Badeschwamm
Als Badeschwamm wird seit Alters her das Sponginskelett von Vertretern der Hornkieselschwämme verwendet. Das ist ein maschiges Gerüst von hornigen Fäden, die am lebenden Tier von dessen eigentlichem Weichkörper allseitig umgeben sind. Frisch aus dem Wasser genommen, hat ein Badeschwamm ebenso große Ähnlichkeit mit dem Badeschwamm des Handels wie etwa ein lebender Mensch mit seinem Skelett. Durch Kneten, Auswaschen und Liegenlassen an feuchter Luft wird das Spongingerüst des Badeschwammes, welches in chemischer Hinsicht der Substanz des Seidenfadens nahesteht, von den zelligen Elementen befreit. Früher wurden praktisch nur der Gewöhnliche_Badeschwamm (Spongia officinalis) und der Pferdeschwamm (Hippospongia equina) des Mittelmeeres verwendet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind die karibischen Arten Spongia barbara (engl. yellow sponge) , Spongia graminea (grass sponge und ?glove sponge?) und Hippospongia lachne (sheepswool sponge) [http://www4.law.cornell.edu/uscode/html/uscode16/usc_sec_16_00001802----000-.html § 1802] von Titel 16 (Natuschutz) des U.S. Code. Der dort aufgeführte Glove Sponge (Spongia cheiris) gilt laut World Porifera Database als Synonym von S. graminea. sowie Hippospongia gossypina (velvet sponge) und die reef sponges Spongia pertusa und Spongia tubuliferaFAO Fisheries department: [http://www.fao.org/docrep/field/003/AC286E/AC286E01.htm Sponges: World Production and Markets] dazugekommen.
Gewinnung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat man die künstliche Vermehrung des Badeschwammes versucht. Diese besteht darin, aus einem lebenden Badeschwamm durch Zerschneiden, Anpflöcken der Teilstücke und Versenken derselben an geeigneten Stellen des Meers ebenso viele ganze Badeschwämme zu erzielen, als man Teilstücke geschnitten hat. Indessen haben diese von O. Schmidt in den dalmatischen und quarnerischen Gewässern angestellten Versuche aufgegeben werden müssen, weil alle Holzanlagen vom Pfahlwurm_(Teredo) zerstört wurden, und weil die dalmatischen Küstenbewohner die Anlagen zerstörten und beraubten.
Die Fortpflanzung des Badeschwammes durch freie, aus Eiern sich entwickelnde Larven ist eine sehr reichliche; dennoch wurde der Ertrag der Schwammfischerei beständig geringer, weil man schon in den ersten Frühlingswochen mit der Ausbeutung begann und Millionen noch im Schwamm enthaltener Larven zerstört. Im Jahre 1870 wurde in England für 113.000 Pfund Sterling Badeschwamm von den Mittelmeerstaaten eingeführt. Meyers Konversations-Lexikon (1888?1890) beschreibt die damalige Praxis so: ?Im Griechischen Meer und an der syrischen Küste gewinnt man den Badeschwamm von Mai bis Ende September durch Taucher von einer Barke aus. Sie gehen 18 m tief und halten 90 Sekunden - 3 Minuten aus. An der dalmatischen und istrischen Küste fischen die Bewohner der Insel Krapano die Schwämme mit vierzinkigen Gabeln. Der Sand, welcher sich fast stets in den Schwämmen findet, wird ihnen erst in den Magazinen der Großhändler einverleibt, um ihr Gewicht zu erhöhen.?
Qualitäten
thumb|240px|Schwämme_am_Kai,_Foto_aus_
Der feinste Badeschwamm kommt von der syrischen und kleinasiatischen Küste und von mehreren Inseln des Archipels; auch die Ostküste des Adriatischen_Meers bis Triest, die afrikanische Küste von Tunis bis Marokko und das Rote_Meer liefern Schwämme. Für die östlichen Bezirke ist Smyrna, für die westlichen Tripolis der Hauptmarkt. In Triest, Livorno, Genua, Venedig, Marseille sondert man die Ware dann noch genauer nach Form, Größe und Feinheit; am höchsten sind die regelmäßig runden, napf- oder pilzhutförmigen geschätzt; die zartesten levantischen Schwämme werden fast ausschließlich für Paris angekauft.
Die groben Pferdeschwämme stammen meist von Zypern und der afrikanischen Küste.
Die Bahamaschwämme aus Westindien, seit 1841 bekannt, sind dunkelfarbig, locker und von gröberm Gefüge.
Bastardschwämme heißen die harten, in Wasser wenig aufquellenden Stücke.
Die feineren Schwämme lassen sich durch geeignete Behandlung sehr veredeln, allerdings nur auf Kosten ihrer Haltbarkeit. Man behandelt sie mit heißer Sodalösung, wäscht sie sorgfältig aus und legt sie in verdünnte Salzsäure zum Auflösen des Kalks; gebleicht werden sie in einer Lösung von unterschwefligsaurem Natron mit Salzsäure; sie werden dadurch zugleich sehr zart, müssen aber sorgfältig ausgewaschen werden, weil der fein verteilte Schwefel, welcher sich bei der Zersetzung des unterschwefligsauren Natrons ausscheidet, bei der Benutzung den Augen schädlich werden könnte.
Verwendung
In der Chirurgie benutzte man früher viel die zusammengepressten Schwämme (Spongiae compressae), um Wunden zu erweitern und Eiter zu entziehen. Man presst feine, gereinigte feuchte Schwammstücke durch scharfes Umwickeln mit Bindfaden zusammen oder schiebt sie feucht in Glasröhrchen hinein und lässt sie hier trocknen.
Den Wachsschwamm (Spongia cerata) bereitet man, indem man gereinigte und trockene Schwammstücke in geschmolzenes Wachs taucht und zwischen etwas befeuchteten Brettchen schwach presst. Auch gebrannter Schwamm (Schwammkohle, Spongiae ustae, Carbo Spongiae) fand früher medizinische Verwendung gegen den Kropf; der wirksame Bestandteil desselben ist höchst wahrscheinlich Jod, welches jetzt mit größerer Sicherheit in anderen Formen benutzt wird.
Man benutzt den Badeschwamm auch zum Filtrieren von Wasser, in den sogenannten Schwammlampen und zum Polstern. Er wird mittels rotierender Messer möglichst fein zerschnitten, gewaschen, getrocknet und dann in verdünntem Glycerin aufgeweicht. Nach dem Verdunsten des Wassers bleibt etwas Glycerin in den Fasern zurück und hält sie elastisch.
Schwammtaucherei heute
thumb|200px|Schwammtaucherschiff_in_Florida
Obwohl heute der größte Teil der verwendeten Schwämme künstlich hergestellt wird, besteht nach wie vor Nachfrage nach Naturschwämmen, welche von Tauchern im Mittelmeer und der Karibik geerntet werden. So liefert etwa die griechische Insel Kalymnos noch rund 50 Tonnen Naturschwämme pro Jahr.
Literatur
* Georg von Eckhel: Der Badeschwamm in Rücksicht auf die Art seiner Gewinnung, die geographische Verbreitung und locale Verbreitung, Österreichischer Lloyd, Triest 1873
* Peter L. Simmonds: The commercial products of the sea or marine contributions to food industry and art, Griffith & Faran, London 1879

