Badri Patarkazischwili
Arkadi (Badri) Patarkazischwili (georgisch ; 31. Oktober 1955 in Tiflis) ist ein georgisch-russischer Geschäftsmann. Der frühere russische Oligarch betätigt sich als Philanthrop und ist seit 2004 Präsident des Georgischen Olympischen Komitees und des Georgischen Unternehmerverbandes.
Leben
Er legte das Abitur an der Tiflisser 1. Oberschule ab, studierte an verschiedenen Universitäten.
Russischer Oligarch
Ab 1988 lebte er in Russland und arbeitete zunächst als Kfz-Mechaniker in einer Reparaturwerkstatt. Ab 1993 war er im Gebiet_Moskau gemeldet. 1994 wurde er Assistent des russischen Finanzmoguls Boris Abramowitsch Beresowski. Er saß im Vorstand des Handelsunternehmens LogoVAZ und des Ölkonzerns Sibneft, war Vorstandsvorsitzender des privaten Fernsehsenders TV-6. 1998 wurde er stellvertretender Generaldirektor des halbstaatlichen Fernsehsender ORT. Dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch war er beim Einstieg in den Aluminiumkonzern Rusal behilflich.
Georgischer Medienunternehmer
2000 verlegte Patarkazischwili seinen Wohnsitz nach Tiflis. 2002 gründete er dort die Imedi Media Holding, Eigentümerin der Radiostation Imedi (dt. Hoffnung), des privaten Fernsehsenders Imedi TV, einer Zeitschrift und einer Eventagentur. Der Sender erhielt eine günstige Frequenz und erreichte ab 2003 90% der georgischen Haushalte. Inzwischen hat er die zweitstärksten Quoten im Lande. Nahe dem Badeort Ureki an der Küste des Schwarzen_Meeres errichtete er zwischen 2003 und 2004 eine neue Stadt, die ebenfalls den Namen Imedi trägt.
Philanthrop
Patarkazischwili sponsert Georgiens Sport, Kultur und Staat. Er gründete die Badri-Patarkazischwili-Stiftung, die den georgischen Zirkus, internationale Kulturfestivals, Erdbebenopfer, die Renovierung von Kirchengebäuden und die Veröffentlichung wissenschaftlicher Werke finanziert. 2001 erwarb er den Fußballverein Dinamo Tiflis. 2002 unterstützte er die Tiflisser Stadtverwaltung bei der Abzahlung von Schulden bei russischen Energieunternehmen, 2003 stiftete er dem georgischen Innenministerium mehrere Geländewagen und 2005 bezahlte er die Reparatur der Tiflisser_Standseilbahn auf den Berg Mtazminda.
Der Geschäftsmann übt verschiedene Ehrenämter aus. Er ist Mitglied der International Academy of Television Arts & Sciences, die jährlich die Emmy Award Gala in New_York ausrichtet. Seit 2001 ist er Präsident des Fußballvereins Dinamo Tiflis, seit 2004 Präsident des Georgischen Olympischen Komitees. Im gleichen Jahr wurde er zum Präsidenten des Georgischen Unternehmerverbandes gewählt.
Politische Einflussnahmen
Politisch schien Patarkazischwili bis 2002 dem georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse verbunden, der sich öffentlich mehrfach lobend über den Geschäftsmann und seine Projekte geäußert hatte. Im April 2003 äußerte Patarkazischwili Sympathien für die Opposition: Er unterstütze die Ziele der Vereinten Demokraten Surab Schwanias und der Neuen Konservativen Partei Dawit Gamqrelidses. Tatsächlich soll er an viele politische Parteien Spenden zur Absicherung seiner Interessen gegeben haben.
Im Frühjahr 2003 vermittelte er ein Treffen zwischen Schwania und seinem früheren Geschäftspartner Boris Beresowski in London. Es war das erste in einer Reihe, in denen Schwania erfolgreich finanzielle Mittel für die Unterstützung demokratischer Institutionen in der Ukraine und die Kampagne des ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Wiktor Juschtschenko einwarb.
Im März 2006 brach Patarkazischwili mit den Organisatoren der Rosenrevolution in Georgien. Er warf der Regierung Saakaschwili vor, über die Steuerbehörde Druck auf die Medien auszuüben. Zugleich enthüllte er die Existenz unkontrollierter Reptilienfonds der georgischen Regierung. Geschäftsleute seien seit 2003 genötigt worden, Beiträge in Form von Geld, Aktien und Sachspenden zu leisten.
Kriminelle Autorität
Nach Auffassung des Schweizer Bundesamts für Polizeiwesen ist Patarkazischwili eine "kriminelle Autorität", soll eine Brücke zwischen kriminellen und legalen Strukturen darstellen. Nach Recherchen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB hatte er enge Verbindungen mit dem führenden georgisch-russischen Kriminellen Otar Kwantrischwili. Kwantarischwili half ihm 1993 in Moskau Fuß zu fassen.
Seit Juni 2001 sucht ihn der russische Generalstaatsanwalt per Haftbefehl, weil er einem früheren Aeroflot-Manager zur Flucht aus dem Gefängnis verholfen haben soll. 2002 wurde er in Russland angeklagt, in den Jahren 1994 und 1995 gemeinsam mit Beresowski und der gemeinsamen Firma LogoVAZ 2.033 Autos im Wert von 13 Millionen US-Dollar unterschlagen zu haben, die dem Automobilkonzern AutoVAZ (Lada) gehörten.
Patarkazischwili ist mit I.V. Gudawadse verheiratet und hat zwei Töchter, Liane (* 1980) und Inna (* 1983).
Literatur
*Paul Klebnikow: Der Pate des Kreml: Boris Beresowski und die Macht der Oligarchen. Econ, München 2001, ISBN 3430154758
Weblinks
• Porträt Badri Patarkazischwilis, 2003
• Akte des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zu Badri Patarkazischwili, 1996 (en)
(georgisch)
|KURZBESCHREIBUNG=georgisch-russischer Geschäftsmann
|GEBURTSDATUM=Georgien
|STERBEDATUM=
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