Pietro Badoglio
Pietro Badoglio (29. Juli 1871 in Grazzano Monferrato, heute Grazzano Badoglio, Piemont; ? 1. November 1956 ebendort) war ein italienischer Marschall und Politiker. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Italiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Leben
Badoglio wurde nach seiner Ausbildung an der Militärakademie in Turin Artillerieoffizier und nahm u. a. an Feldzügen in Italienisch-Ostafrika und Libyen teil. Im Ersten Weltkrieg beförderte man ihn nach der Eroberung des Monte Sabotino 1916 zum Generalmajor und zum Marchese del Sabotino. An der italienischen Niederlage in der Zwölften Isonzoschlacht trug er als kommandierender General des für den Abschnitt von Karfreit zuständigen Korps die Hauptverantortung. Nach dem italienischen Rückzug vom Isonzo zum Piave war er jedoch als neuer stellvertretender Generalstabschef federführend an der Reorganisation der italienischen_Armee beteiligt. Er beriet den neuen Generalstabschef Armando Diaz in den Piaveschlachten und in der Schlacht von Vittorio Veneto. Er führte Anfang November 1918 die Waffenstillstandverhandlungen mit Österreich-Ungarn und schloss am 3. November mit dem Vertreter Österreich-Ungarns, General Viktor Weber Edler von Webenau, den Waffenstillstand von Villa Giusti.
Im Jahr 1919 zum Senator ernannt, wandte er sich zunächst gegen Benito Mussolini und seine faschistische Bewegung, weswegen er nach dessen Machtübernahme auf den Botschafterposten in Brasilien abgeschoben wurde. Nachdem er seine Meinung geändert hatte, durfte er schon 1924 wieder nach Italien zurückkehren, wo er das neue Amt des Generalstabschefs der Streitkräfte übernahm und 1926 zum Marschall von Italien befördert wurde. Von 1929 bis 1933 leitete er als Generalgouverneur die italienische Kolonialmacht in Libyen. 1935 löste er im Italienisch-Äthiopischen_Krieg den zögerlichen Emilio De Bono ab und brachte den dortigen Kolonialkrieg zusammen mit Rodolfo Graziani 1936 (unter anderem mit dem Einsatz von Giftgas) zu einem erfolgreichen Ende. Dafür ernannte Mussolini Badoglio zum Herzog von Addis Abeba. Das Amt des Vizekönigs überließ er kurz danach Graziani.
1940 war Badoglio wie Graziani, Italo Balbo und Carlo Favagrossa ein entschiedener Gegner eines italienischen Kriegseintritts an der Seite Hitler-Deutschlands, er trat jedoch erst im Verlauf des desaströsen italienischen Feldzugs gegen Griechenland vom Posten des Generalstabschefs der Streitkräfte zurück. Sein Nachfolger wurde Ugo Cavallero. 1943 betrieb Badoglio die Lösung Italiens aus dem Bündnis mit Deutschland. Nach der Absetzung Mussolinis ernannte ihn König Viktor Emanuel III. im Juli 1943 zum ersten italienischen Ministerpräsidenten der postfaschistischen Zeit. Seine Regierung handelte einen Waffenstillstand mit den Alliierten aus, der im September 1943 zum italienischen Frontwechsel führte, bei dem zahlreiche italienische Verbände im Ausland sich selbst überlassen wurden und mit oft tragischen Konsequenzen zwischen die Fronten gerieten, während der König, Badoglio, die Regierung und der Generalstab von Rom über Pescara nach Brindisi flohen, ohne sich weiter um die Geschehnisse an der Front zu kümmern.
Am 9. Juni 1944 löste Ivanoe Bonomi Badoglio an der Spitze der Regierung ab. 1945 schloss der italienische Senat Badoglio wegen seiner Zusammenarbeit mit den Faschisten aus, zwei Jahre danach rehabilitierte man ihn jedoch wieder. Pietro Badoglio zog sich danach schrittweise an seinen Geburtsort im Piemont und ins Privatleben zurück.
Siehe auch
Italienische Kriegsverbrechen in Afrika
Weblinks
*

