenzkontrollpunkt Helmstedt-Marienborn nach Westdeutschland. Dieser Verkehr endet mit dem Abzug der US-Amerikaner 1993.
Durch den Umstand, dass die Deutsche_Reichsbahn weiterhin die gesamte S-Bahn betrieb, boykottierte die West-Berliner Bevölkerung das Verkehrsmittel zunehmend. Die schrumpfenden Fahrgastzahlen, als auch der Protest der West-Berliner Reichsbahner über ihre Arbeitsbedingungen führten im September 1980 schließlich zum Berliner_S-Bahnstreik und der Stilllegung der Strecke.1984 tritt die DR den Betrieb der S-Bahn an die BVG ab. Diese betreibt zunächst ein 21 km langes Rumpfnetz, nimmt aber nach und nach einige der 1980 stillgelegten Strecken in Betrieb, so auch 1985 die Wannseebahn. Die Strecke wurde gleich nach der Übernahme in Angriff genommen und umfangreich saniert. Dabei wurden zum Teil Jahrzehnte lang vernachlässigte Stellen ausgebessert, so das Empfangsgebäude, welches bei einem Brand 1965 beschädigt wurde. Der linke Seitenflügel konnte dennoch nicht mehr gerettet werden.
Sonstiges
Im Zentrum der Bahnhofshalle steht die Sitzskulptur "Flora von Lichterfelde" des in Berlin lebenden Bildhauers Wolf van Roy.Siehe auch
Villenkolonie Lichterfelde-West
Wannseebahn
Weblinks
• Bahnhof Lichterfelde West

